Im Kontext wachsender globaler Interdependenzen und der Zusammenrückung der Welt in einem „Globalen Dorf“ wird in diesem Beitrag der Frage nachgegangen, welchen Beitrag die entwicklungspolitische Bildung, auch Entwicklungspädagogik, Dritte-Welt-Pädagogik u.a. genannt, dazu leistet, eine Persönlichkeit herauszubilden, die die im Zuge der Globalisierung potentiell entstehende supranationale Realität erträgt, ohne zur Sicherung der eigenen Identität in Nationalismen, Rassismen oder Ethnozentrismen verfallen zu müssen. Da nicht das gesamte Gebiet entwicklungpolitischer Bildung im Rahmen einer Vordiplomsarbeit zufriedenstellend abgedeckt werden kann, wird ein besonderer Bereich herausgegriffen: das Schulbuch.
Basierend auf einer neueren Untersuchung über die Genese der entwicklungspolitischen Bildung in der Bundesrepublik Deutschland soll zunächst ein Überblick über die Thematik als Ganzes gewonnen werden. Dabei sollen auch die Ziele, Aufgaben sowie die Möglichkeiten entwicklungspädagogischer Bildungsarbeit angerissen werden. Anschließend wird der Bogen auf das Kernthema dieser Arbeit geschlagen, in dem existente Untersuchungen über das in deutschen Schulbüchern vermittelte Afrikabild besprochen werden. Die durchgeführte Darstellung beschränkt sich jedoch nicht bloß auf die Wiedergabe der Ergebnisse des jeweiligen Autors, vielmehr wird die der entsprechenden Analyse zugrunde liegende Fragestellung auch Gegenstand der Betrachtung. Auf diese Weise wird ein knapper Kriterienkatalog für die Durchführung einer eigenen Analyse eines heute verwendeten Schulbuchs erarbeitet.
Die Einschätzung der selbst gewonnenen Erkenntnisse mit Blick auf die vorangegangenen Analysen, ihren Ergebnissen und Ausgangsthesen, mündet in die Kritik der bestehenden Praxis schulischer entwicklungspolitischer Bildungsarbeit, soweit sie aus der Bearbeitung von Schulbüchern besteht. Den Schluß dieser Arbeit bilden eigene Überlegungen, welche Kriterien - didaktischer als auch inhaltlicher - Art neu zu verfassende Schulbücher mit entwicklungspolitischer Thematik erfüllen sollten, um einen Schritt aus dem Defizit, welches in der bestehenden Praxis konstatiert worden ist, zu vollziehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführende Überlegungen
2. Die entwicklungspolitische Bildung
2.1 Die Entstehung der Entwicklungspädagogik
2.1.1 Der quantitative Aspekt
2.1.2 Der qualitative Aspekt
2.2 Der Ist-Zustand der Entwicklungspädagogik oder die Krise der entwicklungspolitischen Bildung
3. Über vorhandene afrikabezogene Schulbuchanalysen
3.1 Die Aufgabe des Schulbuches und der Schulbuchanalyse
3.2 Das Afrikabild in deutschen Schulbüchern
4. Das Bild Afrikas im deutschem Schulbuch - eigene Analyse
4.1 Die Wahl des Schulbuchs
4.2 Aufbau und Struktur des Untersuchungsgegenstands
4.3 Einige exemplarische Analyseergebnisse
5. Die eigenen Ergebnisse im Kontext der vorhandenen Analysen
6. Resümee und Perspektiven der entwicklungspolitischen Bildung
7. Zum Schluß
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die entwicklungspolitische Bildung in deutschen Schulbüchern am Beispiel des Afrikabildes. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwieweit Schulbücher dazu beitragen, ein differenziertes Weltbild zu vermitteln und das Bewusstsein der Lernenden für globale Zusammenhänge sowie für die Nord-Süd-Problematik zu schärfen, wobei insbesondere bestehende Defizite in der Darstellung aufgedeckt werden sollen.
- Kritische Analyse der Entwicklungspädagogik und ihrer Krisenphänomene
- Untersuchung der Darstellung Afrikas in Schulbüchern der Sekundarstufe II
- Reflexion über die didaktische Vermittlung von Nord-Süd-Thematiken
- Evaluation der Auswirkungen von Schulbuchinhalten auf die Bewusstseinsbildung von Schülern
- Plädoyer für einen stärkeren Subjektbezug in der entwicklungspolitischen Bildungsarbeit
Auszug aus dem Buch
4.3 Einige exemplarische Analyseergebnisse
Zu Beginn der eigentlichen Analyse muß ein weiteres Mal betont werden, daß aus zwei Gründen heraus die folgenden Ausführungen bei weitem nicht so systematisch und vollständig sein werden und sein können, wie beispielsweise die Untersuchungen im vorangegangenen Kapitel. Erstens ließe ein derartiger Anspruch den Rahmen und den Zweck einer Vordiplomsprüfung weit hinter sich und zweitens entspräche eine detaillierte Analyse nicht dem Ziel dieser Arbeit. Nicht eine Schulbuchanalyse mit Schwerpunkt auf das vermittelte Afrikabild stellt das Zentrum dieser Seiten dar, sondern anhand eines konkreten Beispiels sollen Aufgaben, vor allem aber auch Problembereiche der entwicklungspolitischen Bildung thematisiert werden. Wie bereits angedeutet, besitzt diese Prüfungsarbeit in ihrer ersten Hälfte die Form eines Trichters, d.h. von der allgemeinen Darstellung der globalen Situation, in der sich die entwicklungspolitische Bildung befindet, ist deduktiv weitergearbeitet worden, bis in diesem Abschnitt die Engstelle des Trichters erreicht ist. Folgen wird ein induktiver Prozeß, in dem sich von diesem Einzelfall wieder distanziert wird und die im Besonderen gewonnenen Ergebnisse umgesetzt werden in allgemeinere Gedanken und Aussagen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführende Überlegungen: Einführung in die globale Problematik und Legitimation der Untersuchung der entwicklungspolitischen Bildung.
2. Die entwicklungspolitische Bildung: Darstellung der Genese der Entwicklungspädagogik und Analyse ihrer aktuellen Krise und Perspektivlosigkeit.
3. Über vorhandene afrikabezogene Schulbuchanalysen: Überblick über existierende Forschungsarbeiten und Diskussion der Rolle des Schulbuchs als Medium.
4. Das Bild Afrikas im deutschem Schulbuch - eigene Analyse: Durchführung einer eigenen, selektiven Inhaltsanalyse eines ausgewählten Lehrbuchs für die Sekundarstufe II.
5. Die eigenen Ergebnisse im Kontext der vorhandenen Analysen: Einordnung der gewonnenen Erkenntnisse in die bestehende Forschungsliteratur.
6. Resümee und Perspektiven der entwicklungspolitischen Bildung: Systematisierende Bewertung und Plädoyer für einen subjektorientierten Ansatz in der Bildungsarbeit.
7. Zum Schluß: Abschließende Reflexion über die Möglichkeiten zur Überwindung der Defizite in der entwicklungspolitischen Bildung.
Schlüsselwörter
Entwicklungspolitische Bildung, Entwicklungspädagogik, Afrikabild, Schulbuchanalyse, Nord-Süd-Konflikt, Globalisierung, Eurozentrismus, Stereotypen, Bewusstseinsbildung, Subjektorientierung, Politische Bildung, Didaktik, Drittweltpädagogik, Interkulturelle Kompetenz, Internationale Beziehungen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Qualität und die Darstellungsweise entwicklungspolitischer Inhalte in deutschen Schulbüchern, wobei das Afrikabild als zentrales Beispiel dient, um die Effektivität der entwicklungspolitischen Bildung kritisch zu hinterfragen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Entwicklungspädagogik als Disziplin, die Analyse von Schulbüchern, die Problematik eurozentrischer Wahrnehmungen sowie die Frage nach einer angemessenen politischen Bildung in einer globalisierten Welt.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Hauptziel ist es, die strukturellen und inhaltlichen Schwächen aktueller entwicklungspolitischer Bildungsarbeit aufzuzeigen und ein Plädoyer für einen stärkeren Subjektbezug in der Pädagogik zu formulieren.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Die Arbeit basiert primär auf einer inhaltsanalytischen, hermeneutisch-interpretativen Vorgehensweise, ergänzt durch die Auseinandersetzung mit quantitativen und qualitativen Ergebnissen der Forschungsliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden nach einer theoretischen Fundierung die Darstellung Afrikas in Schulbüchern analysiert und die eigenen Erkenntnisse mit bereits existierenden Studien kritisch in Beziehung gesetzt.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören die Defizitannahme, der "koloniale Blick", Subjektorientierung, globale Interdependenz und der Bedarf an handlungsorientierten Lehr- und Lernprozessen.
Inwiefern spielt der Aspekt der "Krisenhaftigkeit" eine Rolle für die Entwicklungspädagogik?
Der Autor argumentiert, dass die Entwicklungspädagogik in einer Krise steckt, da sie trotz Bemühungen nicht in der Lage war, die eurozentristischen Vorurteilsstrukturen in den Schulbüchern nachhaltig zu durchbrechen und ihr Ziel einer echten Bewusstseinsbildung zu erreichen.
Warum ist laut Autor die Einbeziehung der "Mikroebene" so wichtig?
Die Einbeziehung der Mikroebene soll Schülern helfen, die abstrakte Makroperspektive zu verlassen, indem sie durch konkrete Beispiele und Identifikationsmöglichkeiten eine Verbindung zu ihrem eigenen Handeln und Denken aufbauen können.
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- Anonym (Author), 1999, Die entwicklungspolitische Bildung am Beispiel des Afrikabildes im deutschen Schulbuch, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/22946