Inhaltsverzeichnis
1. Der geschichtliche Hintergrund
2. Der Konflikt
3. Die Arts Crafts Bewegung und William Morris
4. Ruskin als Vordenker
5. Der Konflikt in kompakt
6. Situation im Deutschen Reich
7. Erkenntnis: Maschine als Hilfsmittel
8. Der Deutsche Werkbund
9. Ziel des Deutschen Werkbundes
10. Die Akzeptanz und Macht des DWB
11. Der Werkbundstreit um die Typisierung: Van de Velde versus
Muthesius
12. Vereinigung im Gropius schen Bauhaus
13. Mein Abriss
3
Die Auseinandersetzung des Gestalters mit der Maschine um die Jahrhundertwende
Ab der zweiten. Hälfte des 19. Jahrhunderts zeigte sich vor allem in Großbritannien eine neue Entwicklung. Es war eine Zeit voller Umbrüche. Die fortschreitende Industrialisierung, die Vernunft, die Wissenschaft und die Sicherheit zählten auf der einen Seite zu den neuen Schlagwörtern, aber auch ein klarer Sozialismus. Es war die Zeit des Marxismus, des Sozialismus und des Liberalismus, die Parlamentsreform in England erteilte das Wahlrecht für Landarbeiter und Bergleute. Plötzlich mussten sich alle für eine Gesinnung entscheiden, die Moderne läutete ein.
Vor allem in England, wo die Industrialisierung besonders früh begann,
Der Konflikt machten sich die Gestalter Gedanken um ihre Auswirkung und um die Auswirkung der Maschine im Besonderen. Wurde der Gestalter der Maschine unterworfen? Musste man jetzt auf Qualität verzichten zugunsten einer maschinellen Herstellung von Gegenständen, die man aufgrund der Maschine auf einfache Formen reduzieren musste? Die Maschine konnte doch gar nicht mit der Qualitätsarbeit und den Gestaltungsergebnissen menschlicher Handarbeit mithalten!
Sozialkritiker wie William Morris, auf den ich später noch zu sprechen komme, fühlten sich überdies abgestoßen durch die schlechten Arbeitsbedingungen, die die Industrie bot und die dadurch entstehenden Elendsviertel. Auch befürchteten sie die Verkümmerung der handwerklichen Fähigkeiten durch den Einfluss der Maschine.
William Morris schreibt dazu: „Für ihre Arbeitgeber sind sie (die Arbeiter, Anm. von mir), obwohl es Menschen sind, dennoch Teil des Maschinenparks der Werkstatt oder der Fabrik, sie sind Proletarier, menschliche Wesen, die arbeiten, um zu leben, damit sie leben können, um zu arbeiten, und so weiter in endloser Folge. Ihre Rolle als Ha ndwerker, als Hersteller von Gegenständen nach freiem Willen, ist ausgespielt.“ 1
1 Gerda Breuer, „Ästhetik der schönen Genügsamkeit“, Braunschweig/Wiesbaden, 1998, S. 128, Gerda Breuer verwendet den Quellentext aus: William Morris, „The Aims of Art, 1887 (Neuauflage
1975, Osnabrück)
4
Eine Kulturkrise begann, und viele Gestalter begannen sich gegen die Maschine und die Industrialisierung aufzulehnen, um zu vermeiden, nur noch Hilfsmittel der Maschine zu sein. Sie, die Industrialisierung, brachte „gesellschaftliche und mentale Strukturveränderungen“ hervor und gefährdete den „Lebensbezug aller Künste“. 2
Aus diesen Überlegungen und Ängsten heraus entstand in England die Arts
Die Arts &
Crafts
& Crafts Bewegung, die zum Ziel hatte, der Massenproduktion
Bewegung
und William
entgegenzusteuern. Das Kunsthandwerk sollte reformiert werden. Man hing
Morris
romantisch dem Mittelalter hinterher, betrauerte das verlorene Gildesystem und forderte eine Erneuerung des Handwerks, um Geschmacksverfall vorzubeugen.
Hand in Hand mit Geschmacksverfall gingen Qualitätsverlust und sittliche Verkommenheit, aus der gezwungenermaßen nur Hässlichkeit hervorgehen konnte.
Also begann man, dem entgegenzuarbeiten. Man richtete staatliche Schulen ein, die Musterzeichner ausbildete n, Kunstgewerbemuseen schossen wie Pilze aus dem Boden.
An der Spitze der Arts & Crafts Bewegung befand sich William Morris, (1834-1896). „Einfachheit, Ehrlichkeit, die Konzentration auf den Wert der Arbeit, die Erhaltung der Freude beim schöpferischen Prozess, dass sind die Konstituenten des Arbeitsethos von Morris.“ 3 Er selbst, Sozialist mit Leib und Seele, der die Meinung vertrat, dass der Sozialismus die einzige Hoffnung für die Kunst sei, sagt 1894 in seinem Werk „Wie ich Sozialist wurde“: „Abgesehen von dem Wunsch, schöne Dinge zu produzieren, war und ist die mich führende Passion meines Lebens die Ablehnung der modernen Zivilisation.“ 4
Gabriele Sterner beleuchtet hierzu die andere Seite der Medaille: „William Morris verlässt schon Mitte des 19. Jahrhunderts den Pfad philosophierender Theorien und wendet sich konkret gegen den elitären 2 Ebenda, S. 12
3 Ebenda , S.14
4 Peter W. Kallen, „Unter dem Banner der Sachlichkeit- Studien zum Verhältnis von Kunst
und Industrie am Beginn des 20. Jahrhunderts“, Köln 1987, S.3
5
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Sabrina Tibourtine, 2004, Jugendstil - Die Auseinandersetzung des Gestalters mit der Maschine um die Jahrhundertwende, Munich, GRIN Publishing GmbH
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