Inhalt
I. Einleitung 3
II. Der protestantische Ethos 3
1. Begriffsklärung 3
2. Calvinismus 5
3. Der Prädestinationsglaube 7
4. Die Berufsidee 7
5. Sektencharakter der religiösen Organisation 8
6. Die innenweltliche Askese 9
III. Der „Geist des Kapitalismus“ 10
IV. Der Einfluß protestantischen Glaubens auf die Herausbildung des modernen 12
Kapitalismus
V. Zusammenfassung 13
Literaturverzeichnis 14
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I. Einleitung
„Max Weber staunte nicht schlecht, als er eine Studie seines Schülers Martin Offenbacher las. Darin stand, versteckt in langen Zahlenkolonnen: Die Protestanten in Baden, Leipzig und Tübingen sind nicht nur gebildeter, sondern auch reicher als die Katholiken. Denn während die Katholiken lieber in kleinen Handwerksbetrieben arbeiten, saßen die Protestanten an der Spitze der Großindustrie. Protestantismus gleich Kapitalismus - so die vereinfachte Formelwar für den Ökonomieprofessor Weber zur Jahrhundertwende eine völlig neue Entdeckung.“ (Afhüppe: Die Zeit, 34/1999)
Nach der Protestantismusthese, die Max Weber in seiner Aufsatzsammlung „Die protestantische Ethik und der „Geist“ des Kapitalismus“ aufstellt, sind die Gründe für den Beginn des Take-offs der Industrialisierung bzw. des Kapitalismus in Westeuropa in der protestantischen Ethik zu finden. Die Kompatibilität der Ethik oder religiösen Weltanschauung der Protestanten, insbesondere der Calvinisten, und dem kapitalistischen Prinzip der Akkumulation von Kapital und Reinvestition von Gewinnen schufen einen idealen Hintergrund für die Industrialisierung. In dieser Arbeit möchte ich mich mit folgenden Fragen beschäftigen:
• Was ist „protestantische Ethik“ und was sich unter diesem Begriff verbirgt
• Was meint Weber unter dem „Geist des Kapitalismus“
• Wie fügen sich die beiden Begriffe zu einem Ganzen
• Ist Kapitalismus wirklich nur ein Produkt der protestantischen Reformation.
II. Der protestantische Ethos
1. Begriffsklärung
Weber geht davon aus, daß der neuzeitliche Unternehmer der westlichen Welt durch spezifische Verhaltensmuster charakterisiert werden kann. Diese Verhaltensmuster gründen zusammengenommen ein regelrechtes „Ethos“. Unter einem „Ethos“ versteht Weber „ein tatsächlich gegebenes, typisches Verhaltensmuster einer Persönlichkeit oder einer Gruppe von
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Persönlichkeiten, welches an explizierbare Werte und Verhaltensmaximen geknüpft ist.“ (Kuchenbrod: Unternehmerethos...) Welche Verhaltensmuster es sind und wie es zu diesen Verhaltensmuster kam wird aus dem Text deutlich.
Daß die Protestanten am Kapitalbesitz und leitenden Stellungen innerhalb der modernen Wirtschaft den Katholiken überlegen sind sieht Weber nicht nur als Folge der besseren Vermögensausstattung, sondern auch als Folge der besseren Erziehung und Bildung, die die Protestanten genossen haben. „In diesen Fällen liegt zweifellos das Kausalverhältnis so, daß die anerzogene geistige Eigenart, und zwar hier die durch die religiöse Atmosphäre der Heimat und des Elternhauses bedingte Richtung der Erziehung, die Berufswahl und die weiteren beruflichen Schicksale bestimmt hat.“ (Weber (1993 (1904)), S.5) Ausgehend davon wäre es zu untersuchen, so Weber, welche Besonderheiten der Konfessionen sind es, oder waren es, die zu solchen unterschiedlichen Entwicklungsrichtungen geführt haben. (vgl. Weber (1993 (1904)), S.5)
Der Antwort liegt, Webers Meinung nach, in der unterschiedlichen Lebensführung der Katholiken und Protestanten: „Der Katholik ... ist ruhiger; mit geringerem Erwerbstrieb ausgestattet, gibt er auf einen möglichst gesicherten Lebenslauf, wenn auch mit kleinerem Einkommen, mehr, als auf ein gefährdetes, aufregendes, aber eventuell Ehren und Reichtümer bringendes Leben. Der Volksmund meint scherzhaft: entweder gut essen, oder ruhig schlafen. Im vorliegenden Fall ißt der Protestant gern gut, während der Katholik ruhig schlafen will.“ (Dr. Offenbacher in: Weber (1993 (1904)), S.6) Den Katholiken wird also die „Weltfremdheit“ und „Askese“ vorgeworfen, wogegen die Protestanten materialistische „Weltfreude“ aufweisen sollen. Für Weber sind es weniger zwei Pole, die sich ausschließen, sondern im Gegenteil, eine „Verwandtschaft“ zwischen „Weltfremdheit“, „Askese“ und kirchlicher Frömmigkeit“ und „Beteiligung am kapitalistischen Erwerbsleben“. (vgl. Weber (1993 (1904)), S.7) Besonders in Calvinismus sei diese Kombination zu erkennen. (vgl. Weber (1993 (1904)), S.8)
Weber hebt eine Reihe von moralischen Elementen in dem Ethos der neuzeitlichen Unternehmer hervor:
• „ ein rastloses Erwerbsstreben
• die strenge Legalität hinsichtlich der Auswahl und Nutzung der Erwerbschancen
• eine über den bloßen Buchstaben der Rechtsregeln hinausgehende „sittliche Redlichkeit“ gegenüber den Geschäftspartnern
• ein rational berechnendes, durch Kalkulation abgesichertes Handeln, welches stets gegenüber effizienzsteigernden Innovationen offen ist
• die Abwertung des Konsums gegenüber dem Erwerb
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• die Unterordnung der eigenen Person unter ihre Aufgabe. Speziell ist hier an die Unterordnung unter die langfristigen Interessen des eigenen Unternehmens zu denken.“ ( vgl. Kuchenbrod: Unternehmerethos...)
Aber, auf die herrschende Meinung: „Die Ketzerei“ (d.h. der Kalvinismus der Niederländer) „befördere den Handelsgeist“ (vgl. Weber (1993 (1904)), S.8) antwortet Weber mit einem Widerspruch: „der „Geist der Arbeit“, des „Fortschritts“... dessen Weckung man dem Protestantismus zuzuschreiben neigt, darf nicht ... im „aufklärerischen“ Sinn verstanden werden.“ (vgl. Weber (1993 (1904)), S.10) Man soll einen Zusammenhang zwischen dem altprotestantischen Geist und der modernen kapitalistischen Kultur suchen, der, laut Weber, in „rein religiösen Zügen“ zu finden ist. (vgl. Weber (1993 (1904)), S.10) Weber versucht also in der Lehre der reformierten Religion Elemente und Verhaltensweisen zu finden, die zum neuzeitlichen Unternehmerethos zugeordnet werden können. Eine besondere Bedeutung gewinnen folgende drei Elemente:
• der calvinistische Prädestinationsglaube
• der protestantische Berufsbegriff
• der Sektencharakter der reformierten religiösen Organisationen.
Alle drei Elemente sind in der calvinistischen Glaubenslehre zu finden, die Weber mit einem Kunstbegriff als „asketischen Protestantismus“ bezeichnet. ( vgl. Kuchenbrod: Unternehmerethos...)
2. Calvinismus
Das Grundmotiv der Theologie Calvins ist die unbedingte Heiligkeit Gottes. Alles Menschenwerk, sogar die Glaubensentscheidung, und nicht zuletzt der Kultus der katholischen Kirche (Sakramente, Reliquien, Ablaß) galten ihm als Versuche, die Souveränität Gottes einzuschränken und an Irdisches zu binden. Die z.T. schroffen Züge von Calvins Offenbarungs- und Gnadenlehre sind nur aus diesem Grundanliegen zu verstehen. Wie bei allen Richtungen, die aus der Reformation hervorgingen, gehören die vier Solas zur Basis des Calvinismus:
• sola scriptura - allein die Schrift (ist die Grundlage des christlichen Glaubens, nicht die Tradition)
• solus Christus - allein Christus (nicht die Kirche) hat Autorität über Gläubige
• sola gratia - allein durch Gnade Gottes (wird der Mensch errettet, nicht durch eigenes Tun)
• sola fide - allein durch den Glauben wird der Mensch gerechtfertigt (nicht durch gute Werke)
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Anna Shkonda, 2004, Kapitalismus - ein Produkt der protestantischen Reformation?, Munich, GRIN Publishing GmbH
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