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Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG 6
1.1 EINFÜHRUNG IN DIE THEMATIK 6
1.2 FRAGESTELLUNG UND AUFBAU DER ARBEIT 7
2 THEORETISCHER FORSCHUNGSSTAND 9
2.1 DIE DIREKTEFFEKT-THESE: BEZIEHUNGEN UND SOZIALE NETZWERKE ALS
EINFLUSSFAKTOREN DES MORTALITÄTSRISIKOS 9
2.1.1 Inhaltliche Typologie sozialer Unterstützung 10
2.1.2 Merkmale und Qualität von Beziehungen und Netzwerken 12
2.2 STRESS ALS EINFLUSSFAKTOR DES MORTALITÄTSRISIKOS 14
2.3 DIE PUFFEREFFEKT-THESE: SOZIALE NETZWERKE UND STRESS ALS
INTERAGIERENDE EINFLUSSFAKTOREN DES MORTALITÄTSRISIKOS 17
2.3.1 Wahrnehmung von Stress als Belastung 18
2.3.2 Umgang mit Stress 19
2.3.3 Ansatzpunkte sozialer Unterstützung in stressvollen Situationen 20
2.4 ZUSAMMENFASSUNG 21
3 EMPIRISCHER FORSCHUNGSSTAND 23
3.1 STAND DER FORSCHUNG HINSICHTLICH SOZIALER NETZWERKE ALS
EINFLUSSFAKTOREN DES MORTALITÄTSRISIKOS (DIREKTEFFEKT-THESE) 23
3.2 STAND DER FORSCHUNG HINSICHTLICH SOZIALER NETZWERKE UND STRESS ALS
INTERAGIERENDE EINFLUSSFAKTOREN DES MORTALITÄTSRISIKOS (PUFFEREFFEKT
THESE) 25
3.3 ZUSAMMENFASSUNG 28
4 DATEN UND METHODE 30
4.1 DATENGRUNDLAGE UND DATENBESCHRÄNKUNG 30
4.2 OPERATIONALISIERUNGEN 31
4.3 METHODEN 36
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5 EMPIRISCHE ERGEBNISSE 38
5.1 DESKRIPTIVE ANALYSE 38
5.1.1 Überlebensstatus nach vorhandenen Netzwerkressourcen 38
5.1.2 Überlebensstatus nach der Stressexposition 40
5.1.3 Überlebensstatus nach vorhandenen Netzwerkressourcen und
Stressexposition 43
5.2 ERGEBNISSE DER EREIGNISDATENANALYSE 53
5.2.1 Der Einfluss von Netzwerkstrukturen und Stress auf das Mortalitätsrisiko
und die empirische Überprüfung der Direkteffekt-These 53
5.2.2 Der Einfluss der Interaktionen von Netzwerken und Stress auf das
Mortalitätsrisiko und die empirische Überprüfung der Puffereffekt-These 61
6 DISKUSSION 66
7 ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK 71
8 LITERATUR 74
ANHANG 80
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Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Überlebensstatus nach Netzwerkgrößengruppen bzw. Netzwerkindexwert
Männer (in ) 38
Tabelle 2: Überlebensstatus nach Stressintensität des Stressindexes Männer (in ) 39
Tabelle 3: Überlebensstatus nach Stressintensität der einzelnen Stressdimensionen
Männer (in ) 40
Tabelle 4: Überlebensstatus nach Netzwerkgrößengruppen bzw. Netzwerkindexwert
und Stressintensität des Stressindexes Männer (in ) 43
Tabelle 5: Überlebensstatus nach funktionaler Netzwerkgröße und Stressintensität
der jeweiligen Stressdimensionen Männer (in ) 45
Tabelle 6: Überlebensstatus nach struktureller Netzwerkgröße und Stressintensität
der jeweiligen Stressdimensionen Männer (in ) 47
Tabelle 7: Überlebensstatus nach Social Network Index und Stressintensität der
jeweiligen Stressdimensionen Männer (in ) 49
Tabelle 8: Einfluss von Netzwerkstrukturen und Stress auf das Mortalitätsrisiko von
Männern unter Kontrolle des Alters (relative Risiken) 53
Tabelle 9: Einfluss von Netzwerkstrukturen und Stressdimensionen auf das
Mortalitätsrisiko von Männern unter Kontrolle des Alters (relative
Risiken) 55
Tabelle 10: Interaktionseffekte zwischen Netzwerkeinflüssen und Stressindex (relative
Risiken) 61
Tabelle 11: Interaktionseffekte zwischen Netzwerkeinflüssen und Stressindikatoren
(relative Risiken) 62
Tabelle A1: Verteilung der Probanden nach Überlebensstatus auf die
Netzwerkgrößengruppen bzw. Netzwerkindexwert Männer (in ) 79
Tabelle A2: Verteilung der Probanden nach Überlebensstatus auf die Intensität des
Stressindexes Männer (in ) 79
Tabelle A3: Verteilung der Probanden nach Überlebensstatus auf die Stressintensitäten
der einzelnen Stressdimensionen Männer (in ) 80
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Tabelle A4: Ladungsmuster der fünf Stressdimensionen 81
Tabelle A5: Korrelationsmatrix der fünf Stressdimensionen 81
Tabelle A6: Einfluss von Stress auf das Mortalitätsrisiko von Männern unter Kontrolle
des Alters: Stress-Index versus Stress-Dummies (relative Risiken) 82
Tabelle A7: Einfluss von Netzwerkstrukturen und Stressdimensionen auf das
Mortalitätsrisiko von Männern unter Kontrolle des Alters (relative
Risiken) 83
Verzeichnis der Abbildung und Übersichten
Abbildung 1: Modell zur Veranschaulichung der Direkteffekt- und Puffereffekt
These 21
Übersicht 1: Bewältigungsstrategien und Ansatzpunkte sozialer Unterstützung 21
Übersicht 2: Studien zum Einfluss sozialer Netzwerkstruktur und Stressexposition
auf die Mortalität 28
Übersicht 3: Zur Operationalisierung verwendete Variablen 34
Einleitung
1 Einleitung
1.1 Einführung in die Thematik 1
Seit einigen Jahrzehnten ist die Rolle des sozialen Netzwerkes in Bezug auf das Morbiditäts- und Mortalitätsrisiko Gegenstand des Interesses. So ist der Einfluss sozialer Netzwerke sowohl auf die psychische als auch körperliche Gesundheit empirisch belegt (Cohen/Wills 1985: 322 ff.; Wills 1997: 169 f.; Hibbard/Pope 1993: 217). Ebenfalls wurde in internationalen Studien nachgewiesen, dass diese sozialen Netzwerke auch einen Effekt auf das Mortalitätsrisiko ausüben (Baumann et al. 1998; Blazer 1982; Berkman/Syme 1979; Sugisawa/Liang/Liu 1994). Demgemäß haben sowohl Alleinlebende als auch einsame und sozial isolierte Personen unter sonst gleichen Bedingungen ein höheres Mortalitätsrisiko als Personen, die sozial integriert sind und über ein großes soziales Netzwerk verfügen (Baumann/Filipiak/Stieber et al. 1998: 184; Penninx et al. 1997: 510). Generell kann man die Wirkungsweisen des sozialen Netzwerkes auf das Mortalitätsrisiko so beschreiben, „that a lack of positive social relationships leads to negative psychological states such as anxiety or depression. In turn, these psychological states may ultimately influence physical health either through a direct effect on physiological processes that influence susceptibility to disease or through behavioral patterns that increase risk for disease and mortality” (Cohen/Wills 1985: 311). An dieser Stelle wird deutlich, dass das Netzwerk in erster Linie das psychische Wohlbefinden einer Person beeinflusst, indem diese Person durch positive soziale Beziehungen Unterstützung erfährt. Über die Beeinflussung des Wohlbefindens und über weitere verschiedene Mechanismen der sozialen Unterstützung wirkt so das soziale Netzwerk auf das Risiko zu erkranken oder zu sterben.
Doch üben diese Beziehungen immer einen positiven Effekt aus oder greifen sie nur dann unterstützend ein, wenn das psychische Wohlbefinden durch belastende Situationen beeinträchtigt werden könnte? Diese Frage wurde in der Literatur schon häufig als Direkteffekt- versus Puffereffekt-These diskutiert und auch in verschiedenen Studien überprüft (Wilcox 1981; Cohen/Teresi/Holmes 1986; Falk et al. 1992; Baker/Israel/Schurman 1996). Hierbei bezieht sich die Direkteffekt-These nur auf die
1 Dieses Kapitel ist angelehnt an meinen zusammen mit Thomas Klein und Sven Schneider verfassten Artikel „Zum
Einfluss sozialer Netzwerke auf die Mortalität unter Berücksichtigung der Stressexposition“, der in der Oktoberausgabe
der Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie erscheinen wird.
Einleitung
Größe des Netzwerkes unabhängig von der Stressexposition; die Puffereffekt-These besagt hingegen, dass das soziale Netzwerk nur dann greift, wenn sich eine Person in einer stressvollen Lebenssituation befindet (Cohen/Wills 1985: 310).
Gemäß vieler Erhebungen und Befragungen fühlt sich ein großer Anteil von Menschen durch Stress fast täglich belastet. Sowohl alte als auch junge Menschen sind davon im privaten sowie im beruflichen Bereich betroffen: „Arbeiter, Angestellte und Manager in Betrieben, Mütter, Polizisten, Krankenschwestern, Ärzte, Lehrer. Kaum ein Beruf ist ausgenommen“ (Tausch 1996: 12). Doch ist es für ein Individuum generell eher vorteilhaft, wenn es durch Angehörige der Familie, Freunde, Bekannte und Arbeitskollegen durch Gespräche und Zuwendungen seelischen Halt und Unterstützung erhält, oder nur während belastenden Lebenssituationen?
1.2 Fragestellung und Aufbau der Arbeit
In der vorliegenden Arbeit soll untersucht werden, inwiefern allein das soziale Netzwerk das Mortalitätsrisiko beeinflusst (1. Haupteffekt), bzw. ob die Direkteffekt-These verifiziert werden kann. Des Weiteren soll getrennt von der ersten Untersuchung der Effekt von Stress auf das Risiko zu sterben überprüft werden (2. Haupteffekt). Als dritter Aspekt wird der Interaktionseffekt zwischen sozialem Netzwerk und Stress im Hinblick auf das Mortalitätsrisiko analysiert, d.h. die Auswirkungen, wenn Stress und soziales Netzwerk in Kombination berücksichtigt werden. Dies entspricht der Überprüfung der Puffereffekt-These.
Da jedoch Messungen des sozialen Netzwerkes nur eine geringe Konsistenz aufweisen (Berkman 1985: 246) und es auch keine einheitliche Definition der Netzwerkoperationalisierung gibt, sollen in dieser Arbeit dreierlei Typen des sozialen Netzwerkes gebildet und in die Berechnungen miteinbezogen werden. Des Weiteren sollen zwei Arten der Stressoperationalisierung in der Modellbildung verwendet werden, da es auch hier kein anerkanntes Messinstrument in Bezug auf dauerhaften Stress gibt. Um die für diese Untersuchung relevanten Begrifflichkeiten zu definieren, wird in Kapitel 2 zunächst der Rahmen der Analysen theoretisch und konzeptionell abgesteckt und die theoretischen Hintergründe beschrieben. Dazu wird zunächst als erster Haupteffekt die Direkteffekt-These dargestellt (Kapitel 2.1) und in diesem Zusammenhang die inhaltliche Typologie sozialer Unterstützung (Kapitel 2.1.1) sowie Merkmale und Qualität von
Einleitung
Beziehungen und Netzwerken (Kapitel 2.1.2) erläutert. Als nächstes werden in Kapitel 2.2 zur Verdeutlichung des zweiten Haupteffektes verschiedene Konzepte von Stress vorgestellt und eine für diese Arbeit gültige Definition von Stress gegeben. Danach wird in Kapitel 2.3 die Puffereffekt-These beschrieben, die auf den Interaktionseffekt zwischen sozialem Netzwerk und Stress abhebt. Hierbei wird auch auf die Wahrnehmung von Stress als Belastung (Kapitel 2.3.1), auf den Umgang mit Stress (Kapitel 2.3.2) und auf Ansatzpunkte sozialer Unterstützung in stressvollen Situationen (Kapitel 2.3.3) eingegangen. Es soll in diesen Kapiteln geklärt werden, wie Belastungen wirken, wie wahrgenommene Belastungen bewältigt werden und wo soziale Unterstützung in das Bewältigungsgeschehen eingreift.
Kapitel 3 gibt einen Überblick über den bisherigen Stand der Forschung bezüglich der Einflüsse von sozialem Netzwerk und Stress auf das Mortalitätsrisiko. Hier soll gezeigt werden, wie in den bisherigen Studien soziales Netzwerk und Stress operationalisiert werden und zu welchen Ergebnissen dies geführt hat.
Nach Beschreibung der verwendeten Daten und Methoden (Kapitel 4.1 bzw. 4.3) und der zur Operationalisierung verwendeten relevanten Variablen (Kapitel 4.2), werden die Ergebnisse der Analysen vorgestellt (Kapitel 5). Zunächst werden die deskriptiven Befunde (Kapitel 5.1), dann die Resultate der Ereignisanalyse (Kapitel 5.2) vorgestellt und diskutiert (Kapitel 6). Abschließend wird ein Resümee und ein Ausblick gegeben (Kapitel 7).
Theoretischer Forschungsstand 2 Theoretischer Forschungsstand 2
Im Folgendem werden die der Untersuchung zugrundeliegenden theoretischen Ansätze bezüglich der Direkteffekt- und der Puffereffekt-These vorgestellt. Hierzu werden die Konzepte und Wirkungsmechanismen des sozialen Netzwerkes und des Stresses ausführlich erläutert und Begrifflichkeiten festgelegt.
2.1 Die Direkteffekt-These: Beziehungen und soziale Netzwerke als Einflussfaktoren des Mortalitätsrisikos
Auch wenn das soziale Netzwerk ein gebräuchlicher und somit eindeutiger Begriff zu sein scheint, soll zunächst erläutert werden, was genau darunter zu verstehen ist. Das soziale Netzwerk kann man allgemein als „spezifische Mengen von Verbindungen zwischen sozialen Akteuren“ (Diewald 1991: 60) definieren und im Hinblick auf den jeweiligen Untersuchungszusammenhang näher spezifizieren.
Im Kontext dieser Arbeit möchte ich mich auf die spezielle Perspektive persönlicher sozialer Netzwerke beschränken, d.h. auf die Gesamtheit sozialer Beziehungen einer Person. Dieses soziale Netzwerk besteht in der Regel aus Familienbeziehungen, Beziehungen zu Freunden und Bekannten (Shye et al. 1995: 938; Falk/Hanson/Isacsson et al. 1992: 1137; Seeman et al. 1987: 716) und Kontakte zu Arbeitskollegen oder anderen Mitgliedern eines Vereines oder Gruppe, der man angehört.
Nachdem nun erläutert wurde, was unter einem sozialem Netzwerk verstanden werden soll, kann nun die Direkteffekt-These dargelegt werden.
Die Direkteffekt-These besagt, „that social resources have a beneficial effect irrespective of whether persons are under stress“ (Cohen/Wills 1985: 310). Dieser Ansatz geht davon aus, dass soziale Beziehungen immer, d.h. unabhängig vom Grad an vorhandenem Stress, einen positiven Effekt auf das Wohlbefinden einer Person ausüben. Hierbei ist allein die Größe des Netzwerkes und weniger die Qualität der Beziehungen ausschlaggebend. „In this approach, information on the quality of the relationships is not acquired because the goal is
2 Die Ausführungen zu den theoretischen Ansätzen sind die erweiterten Darstellungen meines gemeinsam mit Thomas
Klein und Sven Schneider verfassten Artikels “Zum Einfluss sozialer Netzwerke auf die Mortalität unter
Berücksichtigung der Stressexposition“, der aller Voraussicht nach in der Oktoberausgabe der Zeitschrift für
Gerontologie und Geriatrie erscheinen wird.
Theoretischer Forschungsstand
to determine the total number of social connections and, by inference, the person’s level of integration in the community“ (Wills 1997: 168).
Auf die Bedeutung sozialer Integration machte schon Durkheim in seinen Überlegungen zum egoistischen Selbstmord aufmerksam: „Schließlich findet in jeder ineinander verflochtenen und
Empfindungsaustausch von allen zu einem, von einem zu allen statt, und es gibt eine Art moralischer Unterstützung, die den einzelnen, statt ihn auf sich selbst zurückzuwerfen, an den kollektiven Kräften teilhaben läßt und ihn dadurch stärkt, wenn er sich am Ende fühlt“ (Durkheim 1983: 233).
An diesem Punkt gelangt man zu einer wichtigen Funktion des sozialen Netzwerkes: der sozialen Unterstützung. Da man jedoch verschiedene Arten der Unterstützung unterscheiden kann, möchte ich diese im folgendem Unterkapitel vorstellen und deren Wirkungsweisen näher erläutern. Daraufhin werden Merkmale und Qualität von sozialen Netzwerken beschrieben, weil verschiedene Eigenschaften von Netzwerken und Beziehungen für gewisse Formen der sozialen Unterstützung unterschiedlich geeignet sind.
2.1.1 Inhaltliche Typologie sozialer Unterstützung
„Social support is defined as information leading the subject to believe that he is cared for and loved, esteemed, and a member of a network of mutual obligations“ (Cobb 1976: 300). Cohen und Wills (1985: 313) unterscheiden zwischen vier Arten der sozialen Unterstützung, nämlich zwischen (1) emotionaler, (2) instrumenteller, (3) informeller und (4) diffuser Unterstützung.
(1) Emotionale Unterstützung. Hiermit ist das Vorhandensein von Personen gemeint, welchen man vertrauen und Gefühle und Probleme teilen kann (Wills 1997: 168). Dazu gehört auch, dass soziale Netzwerke basale emotionale Bedürfnisse befriedigen wie etwa soziale Integration, Selbstvertrauen, Bestätigung, Wertschätzung und Intimität (Cohen/Wills 1985: 313; Hibbard/Pope 1993: 218; Shye/Mullooly/Freeborn et al. 1995:935; Steinkamp 1993: 116). 3 Zum einen vermittelt emotionale Unterstützung ein Zugehörigkeitsbewusstsein, d.h. dass man in ein Netzwerk wechselseitiger Verpflichtung
3 „This type of support has also been referred to as [...] [esteem support], expressive support, self-esteem support,
ventilation, and close support“ (Cohen/Wills 1985: 313).
Theoretischer Forschungsstand
und Kommunikation integriert ist. Zum anderen besteht die Unterstützung darin, „eine Person zu ermutigen, sie gegen Ängste und Hilflosigkeitsgefühle zu schützen und so zur „Wiedergewinnung des seelischen Gleichgewichts“ beizutragen“ (Diewald 1991: 75). Das psychische Wohlbefinden einer Person ist wiederum dadurch ausschlaggebend für den Gesundheitszustand, da es direkt im Körper physiologische Prozesse hervorruft, die die Empfänglichkeit von Krankheiten beeinflussen. Aber auch indirekt kann die psychische Verfassung über Verhaltensmuster (wie z.B. übermäßiger Zigaretten- oder Alkoholkonsum) das Risiko zu erkranken oder zu sterben beeinflussen (Cohen/Wills 1985: 311).
(2) Instrumentelle Unterstützung 4 „is the provision of financial aid, material resources, and needed services“ (Cohen/Wills 1985: 313). Darunter fallen neben materieller Unterstützung (zur Verfügungsstellen von Geld, Gegenständen oder Räumlichkeiten) auch Arbeitshilfen (wie z.B. Hilfe bei Umzügen, Renovierungen, Hausarbeit und Kinderbetreuung) (Wills 1997: 168; Diewald 1991: 70 ff.). Instrumentelle Unterstützung kann dadurch helfen, Stress zu verringern, indem materielle Probleme direkt gelöst werden und indem die betroffene Person durch gezielte Arbeitshilfen entlastet wird (Cohen/Wills 1985: 313). Verfügt eine Person über eine geringere Anzahl an Bezugspersonen, bedeutet dies eine geringere Bereitstellung instrumenteller oder finanzieller Hilfeleistungen und somit höhere Belastung, die sich in einem schlechteren Gesundheitszustand widerspiegeln kann.
(3) Informationelle Unterstützung „is help in defining , understanding, and coping with problematic events“ (Cohen/Wills 1985: 313) 5 . Einerseits fallen darunter sachbezogene Informationen im Sinne von praktischem Wissen oder von Auskünften wie beispielsweise Informationen über freie Arbeitsplätze, die Qualität von Ärzten und Möglichkeiten zu Vorsorgeuntersuchungen (Diewald 1991: 72; Wills 1997: 168). Andererseits sind hierunter auch Ratschläge zu verstehen, die entweder einem eher sachlichem oder auch persönlichem Bereich zu zuordnen sind (Diewald 1991:73). Folglich könnte sich eine geringe Netzwerkgröße deshalb nachteilig auf das Risiko zu erkranken oder zu sterben auswirken, weil mit wenigen engen Beziehungen auch ein geringeres Wissen über medizinische Sachverhalte und den Zugang zu formeller Gesundheitsversorgung verbunden ist (Baumann/Filipiak/Stieber et al. 1998: 191; Shye/Mullooly/Freeborn et al. 1995: 935 f.).
4 „Instrumentell support is also called aid, material support, and tangible support“(Cohen/Wills 1985: 313).
5 „It has also been called advice, appraisal support, and cognitive guidance“(Cohen/Wills 1985: 313).
Theoretischer Forschungsstand
(4) Diffuse Unterstützung ist nach Cohen et al. (1985) eine weitere Dimension sozialer Unterstützung. Dazu zählen sie beispielsweise Freundschaft, durch die man mit anderen seine Freizeit verbringt und etwas gemeinsam unternimmt. Dies könnte deshalb Stress reduzieren, indem das Bedürfnis nach Zugehörigkeit und nach Kontakten mit anderen befriedigt wird, und dadurch, dass man anderen hilft, diese von ihren Sorgen abzulenken, und man somit eine positive seelische Verfassung ermöglicht (Cohen/Wills 1985: 313). „Gemeinsame Unternehmungen mit anderen Menschen wie zum Beispiel gegenseitige Besuche, Parties, Ausgehen etc. sind Aktivitäten, die mit Spaß verbunden sind. Sie können deshalb zu sozialer Unterstützung gezählt werden, weil sie allgemein zu einer positiven Gemütslage beitragen [...]. Sie können sogar gezielt als Bewältigungsstrategie eingesetzt werden, um eine Person aus der Isolation oder einer depressiven Stimmung herauszureißen“ (Diewald 1991: 73).
Nachdem nun die gebräuchlichsten Unterstützungsarten des sozialen Netzwerkes und deren Wirkungsweisen erläutert wurden, sollen im Folgenden Merkmale und Qualität von sozialen Netzwerken beschrieben werden, da diese oben beschriebenen Funktionen auf unterschiedliche Eigenschaften von Netzwerken und Beziehungen zurückgreifen.
2.1.2 Merkmale und Qualität von Beziehungen und Netzwerken
Zunächst kann man zwischen einer funktionalen und einer strukturellen Betrachtungsweise von Netzwerken differenzieren. „Functional measures are those that directly assess the extent to which these relationships may provide particular functions“ (Cohen/Wills 1985: 315). Ziel der Berücksichtigung der funktionalen Eigenschaften von Netzwerken ist, den Umfang der Beziehungen festzustellen, von denen eine Person weiß, dass diese ihr je nach Bedarf soziale Unterstützung 6 gewähren (Wills 1997: 168). Dies bedeutet, dass in der funktionalen Perspektive erst die beobachtbaren Transaktionen oder die Wahrnehmung bestimmter Inhalte sozialer Unterstützung als soziale Unterstützung angesehen werden. „Von einer strukturellen Perspektive sozialer Unterstützung kann dann gesprochen werden, wenn bereits das bloße Vorhandensein bestimmter Beziehungsformen (Ehebeziehung, Existenz naher Verwandter, von Freunden etc.) [...] mit sozialer Unterstützung gleichgesetzt werden“ (Diewald 1991: 78). Die Anzahl vorhandener
6 Nach den Definitionen und Erläuterungen aus dem Kapitel 2.1.1
Theoretischer Forschungsstand
Beziehungen unabhängig von deren Intensität und Qualität, d.h. nur die Struktur des Netzwerkes, spiegelt die Integration in eine Gemeinschaft wider (Cohen/Wills 1985: 314; Wills 1997: 168). Unabhängig von konkreten Belastungen und darauf erfolgenden konkreten Unterstützungsleistungen werden soziale Beziehungen als Ressourcen angesehen, die generell alltägliche Dinge und die Problembewältigung erleichtern (Diewald 1991: 78).
Des Weiteren kann man zwischen gezielter (bewusster) und latenter (unbewusster) sozialer Unterstützung unterscheiden. Diese Unterscheidung geht in die ähnliche Richtung wie die obige Differenzierung zwischen funktionaler und struktureller Betrachtungsweisen von sozialen Netzwerken. Unter gezielter sozialer Unterstützung ist zu verstehen, dass eine Person als Reaktion auf ihre konkrete Probleme mehr oder weniger zeitlich begrenzt unterstützt wird, was sowohl vom Empfänger als auch vom Bereitsteller der Unterstützung bewusst wahrgenommen wird. Dieses gezielte Unterstützungsverhalten wird vor allem mit der Puffereffekt-These, d.h. wenn Stresssituationen vorliegen, in Zusammenhang gebracht (Diewald 1991: 82).
Latente soziale Unterstützung ist eine eher unbewusste Unterstützung durch das Vorhandensein dauerhafter interpersoneller Beziehungen unabhängig von spezifischen Belastungssituationen. Bewusst wird deren Wirkung meist erst dann, wenn diese beständige Unterstützung plötzlich fehlt. Auf diese latente Art der Unterstützung wird in der Direkteffekt-These Bezug genommen (Diewald 1991: 82).
Als weiteres Charakteristikum sozialer Netzwerke kann man dessen Differenzierung in starke und schwache Beziehungen nennen. Als starke soziale Beziehungen („strong ties“) gelten beispielsweise Familienbeziehungen, Beziehungen zu Freunden und Bekannten (Shye/Mullooly/Freeborn et al. 1995: 938; Falk/Hanson/Isacsson et al. 1992: 1137; Seeman/Kaplan/Knudsen et al. 1987: 716) und als schwache soziale Beziehungen („weak ties“) z.B. Arbeitskollegen oder andere Mitglieder eines Vereines oder Gruppe, der man angehört. „ „Schwache“ Beziehungen sind im Gegensatz zu „starken“ Beziehungen dadurch gekennzeichnet, dass sie weniger zeitintensiv sind, mit einem geringerem emotionalem Engagement verbunden sind, nicht intim und wenig multiplex sind“ (Diewald 1991: 101). Dahingegen ist die Vermittlung tieferer Gefühle wie Geborgenheit und Zuneigung ein Bereich starker Beziehungen. „Aber auch zeitaufwendige und dauerhafte Formen der sozialen Unterstützung wie umfangreiche Arbeitshilfen und Pflegeleistungen sowie die motivationale Unterstützung sind in starken Beziehungen eher zu Hause als in schwachen“ (Diewald 1991: 102).
Theoretischer Forschungsstand
2.2 Stress als Einflussfaktor des Mortalitätsrisikos
Trotz nunmehr jahrzehntelanger Forschung bezüglich Stress und Morbidität bzw. Mortalität gibt es noch nicht das überzeugende und eine vorherrschende Stellung einnehmende Konzept des Stresses (Kasl 1996: 13; Steptoe 1997: 174), sondern nur verschiedene nebeneinander mit unterschiedlichen Kernpunkten. Abhängig vom entsprechendem Forschungsschwerpunkt differenziert Kasl (1996: 14 f.) zwischen fünf verschiedenen Ansätzen von Stress:
(1) Stress ist ein umgebungsbedingter Zustand, der von Stressoren hervorgerufen wird. Diese Stressoren können objektiv definiert und gemessen werden. (2) Stress ist eine subjektive Wahrnehmung oder Bewertung eines umgebungsbedingten Zustandes. Die Bedeutung eines solchen Stressors wird folglich von Individuum zu Individuum variieren.
(3) Stress ist eine besondere Antwort oder Reaktion mit einer Vielzahl an gesundheitsrelevanten Auswirkungen. Dazu zählen psychophysiologische Symptome, eine bedrückte und gereizte Gemütslage sowie spezielle Zustände von Krankheiten.
(4) Stress ist eine besondere Bedingung, die umgebungsbedingte mit persönlichen Charakteristika verbindet. Damit soll zum Ausdruck gebracht werden, inwiefern ein Individuum seinen umgebungsbedingten Anforderungen entsprechen kann. (5) Stress ist ein Prozess, der Komponenten wie Bewertung, den Umgang mit Stress und Wiederbewertung umfasst und nicht objektiv gemessen werden kann. In dieser Arbeit sei Stress auf obigen fünf Konzepten aufbauend, aber allgemeiner definiert als ein Muster spezifischer und unspezifischer Reaktionen eines Organismus auf Reizereignisse, die sein Gleichgewicht stören, Anpassungsleistungen erfordern und seine Fähigkeit zur Bewältigung beanspruchen oder überschreiten (Adler et al. 1994: 19; Gerhardt 1991: 209). Tritt Stress kumulativ und / oder massiv auf, kann diese Anpassungsleistung möglicherweise nicht erbracht werden (Biener 1993: 170 f.). In klassischen Stressstudien wird häufig zwischen Eu- und Disstress unterschieden. Von Eustress (eu = griechisch „gut, wohl“) wird im Zusammenhang mit freudiger und kurzfristiger Aufregung gesprochen, wie sie beispielsweise Sprinter direkt vor dem Startschuss erleben oder das Lampenfieber vor einem Vortrag oder Auftritt (Henry/Stephens 1977: 5). „Der Eustreß treibt uns vorwärts, spornt uns an, ermöglicht Leistungen; ohne ihn wären die Fortschritte der Menschheit kaum denkbar“ (Biener 1993:
Theoretischer Forschungsstand
76). Es ist eine Art von lebensförderndem positivem Stress, „what gives zest to life. It is associated with every sort of effort and is indeed nothing to be avoided. Distress, on the other hand, [is] [...] associated with the unfulfilled need for achievement and with deprivation“ (Henry/Stephens 1977: 5). Bei dem Disstress (Dysstreß, dys = griechisch „schlecht“) (Biener 1993: 171) handelt es sich um lebensbedrohenden negativen Stress, der überfordert, überlastet, die Leistungsfähigkeit einschränkt, krank macht und zu psychosomatischen Störungen führt (Biener 1993: 76). Biener (1993: 76 f.) erhielt bei einer Befragung von 546 Frauen im Alter von 20 bis 65 Jahren in der Nordschweiz bezüglich Begründungen zur Frage, ob es positiven bzw. negativen Stress gibt, einige bemerkenswerte Antworten. Einige Begründungen für einen positiven Stress lauten: „ „Streß bedeutet produktives Arbeiten – keine Langeweile – man ist ausgefüllt – man bleibt vital – man erhält sich jung – zirkulationsfördernd – man wird gefordert – bringt Befriedigung“. Einige bemerkenswerte Begründungen für negativen Streß lauten: „Streß ist nie gut – Streß in jeder Form schadet – Streß führt immer zu Verkrampfung – schlechter Streß ist der, den man nicht verarbeiten kann – wenn Ausgleich fehlt – die Nerven aufreibend – Störungen für Herz und Kreislauf““ (Biener 1993: 76 f.). Anhand obiger Ausführungen kann man vermuten, dass es nicht der Stress generell ist, sondern nur der Disstress, der zu erhöhtem Morbiditäts- und Mortalitätsrisiko führt.
Allen Stresssituationen ist gemeinsam, dass sie mit Gefühlen und Empfindungen wie Spannung, Unruhe und Angst verbunden sind. Dabei werden körperliche Reaktionen wie die Zunahme von Puls und Blutdruck und Hormonveränderungen hervorgerufen. Manche Auswirkungen dieser körperlichen Veränderungen wie z.B. Schweißausbruch, Zittern und Muskelspannungen kann die betroffene Person selber wahrnehmen (Tausch 1996: 17). Solche Stresssymptome können sowohl psychischer als auch physischer Art sein. Psychische Symptome von Stress können Nervosität, innere Unruhe, Angstzustände, Konzentrationsstörungen, Erinnerungsblockaden und mangelndes Selbstvertrauen sein, um nur einige zu nennen. Als physische Stresssymptome können Kopfschmerzen, Magenschmerzen, Kreislauferkrankungen, Infarkt, Hautausschläge, Tablettensucht, Schlafstörungen und körperliche Erkrankungen ohne deutliche Ursachen genannt werden (Biener 1993: 171). Diese unangenehmen Empfindungen und körperlichen Vorgänge treten immer dann auf, wenn ein Ereignis oder eine Situation als einschränkend oder bedrohlich für das eigene Wohlbefinden wahrgenommen bzw. eingeschätzt wird. Hierbei schlägt sich der empfundene Stress sowohl in Gefühlen, Körperempfindungen und Gedanken als auch im Verhalten und in Handlungen nieder (Tausch 1996: 16 f.).
Theoretischer Forschungsstand
Jedoch unterscheiden sich Stresssituationen durch ihre Ursache und ihre zeitliche Dauer. „In general, stress which is related to events ought to be distinguished from stress which originates in permanent structural strain“ (Schienstock 1985: 130). Als Ereignisse sind hierbei jegliche Umstände gemeint, deren Auftreten basale Lebensgewohnheiten eines Individuums verändern (Wilcox 1981: 372). Hierzu zählen beispielsweise Ehescheidung, Trauerfall und Arbeitsplatzverlust, um nur einige kritische Lebensereignisse 7 zu nennen (Holmes/Rahe 1967: 216; Cohen/Wills 1985: 314; Tausch 1996: 30 ff.). Zur Messung von permanentem Stress werden häufig Belastungen am Arbeitsplatz herangezogen, wie beispielsweise Bedingungen der Umgebung wie Lärm und Temperatur, Arbeitszeiten und psychische Belastungen wie Überforderungen und Unsicherheit hinsichtlich Informationen (Schienstock 1985: 130). Des Weiteren kann man zwischen Stressoren, d.h. Stressursachen, die Stressreaktionen auslösen, auf beruflicher und auf privater Ebene differenzieren. Als Arbeitsüberlastung, drohende Kündigung, Überforderung, Unterforderung, Stellenwechsel, Pensionierung, Differenzen mit Arbeitskollegen oder Vorgesetzten, Arbeitslosigkeit und Anerkennungsmangel angesehen werden. Stressoren auf privater Ebene können beispielsweise Schulden, Reisen, Eheprobleme, Scheidung, Prüfungen, Heirat, Schwangerschaft und Festtage sein (Biener 1993: 171).
Abschließend ist festzuhalten, dass Stress einen indirekten Einfluss auf das Morbiditäts-und Mortalitätsrisiko ausüben kann (Adler/Boyce/Chesney et al. 1994: 19). Stress kann das Risiko zu erkranken oder zu sterben sowohl über stressbedingte gesundheitsgefährdende Verhaltensweisen wie Tabak- und Alkoholkonsum und ungesunde Ernährungsweise (Tausch 1996: 17) als auch über körperliche Reaktionen wie erhöhten Blutdruck und Cholesterinwert 8 beeinflussen (Biener 1993: 13 f.; Steptoe 1997: 176). Gerade permanenter Stress kann durch einen dauerhaft erhöhten Blutdruck und erhöhten Cholesterinswerten zu einem ansteigendem Herzinfarktrisiko beitragen. Stress, der über einen langen Zeitraum
7 Holmes und Rahe entwickelten in ihrer Arbeit 1967 eine Rangliste mit 43 möglichen kritischen Lebensereignissen, die
nach dem Stellenwert ihrer Auswirkungen geordnet sind. Zusätzlich werden diesen Ereignissen ihrem Stellenwert
entsprechende Werte zugeordnet, wobei der Tod des Ehepartners als das am stärksten einschneidende Lebensereignis an
erster Stelle steht und den höchsten Wert erhält (Holmes/Rahe 1967: 213-118).
8 Der beispielsweise genannte erhöhte Cholesterinwert kann als Folge der stressbedingten unüberlegten
Nahrungsaufnahme angesehen werden (Biener 1993: 13)
Theoretischer Forschungsstand
hinweg andauert, kann aber auch durch den stressbedingten übermäßigen Tabak- und Alkoholkonsum ebenfalls die Entstehung schwerwiegender Erkrankungen wie beispielsweise bösartige Neubildungen begünstigen. „Oft ist der Manager nicht am Streß, sondern an den zwei Päckchen Zigaretten pro Tag gestorben“ (Biener 1993: 14).
2.3 Die Puffereffekt-These: soziale Netzwerke und Stress als interagierende Einflussfaktoren des Mortalitätsrisikos
Nachdem nun Konzepte zu den Wirkungsweisen der sozialen Netzwerke und des Stresses als unabhängige Einflussfaktoren auf das Mortalitätsrisiko erläutert wurden, sollen im Folgenden theoretische Überlegungen bezüglich der interagierenden Effekte dieser beiden Faktoren hinsichtlich des Risikos zu erkranken oder zu sterben abgehandelt werden. In der Literatur wird zur Erklärung dieses Interaktionseffektes üblicherweise die Puffereffekt-These herangezogen. Diese besagt, „that support „buffers“ (protects) persons from the potentially pathogenic influence of stressful events“ (Cohen/Wills 1985: 310), d.h., dass die Unterstützung des sozialen Netzwerkes erst dann greift, wenn sich eine Person in einer stressvollen Lebenssituation befindet. Diewald (1991: 96) unterscheidet hierbei zwischen einer „harten“ und einer „weichen“ Version der Puffereffekt-These. Nach der „harten“ Version hat soziale Unterstützung ausschließlich dann eine positive Wirkung auf das individuelle Wohlbefinden, wenn belastende Umstände vorhanden sind, auf die sich die soziale Unterstützung direkt bezieht. Nach der „weichen“ Version ist soziale Unterstützung nicht nur als Reaktion auf spezifische Belastungen zu verstehen, sondern soziale Unterstützung wirkt während einer belastenden Situation stärker als unter weniger stressvollen Umständen. D.h., dass soziale Unterstützung dauerhaft das Wohlbefinden einer Person positiv beeinflusst, besonders bzw. verstärkt jedoch dann, wenn sich diese Person in einer schwierigen Lage befindet.
Doch wodurch kann das soziale Netzwerk eine Person unterstützen, die sich in einer stressvollen Lebenssituation befindet, und die negativen Konsequenzen des Stresses „abpuffern“? Diese Frage soll im Folgenden durch einen kurzen Abriss über die Wahrnehmung einer Belastung und das individuelle Bewältigungsgeschehen hinterleuchtet werden, um dann mögliche Ansatzpunkte sozialer Unterstützung in stressvollen Lebenssituationen herausarbeiten und damit die Frage beantworten zu können.
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Dr. Monique Zimmermann-Stenzel, 2002, Geteiltes Leid ist halbes Leid? Eine empirische Untersuchung zum Einfluss des sozialen Netzwerkes auf das Mortalitätsrisiko unter Berücksichtigung der Stressexposition, Munich, GRIN Publishing GmbH
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