Mehner, Claudia:
Der Umgang von Lehrern mit sozial benachteiligten Schülern in sächsischen Mittelschulen. 2003. 71 Seiten. Roßwein, Hochschule Mittweida (FH) - University of Applied Sciences, Fachbereich Soziale Arbeit, 2003
Referat:
Die Diplomarbeit befasst sich mit den gesellschaftlichen Veränderungen innerhalb und außerhalb der Familie. Dabei werden soziale Benachteiligungen von Kindern aus arbeitslosen und ausländischen Familien angebracht und ihre Bedeutung auf die Institution Schule erläutert. Im Hauptteil wird auf den Umgang der Lehrer mit sozial benachteiligten Kindern eingegangen, dabei spielen Themen wie Benachteiligung in der Notengebung, im Interaktionsprozess und das Erkennen von Schülerproblemen eine hauptsächliche Rolle. Abgerundet wird diese Arbeit mit einer Umfrage, wo sich die Theorie in den Ergebnissen der Praxis wiederspiegelt.
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Inhaltsverzeichnis
0 Einleitung 6
1 Sozialisation 8
9
1.1 Sozialisationsinstanzen
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1.2 Sozialisation durch die Schule
2 Soziale Benachteiligung und Armut in einer reichen 13
Gesellschaft
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2.1 Kinder aus Familien mit arbeitslosen Eltern
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2.1.1 Subjektive Wahrnehmung / Bewältigungsmuster
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2.1.2 Veränderung im Wohnen
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2.1.3 Gesundheit
18
2.1.4 Sozialer Rückzug
18
2.2 Ausländische Kinder und deren Familien
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2.2.1 Sozialräumliche Bedingungen
20
2.2.2 Das Zusammenleben in einer multikulturellen Gesellschaft
21
2.2.3 Haushaltsstruktur / Haushaltseinkommen
Folgen der sozialen Benachteiligung bei Kindern und Jugendlichen 22
2.3
23
2.4 Vergleich von ausländischen Familien mit deutschen
Arbeitslosenfamilien
3
3 Institution Schule und ihre Funktionen 25
28
3.1 Bedeutung der Schulzeit
28
3.2 Gesellschaftliche Bedingungen
30
3.3 Institutionelle Bedingungen
32
3.4 Spezifische Problemfelder von sozial benachteiligten Kindern im
Schulalltag
32
3.4.1 Problemfeld soziale Situation
33
3.4.2 Problemfeld Sprache
4 Der Umgang von Lehrern mit sozial benachteiligten 35
Sch ülern
Schichtenspezifische Chancen in der Erfüllung schulischer Normen 35
4.1
37
4.2 Typisierung der Schüler durch den Lehrer
4.3 Die Behandlung negativ typisierter Schüler durch den Lehrer 38
38
4.3.1 Benachteiligung in der Notengebung
39
4.3.2 Benachteiligung im Interaktionsprozess
40
4.4 Verhältnis von deutschen Lehrern mit ausländischen Schülern
5 Die Bewältigung von Schülerproblemen 43
43
5.1 Beispiel aus dem Schulalltag
4
44
5.2 Reaktionen von Lehrern auf problembelastete Schüler
6 Umfrage 48
7 Zusammenfassung und Schlussfolgerung für die Praxis 63
8 Quellen- und Literaturverzeichnis 66
5
0 Einleitung
„Die Schule war, ist und wird nie ein konfliktfreier Lebensraum sein. Und dies ist auch gut so. Konflikte sind ja nicht nur negativ. Ganz im Gegenteil: Sie können das Tor zur Erneuerung und Verbesserung aufstoßen. Wo jedermann zufrieden ist bzw. aus Überangepasstheit, Ängstlichkeit oder Bequemlichkeit Zusammenstößen ausweicht, kommen wenig Lebensfreude und Selbstvertrauen auf. Konflikte sind wie Salz in der Suppe; allerdings schmeckt diese nicht, sobald sie versalzen ist. Konflikte werden immer dann als unerträglich empfunden, wenn sie in Mobbing ausarten, eskalieren, den Gegenspieler demütigen und zum alleinigen Verlierer machen. Heutzutage zählt Konfliktfähigkeit als eine Art Schlüsselfunktion. Wie aber sollen unsere Schüler dazu befähigt werden, wenn Zusammenstöße verdrängt bzw. schon im Ansatz abgewürgt werden? Und wo sonst bietet sich ein so geeignetes Übungsfeld zum Erwerb dieser Schlüsselqualifikation an wie im Haus des Lernens, der Schule?“ (Sander, Winklers Flügelstift 3/98)
Doch dies setzt das Bemühen des Lehrers voraus, den Schüler besser kennen und verstehen zu lernen. Besonders sozial benachteiligte Schüler aus arbeitslosen und ausländischen Familien, die teilweise in Auftreten, Aussehen und Verhalten anders erscheinen benötigen Beachtung und Zuwendung.
Deshalb ist es Ziel meiner Arbeit, die sozialräumlichen, strukturlichen und psychischen Bedingungen von Kindern aus sozial benachteiligten Familien aufzuzeigen, um danach auf die Vor- und Nachteile während des Aufwachsens eingehen zu können. Ich bin absichtlich in meiner Arbeit nur auf arbeitlose und ausländische Familien eingegangen, da ich der Meinung bin, dass sich mit diesen Kindern viel zu wenig beschäftigt wird, denn in vielen Büchern wird nur über die betroffenen Eltern geschrieben und die Kinder werden außer Betracht gelassen. Deshalb wollte ich speziell auch auf die betroffenen Kinder aus sozial schwachen Familien eingehen.
Das die gesellschaftlichen Veränderungen an den Kindern nicht spurlos vorüber gehen, macht sich spätestens in der Schule bemerkbar, wo Kinder mit Gleichaltrigen aller Sozialschichten zusammentreffen. Dort lernen sie sich mit anderen zu vergleichen und sehen, wie andere Kinder in ihren Familien aufwachsen. Sie werden soziale Verhaltensweisen, wie Rücksichtnahme, Kooperation und Kommunikation lernen und sich in einer Gruppe durchsetzen müssen. Dabei gestalten sich dieser
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Lernprozess für sozial benachteiligte Kinder nicht immer leicht. Deshalb werde ich im Hauptteil meiner Arbeit speziell auf den Umgang von Lehren mit diesen Kindern eingehen. Dazu habe ich Themen wie Benachteiligung in der Notengebung und im Interaktionsprozess, aber auch das Erkennen und den Umgang mit Schülerproblemen erörtert. Abschließen werde ich diese Arbeit mit einer Umfrage, wo die Theorie in den Ergebnissen aus der Praxis wiederspiegelt.
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1 Sozialisation
„ Sozialisation ist begrifflich zu fassen << als ein Prozess der Entstehung und Entwicklung der Persönlichkeit in wechselseitiger Abhängigkeit von der gesellschaftlich vermittelten sozialen und materiellen Umwelt. Vorrangig thematisch ist dabei ..., wie sich der Mensch zu einem gesellschaftlich handlungsfähigen Subjekt bildet.>>“ (Tillmann 1993, S.10)
Zentrum des Sozialisationsprozesses ist immer die Entwicklung und Veränderung der menschlichen Persönlichkeit. Persönlichkeit lässt sich bezeichnen als „das spezifische Gefüge von Merkmalen, Eigenschaften, Einstellungen und Handlungskompetenzen, das einen einzelnen Menschen kennzeichnet.“ (Tillmann 1993, S.11)
Jeder Mensch hat somit ein spezifisches Gefüge, welches als „Individualität“ bezeichnet wird. Diese Individualität gehört ebenso wie der Sozialcharakter, „den die Mitglieder einer Gesellschaft miteinander teilen“ (Tillmann 1993, S.12) zur Persönlichkeit. Mit dem Begriff Sozialcharakter „wird der Teil der Persönlichkeit verstanden, <
Rollenverhalten zwischen Mann und Frau, alltägliche Höflichkeitsformen. Doch nicht nur innerpsychische Strukturen wirken auf den Sozialisationsprozess ein, sondern auch die Bedingungen der sozialen Umwelt. „Menschen sind nicht Opfer ihrer Sozialisation, sondern sie wirken auf sich und ihre Umwelt immer auch selber ein und entwickeln sich auf diese Art und Weise zum handlungsfähigen Wesen,... .“ (Tillmann 1993, S.12)
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1.1 Sozialisationsinstanzen
Der Mensch durchläuft in seinem Sozialisationsprozess mehrere Stadien. Im Grunde gibt es so viele Stadien wie Gruppen, in denen wir uns bewegen, aber die primäre Sozialisationsinstanz ist in allen Kulturen die Familie, wobei die Form der Familie sehr unterschiedlich sein kann.
In der Familie erwerben die Heranwachsenden Verhaltenweisen und Ansichten, die typisch für die Eltern sind. Doch die Familie als Sozialisationsinstanz hat sich im letzten Jahrzehnt stark verändert, dies hat damit zu tun, dass zum Beispiel die Anzahl der erwerbstätigen Mütter wieder gestiegen ist und somit viele Kinder in institutionellen Einrichtungen untergebracht werden. Damit wird die Familie „transparenter“ gemacht, das heißt, Außenstehende, wie Tagesmütter erhalten einen Einblick in das elterliche Erziehungsverhalten. Somit erweitern Kinder heute ihren sozialen Nahraum viel eher, das bedeutet, sie bekommen frühzeitig einen Einblick in andere familiäre Lebensformen und Erziehungsstile. Die eigene Familie ist mit anderen vergleichbar und hinterfragbar.
Zusammenfassend kann man sagen, dass Familie wichtig und unwichtig zugleich geworden ist. Wichtig in Bezug auf vermittelte emotionale, materielle und kulturelle Ressourcen und unwichtig in Bezug auf den Bedeutungsverlust der familiären Herkunft als soziale Zuschreibung beziehungsweise Identitätsfindung. (vgl. Elfter Kinder- und Jugendbericht, S.126f)
Die zweite wichtige Sozialisationsinstanz ist die Peer-Group. In Peer-Groups erschließen sich Kinder und Jugendliche Orte der Verständigung, es werden Erfahrungen ausgetauscht und diskutiert. In solchen gleichaltrigen Gruppen haben die Heranwachsenden die Möglichkeit, gewisse Verhaltensregeln zu testen und zu erkunden. Die Beziehungen in solchen Gruppen laufen „demokratischer“ und „egalitärer“ ab als in der Familie. Eltern können Verhaltensweisen erzwingen, wobei in Gruppen öfter Kompromisse oder wechselseitiger Zustimmung erfolgen. Zu dieser Sozialisationsinstanz gehört auch die Schule, denn dort wird neben dem Lehrplan auch das Lernen der Kinder beeinflusst, zum Beispiel Pünktlichkeit, Regeln einhalten. Jedoch darf nicht übersehen werden, dass die Kontrollmöglichkeiten, zum Beispiel im Bereich Medien, im Vergleich zu anderen Sozialisationsinstanzen
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gesunken sind. Die Identitätsfindung in gleichaltrigen Gruppen läuft somit als Selbstsozialisation und wird von den Kindern und Jugendlichen selbst gesteuert. (vgl. Elfter Kinder- und Jugendbericht, S.127f)
Eine dritte wichtige Sozialisationsinstanz ist die Berufswelt. Dort wird eine größere Anpassung der Sichtweisen oder des Verhaltens einer Person verlangt. Aber auch auf unpersönlichen Ebenen laufen Sozialisationsprozesse ab, wie zum Beispiel durch Massenmedien (Zeitung, Bücher, Fernsehen). Über den Einfluss von solchen Medien auf die Menschen, wurden schon unzählige Untersuchungen durchgeführt, doch inwieweit dies das Verhalten von Kindern fördert oder nicht gibt es keine entgültigen Befunde. (vgl. Korte / Schäfers 1992)
1.2 Sozialisation durch die Schule
Im Folgenden möchte ich näher auf die Sozialisationsinstanz Schule eingehen, da die von jedem Heranwachsenden durchlaufen und erlebt wird. Mit dem Eintritt in die Schule übernimmt sie zwei wichtige Aufgaben in Bezug auf Sozialisation. „Die eine betrifft das mehr „kognitive“ Erlernen von Informationen, technischen Fertigkeiten und von Bezugssystemen, die auf einem
Abstraktionsniveau liegen, das höher ist als das aus dem Sozialisationsprozess in der Familie bekannte, wie z.B. die geschrieben Sprache und das mathematische Denken. Die andere betrifft das Erlernen von sozialen Verhaltensweisen wie Respekt vor dem Lehrer, Rücksichtnahme auf die Mitschüler, Bereitschaft zur Zusammenarbeit, disziplinierte Arbeitsgewohnheiten oder auch Initiative und Führungsqualitäten.“ (Rolff 1997, S.131)
Der Eintritt des Kindes in die Institution Schule, ist ein sehr wichtiger Schritt. Für den Schulanfänger eröffnet sich eine neue Welt, in die er sich einüben und einfinden muß. Doch diese neue Welt ist verbunden mit Pflichten, die dem Schüler auferlegt
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werden. Zum Beispiel hat er zu den vorgeschriebenen Zeiten in der Schule zu sein, daraus ergibt sich die Pflicht der Pünktlichkeit. Die Schule verlangt die Bereitschaft zum Lernen, zielstrebig zu arbeiten, Lerninhalte anzueignen und diese wiederzugeben. Neben diesen genannten Pflichten hat der Schüler erworbene soziale Verhaltensweisen (dazwischenreden, schlagen, abschreiben) zu vermeiden. Unaufmerksamkeit oder störendes Verhalten werden vom Lehrer oft und schnell als abweichendes Verhalten betrachtet. (vgl. Seitz 1991)
Anders als in der Familie, ist Schule viel mehr von Wechsel und Versachlichung geprägt. Mit dem Schuleintritt entsteht für das Kind eine größere Bewegungsfreiheit; der Kontakt mit Gleichaltrigen vermittelt ganz andere Erfahrungen, als das in der Familie möglich ist. Kinder brauchen für ihre Entwicklung offene Bereiche, sie müssen Verhaltensregeln selbst aushandeln, Krisen eigenständig bewältigen und sich durchsetzen lernen. Die Grundlage für dieses flexible Handeln bildet der Kontakt mit Gleichaltrigen.
In der Schule übernimmt ähnlich wie in der Familie, der Lehrer die Erwachsenenrolle. Jedoch kann sich ein Schüler in der Schule nicht auf die gleiche Art und Weise mit der Erwachsenenrolle identifizieren wie das bei den Eltern der Fall ist. Der Lehrer übernimmt die Erzieherrolle nur berufsmäßig. Er hat nicht die Möglichkeit jeden Schüler mit Liebe und Anerkennung zu belohen, wie das in der Familie ist. In der Schule wird nicht die gesamte Persönlichkeit des Kindes betrachtet, sondern der Lehrer sieht die Kinder in ihrer Schülerrolle. Die Kinder lernen dabei, sich mit verschieden Rollen zu identifizieren, zum Beispiel mit der Lehrerrolle. Sie werden die Erfahrung machen, die Mutterrolle von der Lehrerrolle zu unterscheiden und dabei lernen, dass der Lehrer im Unterschied zur Mutter austauschbar ist. Indem sich das Kind an die Rollenmuster und Beziehungen innerhalb der Schule einfindet, übernimmt es die Wertmuster, die in der Gesellschaft für alle Rollen gelten. Doch die Sozialisation in der Schule ist vom ersten Tag an mit einer systematischen Bewertung der Leistungen verbunden. Der Lehrer verteilt Zensuren, lobt und tadelt, dadurch entsteht eine interne Differenzierung innerhalb der Schulklasse in gute und weniger gute Schüler. Auf diese Weise macht das Kind die Erfahrung, wie es sich die Aufmerksamkeit des Lehrers erwirbt und verteidigt.
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Diese neuen Anforderungen bereiten vielen Schülern große Schwierigkeiten. Sie müssen sich der Gemeinschaft unterordnen, sie erfahren, dass sie sich nicht mit ihrer gesamten Individualität darstellen können wie in der Familie. Der einzelne Schüler hat aufgrund der hohen Schülerzahl nur eine geringe Möglichkeit, seine persönlichen Interessen deutlich zu machen. Gefühlsmäßige Beziehungen können nur eingeschränkt ausgedrückt werden. Die individuellen Qualitäten und Fähigkeiten müssen den Erwartungen und Anforderungen der Schule untergeordnet werden.
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2 Soziale Benachteiligung und Armut in einer reichen
Gesellschaft
Die Bundesrepublik Deutschland ist - im internationalen Maßstab - ein reiches Land, in dem der erwirtschaftete Reichtum sowie die Vermögen in privater Hand kontinuierlich ansteigen. Deutschland gehört zu den reichsten Ländern Europas und der Welt. Seit 1960 ist das Geldvermögen der privaten Haushalte kontinuierlich von 82,6 Milliarden Euro auf über 2,14 Billionen Euro im Jahre 1996 und damit um das 26fache angestiegen. Die Deutsche Bank schätzte Ende 1999 das Gesamtvermögen, dies beinhaltet zusätzlich Immobilien, Wertgegenstände etc., der deutschen Privathaushalte auf 7,5 Billionen Euro. (vgl. Elfter Kinder- und Jugendbericht, S.128)
Damit könnte man meinen, dass in Deutschland soziale Benachteiligung beziehungsweise Armut kein Thema wäre, doch die folgenden Zahlen belegen das Gegenteil:
7,5 Millionen Menschen leben in Deutschland in wirtschaftlicher Armut, dass sind 9,1% der Gesamtbevölkerung (darunter ist jedes fünfte Kind betroffen) 20 Millionen Menschen leben im „prekären Wohlstand“, sie verdienen nur weniger als 50% des durchschnittlichen Nettoeinkommens 38% der Sozialhilfeempfänger ist jünger als 18 Jahre
ein Drittel der deutschen Bevölkerung ist von wirtschaftlicher Armut betroffen oder bedroht (vgl. Wilke 2002, S.3)
Doch es ist nochmals hervorzuheben, dass Armut in Deutschland eine relative Größe ist. So sind Personen oder Familien als relativ arm zu bezeichnen, wenn diese über so geringe materielle, kulturelle und soziale Mittel verfügen, dass sie von der Lebensweise ausgeschlossen sind, die in der Bundesrepublik als unterste Grenze des Akzeptablen annehmbar ist. (vgl. Klocke, Hurrelmann 1998, S.10)
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2.1 Kinder aus Familien mit arbeitlosen Eltern
Wenn heutzutage von Armut in unserer Gesellschaft die Rede ist, so wird meist nur auf die Erwachsenen, die materiell eingeschränkt und benachteiligt sind aufmerksam gemacht.
Die gleichzeitig betroffenen, in Armut lebenden Kinder werden nur am Rande diskutiert.
In vielen Arbeitslosenforschungen wird nur von betroffenen Familien gesprochen und nur wenige Arbeiten richten sich gezielt auf die Situation der Kinder und Jugendlichen in arbeitslosen Familien. Dies führt zu einem einseitigen Bild der Arbeitslosenforschung. Denn Armut und Arbeitslosigkeit betrifft nicht nur die Eltern, sondern wird auch von den Kindern wahrgenommen.
Bei den derzeitigen Arbeitslosenzahlen von etwa 392.425 Menschen in Sachsen (4.257.425 in Deutschland) (vgl. Landesarbeitsamt Sachsen) erscheint doch der Verlust des Arbeitsplatzes und noch vielmehr die Langzeitarbeitslosigkeit nicht mehr als Einzelschicksal. Doch nicht nur die direkt davon Betroffenen haben Furcht vor Stigmatisierung, auch Kinder und Jugendliche aus betroffenen Familien werden mit allen Problemen die sich durch die Arbeitslosigkeit der Eltern ergeben direkt oder indirekt konfrontiert.
Wie Kinder mit der materiellen Armut beziehungsweise der Arbeitslosigkeit ihrer Eltern umgehen, ist sehr davon abhängig, wie die Eltern selbst mit der finanziellen Notsituation klarkommen. Dabei spielen Verhaltensweisen und Vermittlung von Normen und Werten eine wichtige Rolle. Nicht selten versuchen die Eltern ihre Kinder von der den finanziellen Nöten und Belastungen fernzuhalten. Damit wollen sie verhindern, dass die Situation der Familie nicht ins soziale Umfeld gelangt und somit keine Minderwertigkeitsgefühle oder Ängste hervorgerufen werden. Doch die Situation der Eltern geht an Kindern nicht unscheinbar vorüber. Für Kinder sind Einsparungen täglich spürbar, zum Beispiel beim Streit ums Taschengeld. Die Zahlung eines monatlichen oder wöchentlichen Taschengeldes ist für Kinder und Jugendliche wichtig, damit sie lernen können ihr Geld einzuteilen und damit einen bestimmten Zeitraum auszukommen. In Sozialhilfehaushalten erhalten
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Claudia Mehner, 2003, Der Umgang von Lehren mit sozial benachteiligten Schülern in sächsischen Mittelschulen, München, GRIN Verlag GmbH
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