Inhalt
Seite
1. Analyse des Ro mans und Vorgehensweise 2
2. Psychoanalyse 3
2.1 Die Theorie der Psychoanalyse 3
2.2 Die Psyche 3
2.3 Die Triebe 4
2.4 Strukturhypothese 5
2.5 Ausbildung und Differenzierung des Ich 6
2.6 Beherrschung der Umwelt des Ich 7
2.7 Objektbeziehung und Narzissmus 7
2.8 Der Ödipuskomples 8
2.9 Genitale Masturbation 9
2.10 Das Über-Ich 9
3. Die Klavierspielerin 10
3.1 Erikas Entwicklung 10
3.1.1 Die Strukturierung des seelischen Apparates 11
3.1.2 Die Manifestation der Triebe 13
3.2 Erikas Leben 15
3.2.1 Schmuck und Kleider 15
3.2.2 Rasierklingen 16
3.2.3 Klavier Kunst Musik 17
3.2.4 Walter und die Klavierschüler 18
4. Zusammenfassung 20
5. Verzeichnis der verwendeten Literatur 21
1. Analyse des Romans und Vorgehensweise
Mit dieser Arbeit möchte ich eine Analyse von Elfriede Jelineks 1983 veröffentlichtem Roman „Die Klavierspielerin“ vornehmen.
Ich möchte hierbei zeigen, dass sich der Roman für seine inhaltliche Gestaltung in hohem Masse bei Theorien der Psychoanalyse bedient.
Beginnen möchte ich mit einer Einführung in Psychoanalyse, im zweiten Teil folgt eine Untersuchung des Textes auf Grundlage der Erkenntnisse des ersten Teils. Dabei stimme ich mit Marlies Janz überein, die meint, dass entsprechende Textstellen im Roman schon immer ihre Interpretation bezüglich der Psychoanalyse mitliefern und damit meist für sich selbst sprechen. Meine Analysearbeit wird demnach im Normalfall mit der Suche nach Textstellen beginnen und manchmal auch mit ihnen abschließen, ohne, dass mehr dazu gesagt werde muss. Außerdem möchte ich im zweiten Teil versuchen, einige Fragen, die mir bei der Lektüre der Sekundärliteratur und des Romans gekommen sind, zu diskutieren:
Hat Erika ein „Selbst“, eine eigene Identität ausgebildet?
Steckt sie in der präödipalen Phase fest?
Unternimmt Erika Ausbruchsversuche aus dem Verhältnis zu ihrer Mutter? Besitzt sie etwas, das man „Sexualität“ nennen kann?
Ist sie sado- masochistisch veranlagt?
Gibt es Parallelen zwischen Walter und Erikas Mutter oder eine Verbindung zwischen Erikas Vater und Walter?
Diese Fragen habe ich ausgewählt, weil sie mir einmal interessant erschienen, aber auch, weil mir ihre Beantwortung in der Sekundärliteratur nicht immer behagte und ich herausfinden will, ob man sie auch anders beantworten könnte.
2
2. Psychoanalyse
2.1 Die Theorie der Psychoanalyse
Die Psychoanalyse wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts von Siegmund Freud begründet. Ihr Begriff umfasst folgende Bedeutungen 1 :
1. Die Psychoanalyse ist eine psychologische Methode. Mit ihr werden psychische Vorgänge wie
Träume, Handlungen und Reden analysiert.
2. Sie ist eine Methode zur Behandlung psychischer Störungen, die von der psychologischen
Untersuchung ausgeht.
3. Sie umfasst schließlich das gesamte System der psychologischen und psychopathologischen
Theorien Freuds, auf der sowohl die psychologischen Untersuchungsmethoden als auch die Behandlungsmethoden basieren.
Auf den letzten Punkt werde ich im folgenden genauer eingehen und mir Aspekte der Freudschen Erkenntnisse herausgreifen, die für die Analyse der „Klavierspielerin“ von Bedeutung sein werden.
2.2 Die Psyche 2
In der Psyche jedes Menschen konkurrieren bewusste und unbewusste Vorgänge. Vorgänge meint hier Inhalte und Operationen, die in der Psyche ablaufen, z.B. Gedanken, Erinnerungen und Träume. Die unbewussten Phänomene werden in zwei Gruppen aufgeteilt, in vorbewusste und unbewusste. Vorbewusst sind Gedanken und Erinnerungen, die ohne große Schwierigkeiten bewusst gemacht werden können, unbewusste psychische Elemente dagegen können nur durch erhebliche Bemühungen bewusst gemacht werden.
Diese Erkenntnis Freuds war für die Entwicklung der Psychoanalyse von enormer Bedeutung, weil die Probleme der neurotischen und psychotischen Patienten darin lagen und liegen, dass unangenehme und gefährliche Gedanken und Erinnerungen im Unterbewusstsein leben und versuchen, ins Bewusstsein vorzudringen, was aber aufgrund des Charakters dieser Gedanken gleichzeitig wieder verhindert werden soll. Für eine Heilung ist es aber notwendig, sie dennoch in der Psyche der Patienten bewusst werden zu lassen. „[V]iele [...] normale und pathologische Aspekte des Verhaltens und Denkens [sind] Ergebnis dessen [...], was unbewusst in der Psyche der
1 nach: Fisseni (1998): S.31
2 Im folgenden halte ich mich an die Ausführungen von: Brenner (2000)
3
Person [vorgeht], die diese [aufweist].“ 3 Bei einer Therapie darf im Gespräch mit dem Arzt keine Kontrolle der bewussten psychischen Vorgänge erfolgen, weil unkontrollierte Aussagen von unbewussten Gedanken und Motiven bestimmt sind und die damit den Blick auf das Unterbewusstsein frei geben.
2.3 Die Triebe
Die Funktionen der Psyche werden von den Trieben bestimmt, die sie mit Energie versorgen und zum tätig werden antreiben. Der Trieb an sich bezeichnet einen Zustand zentraler Erregung, der als Reaktion auf eine Reizwirkung eintritt. Er kann sowohl motorische Tätigkeiten hervorrufen als auch psychische, wie z.B. Spannung und Erregung. Ziel ist es, die Spannung aufzulösen und zu einem Zustand der Befriedigung zu gelangen.
Jeder Mensch besitzt „Objekte“, die er mit psychischer Energie besetzt. Das geschieht dann, wenn sich das Individuum von ihnen die Befriedigung bestimmter Bedürfnisse verspricht. Objekte können Gegenstände sein, meist bezieht sich der Begriff jedoch auf Menschen. Im Fall eines kleinen Kindes ist das z.B. seine Mutter, die mit einem hohen Maß an psychischer Energie besetzt ist, weil sie seine Bedürfnisse erfüllt (füttern, halten, streicheln etc.).
Nach Freud existieren nur zwei Triebe, die das menschliche Leben bestimmten, der Sexual- und der Aggressionstrieb. Die mit ihnen verbundenen Energien nennt man Libido und Aggressionsenergie. Beide Triebe manifestieren sich im Menschen von frühester Kindheit an.
Beide Triebe laufen in 4 Phasen ab 4 :
1. orale Phase: In den ersten ungefähr eineinhalb Lebensjahren des Kindes sind seine Bedürfnisse,
Wünsche und deren Befriedigung vorwiegend oraler Art, die hauptsächlichen Sexual- und Aggressionsorgane sind Mund, Lippen und Zunge. Beisen, In-den-Mund-nehmen und Saugen sind die Lustquellen des Kindes
2. anale Phase: Bis zum dritten Lebensjahr „[...] wird das andere Ende des Ernährungstraktes, d.h.
der Anus, zur wichtigsten Stelle sexueller [und aggressiver] Spannungen und Befriedigungen.“ 5 Lustquellen sind das Ausscheiden und Zurückhalten des Kots, die Ausscheidungen selbst und die Fäkalgerüche.
3. phallische Phase: Mit dem Ende des dritten Lebensjahres übernehmen die Genitalien (Klitoris
und Penis) die führende sexuelle und aggressive Rolle. Normalerweise behalten sie diese von da an. Für beide Geschlechter ist der Penis das Hauptobjekt des Interesses, die Lustquelle des
3 Brenner (2000): S. 20
4 nach Brenner (2000): S. 33-38
4
Mädchens ist zwar die Klitoris, diese ist jedoch embryologisch das weibliche Pendant zum männlichen Penis. In der weiblichen Entwicklung wird im Normalfall später die Vagina an die Stelle der Klitoris treten. Auf weitere wichtige in der phallischen Phase auftretende Vorgänge, wie z.B. den Ödipuskomplex, werde ich an späterer Stelle noch eingehen.
4. genitale Phase: Die letzte Stufe bezeichnet schließlich das Stadium des Erwachsenseins. Sie tritt
ein in der Pubertät, in der u.a. die Fähigkeit zum Orgasmus erworben wird.
Außer den oralen, analen und phallischen Hauptmodalitäten der kindlichen Entwicklung des Sexual- und des Aggressio nstriebes existieren noch zwei weitere Triebmanifestationen, das Sehenwollen und das Zeigenwollen, wobei ersteres in der phallischen Phase am stärksten ausgeprägt ist. Ein Kind möchte vor allem die Genitalien eines anderen sehen, aber auch seine eigenen ze igen.
Tritt ein Kind von einer Phase in die nächste über, was nicht abrupt sondern allmählich geschieht, dann nimmt die Besetzung eines Objektes mit Libido oder Aggressionsenergie aus der früheren Phase zugunsten der Besetzung eines Objektes aus der nächsten Phase ab. Allerdings wird keine starke, insbesondere libidinöse Besetzung je völlig aufgegeben. Die Fixierung der Libido auf ein Objekt geschieht ganz oder teilweise unbewusst.
Außer dem Weiterbestehen der Libido kann auch eine Rückkehr der Libido auf ein Objekt einer früheren Phase eintreten. Diesen Vorgang bezeichnet man als Regression.
Viele der geschilderten oder noch zu schildernden Phänomene sind bei jedem Menschen ganz normal, so kann Regression z.B. in manchen Spielen auftreten, unter ungünstigen Umständen können sie jedoch pathologisch werden.
Schließlich möchte ich noch den Autoerotismus erwähnen. Dieser Begriff zielt auf die Beziehung eines Kindes zu seinen sexuellen Objekten. Ist dieses Objekt, das dem Kind zur Befriedigung seiner Triebe dient, nicht immer vorhanden beziehungsweise greifbar, dann entwickelt es die „[...] Fähigkeit, die eigenen sexuellen Bedürfnisse allein zu befriedigen [...]“ 6 Dadurch gewinnt es auch eine gewissen Unabhängigkeit von der Umwelt.
2.4 Strukturhypothese
Nun mö chte ich noch einmal auf die bewussten und unbewussten Vorgänge der menschlichen Psyche zu sprechen kommen. Nach Freud besteht die Psyche aus drei funktional zusammenhängenden Gruppen psychischer Prozesse und Inhalte, die untereinander verbunden sind.
5 Brenner (2000): S. 34
6 Brenner (2000): S. 37
5
Quote paper:
Nadine Kulbe, 2001, Der verspätete Ödipuskomplex. Eine Analyse des Romans "Die Klavierspielerin" von Elfriede Jelinek., Munich, GRIN Publishing GmbH
This text can be quoted and accessed from this url:
Embed
DOI
Möglichkeiten der Wirkung von Literatur und Film - Ein Vergleich der M...
German Studies - Modern German Literature
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 21 Pages
Identität in Sprachphilosophie und Literatur: Die Konstitution von Wir...
Cultural Studies - Basics and Definitions
Scholary Paper (Seminar), 20 Pages
Zum Film 'Die Klavierspielerin' von Michael Haneke
Basierend auf dem Roman 'D...
Communications - Movies and Television
Termpaper, 18 Pages
Die Hörbarkeit des Zeitablaufs. Zu Elfriede Jelineks Musik-Essays. Ein...
German Studies - Modern German Literature
Scholary Paper (Seminar), 21 Pages
Entwicklung der einzelnen Merkmale der Geschlechtstypisierung
Psychology - Developmental Psychology
Termpaper, 12 Pages
Die Rolle Hagens im Nibelungenlied
German Studies - Older German Literature, Mediaevistik
Termpaper, 22 Pages
Der Konflikt von Eros und Ethos - Fremd- und Selbstverständnis einer j...
German Studies - Modern German Literature
Scholary Paper (Seminar), 15 Pages
Interpretation von Ingeborg Bachmanns "Malina" mit Hilfe der...
German Studies - Modern German Literature
Termpaper, 16 Pages
Siegfried - der Inbegriff eines Helden?
German Studies - Older German Literature, Mediaevistik
Termpaper, 22 Pages
Die Darstellung der Großstadt in der Lyrik des Expressionismus
German Studies - Modern German Literature
Bachelor Thesis, 43 Pages
Der Innere Monolog bei Arthur Schnitzlers Fräulein Else - Psychogramm ...
German Studies - Modern German Literature
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 23 Pages
Jugendsprache im Deutschunterricht
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 24 Pages
Nadine Kulbe has published the text Der verspätete Ödipuskomplex. Eine Analyse des Romans "Die Klavierspielerin" von Elfriede Jelinek.
Nadine Kulbe has uploaded a new text
Elfriede Jelinek: Tradition, Politik und Zitat
Ergebnisse der Internationalen...
Cathrine Theodorsen, Sabine Müller
0 comments