Die Welt befindet sich in einem turbulenten Veränderungsprozess. Die ökonomischen, politischen und kulturellen Verflechtungen zwischen Staaten und Zivilgesellschaften nehmen zu. Die Vorstellung, in geschlossenen und gegeneinander abgrenzbaren Räumen von Nationalstaaten und
Volksgemeinschaften nebeneinander zu leben nimmt immer mehr ab. Sie macht der Erkenntnis Platz, dass die zunehmende Intensivierung der Verbindungen zu umwälzenden Veränderungen führt. Es entstehen neue Chancen und Möglichkeiten, gleichzeitig aber auch neue Konflikte, Macht-und Konkurrenzverhältnisse. Dieser Prozess wird als Globalisierung 1 bezeichnet . Die Krisen und Problemlagen in scheinbar entfernten Regionen der Welt haben Auswirkungen auf andere Gesellschaften und Nationalstaaten. Spätestens die Asienkrise 1997 hat gezeigt, dass beispielsweise die ökonomische Stabilität von Entwicklungsländern die Weltwirtschaft negativ beeinflussen kann. Umweltzerstörung oder Armutsentwicklung haben ebenfalls weltweite Auswirkungen. Die Bearbeitung dieser Probleme ist eine globale Zukunftsaufgabe, der sich insbesondere die Entwicklungspolitik stellen muss. Dazu bedarf es innovativer Strategien. Die internationalen Strukturen müssen ebenso wie die Rahmenbedingungen in den Entwicklungsländern (EL) verändert werden. Darüber hinaus sind vor allem aufgrund des Rückgangs öffentlicher Finanzmittel veränderte Formen der Aufgabenbewältigung notwendig. Es müssen neue Allianzen eingegangen werden. Dabei wird in den Institutionen der bi- und multilateralen Entwicklungszusammenarbeit (EZ) davon ausgegangen, dass die Lösung vieler Probleme ohne die finanziellen und technologischen Ressourcen der Privatwirtschaft nicht mehr möglich ist.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Public-Private-Partnership als Konzept
2.1 Zum Begriff
2.2 Definition
2.3 Theoretischer Hintergrund von Public-Private-Partnership
2.4 Potenziale und Chancen
2.5 Probleme und Risiken
2.6 Anforderungen an PPP-Projekte
3 PPP-Projekte in der deutschen Entwicklungszuammenarbeit
3.1 Beispiele aus der bilateralen EZ
3.2 Die Ziele von PPP in der deutschen EZ
3.3 Bisherige Umsetzung
3.3.1 PPP in der bilateral-staatlichen EZ
3.3.2 PPP-Fazilität
3.4 Durchführungskriterien
4 Evaluation in der Entwicklungszuammenarbeit
4.1 Definition von Evaluation
4.2 Evaluationssysteme der deutschen EZ
4.2.1 Evaluationssystem des BMZ
4.2.2 Evaluationssystem der GTZ
4.3 Reformbestrebungen
5 Der Nachhaltigkeitsbegriff
5.1 Nachhaltigkeitsdefinitionen
5.2 Theoretische Konzeption zur Analyse der Nachhaltigkeit
5.2.1 Das Lebensverlaufsmodell
5.2.2 Das Wirkungsmodell
5.2.3 Das Diffusionsmodell
5.2.4 Nachhaltigkeitsdimensionen aus entwicklungspolitischer Perspektive
5.2.5 Nachhaltigkeitsdimensionen aus privatwirtschaftlicher Perspektive
5.2.6 Indikatoren für die Nachhaltigkeitsanalyse
6 Die Nachhaltigkeit von PPP-Projekten der deutschen Entwicklungszuammenarbeit
6.1 Überblick über Ergebnisse der Evaluationen
6.2 Nachhaltigkeitsanalyse von PPP-Projekten
6.2.1 Projekt 1: Qualifizierung von Energiemanagern in Thailand
6.2.1.1 Kurzbeschreibung des Projektes
6.2.1.2 Analyse der Nachhaltigkeit
6.2.1.3 Nachhaltigkeitsbilanz
6.2.2 Projekt 2: Qualitätskakao in Vietnam
6.2.2.1 Kurzbeschreibung des Projektes
6.2.2.2 Analyse der Nachhaltigkeit
6.2.2.3 Nachhaltigkeitsbilanz
6.2.3 Projekt 3: Mechatronikerausbildung in Indonesien
6.2.3.1 Kurzbeschreibung des Projektes
6.2.3.2 Analyse der Nachhaltigkeit
6.2.3.3 Nachhaltigkeitsbilanz
6.2.4 Gesamtbilanz der Nachhaltigkeitsanalyse
7 Schlussbetrachtung und Ausblick
8 Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Forschungsthemen
Die Arbeit untersucht, ob Public-Private-Partnership-Projekte (PPP) der deutschen Entwicklungszusammenarbeit das entwicklungspolitische Ziel der Nachhaltigkeit erreichen. Da es bislang an theoretisch fundierten Ansätzen zur Bewertung dieser speziellen Projekte mangelt, entwickelt der Autor eine operationalisierbare Nachhaltigkeitskonzeption, die sowohl entwicklungspolitische als auch privatwirtschaftliche Perspektiven integriert, und wendet diese auf ausgewählte Praxisbeispiele an.
- Analyse des PPP-Konzepts und dessen Relevanz in der Entwicklungszusammenarbeit.
- Untersuchung bestehender Evaluationssysteme von BMZ und GTZ hinsichtlich ihrer Eignung für PPP-Vorhaben.
- Entwicklung eines mehrdimensionalen Nachhaltigkeitsbegriffs zur messbaren Analyse.
- Detaillierte Fallstudien von PPP-Projekten in Thailand, Vietnam und Indonesien.
- Ableitung von Handlungsempfehlungen für die strategische Ausrichtung von PPP in der Entwicklungszusammenarbeit.
Auszug aus dem Buch
2.1 Zum Begriff
Der Begriff „Public-Private-Partnership“ (PPP) ist in den letzten Jahren in unterschiedlichsten Anwendungs- bzw. Politikfeldern zu einem Schlagwort geworden. Wird eine Theaterproduktion von einem ortsansässigen Unternehmen finanziell unterstützt (Bsp.: Inszenierung der „Meistersinger von Nürnberg“ (2003) an den Städt. Bühnen Münster; privater Sponsor war „erdgas Münster“), spricht man ebenso von PPP wie bei Ansätzen von „neuen Steuerungsmodellen“ (Reichard 1994: 9) in der öffentlichen Verwaltung. Dort werden innovative Managementkonzepte wie „Lean Administration“ oder „New Public Management“, aber auch Steuerungsinstrumente des „Out-Sourcing“ oder „Contracting Out“ als Public-Private-Partnership bezeichnet. Durch diese expansive Begriffsverwendung bei jeder Zusammenarbeit zwischen Akteuren aus dem privaten und dem öffentlichen Sektor verliert der Begriff an Trennschärfe und wird zur Leerformel.
Die heterogene Begriffsverwendung liegt an den vielfältigen Bereichen und Formen von Public-Private-Partnerschaften. Diese sind mittlerweile in allen Gesellschaftsbereichen denkbar, in denen staatliche und private Akteure aufeinandertreffen. Als Beispiele können Stadtentwicklung, Infrastruktur, Umweltschutz, Bildungsbereiche oder eben EZ genannt werden. Darüber hinaus kommen die vielfältigsten Formen der Zusammenarbeit hinzu. Partnerschaften zwischen öffentlicher Hand und Privatwirtschaft können sich z.B. ausschließlich auf finanzielle Zusammenarbeit beschränken, den kurzfristigen Know-how-Transfer bezeichnen oder auch langangelegte Austauschbeziehungen zur verbesserten Zielerreichung bedeuten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung definiert den globalen Kontext, die Relevanz von PPPs in der Entwicklungszusammenarbeit und die Forschungsfrage nach deren Nachhaltigkeit.
2 Public-Private-Partnership als Konzept: Dieses Kapitel arbeitet den PPP-Begriff auf, beleuchtet theoretische Hintergründe, Potenziale, Risiken sowie die notwendigen Anforderungen an eine erfolgreiche Partnerschaft.
3 PPP-Projekte in der deutschen Entwicklungszuammenarbeit: Hier werden die Ziele, die praktische Umsetzung der Projekte in der bilateralen Zusammenarbeit sowie die Auswahlkriterien erläutert.
4 Evaluation in der Entwicklungszuammenarbeit: Das Kapitel analysiert kritisch die Evaluationssysteme des BMZ und der GTZ hinsichtlich ihrer Eignung zur Messung der Nachhaltigkeit von PPP-Projekten.
5 Der Nachhaltigkeitsbegriff: Es wird ein mehrdimensionaler, operationalisierbarer Nachhaltigkeitsbegriff aus entwicklungspolitischer und privatwirtschaftlicher Perspektive entwickelt.
6 Die Nachhaltigkeit von PPP-Projekten der deutschen Entwicklungszuammenarbeit: Dieser Hauptteil evaluiert anhand von drei Fallbeispielen in Thailand, Vietnam und Indonesien die Nachhaltigkeit der Projekte mittels der zuvor entwickelten Kriterien.
7 Schlussbetrachtung und Ausblick: Die Arbeit schließt mit einer Bilanz der Ergebnisse und formuliert Empfehlungen für eine strategische Weiterentwicklung des PPP-Konzepts in der EZ.
8 Literaturverzeichnis: Umfassendes Verzeichnis der verwendeten Quellen und Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
Public-Private-Partnership, Entwicklungszusammenarbeit, Nachhaltigkeit, Evaluation, Wirkungsmodell, Diffusionsmodell, Nachhaltigkeitsanalyse, BMZ, GTZ, Systemorientierung, Innovationspotenzial, Projektmanagement, Breitenwirksamkeit, Kooperation, Partnerschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Nachhaltigkeit von Public-Private-Partnership-Projekten (PPP) im Kontext der deutschen Entwicklungszusammenarbeit.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Begriffsbestimmung von PPP, die Analyse von Evaluationssystemen für solche Projekte sowie die Entwicklung eines messbaren Nachhaltigkeitsbegriffs.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Ziel ist es, die Nachhaltigkeit von PPP-Projekten terminologisch zu bestimmen, daraus Indikatoren zur Messung abzuleiten und eine detaillierte Analyse durchzuführen, um Kriterien für den Erfolg nachhaltiger PPP-Projekte zu identifizieren.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Der Autor nutzt eine systematische Analyse von Evaluationsberichten und Projektunterlagen, wobei ein mehrdimensionales Nachhaltigkeitskonzept (angelehnt an Stockmann) als theoretischer Analyserahmen dient.
Was behandelt der Hauptteil der Untersuchung?
Der Hauptteil evaluiert drei konkrete PPP-Projekte in Thailand, Vietnam und Indonesien nach vier Dimensionen: Projekt-, Output-, System- und Innovationsorientierung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Public-Private-Partnership, Nachhaltigkeitsanalyse, Entwicklungszusammenarbeit, Evaluation und Breitenwirksamkeit.
Wie wird die Nachhaltigkeit in der Arbeit spezifisch für PPP-Projekte definiert?
Der Autor erweitert bestehende Konzepte um eine privatwirtschaftliche Perspektive, da ein nachhaltiges PPP-Projekt sowohl entwicklungspolitisch wirksam als auch wirtschaftlich rentabel sein muss.
Welches Fazit zieht der Autor bezüglich der untersuchten Projekte?
Die Analyse zeigt, dass PPP-Projekte unterschiedliche Grade von Nachhaltigkeit erreichen können, wobei insbesondere das Projekt in Vietnam eine hohe systemorientierte Nachhaltigkeit vorweisen kann.
- Quote paper
- Michael Lange (Author), 2003, Die Nachhaltigkeit von Public-Private-Partnership-Projekten der deutschen Entwicklungszusammenarbeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/23184