1 EINLEITUNG 1
1.1 FOKUSGRUPPEN ALS FORSCHUNGSMETHODE 1
1.2 STÄRKEN UND SCHWÄCHEN VON GRUPPENDISKUSSIONEN. 2
1.2.1 STÄRKEN VON FOKUSGRUPPEN 2
1.2.2 SCHWÄCHEN VON FOKUSGRUPPEN 3
2 FOKUSGRUPPEN OFFLINE 4
2.1 TEILNEHMERAUSWAHL, ÖRTLICHKEIT UND DAUER EINER FOKUSGRUPPE 4
2.2 DIE ROLLE DES MODERATORS IN DEN EINZELNEN DISKUSSIONSPHASEN 4
2.2.1 PHASE 1: COMPLIANCE (NACHGIEBIGKEIT) 5
2.2.2 PHASE 2: IDENTIFICATION (ERKENNEN) 5
2.2.3 PHASE 3: INTERNALISATION (VERINNERLICHUNG) 5
2.3 KONZEPTIONEN UND ERKENNTNISABSICHTEN 5
2.3.1 KONZEPTIONEN DER GRUPPENDISKUSSION. 6
2.3.2 ERKENNTNISABSICHTEN DER GRUPPENDISKUSSION 7
3 FOKUSGRUPPEN ONLINE 8
3.1 EINFLUSSFAKTOREN AUF DIE DATENQUALITÄT VON ONLINE-FOKUSGRUPPEN 8
3.1.1 TEILNEHMERBEDINGTE EINFLÜSSE AUF DIE DATENQUALITÄT 8
3.1.2 DIE ROLLE DES MODERATORS BEI ONLINE-FOKUSGRUPPEN UND SEIN EINFLUSS AUF
DIE DATENQUALITÄT 8
3.2 METHODENIMMANENTE EFFEKTE 10
3.2.1 ANONYMITÄT 10
3.2.2 NON-VERBALE KOMMUNIKATION 10
3.2.3 EFFEKTE DES MEDIUMS. 11
3.2.4 ERREICHBARKEIT 11
4 FAZIT: VERGLEICH ZWISCHEN O-N UND OFFLINE FOKUSGRUPPEN 12
4.1 ALLGEMEINE UNTERSCHIEDE 12
4.2 INHALTLICHER VERGLEICH. 12
4.3 UNTERSCHIEDE IN DER DISKUSSIONSSTRUKTUR. 13
5 SCHLUSS 13
6 LITERATUR 15
- 1 -
1 EINLEITUNG
Im Jahre 1939 entdeckten die Forscher Lewin und Lippitt die Gruppendiskussion als Instrument zur sozialpsychologischen Untersuchung von Kleingruppen. Trotz so berühmter Väter blieben Gruppendiskussionen (auch: Fokusgruppen bzw. Focus Groups) bis in die 50er Jahre hinein in Europa nahezu unbekannt. Zuerst beschäftigte sich das renommierte Frankfurter Institut für Sozialforschung mit der konzeptionellen Verbesserung und methodentheoretischen Weiterentwicklung der Focus Groups (vgl. Horkheimer & Adorno 1960). Seit den 80er Jahren werden Fokusgruppen aus pragmatisch-ökonomischen Gründen ein zunehmend populäres Instrument qualitativer Markt- und Sozialforschung. Gerade diese Popularität hat aber in den letzten Jahren dazu geführt, dass einige Unklarheit über mögliche Einsatzzwecke, sowie Vor- und Nachteile von Fokusgruppen herrscht (vgl. Lamnek 1998, S. 5 f.). Diese Irritationen sind kaum verwunderlich. Der Soziologe Lamnek stellt fest, dass Fokusgruppen „(…) im wesentlichen auf dem Stand der Veröffentlichungen des Instituts für Sozialforschung stehengeblieben sind“ (Lamnek 1995 b, S. 128). Darüber hinaus hat die Markt- und Sozialforschung im Laufe der letzten Jahre die meisten ihrer „traditionellen“ Instrumente in den Online-Bereich übertragen. So auch die Fokusgruppen.
Mich interessiert in der vorliegenden Hausarbeit, wie nach bestehenden wissenschaftlichen Erkenntnissen die Methode der (Online-)Fokusgruppen einzuschätzen ist.
Zunächst gilt es zu klären, was genau unter Fokusgruppen verstanden wird. Dann möchte ich in Kapitel 2 die aus meiner Sicht wichtigsten theoretischen Annahmen über klassische Face-to-Face Fokusgruppen darstellen. In Kapitel 3 stelle ich dann die Methode der Online-Fokusgruppen vor, um dann in Kapitel 4 Probleme, sowie Unterschiede und Gemeinsamkeiten herauszuarbeiten.
Ich stelle diese Definition von Krüger an den Anfang dieses Kapitels, weil er in vier Sätzen umreißt, was mit Fokusgruppen gemeint ist. Zu einer präziseren Betrachtung der Fokusgruppen stütze ich mich auf die Ausführungen des Eichstätter Soziologen Lamnek. Er versteht unter Focus Groups das “Gespräch
1
einer Gruppe zu einem bestimmten Thema unter Laborbedingungen” (1998, 26 ff.). Der Einsatz der Gruppendiskussionen als Datenerhebungsmethode ist mit unterschiedlichsten Zielsetzungen verbunden (ebd.). So interessieren bei der ermittelnden Form der Gruppendiskussion bestimmte Angaben der Befragten (Markt- und Meinungsforschungsfragen, journalistische Fragen…), aber auch gruppendynamische Prozesse. Bei vermittelnden Interviews hingegen soll die Durchführung des Gruppeninterviews eine Verhaltensänderung bewirken. Dabei geht es primär um die Veränderung der sozialen Realität 1 der Teilnehmer (vgl. Lamnek 1998, S. 29f.).
1.2 Stärken und Schwächen von Gruppendiskussionen
Die Gruppendiskussion zählt nach Lamnek (vgl. 1998, S. 36) zu den qualitativinterpretativen Methoden. Im Kontext des qualitativen Paradigmas möchte ich nun kurz die - meiner Meinung nach - wichtigsten Stärken und Schwächen der Methode darstellen.
1.2.1 Stärken von Fokusgruppen
Als zentraler Vorteil wird oft die Ökonomie des Verfahrens hervorgehoben. Gruppendiskussionen sind im Vergleich zu anderen qualitativen Verfahren zeit-und kostengünstig. Man arbeitet mit kleinen Stichproben und kann in relativ kurzer Zeit die Daten erheben.
Die Gruppendiskussion zeichnet sich durch Offenheit, Flexibilität und Alltagsnähe aus. Damit werden die methodologischen Prämissen der qualitativen Forschung weitgehend realisiert (vgl. Lamnek 1998, S. 78). Im Verlauf des Forschungsprozesses finden die alltäglichen Regeln der Kommunikation Berücksichtigung. Daher stellen Focus Groups ein geeignetes Instrument dar, das sich hervorragend zur Erforschung von Alltagshandlungen und gruppendynamischen Ereignissen eignet.
1 Der Begriff der sozialen Realität wurde bereits im Zusammenhang mit dem Symbolischen
Interaktionismus (SI) thematisiert. Im wesentlichen geht es beim SI darum, dass soziale Realität
durch gemeinsames Handeln und Kommunizieren konstruiert wird. „Dinge“ werden von
interagierenden Subjekten zu „Objekten“ mit einer spezifischen Bedeutung gemacht. Wichtig ist,
dass sich Menschen als spontan handelnde Subjekte („I“) immer wieder selbst zu einem Objekt mit
spezifischen Bedeutungen („Me“) machen. Dieser Prozess wird i.d.R. von Außen angestoßen, d.h.
der Mensch wird von Geburt an mit Etikettierungen („Labels“) versehen, mit denen er sich
auseinandersetzen muss. Das „Me“ ist das sich selbst bewusste Selbstbild, das durch die
Reaktionen der anderen gespiegelt und reflektiert wird (vorgestelltes Fremdbild). Wie ich „Mich“
sehe, beeinflusst meine Pläne und Handlungen, aber determiniert sie nur teilweise. Denn die Pläne
und Handlungen der Anderen haben auch Einfluss auf mein Handeln, und „Ich“ („I“) verhalte mich
oft für „Mich“ („Me“) überraschend. Diese wechselseitige Beeinflussung, wie „Ich“ handle und
„Mich“ dabei erlebe, wie „Ich“ neu für „Mich“ plane und „Ich“ dann doch z.T. anders handle, ist die
„Dialektik von I & Me“ um die es in vermittelnden Interviews geht.
2
Positiv hervorzuheben ist auch die methodische Flexibilität. In einer Gruppendiskussion können eine Vielzahl von Methoden zum Einsatz kommen, bspw. projektive und kreative Techniken.
Ein weiterer Vorteil von Fokusgruppen ist, dass nicht nur Prozesse erforscht werden können, die im Kontext der hypothetisch-theoretischen Vorstellungen des Forschers von Interesse sind (vgl. Lamnek 1998, S. 38). In dem Maße, in dem die Lebenswelt anderer Menschen Gegenstand des wissenschaftlichen Interesses ist, wird für den Forscher das Problem methodologisch virulent, wie er den Äußerungen fremder Gruppenteilnehmer ihren tatsächlichen, subjektiv gemeinten Sinn zu entnehmen kann. Die im Verlaufe einer Gruppendiskussion aufgezeichneten, prozessproduzierten Daten ermöglichen es dem Forscher den Geneseprozess, d.h. den Verlauf der Gruppendiskussion, nachzuvollziehen und Sinnzusammenhänge zu ermitteln.
Verglichen mit sequenziell durchgeführten Einzelinterviews führt der kommunikativ-diskursive Charakter der Focus Group zu einem deutlichen Plus an Information. Im Laufe der Gruppendiskussion entsteht eine „Enthüllungsatmosphäre“, in der sich die Teilnehmer zu freimütigen Beiträgen anregen. So kann nach Lamnek ein breites Spektrum an Einstellungen und Verhaltensweisen erfasst werden (vgl. 1998, S. 78).
1.2.2 Schwächen von Fokusgruppen
Die Kritik der Focus Groups basiert oft auf den Kriterien des quantitativen Paradigmas (Repräsentativität, Generalisierbarkeit etc.). Grund für die wenig repräsentativen Ergebnisse ist, dass Fokusgruppen-Teilnehmer meist über "convenient sampling" ausgewählt werden, d.h. zumeist werden
KommilitonInnen, Freunde oder Bekannte überredet, an einer Fokusgruppe teilzunehmen.
Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Auswertung der Daten. Der gesamte Inter-pretationsvorgang ist stark abhängig von den Hintergrunderwartungen des Forschers (Objektivitätsproblem). Diese Erwartungen müssten „kontrolliert in den Forschungsprozess eingehen“, fordert Lamnek (1995a, S. 40). Lamnek weist auch darauf hin, dass der Begriff der „Gruppe“ im Kontext von Focus-Groups nicht notwendigerweise in einem streng sozialwissenschaftlichen Sinn zu verstehen ist (vgl. 1998, S. 29). Die Teilnehmer von Focus Groups konstituieren sich zumeist als „Gruppierungen“. Realgruppen haben allerdings einen völlig anderen Diskussionsverlauf als Experimentalgruppen (vgl. Lamnek 1998, S. 128). Die Entscheidung, ob natürliche Gruppen oder künstlich zusammengesetzte Gruppen diskutieren, sollte je nach Untersuchungsziel unterschiedlich getroffen werden (vgl. Lamnek 1998, S. 53).
Nicht zuletzt sei auf das Problem hingewiesen, dass der Moderator einer Fokusgruppe starken Einfluss auf Verlauf und Inhalt der Gruppendiskussion ausüben kann. Wenn der Moderator nicht in der Lage ist für eine Berücksichtigung aller
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Arbeit zitieren:
Christoph Obermeier, 2004, Fokusgruppen On- und Offline als Instrument der Datenerhebung, München, GRIN Verlag GmbH
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