Inhalt
1. Vorwort 3
2. Methoden 5
3. Digitale Fotografie - Einleitung 7
3.1. Technik 7
3.2. Technische Geschichte 8
4. Techniksoziologie 10
5. Digitale Fotografie - Die Studie 13
5.1. Interviewpartner 13
5.2. Allgemeine Veränderungen durch die Digitale Fotografie 15
5.3. Veränderungen im Fotografierverhalten 20
5.4. Veränderung in der Archivierung, Präsentation und im Gebrauch 23
6. Fazit 26
7. Anhang 28
8. Bibliografie 31
2
1. Vorwort
Seit der Erfindung und massenhaften Verbreitung des Computers schreitet die Digitalisierung der uns umgebenden Daten in den verschiedensten Lebensbereichen unaufhörlich voran. Sei es die Verdrängung der Schallplatte sowie der Audiokassette durch die Compact Disc (CD) und das Musik-Dateiformat „mp3“ oder die Ablösung der analogen Videokassette durch die Digital Versatile Disc (DVD) oder der Wechsel vom Karteikarten-Katalog des Buchbestandes der Universitätsbibliothek hin zur Archivierung im Online-Katalog. Digital setzt sich durch. Seit etwa zehn Jahren nagen die digitalen Binärcodes -bestehend aus „0“ und „1“auch an einer uns allen liebgewonnenen Tätigkeit - dem analogen Fotografieren. Auch wenn heute -gut zwölf Jahre nach der Markteinführung der ersten Digitalkamera- analoge Fotoapparate, Fotoentwickler und Dunkelkammer sich noch immer großer Beliebtheit erfreuen 1 , so macht ein näherer Blick in die Verkaufszahlen doch eines deutlich. Der gesamte Imaging-Markt befindet sich Aufbruchstimmung und der Markt für Digitalkameras ist einer der schnellstwachsenden im gesamten Fotosektor. Der Absatz an digitalen Kameras stieg von 18,5 Millionen im Jahr 2001 auf 27,5 Millionen Stück weltweit im Jahr 2002 und ist damit der stärkste Wachstumssektor im gesamten Imaging-Markt. 2 Experten rechnen damit, dass spätestens 2004 das Jahr des digitalen Bildes wird.
Die vorliegende Hausarbeit soll eine kurze technische Einleitung über Digitalfotografie geben, sowie einen Überblick über die für das Fach Europäische Ethnologie relevanten Fragen schaffen, welche Veränderungen die neue Technologie Digitale Fotografie für Benutzer mit sich bringt und welche möglichen Auswirkungen diese Veränderungen auf die Gesellschaft haben könnten. Denn neue, vielversprechende Technologien, die in erster Instanz vorhandene Probleme lösten und zu einer Rationalisierung des Alltags beitrugen, kreierten im Nachhinein oft auch neue, unerwartete Herausforderungen. Kaum vorhersehbare Konsequenzen wie z.B. die weltweite Ausbreitung des Autos 3 und das damit einhergehende ökologische Desaster oder gesellschaftliche Probleme wie z.B. signifikante
1 Der Absatz analoger Kameras ging zwar von 66 Millionen im Jahr 2001 auf etwa 64 Millionen Stück in 2002 zurück, doch stellen analoge Modelle immer noch den größten Anteil am weltweiten Kameramarkt. [Quelle: Nicolay, Klaus-Peter: Der digitale Durchbruch unter: www.druckmarkt.com/Hefte/24-Oe-printing/ 24digit-durchbruch.pdf]
2 Quelle: ebd.
3 Bei Daimler schätzte man anfangs, dass weltweit nicht mehr als 50.000 Autos verkauft werden könnten. Mehr qualifizierte Chauffeure, so die These, würden sich nicht finden lassen.
3
Jugendverschuldung, die unter anderem durch die Benutzung von Mobiltelefonen entstanden ist 4 , stellen nur zwei Folgeprobleme von innovativen Neuerungen dar.
Ausgehend von einer empirischen Untersuchung soll die Benutzung von Digitaler Fotografie aufgezeigt und deren alltagspraktische Verwendung nachgewiesen werden. Als theoretisches Grundgerüst sollen Gedanken aus dem Bereich der Techniksoziologie dienen, die kurz zusammengefasst sowie auf Tauglichkeit für die Digitale Fotografie hin geprüft werden.
Am Ende soll ein Fazit verdeutlichen, wieso die Digitale Fotografie einen weiteren Schritt in Richtung Digitalisierung von lebensweltlichen Daten unserer Gesellschaft darstellen könnte und wie der Computer als zentrales Instrument dieses Prozesses immer mehr in den Mittelpunkt unserer Lebenswelt rückt.
4 In den vergangenen vier Jahren hat sich in der Altersgruppe 20-24 Jahre die Zahl derjenigen verdreifacht, die ihre Handy- oder Internetrechnung auch nach mehreren Mahnungen nicht bezahlen konnten: 282 000 junge Erwachsene telefonierten auf Pump.
4
2. Methoden
Zur besseren Nachvollziehbarkeit meiner Forschung und von deren Ergebnissen sollen in diesem Abschnitt die Herangehensweise an den Forschungsprozess sowie die verwendeten Methoden erläutert werden.
Ausgehend vom Seminar „Fotografien als soziale Praxis“ im Sommersemester 2003 am Institut der Europäischen Ethnologie, in dem ich an einer empirischen Studie teilnahm, die anhand des Bourdieuischen Habitusbegriffes untersuchte, welche sozialen Gruppen, wann, wo und wie fotografieren, entwickelte ich durch die teilnehmende Beobachtung von Fotografen die Idee, die relativ neue Technologie der Digitalen Fotografie und die damit einhergehenden Veränderungen für private Hobbyfotografen genauer zu untersuchen. Nach kurzen Gesprächen mit privaten Digitalfotografen, die ich in Form von Gedächtniskladden festgehalten habe, fing ich an, gezielt nach Benutzern digitaler Kameras in meinem näheren, später auch im weiteren Bekanntenkreis zu suchen, um mit diesen Interviewtermine zu vereinbaren. Das Auffinden von Interviewpartnern erwies sich problematischer als zunächst erwartet, da Digitalkameras im Gegensatz zu analogen Geräten noch keine vergleichbare Verbreitung gefunden haben. 5
Auch wenn dies länger als geplant dauerte, wurde ich fündig und führte anhand eines Fragebogenkataloges (siehe Anhang), der allerdings nur als Leitfaden diente, insgesamt vier qualitative Interviews mit drei männlichen Interviewpartnern aus dem privaten Amateurfotobereich und einer weiblichen Interviewpartnerin aus dem
Pressefotografiebereich. Letzteres Interview floss allerdings nicht in diese Hausarbeit mit ein, da der Schwerpunkt auf den Amateurbereich gesetzt wurde. Die Informanten waren zum Zeitpunkt der Befragung im Alter zwischen 23 bis 58 Jahren. Die Interviews hatten jeweils einen Umfang von ca. einer bis zwei Stunden, die ich auf Mikrokassetten aufgezeichnet und zur Analyse transkribiert habe.
Für einen differenzierteren Blick bezüglich der geschlechterspezifischen Nutzung Digitaler Fotografie im privaten Amateurfotobereich wäre es sicherlich interessant gewesen, weibliche Interviewpartner zu befragen. Dies blieb mir allerdings verwehrt, könnte aber Anstoß für weitere Forschung auf diesem Gebiet sein.
5 Zwar erlebt der Markt für digitale Fotoapparate derzeit einen großen Boom (vgl. Vorwort), doch haben sich die Digitalkameras erst seit verhältnismäßig kurzer Zeit im Elektrogroßmarkt etabliert, was den Zugang einer breiteren Konsumentenschicht zu Digitalkameras bedeutet.
5
Einen Überblick über den aktuellen Stand der Technik erhoffte ich mir auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) zu bekommen, die ich Anfang September besuchte, da hier diverse Hersteller von Digitalkameras vertreten waren.
Im Canon-Zelt am Potsdamer Platz, wo das 30-jährige Bestehen des Kameraherstellers in Deutschland gefeiert wurde, konnte ich in Gesprächen mit fachkundigem Personal ebenfalls weiteres Informationsmaterial zum Thema Digitale Fotografie erhalten. Um nicht der Werbebeeinflussung einer Marke zu unterliegen, beschaffte ich mir zudem Broschüren und Prospekte von anderen Kameraherstellern.
Am Anfang meiner Forschungsarbeit versuchte ich mir durch die Lektüre von Fachzeitschriften wie etwa dem „DigitalCamera magazin“ theoretische Perspektiven zu erschließen. Im weiteren Verlauf geschah dies vermehrt durch das Lesen von wissenschaftlichen Büchern zum Thema Techniksoziologie.
Ist in dieser Hausarbeit von Technik die Rede, so sind, wie Günter Ropohl vorschlägt, unter dem Begriff drei Dimensionen zu verstehen. Zum Einen bezeichnet Technik „die nutzenorientierten, künstlichen und gegenständlichen Gebilde, Artefakte und Sachsysteme“ wie etwa auch die Digitalkamera, zum Zweiten „die menschlichen Handlungen, in denen diese Sachsysteme entstehen“ und zum Dritten „diejenigen Handlungen, den denen diese Sachsysteme verwendet werden“ 6 .
6 Ropohl, Günter: Technologische Aufklärung. Beiträge zur Technikphilosophie, Frankfurt/M 1991, S. 18
6
3. Digitale Fotografie - Einleitung
3.1. Technik
Digitale Fotografie stellt im Sinne der Definition von Fotografie -also ein Verfahren zur naturgetreuen, zweidimensionalen Reproduktion eines reellen Bildes durch Einwirkung von Lichtwellen auf lichtempfindliche Schichten 7 - eigentlich keine wirkliche Technikinnovation dar. Was die Digitale Fotografie allerdings gegenüber der analogen Fotografie, die mit Hilfe eines lichtempfindlichen Films und chemischer Entwicklungsprozesse Negativ- und Positivbilder erzeugt, so revolutionär macht, ist die neuartige, digitale Speicherung der Lichtbzw. Bildinformationen auf einem Speichermedium. 8
Das Licht, welches durch die Linse eintritt, trifft nicht mehr, wie bei der analogen Fotografie, auf einen mit Silberhalogenidkörnchen beschichteten Film, sondern auf einen lichtempfindlichen Sensor, einen Charged Coupled Device (CCD), der die Lichtinformationen in einen Binärcode umwandelt und speicherbar macht. Die digitale Speicherung der Bilddaten lässt herkömmliches Handwerkszeug wie etwa Film, Entwickler und Dunkelkammer in erster Instanz überflüssig werden, was als bedeutendste technische Veränderung gegenüber der analogen Fotografie festgehalten werden sollte.
Daher lässt sich für die Digitale Fotografie folgende Definition aufstellen. „Digitalfotografie ist das Erfassen dreidimensionaler Aufnahmeobjekte mit einer Kamera, die das durch die Optik einfallende Motiv als Standbild elektronisch aufzeichnet und digital verfügbar macht; das heißt ohne Positiv- und Negativbild.“ 9
7 Großes Lexikon A-Z, ISIS Verlag, Chur (CH) 1996
8 Zur Auswahl stehen derzeit mindestens fünf unterschiedliche Systeme von Speichermedien, die ja nach Kamerahersteller verschiedenen sind. CompactFlash-Karten bieten momentan ein Speichervolumen von bis zu 4 Gigabyte (GB) an, der von Sony entwickelte MemoryStick bis zu 1 GB. Ebenfalls 1 GB kann der von IBM entwickelte Microdrive speichern, bis zu 512 Megabyte (MB) die xD-Picture Card und bis zu 128 MB lassen sich auf der SmartMediaCart ablegen.
9 Knapp, Martin: Chip Spezial. Digitale Fotografie, Würzburg 1994
7
3.2. Technische Geschichte
Um die Entwicklungsstadien der Digitalen Fotografie von den ersten Überlegungen bis zu den heutigen Kompaktkameras zu verdeutlichen, soll an dieser Stelle eine kurze chronologische Abhandlung der Geschichte stehen.
Das Bestreben Fotos elektronisch abspeichern zu können, ohne den Umweg über Bild- oder Diascanner machen zu müssen, ist eng an das Aufkommen des Fernsehens verbunden. Fernsehbilder zeigten, dass es möglich ist, Bilder elektronisch zu übertragen und direkt von der Fernsehkamera auf den heimischen Apparat zu projizieren. Das große Problem stellte jedoch die nichtanaloge Speicherung dieser Bilder dar.
Die erste Kamera, die als Vorreiter der Digitalkamera angesehen werden kann, wurde deshalb auch als Stillvideo-Kamera bezeichnet und unter dem Namen Mavica (MAgnetic VIdeo CAmera) 1981 von Sony vorgestellt. Allerdings arbeitete diese Kamera, wie der Name schon vermuten lässt, mit einem Magnetband, was keine digitale Speicherung der Daten zuließ. Vorrangig in den USA brachten Kamerahersteller wie Canon, Nikon, Konica oder Fuji Weiterentwicklungen dieses Modells auf den Mark. In Europa war das Interesse an dieser Technologie eher verhalten.
Die erste wirkliche Digitalkamera, stellte 1991 die kalifornische Firma Dycam auf der Computerfachmesse CeBIT unter dem Namen „DigiCam“ vor. Die Kamera war mit einem lichtempfindlichen CCD-Chip sowie einem Speichermodul ausgestattet, das die direkte Übertragung der Bilder auf den Computer ermöglichte. Trotz des schwarz-weißen Aufnahmemodus’ und einer -aus heutiger Sicht schlechten- Auflösung von 376x240 Bildpunkten 10 war die Fachpresse begeistert. Das US-amerikanische Wirtschaftsmagazin „Fortune“ wagte sogar folgende Prognose:
„Ein Sturm technologischer Innovationen und neuer Produkte sammelt sich über der Welt der Fotografie an, der viel von dem wegblasen wird, was bis heute altbekannt ist. Filme, Chemikalien und Dunkelkammer werden ersetzt werden durch eine Technologie, die blendend und altbacken zugleich ist: dem Computer.“ 11
Auf der photokina, einer internationalen Fachmesse für die Photo- und Bildbearbeitungs-Branche in Köln, präsentierten 1992 nahezu alle namhaften Firmen aus den
10 Neuere Digitalkameras für professionelle Anwender können Bilder mit einer Auflösung von bis zu 5440x4080 Bildpunkten erfassen.
11 Nulty, Peter: The New Look of Photography, Fortune Magazine, 1. Juli 1991
8
Arbeit zitieren:
Jörn Schulz, 2003, Digitale Fotografie - Fotografieren als soziale Praxis, München, GRIN Verlag GmbH
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