Die Kunstphilosophie
beim frühen und mittleren Schelling
von: Martin Endres
INHALTSVERZEICHNIS 2
1 Einleitung 4
2 Schellings Weg zum Objektiven Idealismus 6
2.1 Die progressive Philosophie Schellings in ihren Grundzügen 6
2.1.1 Schellings Frühphilosophie (1794{1797) 6
2.1.2 Die Naturphilosophie (1797{1800) 9
2.2 Die Systemkonzeption Schellings im System des transzendentalen Idealismus 11
3 Die Kunst (in) der Philosophie Schellings 18
3.1 Die Kunst im System des transzendentalen Idealismus 18
3.1.1 Die transzendentalphilosophische Bedeutung der Kunst 8
3.1.2 Das Kunstwerk 19
3.2 Die Philosophie der Kunst 23
3.2.1 Die Identitätsphilosophie 24
3.2.2 Die Dimension der Kunst 27
3.2.3 Die Repräsentationen des Absoluten 29
3.2.4 Die Sprache als das höchste Kunstwerk 30
3.3 Die Genieästhetik 34
Literatur 40
1 Einleitung
Die Philosophie im geistesgeschichtlichen Rahmen des deutschen Idealismus steht in der Tradition einer metaphysischen Ästhetik{Theorie, die es versteht, die Kunst in den Rang der Philosophie zu erheben und ihr in der ihr zugesprochenen Funktion des Abbildens bzw. Enthüllens von höchster Wahrheit eine besondere Würdigung zukommen zu lassen. Dabei ist es vornehmlich die Philosophie Schellings, die sie als unverzichtbares Gegenbild\(V 348) der Philosophie etabliert und ihr nicht nur eine Hinführung an transzendente Erkenntnisse zuschreibt, wie dies in der platonischen und besonders der neuplatonischen Philosophie seinen Platz findet, sondern sie als gleichwertig, eigenständig und losgelöst von der Philosophie betrachtet. Die wechselnde Priorität von Kunst bzw. Philosophie, die Schelling vor der jeweils anderen postuliert, beschreibt durchaus auch die verschiedenen Stadien der Schellingschen Philosophie in ihrer Progression. So wendet er sich erstmals im (?) Altesten Systemprogramm des deutschen Idealismus (1796/97) diesem Thema zu, das jedoch vor allem im System des transzendentalen Idealismus (1800) seine Konkretion und Extension erfährt. Die hier bereits in ihren Grundzügen ausgeführte Theorie der Kunst als die Einheit der Gegensätze von idealer und realer Welt, von Subjekt und Objekt in der Reexion des Kunstwerks, bildet gleichsam die Basis für seine Philosophie der Kunst, die Schelling 1802/03 in Jena und schließlich 1804/05 in Würzburg in Vorlesungen vorstellt und vollendet.
Gegenstand meiner Arbeit soll nun zunächst eine kurze einführende Betrachtung der Grundzüge der Schellingschen Philosophie in ihrer Entstehung und Entwicklung sein, wobei ich mich anschließend vornehmlich auf das System des transzendentalen Idealismus beziehe, da dieses als geschlossen zu betrachtendes systematisches Werk besonders in der Hinführung zur Ästhetik-Theorie Schellings unabdingbar ist. Den zweiten Teil der Arbeit bildet schließlich die intensive Auseinandersetzung mit der Schellingschen Kunstphilosophie, ihrer Definition, ihrer Dimension und ihrer Einbindung in das Gesamtsystem seiner Philosophie. Letztlich soll hierbei der Begriff des Genies betrachtet und in seinen Einzelheiten vor dem Hintergrund der Tranzendental{ und Kunstphilosophie betrachtet werden.
2 SCHELLINGS WEG ZUM OBJEKTIVEN IDEALISMUS\ 6
2.1 Die progressive Philosophie Schellings in ihren Grundzügen
2.1.1 Schellings Frühphilosophie (1794{1797)
Das Frühwerk Schellings, das mit seiner im Alter von 19 Jahren verfassten Schrift über die Möglichkeit einer Form der Philosophie (1794) seinen Anfang nimmt, verweist zwar zum einen auf den deutlichen Einfluss der Philosophie Fichtes, den Schelling auch in einem Begleitschreiben einer an Fichte gesendeten Ausgabe seiner Schrift in Form von unbedingtesten Hochachtung\1 bekundet, zum anderen schon zu dieser Zeit eine durchaus kritische Auseinandersetzung mit dessen Philosophie erkennen lässt. Denn bereits in dieser frühen Phase verrtrat sich der Denkansatz Schellings, der ihn von Fichte und Kant unterscheidet und ihn im Gegensatz zu diesen Grundvätern des deutschen Idealismus nicht vom Ich als dem eigentlichen und unhintergehbaren Prinzip aller Philosophie ausgehen lässt, sondern auf den Einfluss Spinozas verweist, in dem Schelling den geistigen Vater seiner in den darauolgenden Jahren entwickelten Philosophie erkennt: das Individuum dürfe nur in der Eingebundenheit in die Ganzheit der Welt verstanden werden. Das Unbedingte, von dem Schelling auszugehen trachtet, unterscheidet sich jedoch von der Ansicht Spinozas, da er nicht wie dieser von einem Objekt ausgeht, sondern von einem absoluten Ich als unbedingt Bedingendes2, was ihn somit wieder in die Nähe Fichtes rückt und hierin auch gründen lässt, ihn jedoch nicht in eine bloße Adaption zurückwirft, sondern vereinigend sowohl über Spinoza, als auch Fichte hinausgehen lässt. So schließt Schelling 1795 mit seiner Schrift Vom Ich als Prinzip der Philosophie oder über das Unbedingte im menschlichen Wissen thematisch an diese Grundüberlegung an und konkretisiert diese dahingehend, dass das absolute Ich nicht mehr wie bei Fichte reexiv durch das Bewusstsein erschließbar sei, sondern dass im Ich Denken und Sein als Grundprinzip in eins zusammenfallen:
[...]
1Schelling, Brief vom 26. Sept. 1794
2vgl.Schelling, Brief vom 4. Febr. 1794:
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Martin Endres, 2004, Die Kunstphilosophie beim frühen und mittleren Schelling, Munich, GRIN Publishing GmbH
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