Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Fragestellung 3
2. Theoretische Ansätze 3
2.1 Die Subkulturtheorie nach ALBERT K COHEN 3
2.2 Die Subkulturtheorie der Unterschicht nach WALTER B MILLER 6
3. Hooligans 9
4. Hooligans eine Subkultur 13
5. Literatur 18
1. Einleitung und Fragestellung
Immer wieder wird die Öffentlichkeit durch Gewalttaten von Hooligans schockiert, beispielsweise letztes Jahr während der Fußballweltmeisterschaft in Frankreich. Solche Ausschreitungen werfen dann meistens Fragen nach dem "Warum?" und "Wie konnte so etwas passieren?" auf.
Damit zusammenhängend werden Hooligans in der Literatur häufig als Subkultur bezeichnet, aber der Begriff der Subkultur wird nicht weiter erklärt. Allgemein wird unter einer Subkultur eine Kultur verstanden, die einige Normen der dominanten Kultur übernehmen, sich jedoch in anderen Werten und Normen von dieser unterscheiden [HILLMANN 1994].
Inwiefern Hooligans eine Subkultur mit eigenen Werten und Normen bilden und was diese Jugendlichen oder meist jungen Männer zu solchen Gewalttätigkeiten bewegt, soll in dieser Arbeit anhand der Subkulturtheorien von COHEN und MILLER näher erläutert werden. Es soll überprüft werden, ob die beiden Ansätze zur Erklärung geeignet sind.
2. Theoretische Ansätze
Weil es nicht „die“ Subkulturtheorie gibt, sondern nur verschiedene Ansätze mit unterschiedlichen Schwerpunkten und Sichtweisen, sollen hier die Ansätze von COHEN und
MILLER herausgegriffen und gegenübergestellt werden.
2.1 Die Subkulturtheorie nach ALBERT K. COHEN
COHEN geht „von der These aus, daß alles Handeln das Ergebnis von andauernden
Bemühungen ist, Probleme der Anpassung zu lösen“ (COHEN 1957: 105). Nach ihm sind Subkulturen kollektive Reaktionen auf Anpassungsprobleme, die aus gesellschaftlich ungleichen Lagen entstehen und für die die bestehende Kultur keine zureichende Lösungen zur Verfügung stellen kann bzw. stellt.
Der Delinquent ist keineswegs immun oder indifferent gegenüber den Erwartungen der offiziellen Gesellschaft, weil er das allgemein geltende Wertsystem internalisiert hat und oftmals auch anerkennt (COHEN / SHORT 1968: 373). COHEN leitet daraus seine zentrale Hypothese ab, daß der delinquente Jugendliche durch die Akzeptanz des anerkannten Wertesystems gegenüber seinem delinquenten Verhalten äußerst ambivalent ist und somit dauernd mit den Ansprüchen des offiziellen Wertsystems im Konflikt steht (COHEN /
SHORT 1968: 374). Dieser Jugendliche befindet sich durch sein Anpassungsproblem in
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einem Spannungszustand, aus dem er heraus möchte. Die Wahl der Lösung des Anpassungsproblems, bzw. die Alternativen des Handelns hängt jedoch nach COHEN (1957: 106) stark von der Bezugsgruppe ab, der der Jugendliche sich zugehörig fühlt.
Die Bezugsgruppe definiert er hierbei als Gruppe, deren Normen und Standards einerseits ausschlaggebende Kriterien der Gültigkeit und Richtigkeit der eigenen Urteile und Handlungen darstellen. Andererseits dient die Bezugsgruppe zur Befriedigung menschlicher Beziehungen, d.h. zum Erlangen von Anerkennung, Liebe und Status.
Die Handlung zur Lösung des Anpassungsproblems sollte mit den Erwartungen dieser Bezugsgruppe vereinbar sein, wobei diese Vereinbarkeit auf drei verschiedene Arten erreicht werden kann (COHEN 1957: 107):
1. legale Lösung, d.h. die Lösung ist mit der üblichen Bezugsgruppe vereinbar, jedoch muß
der Handelnde oftmals lernen, mit seinem Problem umzugehen, z.B. durch Herabsetzung seines Anspruchsniveaus, denn nicht immer bietet das gemeinsame Wertesystem eine Lösung.
2. Wechsel zu einer Bezugsgruppe, deren Kultur angemessenere Lösungen der eigenen
Anpassungsprobleme vorsieht.
3. Zusammenschlüsse von einer gewissen Anzahl von Personen mit ähnlichen
Anpassungsproblemen, für die es keine angemessenen institutionalisierten Lösungen gibt und auch keine alternative Bezugsgruppe zur Verfügung steht. Wenn diese Personen die Ähnlichkeit ihrer Anpassungsprobleme wahrnehmen und sich solidarisch zusammenschließen, können im Verlauf der Interaktion neue Normen und Erwartungen gebildet werden. „Das Endergebnis einer derartigen Interaktion besteht in einer neuen, gemeinsam geschaffenen Subkultur, die auf die gemeinsamen Bedürfnisse, Probleme und Situationen der Teilnehmer an einem neuen Subsystem zugeschnitten ist“ (COHEN 1957: 108), der sich unzufriedene Mitglieder anderer Gruppen anschließen können.
Deshalb kann man folgern, daß es eine Vielzahl an Subkulturen geben muß, mit je unterschiedlichen, speziellen Normen und Erwartungen.
COHEN / SHORT (1968: 378-393) unterscheiden sechs Arten delinquenter Subkulturen:
1. Die männliche Basis-Subkultur. Sie kommt am häufigsten vor und besteht häufig aus
Mitgliedern der Arbeiterklasse. Charakteristisch für diese Subkultur sind Nicht- Utilitarismus, Negativismus, Vielseitigkeit, kurzfristiger Hedonismus, Gruppenautonomie und Organisation in kleinen Banden und Cliquen.
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2. Die konfliktorientierte Subkultur. Diese tritt in der Öffentlichkeit am meisten hervor
und umfaßt große Banden mit etwa 20 bis 100 Mitgliedern. Diese Banden haben eine komplexe Organisation mit differenzierten Rollen. Sie können in Unterbanden aus altersmäßiger oder territorialer Basis gegliedert sein und können Verbindungen mit anderen Banden eingehen. Außerdem haben solche Banden einen Namen, eine eigene Persönlichkeit oder einen Ruf in der Bandenwelt.
Die wichtigste Determinante für die Position des Bandenmitgliedes innerhalb der Bande ist der Mut beim Kampf und die Tapferkeit bei Kämpfen zwischen Banden, obwohl Kämpfen zeitlich nur einen geringen Teil der Bandenaktivität ausmacht. Bei Kämpfen innerhalb der Bande wird sich an den Code der Fairneß gehalten, an den sich die Mitglieder bei Kämpfen mit anderen Gruppierungen weniger gebunden fühlen. Oftmals fürchten sich die Mitglieder vor Kämpfen und sind erleichtert, wenn die Polizei einen geplanten Kampf verhindert.
Solche Banden umfassen häufig viele Altersklassen und die Stadtteile, aus denen ihre Mitglieder stammen, weisen eine große Vielfalt von Anzeichen für Desorganisation auf. Weit verbreitet ist eine Zwischenform der Konflikt-Subkultur und der Basis-Subkultur.
4. Die delinquente Mittelklassen-Subkultur. Diese Subkultur entsteht durch
Anpassungsprobleme und ist das charakteristische Produkt von Sozialisierungsprozessen und der Lebenssituationen in den Mittelklassen. Durch Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt hat sich auch die Funktion der Schule gewandelt. Gute Schulleistungen sind nicht länger Garantie für die Erreichung zukünftiger Ziele und die strukturellen Stützen des „Musters der aufgeschobenen Befriedigung“ sind deshalb geschwächt. Der Anreiz, eine Bestätigung der eigenen Männlichkeit und Reife innerhalb des Mittelklasse- Statussystem zu suchen, ist zurückgegangen. Vielmehr wird die Statuslücke dadurch versucht auszufüllen, daß sich der Jugendliche solchen Gruppierungen anschließt, nach deren Statuskriterien er zu leben imstande ist.
5. Die Subkultur der Rauschgiftsüchtigen soll hier neben dem
6. „halbprofessionellen Diebstahl“ und
7. der weiblichen delinquenten Subkultur nur der Vollständigkeit halber genannt werden.
Da diese Subkulturen jedoch keinen Erklärungsansatz für die Subkultur der Hooligans bieten, sollen sie nicht näher erläutert werden.
Die Beständigkeit der Abweichung in Form von Teilnahme an Subkulturen erklärt COHEN (1957: 111) einerseits damit, daß Subkulturen ihren Mitgliedern einen Status verleihen, den
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Dr. Monique Zimmermann-Stenzel, 1999, Hooligans - eine Subkultur?, Munich, GRIN Publishing GmbH
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