1. BEGRIFFLICHE GRUNDLEGUNGEN. 3
1.1. STATT EINEM VORWORT EINE DEFINITION: ZUM BEGRIFF DER
PERS ÖNLICHKEIT. 3
1.2. EINFÜHRUNG IN DAS THEMA „HISTRIONISCHE PERSÖNLICHKEITSSTÖRUNG“ 4
2. ZUR HISTRIONISCHEN PERSÖNLICHKEITSSTÖRUNG. 5
2.1. MERKMALE 5
2.2. HISTRIONISCHE PERSÖNLICHKEITSSTÖRUNG NACH DEM DSM - IV. 7
2.3. HISTRIONISCHE PERSÖNLICHKEITSSTÖRUNG NACH DEM ICD 10. 7
3. DER KOMMUNIKATIONSSTIL HISTRIONISCHER
PERS ÖNLICHKEITEN 8
4. ERKLÄRUNGSANSÄTZE FÜR DIE ENTSTEHUNG EINER HPS 9
4.1. DER TIEFENPSYCHOLOGISCHE ERKLÄRUNGSANSATZ. 9
4.2. DER KOGNITIVE UND DER ROLLENTHEORETISCHE ERKLÄRUNGSANSATZ 10
5. PSYCHOSOZIALE FOLGEN. 11
6. SCHLUSS. 11
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1.1. Statt einem Vorwort eine Definition: Zum Begriff der Persönlichkeit
Die unermessliche Vielfalt menschlicher Erscheinungen hat den Menschen gedrängt, Ordnung zu schaffen, die Phänomene seiner Welt nach Klassen, Gattungen, Arten und Typen zu gruppieren. Wir haben bei der Lehrveranstaltung „Persönlichkeitstheorien“ den Begriff der Persönlichkeit definiert als „ein bei jedem Menschen einzigartiges, relativ stabiles und den Zeitablauf überdauerndes Korrelat des Verhaltens“ (vgl. Tewes & Wildgrube 1999, S. 273). Ich glaube, dass es am Anfang des heutigen Referates lohnenswert ist, diese Definition erneut zu reflektieren. Unter „Verhaltenskorrelat“ werden unterschiedliche Aspekte wie Bedingung, Ordnung, System, Produkt oder Abstraktion des Verhaltens und Erlebens verstanden. Die Persönlichkeit ist also nicht das Verhalten und Erleben selbst, sondern vielmehr ein Gefüge von Dispositionen. Zu diesen Dispositionen gehören zum einen die Merkmale des offenen, objektiv registrierbaren Verhaltens, zum anderen aber auch Merkmale der Kognition, Emotion und Motivation. Das jeweilige Dispositionsgefüge ist bei jedem Menschen einzigartig (vgl. Tewes & Wildgrube 1999, S. 273). Für uns ist nun weiterhin von Bedeutung, dass bspw. aktuelle Stimmungslagen o.ä. per definitionem keine Persönlichkeitsmerkmale darstellen. Nur diejenigen Merkmale, die zum einen zeitlich überdauernd konstant bleiben und zum anderen situationsstabil sind, werden als Persönlichkeitsmerkmale bezeichnet. Wir sollten uns bei der folgenden Darstellung der histrionischen Persönlichkeitsstörung zudem stets bewusst sein, dass es sich bei Begrifflichkeiten wie „Persönlichkeit“ um keine real existierenden Entitäten handelt, sondern dass die Persönlichkeit eine „hypothetische Konstruktion ist, dessen hinreichende, empirisch kontrollierte Präzisierung -wenn überhaupt- erst in ferner Zukunft zu erwarten ist“ (Tewes & Wildgrube 1999, S. 273). Dies war meines Erachtens die Quintessenz unserer Diskussion um den Begriff der Persönlichkeit. Ich habe mich zur Darstellung dieser teilweise bereits bekannten Sachverhalte entschlossen, weil ich es gerade bei der Untersuchung von Persönlichkeitsstörungen für
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wichtig halte, dass wir uns bewusst machen, dass Typologisierung und Kategorisierung stets zu stereotypem Denken verführen (vgl. Guss 1997, S. 155). Man kann nicht oft genug darauf hinweisen, dass jede Kategorie stets auch eine bestimmte methodologische Vorstellung darüber einschließt, wie man wissenschaftlich vorzugehen hat, um einen Gegenstand adäquat zu erfassen (vgl. Holzkamp 1985, S. 27f.).
1.2. Einführung in das Thema „Histrionische Persönlichkeitsstörung“
Unter Persönlichkeitsstörungen versteht man eine „umfassende Gruppe (d.h. Kategorie, Anm. d. Verf.) von Fehlanpassungen der Persönlichkeit, die als Krankheitsgruppe weder den Neurosen noch den Psychosen zugerechnet werden kann“ (Tewes & Wildgrube 1999, S. 275). Dabei weisen die Krankheitsbilder gewisse Assoziationen zu den psychotischen und neurotischen Erkrankungen auf, ohne jedoch deren Intensität der Symptomausprägung zu erreichen. Im folgenden werden wir die histrionische oder hysterische Persönlichkeit näher untersuchen. Gerade bei dieser Störung der Persönlichkeit ist es gleichermaßen interessant wie amüsant, einen Blick in die Geschichtsbücher zu werfen. Im Jahre 1900 v. Chr. wurden die Symptome der Hysterie als gynäkologische Erkrankung beschrieben (griech. Hystéra = Gebärmutter). Ihre Ursache führten die Gelehrten des Altertums auf ein Umherwandern der Gebärmutter im Körper zurück. Diese Vorstellung vom wandernden Uterus, der sich auf der Suche nach Kindern im Körper befindet, hielt sich über Jahrtausende. Hysterie galt seit dieser Begründung als reine Frauenkrankheit. Im Mittelalter wurde die Auffassung vertreten, dass hysterische Symptome eine Folge der Berührung des Teufels seien (vgl. Schneewind 1992, S. 103 ff.). Siegmund Freud will 1896 an die bedeutsame Entdeckung seines Mentors Josef Breuer anknüpfen, dass „die Symptome der Hysterie ihre Determinierung von gewissen traumatisch wirksamen Erlebnissen des Kranken herleiten, als deren Erinnerungssymbole sie im psychischen Leben desselben reproduziert werden“ (Freud 1896, S. 54). Nach seiner Ansicht entsteht dieses Leiden auf der Grundlage bestimmter Persönlichkeitsmerkmale durch unbewusste Konflikte (v.a. durch Verdrängung sexueller Bedürfnisse) in der Kindheit. Die Hysterie als Erinnerungssymbol an ein traumatisches Erlebnis? Wenden wir uns zur
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(vorläufigen) Beantwortung dieser Frage dem heutigen Stand der Forschung zu.
2.1. Merkmale
Im Jahre 1980 wurde der Begriff der „hysterischen Persönlichkeitsstörung“ abgeschafft. Das Adjektiv „hysterisch“ hat sich zuvor in der Alltagssprache der Menschen als ein wenig schmeichelhaftes Attribut für Frauen der gesellschaftlichen Oberschicht eingebürgert. Ganz im Sinne Wittgensteins akzeptierte man, dass die Bedeutung eines Wortes seinem Gebrauch in der Sprache entspricht. So versuchten Wissenschaftler eine treffendere Bezeichnung zu finden. Man stellte fest, dass die theatralische Darstellung von Emotionen ein recht konstanter Zug der sogenannten „Hysteriker“ zu sein schien. „Hysterie“ wurde durch den neuen Begriff der „histrionischen Persönlichkeitsstörung“ ersetzt. „Histrionisch“ kommt von dem lateinischen Wort „histrio“, welches einen Theaterschauspieler bezeichnet. Die Hysterie (oder jetzt: histrionische Persönlichkeitsstörung) vereint Symptome, die teilweise eine gewisse Ähnlichkeit mit der progressiven Paralyse aufweisen. So treten bei der histrionischen Persönlichkeitsstörung auch
Gedächtnisausfälle, Lähmungserscheinungen, Ohnmachtsanfälle, Blindheit usw. auf, was dazu führte, dass sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts überwiegend Mediziner mit dieser Krankheit beschäftigten.
Die Hauptmerkmale der HPS sind neben einer übermäßigen, dysfunktionalen Emotionalität vor allem Dämmerzustände, Wahnvorstellungen, Schrei- und Weinkrämpfe, sowie körperliche Beschwerden wie heftige Herz- und Magenschmerzen oder Zitteranfälle, die keine organischen Ursachen haben (vgl. Cohen 1997, S. 172). Zudem wird von einem ständigen Verlangen nach Aufmerksamkeit berichtet. Ein hervorragendes Beispiel dazu findet sich in Dostojewskis großem Roman „Die Brüder Karamasow“. Lisa, die Tochter einer wohlhabenden Beamtenwitwe, lässt Aljoscha rufen, dem sie vor einiger Zeit einen flammenden Liebesbrief geschrieben hat.
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Arbeit zitieren:
Christoph Obermeier, 2002, Die histrionische Persönlichkeitsstörung, München, GRIN Verlag GmbH
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