Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Fragestellung 3
2. Theorien zur Erklärung von geschlechtsspezifischen Ungleichheiten 4
3. Aspekte der geschlechtsspezifischen Ungleichheit 6
4. Überprüfung der Theorien und Beantwortung der Fragestellung 12
5. Literaturverzeichnis 16
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1. Einleitung und Fragestellung
Trotz gleicher Bildungschancen, Quotenregelungen und anderen politischen Maßnahmen existieren nach Anja Lehner auch heute noch in der BRD große geschlechtsspezifische Ungleichheiten in den Lebensbedingungen. Solche Ungleichheiten lassen sich besonders auf dem Arbeitsmarkt feststellen, der indirekt die Lebenschancen wesentlich mitbestimmt. In dieser Hinsicht lassen sich oftmals Unterschiede im Arbeitsmarktzugang, in der Arbeitsplatzsicherheit, in den Arbeitsbedingungen, in den Aufstiegschancen und in der Entlohnung von Arbeitsleistungen feststellen.
Inwiefern auch heute noch Ungleichheiten zwischen Männern und Frauen bestehen und wie diese zu erklären sind, soll im folgenden erläutert werden.
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2. Theorien zur Erklärung von geschlechtsspezifischen Ungleichheiten
Zur Erklärung und Erläuterung von geschlechtsspezifischen Ungleichheiten zieht Anja Lehner Annahmen der Humankapitaltheorie, der Arbeitsmarktsegmentationstheorie, des Alternativrollenkonzepts und der These der Berufssegregation heran.
Die Humankapitaltheorie geht von der Annahme aus, „daß die Produktivität einer Arbeitskraft mit der Qualifikation und der Berufserfahrung steigt und daß für höhere Produktivität ein höheres Einkommen vergütet wird. [...] Einkommensunterschiede zwischen den Geschlechtern resultieren demgemäß aus einer geringeren Investition der Frauen in Bildung und Weiterbildung.“ 1 Vermutlich hängt diese geringere Investition mit den Unterbrechungszeiten der Frauen zusammen, die durch familiäre Aufgaben hervorgerufen werden. Damit kalkulieren Frauen bei der Berufswahl diskontinuierliche Berufsverläufe mit ein, was eine kürzere Verwertzeit des Humankapitals und weniger Berufserfahrung im Vergleich zu Männern bedeutet. Da aber der technische Fortschritt im Haushalt große Zeiteinsparungen mit sich brachte, könnten Frauen diese Zeit nutzen, ihre Unterbrechungszeiten zu verkürzen und einen Beruf ausüben. Dabei spielt besonders die Tendenz zur Kleinfamilie eine große Rolle, durch die die Kindererziehungsphase immer kürzer wird.
Die Segmentationstheorie vertritt die grundsätzliche Vorstellung, „daß der Gesamtarbeitsmarkt sich aus einer Reihe relativ abgegrenzter Teilmärkte zusammensetzt. Diese stehen nicht allen Marktteilnehmern in gleichem Umfang offen. [...] Die Segmente unterscheiden sich in Arbeitsbedingungen, Aufstiegschancen und Löhnen.“ 2 Dabei wird zwischen primären Segment, in dem gute Bedingungen herrschen, aber auch hohe (Qualifikations-) Ansprüche an die Arbeitnehmer gestellt werden, und sekundären Segment, der durch niedrigere Qualifikationsansprüche an den Arbeitnehmer, Arbeitsplatzunsicherheit, schlechtere Arbeitsbedingungen und niedrigeres Einkommen charakterisiert ist. Frauen sind häufiger im sekundären Segment zu finden, weil sie aufgrund der diskontinuierlichen Berufsverläufe, Qualifikationsdefizite und Unterbrechungszeiten nicht den hohen Anforderungen des primären Segments entsprechen. Dies bedeutet, daß Frauen, die im sekundären Segment
1 A. Lehner (1996) Der „kleine Unterschied“ , S. 81
2 A. Lehner (1996) Der „kleine Unterschied“ , S. 82
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tätig sind, überproportional häufig von niedrigen Löhnen, schlechten Aufstiegschancen und Kündigungen aufgrund Rationalisierungen betroffen sind. Selbst bei gleicher Ausbildung wird ein Einkommensunterschied zwischen Männern und Frauen erwartet, da es nach Lehner Frauen schwerer als Männer haben, in einem Betrieb beruflich Karriere zu machen, was an den schon oben erwähnten Unterbrechungszeiten liegen kann.
Weiterhin kann versucht werden, geschlechtsspezifische Ungleichheiten mit Hilfe des Alternativrollenkonzepts zu erklären. „Es geht davon aus, daß verschiedene Gruppen von Arbeitnehmern zur Sicherung ihres Lebensunterhaltes sozial anerkannte Alternativen haben. Z.B. können verheiratete Frauen die Alternativrolle Hausfrau übernehmen. Alternativrollenträger charakterisieren sich dadurch, daß sie Arbeitgebern als nicht beschäftigungsstabil und damit zu teuer für ausbildungsintensive Arbeitsplätze erscheinen.“ 3 Weil Frauen möglicherweise Kinder bekommen können und deshalb ihre Berufstätigkeit unterbrechen, werden sie auf dem Arbeitsmarkt als unberechenbar eingestuft, bekommen unvorteilhafte Arbeitsplätze mit geringerem Einkommen und werden bei betrieblichen Beförderungen in besser bezahlte Führungspositionen nicht berücksichtigt.
Zusätzlich kann noch die These der Berufssegregation zur Erklärung der Ungleichheiten zwischen Frauen und Männern herangezogen werden. Der Arbeitsmarkt ist nicht nur vertikal nach Hierarchien gegliedert, sondern auch horizontal nach Branchen und Berufen. Dabei geht Lehner nun davon aus, „daß sich auf dem Arbeitsmarkt spezielle Berufe herausgebildet haben, die dem spezifischen Arbeitsvermögen der Frauen entsprechen. Da die Haus- und Familienarbeit gesellschaftlich weniger als Arbeit (im Gegensatz zur Arbeit als Erwerbstätigkeit) anerkannt wird, werden auch typisch weibliche Erwerbstätigkeiten geringer entlohnt.“ 4 Als typisch weibliche Erwerbstätigkeiten werden haushalts- und familiennahe Berufe angesehen, z.B. Pflegeberufe oder Tätigkeiten in der Gastronomie. Da Frauen häufiger in diesen Berufsfeldern arbeiten, entstehen so Einkommensunterschiede zwischen den Geschlechtern.
3 A. Lehner (1996) Der „kleine Unterschied“ , S. 83-84
4 A. Lehner (1996) Der „kleine Unterschied“ , S. 84
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Dr. Monique Zimmermann-Stenzel, 1998, Geschlechtsspezifische Ungleichheiten, Munich, GRIN Publishing GmbH
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