Inhaltsverzeichnis:
1. Einführung 3
2. Renzo – Ein mittlerer Held 4
3. La provvidenza in den „Promessi sposi“ 6
4. Il pane della providenza – Der Brotstreit 7
4.1. Das Geschehen
4.2. Die Funktion Renzos im Brotstreit 11
4.3. Der Brotstreit im Kontext –
Bedeutung für die gesamte Erzählung 15
5. Zusammenfassung 16
Literaturverzeichnis 18
1. Einführung
Aufgabe dieser Arbeit soll es sein, den Brotstreit in den „Promessi sposi“ 1 von Alessandro Manzoni eingehend zu beleuchten und den Protagonist Renzo, sein Auftreten, seine Sprache, seinen Charakter und seine Funktion innerhalb des Geschehens darzustellen. Hierbei spielt vor allem der Erzähler und sein Einsatz der Sprache eine Rolle. Anschließend soll noch darauf eingegangen werden, in welchem Zusammenhang die Geschehnisse in Mailand zur gesamten Erzählung zu sehen sind.
Renzo als Protagonist tritt zwar eigentlich erst im zweiten Kapitel auf, wird aber schon vorher dem Leser vorgestellt, indem er im Gespräch zwischen den Bravi und des Don Abbondio genannt wird:
„(...)lei ha intenzione di maritar domani Renzo Tramaglino e Lucia Mondella!“ 2
Aus diesem Gesprächsverlauf erfährt der Leser außerdem, dass Renzo und Lucia dem Machtmißbrauch durch Don Rodrigo zum Opfer fallen, der aufgrund einer Wette verhindern will, dass die beiden heiraten. Der gesellschaftliche Stand der beiden Verlobten wird somit deutlich. Zudem erfährt der Leser bereits im ersten Kapitel etwas über den Charakter Renzos, denn der Pfarrer hat nicht nur Angst vor Don Rodrigo und den Bravi, sondern auch vor Renzos Reaktion auf die nicht stattfindende Trauung:
„Se Renzo si potesse mandare in pace con un bel no, via; ma vorrà delle ragioni; e cosa ho da rispondergli, per amor del cielo? E, e, e, anche costui è una testa: un agnello se nessun lo tocca, ma se uno vuol contraddirgli...ih! E poi, e poi, perduto dietro a quella Lucia, innamorato come...“ 3
1 Es handelt sich hierbei um die Kapitel 13 und 14.
2 Manzoni, Alessandro: I promessi sposi. Oscar Classici. Arnoldo Mondadori Editore S.p.A., Mailand, 1990, S.14
3 Ebd., S.21
3
Renzo ist also ein selbstbewußter junger Mann, der sich nicht alles gefallen läßt und entsprechend handelt.
Doch welcher Mittel bedient sich der Autor, um dem Leser Renzo so zu zeigen, wie er ihn sieht?
Diese Frage ist es, die in den nun folgenden Kapiteln geklärt werden soll.
2. Renzo – Ein mittlerer Held
Renzo ist ein junger Mann aus einfachen und ärmlichen Verhältnissen, der das Leben nur aus seiner Sichtweise kennt und nach seinen einfachen und grundlegenden Regeln 4 lebt und beurteilt.
Doch sein Weltbild wird durch die korrupten Machenschaften der Bravi erschüttert. Renzo hat einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und fühlt sich zutiefst gekränkt, dass ein Fremder auf sein Leben Einfluss nimmt und ihm damit die Zukunftspläne vereitelt.
Renzo ist weder eindeutig gut, noch eindeutig böse, denn er hat sein bisheriges Leben als braver, ehrlicher Mann verbracht. Doch infolge des ihm geschehenen Unrechts zeigt sich Renzos aufbrausendes, stürmisches Temperament: er läßt sich zu unüberlegten Handlungen hinreißen. So stürzt er sich z.B. auf Perpetua, die Haushälterin des Pfarrers Don Abbondio, und fragt sie über die wahren Gründe der abgesagten Heirat aus.
„Buon giorno, Perpetua: io speravo che oggi si sarebbe stati allegri insieme. (...) chi ci ha colpa?“ 5
Daraufhin kehrt er geradewegs zu Don Abbondio zurück und spricht ihm wilde Drohungen aus und verlangt von ihm, dass er den Namen des Schuldigen nennt.
4 Sie beinhalten rechtschaffende Arbeit und Ehrlichkeit.
5 Manzoni, Alessandro: I promessi sposi. Oscar Classici. Arnoldo Mondadori Editore S.p.A., Mailand, 1990, S.31
4
„(...) l’aspetto di Renzo divenne così minaccioso, che don Abbondio non poté più nemmen supporre la possibilità di disubbidire.“ 6
Dieses Auftreten des Protagonisten zeigt ihn als einen selbstbewußten und auf seine Rechte beharrenden Mann, der sich von einem Pfarrer, der in einem Dorf eine gewisse Autoritätsposition einnimmt, nicht einschüchtern läßt. Renzo ist also ein mittlerer Held.
Auch nachdem Renzo erfahren musste, dass Don Rodrigo, der Grundherr der Gegend, seine Heirat verhindern will, weil er selbst an der Braut interessiert und eine Wette eingegangen ist, hält er an seiner kämpferischen Haltung fest. Er will Gerechtigkeit und schmiedet unvernünftige Pläne. Renzo wird allerdings von den Frauen immer wieder zu friedlicherem und überlegterem Handeln überredet und sucht daher erst einmal Rat beim Rechtsanwalt „Azzecca-garbugli“ in Lecco. 7 Nachdem dieser Versuch allerdings fehlschlägt, greift Renzo seinen eigenen Plan wieder auf und überredet seine Freunde sowie Lucia und Agnes dazu, den Pfarrer in seinem eigenen Haus zu überrumpeln.
Als aber auch dieses Vorhaben scheitert suchen Renzo und die Frauen Rat bei Geistlichen. Renzo verschlägt es dabei auch nach Mailand und wird in die dortigen Geschehnisse mit hineingezogen.
Insbesondere die Figur des Renzo spiegelt Manzonis eigene Weltanschauung wieder. Diese ist geprägt vom Jansenismus. Demnach ist der Mensch aus eigener Kraft unfähig zum Guten und nur Gott allein ist es möglich, die Menschen zu erwählen und zu retten. Renzo entspricht dieser Ansicht, denn er möchte zwar gut sein, schafft es aber nicht ohne die Hilfe Gottes und seiner Verlobten Lucia.
6 Manzoni, Alessandro: I promessi sposi. Oscar Classici. Arnoldo Mondadori Editore S.p.A., Mailand, 1990, S. 33
7 Lizium Karin: Die Darstellung der historischen Wirklichkeit in Alessandro Manzonis I Promessi Sposi. Tübingen 1993, S.75-76
5
Quote paper:
M.A. Raika Woköck, 2002, Alessandro Manzoni : I promessi sposi. Renzo in Mailand, Munich, GRIN Publishing GmbH
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