Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 1
2 Die Bedeutung von Public Health 3
3 Verschiedene Modellvorstellungen zur Gesundheit und Krankheit 4
4 Analyse eines biomedizinischen und psychosozialen Modells 9
4.1 Das Risikofaktorenmodell von Schäfer (1978) zur Entstehung und
Prophylaxe von Koronarer Herzkrankheit (KHK) 9
Die Entstehung des Risikofaktorenmodells 9 4 1 3
4.2 Das Systemische Anforderungs-Ressourcen Modell (SAR-Modell) von
Becker (1992) 13
Grundzüge und Eigenschaften des SAR-Modells 13 4 2 2
Funktionsweise des SAR-Modells 15 4 2 2
4.3 Vergleich des Risikofaktorenmodells mit dem SAR-Modell 17
5 Fazit 21
Literatur und Quellenverzeichnis 22
1
1 Einleitung
Zu teuer sind die Behandlungen von Krankheiten geworden, oder sollte man sagen, es stehen zur Behandlung der Betroffenen weniger finanzielle Mittel zur Verfügung? Hin wie her, das Gesundheitssystem in Deutschland ist schon lange mit der bisherigen desolaten finanziellen Situation überfordert und sucht deshalb nach Lösungen und neuen Alternativen zur Kostendämpfung . Tabelle 1 (S. 2) des Statistischen Bundesamts gibt hier beispielhaft einen Überblick über die Gesundheitsausgaben Deutschlands für die Jahre 1996, 1998 und 2000. Zu beachten sind vergleichsweise die Ausgaben im Bereich der Prävention, im ärztlichen Bereich, in der Pflege und Therapie. Es fällt anhand der finanziellen Ausgaben auf, dass der Prävention immer noch zu wenig Beachtung und Einfluss gegenüber ärztlichen und therapeutischen Behandlungen eingeräumt wird.
Eine langfristig angelegte Alternative zur Krankheitsbehandlung nennt sich „Public Health“, mit öffentlicher „Gesundheit“, „Gesundheitspflege“, „Gesundheitsförderung“ oder „Prävention“ übersetzt, um die es in dieser Arbeit hauptsächlich gehen soll.
Daher werde ich im ersten Teil eine kurze Erläuterung zum Begriff „Public Health“ und dessen Entstehung geben (2). Danach folgt im Punkt 3 eine
2
Übersicht zu den zurzeit aktuellsten Gesundheitsmodellen. Der darauf folgende Teil befasst sich mit der Erläuterung und Gegenüberstellung des biomedizinischen Modells, dem Risikofaktorenmodell von Schäfer (1978) und dem Systemischen Interaktionistischen Anforderungs-Ressourcen-Modell von Becker (1992) (4). Hierbei werden in einigen Unterpunkten Grundzüge, Eigenschaften, Funktionsweisen und Unterschiede beider Modelltypen herausgearbeitet. Eine allgemeine zusammenfassende Gegenüberstellung aller aktuell diskutierten Modelle wird diesen Punkt abschließen. Im Anschluss folgt dann das Fazit, in dem die Ergebnisse zusammengetragen werden (5). Die große Anzahl der diskutierten Gesundheits- und Krankheitsmodelle lässt darauf schließen, dass der Forschungsgegenstand in diesem Bereich weitgehend schon bearbeitet worden ist. Daher ist die Literaturlage auch sehr umfänglich.
Tab. 1. Überblick über die Gesundheitsausgaben in Deutschland (Statistisches Bundesamt,
2003)
3
2 Die Bedeutung von Public Health
Wenn ich über dieses Thema schreibe, sollte man im Voraus wissen worum es sich bei Public Health handelt, was es beinhaltet und was es bewirkt? Public Health gehört in Deutschland noch zu den jungen wissenschaftlichen Arbeitsgebieten. Traditionell bedeutet Public Health, dass gesellschaftliche Anstrengungen zur Erhaltung und Verbesserung der öffentlichen Gesundheit unternommen werden. Sie beinhaltet gesundheitsbezogene Aufgaben der Regierungen bzw. öffentlichen Verwaltungen. Sie gilt als Einbindung gesundheitlicher Aufgaben in gesellschaftliche Anstrengungen. Public Health sind Dienste im Gesundheitswesen. Sie dient als Fürsorge für speziell anfällige Gruppen oder der Bekämpfung häufiger bzw. gefährlicher Erkrankungen in der Bevölkerung.
Nach neuerer Auffassung umfasst Public Health (New Public Health) alle organisatorischen Anstrengungen, die sich vorwiegend auf ganze Populationen und auf Ansätze der Gesundheitsförderung, der Krankheitsverhütung oder der Krankheitsbekämpfung beziehen. Dabei sollten d ie einzusetzenden Mittel angemessen und wirksam sein.
Ziel von Public Health ist es, Bedingungen zu schaffen und sicherzustellen, in denen Menschen gesund sein können. Wichtig hierbei ist der Ansatz der World Health Organisation (WHO). Sie definierte bereits 1946 die Gesund heit als „Zustand vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur die Abwesenheit von Krankheit und Gebrechen“ (Franke 1993). Jedoch wurde diese Definition aus zwei Gründen kritisiert, sie sei zu statisch, da Gesund heit ein dynamisch zu b etrachtender Prozess sei und diese Definition sei zu utopisch, denn niemand könne „vollständiges Wohlbefinden“ erlangen, es wurde ein an den Alltag orientierter Gesundheitsbegriff gefordert. Bis heute ist man sich noch über diesen Gesundheitsbegriff uneinig, verschiedene Wissenschaftsbereiche, wie die Medizin, die Psychologie oder die Soziologie definieren Gesundheit immer wieder unterschiedlich.
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Fest steht, das Ziel der Gesundheitsförderung ist es, „allen Menschen ein höheres Maß an Selbstbestimmung über ihre Gesundheit zu ermöglichen und sie damit zur Stärkung ihrer Gesundheit zu befähigen“ (Rosenbrock, 1998, S. 4). Nicht immer war das so selbstverständlich. Viele ältere Modelle, insbesondere die medizinischen Modelle, typisch hier das Risikofaktorenmodell von Schäfer aus dem Jahre 1978 haben sich bisher immer nur mit der Krankheit oder dem Krankheitszustand des Patienten befasst, gesundheitliche Ressourcen wurden in die Betrachtungsweisen nicht mit einbezogen. Diese Modelle wurden dadurch oft nur sehr einseitig bearbeitet. Eine, meiner Ansicht nach, nicht mehr aktuelle Sichtweise, wie sich im Laufe dieser Arbeit herausstellen wird.
3 Verschiedene Modellvorstellungen zur Gesundheit und
Krankheit
Modelle zur Gesundheit und Krankheit existieren in großer Fülle und werden, wie schon erwähnt in den Gesundheitswissenschaften aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet. Die bisher gängigste und im Alltag gebräuchlichste ist wohl die medizinische Sichtweise. Typisch hierfür ist es, dass nicht die Gesundheit, sondern ausschließlich die Krankheit definiert und betrachtet wird. Haug (1991) definiert die Gesundheit als „ Abweichung von bestimmten messtechnischen Normen“ (Bös & Gröben, 1993, S. 9). Es wird bei Erklärungen der Krankheitsentstehung immer nach Ursache -Wirkungs-Zusammenhä ngen gesucht. So ist beispielsweise ein Individuum nur dann gesund, wenn im Körper keine Defekte vorliegen oder negative Einwirkungen fehlen. Es wird deutlich, dass die Gesundheit im positiven Sinne kaum thematisiert wird. Typisch für diese medizinische Sichtweise ist hier das pathogenetische Risikofaktorenmodell von Schäfer (1978) zur Entstehung und Prophylaxe von Koronarer Herzkrankheit (KHK) zu nennen.
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Eine andere, viel weitgreifendere und sehr gut ausgearbeitete Betrachtungsweise von Gesundheit und Krankheit kommt aus der Gesundheitspsychologie. Die Gesundheitspsychologie ist noch ein sehr junges Fach. Erst in den 80er und 90er Jahren haben sich die amerikanische und die deutsche Psychologievereinigung um gesundheitspsycho logische Abteilungen erweitert.
Neben der Betrachtung von Krankheit, wird hier vorrangig und primär die Gesundheit eines Menschen herausgestellt. Gesund heit wird positiv definiert, sie ist „das Vorhandensein von psychischer Kompetenz und Wohlbefinden, als Voraussetzung und Ergebnis der Bewältigung externer und interner Anforderungen“ (Bös & Gröben, 1993, S. 9). Ein typischer Ansatz ist hier das Salutogenese M odell von A ntonovsky (1979) und das Anforderungs- Ressourcen-Modell von Becker (1992).
Weitere Betrachtungen stammen aus der Soziologie und Anthropologie. Die Soziologie empfindet Krankheit als abweichendes Verhalten. Gesundheit hingegen ist ein Zustand optimaler Leistungsfähigkeit. Die Leistungsfähigkeit des Individuums gilt hier als Indikator für Gesundheit. Die Anthropologie stellt das Wohlbefinden an zentraler Stelle. Ausführlicher möchte ich nicht auf die Sichtweisen der Soziologie und Anthropologie eingehen. Die für uns Sportwissenschaftler maßgebendste Sichtweise kommt aus der Gesundheitspsychologie. Gabriele Gesundheitspsychologin, gibt hierzu einen u mfassenden Überblick über Modelle der Gesundheit, Modelle des Gesundheitsverhaltens und Modelle zur Planung von Gesundheitserziehung, Gesundheitsberatung und Gesundheitsförderung. (Tab. 2, S. 6).
Quote paper:
Sabine Wolf, 2003, Public Health, Ansätze (Modelle) zur Klärung von Gesundheit und Krankheit, Munich, GRIN Publishing GmbH
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