Im Mittelpunkt der 10. Sitzung des Proseminars "Einführung in das politische System der BRD" mit dem Thema "Reform des Wohlfahrtsstaates" stand das Verstehen der Grundprinzipien und -strukturen des bestehenden Systems der sozialen Sicherung in der Bundesrepublik Deutschland. Die Probleme und Herausforderungen des Sozialstaates kamen lediglich am Rande zur Sprache.
Vorliegende Arbeit knüpft an diese Sitzung an, baut auf ihr auf und widmet sich der umfangreichen Problematik einer Reform des Sozialstaates. Es ist deutlich, dass nicht der Anspruch erhoben wird, die sozialphilosophischen und -rechtlichen Grundlagen des bundesdeutschen Wohlfahrtsmodells darzulegen. Vielmehr wird ein Überblick über den derzeitigen Diskussionsstand der Debatten um eine Reform des Wohlfahrtsstaates gegeben.
Inhaltsverzeichnis
Zu dieser Arbeit
Einleitung
Teil I: Wohlfahrtsstaat im Umbruch
Teil II: Die Herausforderungen des Sozialstaates
1. Zur Finanzierungskrise des Sozialsystems
2. Der soziokulturelle Wandel und die Demographie
3. Die Krise auf dem Arbeitsmarkt
4. Institutionelle Probleme
Teil III: Die Reform des Wohlfahrtsstaates
Schlussbemerkung
Literaturliste
Zitierte Literatur:
Weitere Literatur:
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das System der sozialen Sicherung in der Bundesrepublik Deutschland aus einer systemtheoretischen Perspektive, um die Ursachen für die aktuelle Krise des Wohlfahrtsstaates zu identifizieren und mögliche Reformwege zu diskutieren, die über rein fiskalische Kürzungen hinausgehen.
- Analyse der systemischen Ursachen der Wohlfahrtsstaatskrise
- Untersuchung der Problematik der Lohnarbeitszentrierung
- Diskussion des soziokulturellen Wandels und demografischer Einflüsse
- Evaluation von Reformansätzen wie der bedarfsorientierten Mindestsicherung
- Kritische Auseinandersetzung mit Privatisierungstendenzen
Auszug aus dem Buch
Teil I: Wohlfahrtsstaat im Umbruch
Der Sozialstaat bundesdeutscher Prägung baut insbesondere auf dem Prinzip der Sozialversicherung auf. Hinzu kommen Elemente der Fürsorge in Form der Sozialhilfe für Bedürftige und der Versorgung von "privilegierten Minderheiten..(zum Beispiel Beamte)" (OPIELKA 1997, S.23). Diese drei Bausteine des sozialen Systems stehen nicht in einem Gleichgewichtsverhältnis zu einander, sondern werden dominiert vom Sozialversicherungsprinzip.
Wird diese Diagnose als Folie einer Betrachtung des Sozialstaates aus systemischer Perspektive verwendet, erscheint die in der Einleitung aufgeworfene doppelte Fragestellung nach endogenen und exogenen Bestimmungsfaktoren für die Sozialstaatskrise wieder. Ein System ist immer kontextuell eingebunden in eine Umwelt zu denken. Unter der Voraussetzung, dass die Einführung des sozialen Sicherungssystems den Ursprungsbedingungen entsprach, besitzt die Annahme, dass sich der Kontext geändert und zu den Legitimations- und Funktionsschwierigkeiten des Systems beigetragen hat, einige Attraktivität. In diesem Sinn wird in der Folge nach gesellschaftlichen Veränderungen gesucht, die das bisherige soziale System der Sozialversicherung als "veraltet", aus dem Gleichgewicht geraten erscheinen lassen (vgl. hierzu bes. KAUFMANN 1997, S.49ff).
Zusammenfassung der Kapitel
Zu dieser Arbeit: Einführung in die thematische Grundlage des Proseminars und Erläuterung des Zieles, einen Überblick über den Diskussionsstand der Wohlfahrtsstaatsreform zu geben.
Einleitung: Problematisierung der Krise des Sozialsystems und Diskussion der semantischen Verschiebung vom "Abbau" zum "Umbau" des Sozialstaates.
Teil I: Wohlfahrtsstaat im Umbruch: Theoretische Einordnung des Sozialstaates aus systemischer Sicht unter besonderer Berücksichtigung der Lohnarbeitszentrierung.
Teil II: Die Herausforderungen des Sozialstaates: Detaillierte Betrachtung der Finanzierungskrise, des soziokulturellen Wandels, der Arbeitsmarktproblematik und institutioneller Defizite.
Teil III: Die Reform des Wohlfahrtsstaates: Diskussion von Maßstäben für Reformen sowie Abwägung zwischen Radikalreformen und einer bedarfsorientierten Mindestsicherung.
Schlussbemerkung: Resümee der Arbeit und Plädoyer für eine normative Zieldiskussion statt rein technischer Reformschritte.
Schlüsselwörter
Sozialstaat, Wohlfahrtsstaat, Sozialversicherung, Lohnarbeitszentrierung, Reformdiskussion, Mindestsicherung, Systemtheorie, demografischer Wandel, Arbeitslosigkeit, Umbau, Sozialpolitik, Armutspolitik, Solidarität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das deutsche System der sozialen Sicherung und dessen aktuelle Reformbedürftigkeit unter Berücksichtigung systemtheoretischer Ansätze.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Finanzierungsprobleme, der soziokulturelle Wandel, die strukturelle Arbeitslosigkeit und die institutionellen Schwächen des aktuellen Modells.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, Kriterien für eine zukunftsfähige Reform zu formulieren, die soziale Gerechtigkeit und Armutsfestigkeit stärker in den Vordergrund rücken.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt einen systemtheoretischen Ansatz, um das Zusammenspiel zwischen exogenen (Umwelt-)Faktoren und endogenen (systeminternen) Problemen zu beleuchten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Krise des Sozialstaates, insbesondere die Abhängigkeit von der Lohnarbeit und die Notwendigkeit, das System an moderne gesellschaftliche Realitäten anzupassen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Begriffe wie Wohlfahrtsstaat, Lohnarbeitszentrierung, Mindestsicherung und Umbau sind zentral für das Verständnis der Argumentation.
Welche Rolle spielt die "Armenpolitik" in der Analyse?
Der Autor schlägt vor, sich auf die historische Wurzel der Armenfürsorge zu besinnen, um das aktuelle Modell der Arbeiterpolitik zu modernisieren.
Warum wird das Schweizer Modell als Vergleich herangezogen?
Es dient als Beispiel für eine breitere gesellschaftliche Akzeptanz einer grundlegenden sozialen Sicherung, die eine Trennung von Grund- und Aufbausicherung vorsieht.
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- Anonym (Author), 1999, Wohlfahrtsstaat im Umbruch, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/22951