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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Vorgehensweise
1.2. Zuordnungsprobleme
2. Die Befürworter
2.1. Die Anfänge
2.2. Sprachstrategien der PC-Bewegung in den USA
2.2.1. Speech Codes
2.2.2. Empfehlungen zum nicht-diskriminierenden Sprachgebrauch
2.2.3. Weitere Varianten sprachlichen PC-Gebrauchs
2.3. Erfolge
3. Die Kritiker
3.1. Die PC-Definition im Brockhaus
3.2. Das Argument PC schränkt die Meinungsfreiheit ein“
3.3. Das Argument PC ist lächerlich“
3.4. Das Argument PC führt zu reverse discrimination “
4. Schluss
5. Bibliographie
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1. Einleitung
Die Ausdrücke "Political Correctness" 1 oder "politically correct" scheinen zu jenen Begriffen zu gehören, die von vielen benutzt, aber von jedem anders interpretiert werden. Verstand ich z. B. zunächst eine lästige Sprachpolitik darunter, stellte sich bei einer kleinen Umfrage unter Freunden und Bekannten heraus, dass sie den Begriff mehrheitlich positiv belegen und Kategorien wie Ethik und Moral, Toleranz, Fairness und Respekt damit verbinden. PC stellt für sie eine gute Norm für das friedliche Zusammenleben der Menschen dar. Da hiermit die meisten Lebensbereiche berührt sind, wird PC vielfältig applizierbar. Neutral wurde PC von niemanden bewertet.
Auch wenn diese improvisierte Umfrage nicht valide ist, scheint sie darauf hinzuweisen, dass PC auch eine emotionale Komponente mit einschließt. Nehme ich das Ergebnis meiner Lektüre hinzu, scheint PC in die Kategorie "Schlagwort" zu gehören. Dies sind
"Wörter, bei denen die emotionale Komponente stärker als deren logische und designative ist, - Wörter,die an weitverbreitete, positive oder negative Emotionen anknüpfen und damit positive - odernegative Bewerter (Appraisoren) und Verhaltensregulatoren (Preskriptoren) mobilisieren, Mittel der Beeinflussung, d. h. Wörter, die zu bestimmten Handlungen und Verhaltensweisen - führensollen." (Klaus, in Lewandowski, S. 919)
Diese Definition impliziert, dass bei einem Schlagwort die Proposition in der Kommunikation stark vom illokutiven und perlokutiven Akt überlagert wird. Im folgenden will ich zeigen, was dies für Illokutionen sind und mit welchen Mitteln versucht wird, die gewünschte Perlokution zu realisieren.
1.1. Vorgehensweise
Entsprechend der emotionalen Aufspaltung in positive und negative Konnotationen, wollte ich eine Typisierung der Benutzer 2 in PC-Befürworter und PC-Kritiker vornehmen. Dabei stieß ich auf eine Schwierigkeit: Im Gegensatz zu den zahlreichen kritischen Schriften zu PC, war mir Literatur von PC-Anhängern über PC nicht zugänglich. Dies wird ebenso von Schenz in ihrem Buch "Political Correctness - Eine
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Bewegung erobert Amerika" festgestellt (S. 127) 3 .
Infolgedessen verfolge ich zwei Wege: in einem ersten Schritt möchte ich aufzeigen, wo PC herkommt, welche Inhalte prinzipiell PC zugerechnet werden und welche Strategien zur Umsetzung dieser Inhalte gewählt wurden. In einem zweiten Schritt werde ich einige, mir immer wieder begegnende Argumentationslinien der Kritiker in der PC-Debatte analysieren.
Ich bin mir bewusst, dass hier der Eindruck von Unausgewogenheit entstehen kann. Bei meiner Recherche zum Thema PC fiel mir allerdings auf, dass die Mehrheit der PC-kritischen Publikationen von einer starken Einseitigkeit und Voreingenommenheit geprägt ist bzw. dass andere, sachlichere Aufsätze m. A. n. zweifelhafte Argumente von "PC-Gegnern" recht unkritisch übernehmen. Aus diesem Grund halte ich es für wichtig, anhand einiger Beispiele aufzuzeigen, welche sprachlichen Mittel in der strategisch geführten Debatte Verwendung finden.
1. 2. Zuordnungsprobleme
Folgt man Guido Stolles These, dass es - zumindest in Deutschland - gar keine PC-Vertreter gebe, so ist der Mangel an PC-Literatur von PC-Befürwortern nicht verwunderlich. Ebenso vermutet Karsta Frank, dass "PC das erfolgreiche Produkt eines medialen Diskurses" ist, bei dem sich die Kritiker der PC "ihren Gegner ('die PC') gleichsam selbst erschaffen" (in Stolle, S. 3). Feldstein und Brennan argumentieren ähnlich. Sie sind der Meinung, dass PC ein Begriff der Rechten für linke Werte und Ziele sei - und sich die Linke höchstens in Verteidigung ihrer Ziele genötigt sah, auch PC zu verteidigen. Also scheint es auch im Mutterland der Political Correctness fraglich, ob es wirkliche PC-Vertreter gibt (Feldstein, S. X).
Obwohl ich diese Thesen für plausibel halte, spreche ich im Folgenden der Einfachheit halber doch von "PC-Befürwortern", auch wenn es vermutlich korrekter wäre, sie als Personen, denen PC zugeschrieben wird, zu bezeichnen.
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2. Die "Befürworter"
Um sich dem Phänomen PC zu anzunähern, ist ein kurzer historischer Exkurs unumgänglich.
2. 1. Die Anfänge
Im Gefolge der Civil Rights Movements und der Protestbewegungen der 60er Jahre entstand bei Teilen der US-Bevölkerung das Bedürfnis, trotz der bereits erreichten Überwindung der direkten Diskriminierung 4 bestimmter Bevölkerungsgruppen auch auf die Überwindung der immer noch bestehenden ökonomischen und sozialen Ungleichgewichte in der Gesellschaft hinzuwirken. Darüber hinaus wurden Angehörige weiterer ethnischer Gruppen sowie Homosexuelle und Behinderte als benachteiligt wahrgenommen. Als konkreten Ausgangspunkt dieser Bewegung, werden die amerikanischen Universitäten angesehen.
Laut Greil und Cameron wird die Nominalphrase "Political Correctness" auf diese Bemühungen Ende der 70er / Anfang der 80er Jahre zum ersten Mal verwendet. Von nun an gab es einen konkreten Referenten bzw. eine Bezugsgruppe im Gegensatz zur vorherigen Verwendung der Adjektivphrase "politically correct", die in unterschiedlicher Weise schon seit der Jahrhundertwende Verhaltensweisen einzelner Personen bewertete (Greil, S. 7).
Laut der mir zur Verfügung stehenden Literatur kann ich drei wichtige PC-Strategien erkennen:
Affirmative Actions: Hierdurch soll aktiv auf die Verbesserung der
- Lebenssituationbenachteiligter Bevölkerungsgruppen hingearbeitet werden. Affirmative Actions beinhalten konkrete politische Maßnahmen, die Angehörigen
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benachteiligter Gruppen den Zutritt zu Universitäten und öffentlichen Stellen erleichtern sollen, z. B. durch Quotenregelungen, Stipendien oder kostenlose Weiterbildungen.
Änderung der Curricula an Schulen und Universitäten: das einseitig westeuro-
- päischgeprägte Weltbild soll durch die Beschäftigung mit anderen Kulturen relativiert, verändert und bereichert werden.
Sprachregelungen: durch eine veränderte Sprache soll das Problem der Diskri-
- minierungthematisiert, allgemein bewusst gemacht und in der Folge verbale Diskriminierungen vermieden werden.
Grundsätzlich darf festgestellt werden, dass in der Ursprungsphase PC für die aktive Überwindung sozialer Diskriminierungen steht. Die Strategien divergieren, doch die Intention, mit Hilfe aller PC-Ansätze auf eine positive Veränderung der Lebensqualität von Minderheiten hinzuwirken, ist eindeutig.
2.2. Sprachstrategien der PC-Bewegung in den USA
Da in der PC-Diskussion die Sprachregelungen eine zentrale Rolle einnehmen, möchte ich diese kurz näher erläutern.
2. 2. 1. Speech Codes
Unter "Speech Codes" wird gemeinhin eine Auflistung von Begriffen verstanden, die zur Vermeidung verbaler Diskriminierung indiziert wurden. Mit dieser Strategie wollten die PC-"Befürworter" vor allem in der Anfangsphase rassistisch und sexistisch motivierten Diffamierungen und Beleidigungen zwischen den Studenten durch das Verbot bestimmter Ausdrücke vorbeugen. Dabei ergaben sich in der Praxis Schwierigkeiten, die laut Greil letztlich an den meisten Universitäten zur Rücknahme dieser Speech Codes führten (Greil, S. 53).
Die Schwierigkeiten bestanden zum einen darin, genau festzulegen, was ein diskriminierender Ausdruck ist, da letztlich der Kontext für die Illokution ausschlaggebend ist:
Arbeit zitieren:
Sixta Quaßdorf, 2001, Political Correctness - ein streitbares Thema, München, GRIN Verlag GmbH
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