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dritten Jahrsiebts beschäftigen sollen. Wie sind diese Ereignisse dem jungen Menschen zu öffnen, wie findet ein Lehrer am ehesten Zugang und Verbindung zu der inneren und äußeren Situation der Schüler? 5 Selbstverständlich gibt es mehrere Wege, diesen Reichtum an Fakten, Strukturen, menschlichem Erleben, an geistigen Grundlagen, an symptomatischen wie dramatischen Menschheitsgeschehen an den jungen Menschen heranzubringen. Der Variationen sind viele; wir sollten dies als Geschichtslehrer deutlich im Bewußtsein haben, wobei wir unsere Auswahl sicher nach menschenkundlichen Aspekten und mit Blick auf die jeweilige Klassen und ihre individuelle Biographie treffen werden. Im Folgenden wird eine Unterrichtseinheit dargestellt, in der der Autor mit Blick auf die besondere menschenkundlichen Situation dieser Altersgruppe versuchte, in der konzentrierten Form eines Querschnitts, den Schülern einerseits die notwendige Anleitung zum historischen Arbeiten wie auch die gewünschte Freiheit im Gestalten zu vermitteln. In der Form eines Projektes sollten Schüler der 9. Klasse sich selbständig mit dem Zeitabschnitt III. Reichs beschäftigen:
Das Beispiel einer projektorientierten Epochenunterrrichts (III. Reich)
Zum geschichtlichen Hintergrund: Die Republik von Weimar war der erste, zunächst erfolgreiche Versuch, in Deutschland freiheitliche und demokratische Strukturen auf der Basis der Ideen von 1848 zu etablieren. Diese erste deutsche Demokratie hatte gewiß ihre Schwächen, war aber stark genug, die Krisen der Anfangsjahre 1918 bis 1923 (einschließlich Hitlerputsch) zu meistern und eine gewisse Blüte entstehen zu lassen ( die sogenannten "Goldenen Zwanziger"). Allein das "Glück" stand einzig auf dem papierenen Fundament amerikanischer Kredite, die Weltwirtschaftskrise von 1929 ff. stürzte die Republik in eine tiefes Chaos. Wider Erwarten schien eine Konsolidierung der Finanzen und ein Abbau der Arbeitslosenzahlen im Endjahr 1932 noch möglich. Doch vor dem Ziel einer Gesundung ließ der Reichspräsident seine Kanzler fallen und scheitern. Ohne
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Blick für die Realitäten, senil und vergreist, öffnete der ehemalige kaiserliche Generalfeldmarschall und Kriegsdiktator Hindenburg einem gewissen Gefreiten Adolf Hitler den Weg zur Macht. Dieser, der Totengräber der Demokratie, sprach alsbald vom nationalen Verrat der "Novemberverbrecher", die "vierzehn Jahre lang das deutsche Volk geknechtet" hätten - Freiheit oder Knechtschaft? Das III. Reich kannte als Antwort nur Unterdrückung und Gewalt - Deutschland ging seinem Untergang entgegen.
Eine Unterrichtsgestaltung dieser Phase deutscher Geschichte kann sehr verschieden verlaufen. Aussagen zur Darstellung des III. Reichs gibt es naturgemäß von Rudolf Steiner nicht, folgen wir einer anderen Aussage von ihm, die sich auf das Erleben von Geschichte und deren Verbindung zum Heute, zur Gegenwart bezieht:
" Wir müssen uns darüber klar sein, daß das Wesentliche zunächst das ist, was wir Menschen, die wir in der unmittelbaren Gegenwart stehen, als 'Geschichte' eigentlich noch erleben (...) ...wir müssen beim Geschichts-Unterricht von dem ausgehen, was wir von einer bestimmten geschichtlichen Epoche noch in der Gegenwart darinnen haben." 6
Eine zentrale Aufgabe des Unterrichts wird daher sein, die emotionale Ebene der Schüler zu erreichen 7 , ihnen das ganze Ausmaß des NS-Verbrechertums in seiner Abscheu affektiv bewußt werden zu lassen, Stellungnahme hervorzurufen und Bewußtsein zu wecken. Zum anderen ist auch die Fähigkeit zu schulen, kognitiv die propagandistische Seite dieser Ideologie zu erkennen und zu durchschauen, sich damit gegen totalitäre Wiederholungen jedweder Art zu wappnen. Einen im Sinne Steiners für Schüler dieser Altersgruppe höchst ansprechenden, weil aktiven Zugang bietet der doppelt Kursus:
Auf der ersten Ebene wird vom Lehrer der historische Ablauf der Zeit dargestellt, sachlich über Ereignisse und Geschehen informiert und aufgeklärt, wobei immer wieder der Kontrast zwischen Anspruch und Wirklichkeit aufzuzeigen wäre. Die gesellschaftliche Einstellungen und Werte der Zeit sind zu betrachten, der Sinn
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für ihre uns heutiger Menschen teils fremdartig anmutenden Inhalte zu wecken. All diese Geschehnisse haben ihre Wurzeln, ihre Ursachen und Hintergründe, ein Rekurs auf das Kaiserreich und vor allem Weimar in Form einer kurzen, einleitenden Wiederholung darf nicht fehlen. Gehen wir gemeinsam noch einmal in die Endphase der Republik, und hören wir uns Ausschnitte aus
Reichstagssitzungen, Radiosendungen und Wahlveranstaltungen an. Lassen wir diesen Hitler reden, scheuen wir uns nicht davor, jenen eigenartigen Menschen anzuhören und über den akustischen Eindruck zu erleben. Ein Vergleich zwischen gesprochenem, eher gebrülltem und geschrienem Wort und geschriebenem Text führt für die jungen Zuhörer und Leser zum ersten Erkennen:
"Diese Jugend, die lernt ja nicht anderes als deutsch denken, deutsch handeln, und wenn und diese Knaben, diese Mädchen mit ihren 10 Jahren in unsere Organisationen hineinkommen (...), dann kommen sie vier Jahre später ... in die Hitlerjugend, und dort behalten wir sie wieder vier Jahre (...) dann nehmen wir sie sofort in die Partei oder in die Arbeitsfront, in die SA oder in die SS, in das NSKK und so weiter (...) und sie werden nicht mehr frei ihr ganzes Leben, und sie sind glücklich dabei" 8
Hitler gibt sein "Erziehungsprogramm" wieder! Die Schüler rechnen von selbst nach, über zwölf Jahre sollten junge Menschen unter der "Erziehung", dem Schliff, dem Druck der braunen Ideologie verbleiben. Der "Liveeindruck" verdeutlicht, wie bei der Redepassage "nicht mehr frei ihr ganzes Leben" seitens der Zuhörer spontaner Beifall aufbrauste. Was ging in den Köpfen und Herzen der Zuhörer/Zuschauer, dieser Menschen dort in Reichenberg (Böhmen) vor? War "Unfreiheit" ihr Ideal? Oder wußten sie gar nicht, was Freiheit eigentlich ist - wissen es unsere Schüler? Was bedeutete diese Art von "Erziehung" für diejenigen, die ihr unterworfen waren? Waren sie "glücklich dabei", wie es der Redner behauptete? Betrachten wir einmal kontrastiv die jungen Menschen vor uns. Bunt und vielfältig gekleidet, mit höchst individuellen Frisuren und Verhalten, da und dort gruppenkonform, aber auch mit ganz unterschiedlich ausgeprägten Vorlieben, Wünschen und Eigenwilligkeiten. Junge Menschen mit eigenen, sich in
Arbeit zitieren:
Heiger Ostertag, Dr., 1996, Möglichkeiten des Geschichtsunterricht in Klasse 9 - Zugänge, Wege, Fragen und Formen, München, GRIN Verlag GmbH
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