1 Einleitung
Nahezu alle Märkte zeichnen sich durch eine hohe Dynamik, Globalisierung, komplexe Produkte (bei kürzer werdenden Lebenszyklen) und hohen Qualitätsanforderungen aus. Noch vor 2 Jahrzehnten war es für Unternehmen möglich, sich gegenüber den Konkurrenten einen Vorteil durch hohe Investitionen im herkömmlichen Sinn wie Forschung und Entwicklung, Automatisierung oder Modernisierung zu verschaffen. Doch die Zeiten der Dampfmaschinen und Lochkarten sind vorbei, stattdessen dominieren Computer und Internet gleichermaßen Fabrikhallen und Verwaltungstrakte.
Am Beginn des 21. Jahrhunderts befinden sich alle Industrienationen inmitten eines gewaltigen Strukturwandels. Dieser Wandel macht natürlich nicht vor den Mitarbeitern eines Unternehmens halt. Auf ihrem Rücken wird der Verdrängungswettbewerb im Wettlauf mit der Zeit ausgetragen. Sie sind es, die mit den stetig wachsenden Anforderungen des ökonomischen Umfelds und vor allem der rasenden technologischen Entwicklung konfrontiert werden.
Der Erfolg eines Unternehmens wird in erster Linie an seinem Shareholder Value gemessen. Nimmt man diese zentrale Herausforderung des 21. Jahrhunderts an, müssen verschiedene Arten von Potenzialen erschlossen und ausgeschöpft werden. Beispielhaft sei hier auf die Bereiche Kosten, Qualität, Zeit, Informatik, Vertrieb und Human Resources verwiesen.
Um für all diese Anforderungen gerüstet zu sein, ist vor allem eines unabdingbar:
INFORMATIONEN!
Damit ist nicht die sicherlich vielerorts vorhandene Datenflut gemeint, welche wesentliche Inhalte gar nicht, oder erst nach mühsamer und zeitraubender Analyse preisgibt. Für die täglichen Entscheidungsprozesse benötigen Management und
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Mitarbeiter einen einfachen und schnellen Zugriff auf die für diesen Moment wirklich relevanten Informationen. Angesichts der stetig fallenden „Wissenshalbwertszeit“ ist ein effizientes Wissensmanagement ein Schlüssel zum Erfolg und daher eine der großen Herausforderungen an eine Organisation.
Vor diesem Hintergrund erscheint das „Business to Employee“ (B2E) als möglicher Lösungsansatz für eine gezielte Wissenstransformation entweder vom Unternehmen oder von externen Organisationen an die Mitarbeiter. Doch gerade in Zeiten von Videokonferenzen, E-Mail, allgemeiner Mobilität und Flexibilität von Mitarbeitern sollte dieser Ansatz zeitlich und räumlich unabhängig umgesetzt werden können. Die nachfolgenden Ausführungen konzentrieren sich auf zwei wesentliche Ausgestaltungen des B2E: dem „E-Learning“ und dem „E-Recruiting“.
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2 E-Learning
Allem Anschein nach hat das gute alte Klassenzimmer ausgedient und Erich Kästners Vision vom “Fliegenden Klassenzimmer” wird unter dem Aspekt des E-Learning - in einer modifizierten Version - Realität.
Unter Schlagwörtern wie Web-based-training (WBT) und Computer-based-training (CBT) boomt eine Industrie, die nicht nur neue Techniken für alte Methoden und Inhalte entwickelt. Die neuen Möglichkeiten der Datenverarbeitung verändern nicht nur die Methodik der Wissenstransformation, auch an den „Schüler“ werden neue Anforderungen gestellt.
2.1 Was ist E-Learning?
Dieser Begriff ist die Kombination aus selbstgesteuertem Lernen vor dem Computer, verbunden mit den elektronischen Übertragungsmöglichkeiten des Inter-/Intranets sowie der Telekommunikation. Die verschiedenen Formen der medienbasierten Aus-und Weiterbildung werden maßgeblich durch die verwendeten Lerntechnologien bestimmt. Multimediale Telematikdienste, häufig mit E-Learning, Telelearning, Teleteaching, Teletutoring, Distance-Learning, Virtual Classroom oder Learning on Demand bezeichnet, können als Chance betrachtet werden, die Bildungs- und Qualifizierungsprobleme sowohl im privaten, wie auch innerhalb von Wirtschaftsorganisationen zu lösen. Die Bundesbildungsministerin Buhlmann stellt hierzu fest: „Netzbasiertes Lernen ist zentrales Thema der Zukunft“ 1 .
Die Einsatzmöglichkeiten des E-Learning sind vielfältig und vom Adressatenkreis nicht begrenzt. Angefangen bei Schülern und Studenten, über Arbeitnehmer, Management und Selbstständige, bis hin zu Hausfrauen oder Arbeitslose können die verschiedensten Themengebiete virtuell vermittelt oder vertieft werden. Zentraler Aspekt ist die kompakte und gezielte Vermittlung von Wissen bzw. Informationen.
1 Buhlmann, E.: Masterplan Internet 2005 unterstützt netzbasiertes Lernen, in: Information
Management & Consulting 14 (1999), S. 98
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Nachfolgende Abbildung zeigt die verschiedenen Arten und Möglichkeiten des E-Learning: 2
2.2 Praktischer Nutzen für Wirtschaftsorganisationen
E-Learning ist die Ausnutzung moderner Netztechnologie für Design, Auswahl, Durchführung, Support und Administration von Lernprozessen. Der Aufbau dieses neuen, elektronisch gesteuerten Lernansatzes bietet gleichermaßen Großkonzernen wie auch mittelständischen Unternehmen Kostenvorteile durch Beschleunigung der
2 Prof. Dr. W. Jäger, E-Learning, veröffentlicht in Personal, Heft 7/2001, S. 375
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Prozesse und der Kopplung von Lern- und Arbeitswelt. Der Mitarbeiter muss sich das Wissen nicht mehr selbst organisieren, es wird ihm „geliefert“.
Bei aller Verschiedenheit der Begrifflichkeiten oder der Systeme und Anwendungen bleibt ein gemeinsamer Nenner festzuhalten: Innerhalb des eigenen Unternehmens (intranetbasiert) oder in der Außenwirkung (internetbasiert) wird der Ablauf von Geschäftsprozessen beschleunigt und beachtliche Potenziale zur Effizienzsteigerung geschaffen. Mit dieser netzwerkbasierten Technologie soll über die beschleunigte Kommunikation, Flexibilität und Agilität eine Innovationskraft entstehen, die letztlich neue Werte schafft. 3 Letztlich gilt es die Ertragslage zu verbessern und die Marktstellung innerhalb eines dynamischen Umfelds zu festigen.
2.3 Kosten und Nutzen im Vergleich („Make or buy“)
Auch wenn in der jüngsten Vergangenheit zahlreiche (zu positive) Prognosen der E-Welt nach unten revidiert wurden, dürfte das E-Learning den Aus- und Weiterbildungsmarkt nachhaltig verändern. Nach Prognosen des (internationalen) Marktforschungsinstitut IDC erreicht das Marktvolumen in den USA im Jahr 2003 rund 11,4 Mrd. US-Dollar. Für Europa wird bis 2004 von einer jährlichen Verdoppelung des Marktes für E-Learning ausgegangen und ein Marktvolumen von rund 4 Mrd. US-Dollar prognostiziert. 4
Die Einsparpotenziale für Unternehmungen sind dabei vor allem bei den indirekten Kosten von Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen vorhanden. Ausgangspunkt hierfür sind folgende Zahlen des Instituts der deutschen Wirtschaft:
• Rund 90 % der deutschen Unternehmen nutzen externe Seminaranbieter zur Weiterbildung der Mitarbeiter.
• Dabei werden rund 34 Mrd. DM pro Jahr (1999/2000) investiert. Umgerechnet entspricht dies einem Anteil von ca. 2.200 DM pro Mitarbeiter/Jahr.
3 Personalwirtschaft 1/2001, S. 28
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• Nur 47 % dieser Kosten werden für das eigentliche Seminar oder die jeweilige Aus- und Weiterbildungsmaßnahme fällig, während die restlichen 53 % demnach auf die Lohnfortzahlung, Anfahrts-, Übernachtungs- oder Verpflegungskosten entfallen.
Dieser überwiegende Anteil der indirekten Kosten führt zu Lösungsansätzen durch E-Learning. Gerade durch die örtliche Ungebundenheit dieser Lernsysteme muss nicht auf externe (und damit kostenintensive) Lokalitäten ausgewichen werden. Vielmehr können einzelne Sequenzen oder das ganze Lehrprogramm „on-the-job“ am eigentlichen Arbeitsplatz, „near-the-job“ in firmeneigenen Lernzentren oder „off-thejob“ im privaten Bereich absolviert werden. Je nach Unternehmensgröße, Schulungsbedarfen, E-Learning-Potenzial (nach Schätzungen haben 30 - 70 % der bisherigen Weiterbildungsangebote zumindest in Teilen ein E-Learning-Potenzial) und Standorten sind Einsparungen in Millionenhöhe realistisch. 5
Dass diese Zahlen nicht aus der Luft gegriffen sind, zeigt das Beispiel des weltweit führenden E-Business-Unternehmen Cisco Systems, welches die Möglichkeiten des E-Learning früh erkannte und damit große Erfolge feiert. Auf Grundlage der weltgrößten Unternehmenshomepage, die mehr als 10 Mio. Webseiten groß ist und von 400 Content-Managern gepflegt wird, setzt der Global Player Cisco Maßstäbe im E-Learning. Nach eigenen Berechnungen wurden durch eine einwöchige Online-Vertriebsschulung von 10.000 Mitarbeitern (incl. einer Zeitersparnis von 80 %) rund 24 Mio. US-Dollar eingespart. 6
Den genannten Einsparpotenzialen durch E-Learning stehen natürlich Kostenblöcke gegenüber, die bei der Entscheidung zur Implementierung solcher Systeme nicht übersehen werden dürfen. Diese (je nach bestehender Infrastruktur) entstehenden Investitionsblöcke lassen sich grob in folgende zwei Hauptbereiche untergliedern:
4 vgl. Schwuchow, KH.; Wissensmanagement und E-Learning, in: Schwuchow, KH. /Gutermann, J.
(Hrsg.). Jahrbuch Personalentwicklung und Weiterbildung, 2001, S. 43 - 48
5 vgl. hierzu Prof. Dr. W. Jäger, E-Learning, veröffentlicht in: Personal, Heft 7/2001, S. 374 f.
6 vgl. Schwuchow, KH., S. 46 f.
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• in die technische Lerninfrastruktur (Hard- und Software).
Hinsichtlich der vorhandenen Infrastruktur ist die Ausgangslage unterschiedlich. Während Dienstleistungsunternehmen (wie z.B. Finanzdienstleister) über eine weitgehend ausgebaute und multimediafähige Infrastruktur verfügen, ist die Vernetzung gewerblicher Mitarbeiter in der Industrie noch deutlich ausbaubedürftig. Als weiteren Aspekt für „make or buy“-Entscheidungen gilt es die Menge der E-Learning-fähigen Inhalte (Contents) herauszufiltern und den potenziellen Adressatenkreis der Mitarbeiter zu definieren. Dies sind die wesentlichen Entscheidungsparameter für entweder das „einmieten“ auf E-Learning-Plattformen mittels ASP (Application Service Providing), den Kauf auf E-Learning-Marktplätzen oder die Entwicklung eigener Lösungen.
Für betriebliche Vergleichsrechnungen - welche an dieser Stelle den Umfang dieser Arbeit sprengen würden - können nach Expertenschätzungen und Marktanalysen folgende Parameter als gegeben hingenommen werden 7 :
• Durch ein pädagogisch und didaktisch professionell gestaltetes Online-Training verkürzt sich die Lernzeit im Mittel um 30 - 50 %. Je nach Design werden verschiedene Wahrnehmungskanäle des Teilnehmers angesprochen, was für diese Zeitersparnis sorgt.
• 30 - 70 % der bisherigen Aus- und Weiterbildungsangebote haben - zumindest anteilig - ein E-Learning-Potenzial.
• Die Kosten für die Entwicklung eines E-Learning-Kurses sind um den Faktor 10 bis 30 höher als die Entwicklung eines Präsenztrainings. Die Kosten für die Entwicklung und Programmierung eines interaktiven WBT-Moduls werden im Mittel mit 100.000 DM beziffert.
7 vgl. hierzu Prof. Dr. W. Jäger, E-Learning, veröffentlicht in Personal, Heft 7/2001, S. 377
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Wie diese Zahlen belegen, ist die Amortisation bei Selbstentwicklung von E-Learning-Modulen stark mit der Anzahl der Teilnehmer korreliert. Nur so können die Effekte der Stückkostendegression eintreten. Im Vergleich zu einem Präsenztraining unterschreiten die Kosten für ein WBT pro Teilnehmer erstmals ab einer Teilnehmerzahl von ca. 500. 8 Nach einem Rechenmodell der Bertelsmann-Stiftung belaufen sich die Kosten der Implementierung einer E-Learning-Plattform für ein Großunternehmen (mit 40.000 Mitarbeitern) auf jährlich 15 Mio. DM. 9
Wie diese Modellrechnungen zeigen, ist die Anzahl der Teilnehmer(tage) die entscheidende Größe. Die eigenständige Entwicklung von E-Learning-Lösungen ist daher seitens der Wirtschaftlichkeit eher ein geeignetes Verfahren für große und mittelgroße Unternehmen. Als zusätzlichen Vorteil sind diese Lösungen konkret auf die jeweilige Problemstellung ausgerichtet. Doch auch für Kleinunternehmen ist ein Rückgriff auf vorhandene Standardangebote durchaus sinnvoll. Mittels ASP muss dabei in der Regel nur die effektive Nutzungsdauer entrichtet werden und als weiterer Vorteil entfällt der Aufwand für Installation und Administration. Allerdings sind für ASP-Lösungen wesentliche Voraussetzungen eine hohe Bandbreite und niedrige Kosten für eine möglichst permanente Netzwerkverbindung. Weiterhin können die Schulungsinhalte nur selten individuell auf den „Client“ ausgerichtet werden. In aller Regel entstehen hierdurch regelmäßig Kostenvorteile und keine Wettbewerbsnachteile.
2.4 Gefahren vs. Chancen
Hohe Investitionen in komplexe Lernplattformen garantieren noch keinen Erfolg. „Nach einer allgemeinen Euphorie im vergangenen Jahr, die ihren Höhepunkt auf der Fachmesse »Learntech« im Januar dieses Jahres in Karlsruhe hatte, verfestigt sich der Eindruck einer zunehmenden Unsicherheit.“ 10 Dies liegt allerdings weniger an der Ablehnung dieses Lernmediums, vielmehr ist der Markt mit ständig neuen und komplexen Innovationen nahezu unüberschaubar geworden. Doch dies ist nicht der
8 Vering, J., Sorgfältig auswählen, in: Personalwirtschaft 1/2001, S. 28 - 36
9 Bertelsmann-Stiftung (Hrsg.): StudiumOnline - Hochschulentwicklung durch neue Medien, 2000
10 Greff, G., Kleinert, M., Die »kleine Lösung«, Magazin für Wirtschaft und Weiterbildung, 9/2001
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Arbeit zitieren:
Michael Müller, 2002, Business to Employees (B2E), München, GRIN Verlag GmbH
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