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Vom Sterben des Subjekts - die Entpersonalisierung des 'Gegenübers' im Doing Death: Der Tod im Krankenhaus

Title: Vom Sterben des Subjekts - die Entpersonalisierung des 'Gegenübers' im Doing Death: Der Tod im Krankenhaus

Term Paper (Advanced seminar) , 1998 , 30 Pages , Grade: 1,6

Autor:in: Oliver Kanehl (Author)

Sociology - Medicine and Health
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In der postmodernen Gesellschaft hat es eine Wandlung im Umgang mit dem Tod allgemein und mit den Toten an sich gegeben. Im Privatbereich zeigt sich der Tod eines Menschen "gemeinhin als singuläres Ereignis und als Grenzsituation per excellence. Gleichzeitig wird der Tod zu etwas Alltäglichem im Berufsbereich bestimmter Akteure. Zu diesem "Doing Death zählen der Bereich der Lebenserhaltung im Krankenhaus, der der angewandten Wissenschaft - in der Form der Autoptik in der Pathologie - und der des Verlusts, vertreten durch Bestatter und Friedhofsangestellte. Die Akteure sind ständig mit "Grenzsituation einer Statuspassage konfrontiert, und sind daher darauf angewiesen, Strategien und Techniken der Verarbeitung zu entwickel, um ihren beruflichen Alltag bewerkstelligen zu können.

In der vorliegenden Arbeit soll nun das Augenmerk vor allem auf die Frage gelegt werden, wann und warum der Körper des sterbenden bzw. toten Menschen als eine Person oder als deren Umkehrung bzw. schließlich als eine Leiche, ein Ding, konstruiert wird. Ist der sterbende Mensch noch ein Subjekt oder bereits ein Objekt? Wie gelingt es den Akteuren, ihr "Gegenüber erst als Person und später als entpersonalisiertes Gegenüber, als "reine Leiche", wahrzunehmen?
Wie gehen die professionellen Akteure mit ihrem Arbeitsgegenstand um? Welche Strategien verfolgen sie, um ihre Arbeit zu bewerkstelligen? Wie konstruieren sie ihr Gegenüber?

Um zu verstehen, wie der wechselvolle Status des Gegenübers durch die Akteure konstruiert wird, ist es zunächst wichtig, zu erfahren, wie der Tod des anderen den Menschen immer wieder an seinen eigenen erinnert. Daran anschließend soll dann der Frage nachgegangen werden, auf welche Arten das mit sterbenden Menschen arbeitende Krankenhauspersonal sein Gegenüber konstruiert. Deshalb werden die phänomenologischen Erscheinungsformen des sterbenden bzw. toten Körpers des Gegenübers beschrieben. Schließlich soll diskutiert werden, was die Leiche als Gegenüber im professionellen Handlungszusammenhang letztlich ausmacht.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Tod des Gegenübers und der eigene Tod

3. Der sterbende Körper

3.1. Das personale Gegenüber

3.2. Das entpersonalisierte Gegenüber

3.3. Der soziale Tod

4. Der tote Körper

4.1. Das Herrichten des Körpers - das Gegenüber zwischen toter Person und reiner Leiche

4.2. Das Wegbringen des Körpers - das Gegenüber als reine Leiche

5. Fazit - was ist das tote Gegenüber?

6. Literaturverzeichnis

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die Arbeit untersucht die soziologische Konstruktion des sterbenden und toten Patienten als "Gegenüber" im Krankenhauskontext. Dabei steht die Frage im Zentrum, wie professionelle Akteure, insbesondere Pflegepersonal, mit dem Übergang vom lebenden Subjekt zur "reinen Leiche" umgehen und welche Strategien sie entwickeln, um die eigene Arbeitsfähigkeit und emotionale Distanz in dieser Grenzsituation zu wahren.

  • Phänomenologie des Sterbens in der totalen Institution Krankenhaus
  • Die konstruierte Ambivalenz zwischen Person und Objekt (Leiche)
  • Soziologische Konzepte des "sozialen Todes" und der "Objektkonstanz"
  • Professionelle Verarbeitungsstrategien und Umgangsformen des Personals
  • Die Entpersonalisierung des Körpers durch medizinisch-technische Routinen

Auszug aus dem Buch

4.1. Das Herrichten des Körpers - das Gegenüber zwischen toter Person und reiner Leiche

Nachdem der Arzt den Tod des Gegenübers festgestellt hat und somit das Signal zur Ausgliederung des Verstorbenen gegeben hat, wird der Tote hergerichtet und weggebracht. Der Verstorbene soll möglichst rasch aus dem Stationsareal physisch entfernt werden. Mit dem Herrichten wird der Wechsel des Gegenübers vom Sozialwesen zur Sache eingeleitet. Der Körper des Verstorbenen stellt zu diesem Zeitpunkt noch die Ausschließlichkeit der Zustände lebendig und tot in Frage, da er noch warm ist und so durchaus einem schlafenden Patienten gehören könnte. Routiniertes Handeln kann entlastend wirken und helfen, mit dieser Situation besser fertig zu werden.

Der Arbeitsablauf des Herrichtens hat in der von Ursula Streckeisen untersuchten Klinik folgende Gestalt: Die Pflegekräfte ziehen im Sterbezimmer eine Überschürze und Plastikhandschuhe an. Es werden feuchte Wattetupfer auf die geschlossenen Augen des Toten gelegt. Dann wird das Gegenüber von Gegenständen befreit, die es am Körper trägt, wie Verbände, Katheter, Sauerstoffschläuche und auch Schmuck. Der Verstorbene wird leicht gewaschen und ihm ein frisches Nachthemd angezogen. Falls eine Autopsie bevorsteht, wird das Nachthemd nur über den Körper gelegt. Zahnersatz wird wieder eingesetzt, das Haar gekämmt, Falten im Gesicht glatt gestrichen. Wenn während der Verrichtungen das Leintuch, das die Schamgegend verhüllt, verrutscht, wird dieses von der Schwester sofort neu zurechtgelegt. Schließlich wird eine elastische Binde um das Gesicht gewickelt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Thematik des "Doing Death" im Krankenhaus und Formulierung der Forschungsfrage zur Konstruktion des Gegenübers.

2. Der Tod des Gegenübers und der eigene Tod: Erläuterung der existentiellen Bedeutung des Todes anderer für das eigene Verständnis von Sterblichkeit und sozialer Einbindung.

3. Der sterbende Körper: Analyse des Krankenhauses als totale Institution, die den Patienten depersonalisiert und zur Konstruktion einer "Person auf Abruf" führt.

3.1. Das personale Gegenüber: Darstellung von Strategien, den Patienten trotz nahendem Tod als Person zu würdigen und durch pflegerische Nähe ein menschenwürdiges Sterben zu ermöglichen.

3.2. Das entpersonalisierte Gegenüber: Beschreibung von Praktiken der Distanzierung, durch die Pflegekräfte den Sterbenden bereits vor dem biologischen Tod zum Objekt machen.

3.3. Der soziale Tod: Erörterung des Konzepts, bei dem der noch biologisch lebende Patient bereits als Leiche behandelt wird, um die Sterbesituation administrativ und emotional zu bewältigen.

4. Der tote Körper: Untersuchung der Umdeutung des Verstorbenen zum "Unding" durch den medizinischen Blick und das Definitionsmonopol der Ärzte.

4.1. Das Herrichten des Körpers - das Gegenüber zwischen toter Person und reiner Leiche: Detaillierte Analyse der Übergangspraktiken, die den Toten von der Person zur Sache transformieren.

4.2. Das Wegbringen des Körpers - das Gegenüber als reine Leiche: Beschreibung der finalen Ausgliederung des Verstorbenen aus dem Krankenhausareal und der damit verbundenen emotionalen Abwendung.

5. Fazit - was ist das tote Gegenüber?: Zusammenfassende Betrachtung der Leiche als ambivalentes Etwas zwischen Objekt und ehemals sozialem Wesen sowie Reflexion der psychischen Belastung für das Personal.

6. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten soziologischen und wissenschaftlichen Quellen.

Schlüsselwörter

Doing Death, Krankenhaussoziologie, Sterben, soziale Entpersonalisierung, Leiche, Objektkonstanz, totalen Institution, sozialer Tod, Patientenrolle, Palliation, Bestattung, professionelle Distanz, Körperlichkeit, Sterbebegleitung, Statuspassage.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert den Umgang mit Sterbenden und Verstorbenen in Krankenhäusern aus einer soziologischen Perspektive, wobei der Fokus auf den professionellen Praktiken des Personals liegt.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Mittelpunkt stehen die Wandlung des Krankenhauspatienten vom Subjekt zum Objekt sowie die Strategien, mit denen Pflegende die emotionale Belastung des Todes in ihrem Arbeitsalltag bewältigen.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, warum und wie professionelle Akteure den Körper des Sterbenden als Person, als entpersonalisiertes Gegenüber oder als "reine Leiche" konstruieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer Sekundäranalyse empirischer sozialwissenschaftlicher Studien, insbesondere der Arbeit von Ursula Streckeisen, sowie auf der Einbeziehung theoretischer Konzepte (u.a. Foucault, Goffman, Sudow).

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des sterbenden Körpers, den Prozess des "sozialen Todes" sowie die konkreten Praktiken des Herrichtens und Wegbringens der Leiche.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Doing Death, soziale Entpersonalisierung, Objektkonstanz, totale Institution und der soziale Tod.

Warum spielt der Begriff "Gegenüber" eine so zentrale Rolle?

Er dient als Sammelbegriff für alle Erscheinungsformen des menschlichen Körpers im Zusammenhang mit dem Lebensende – vom Patienten bis hin zur Leiche – und verdeutlicht deren wechselhafte, sozial konstruierte Bedeutung.

Welche Bedeutung hat das "Herrichten" des Toten für das Personal?

Das Herrichten fungiert als Übergangspraktik, die den Verstorbenen von einer "Quasi-Person" in ein verwaltbares "Ding" transformiert, wodurch das Personal versucht, die eigene emotionale Distanz und Arbeitsfähigkeit sicherzustellen.

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Details

Title
Vom Sterben des Subjekts - die Entpersonalisierung des 'Gegenübers' im Doing Death: Der Tod im Krankenhaus
College
University of Hamburg  (Institut für Soziologie)
Course
Ausgewählte Aspekte zur Soziologie elementarer Phänomene der Lebenssituation
Grade
1,6
Author
Oliver Kanehl (Author)
Publication Year
1998
Pages
30
Catalog Number
V23273
ISBN (eBook)
9783638264235
ISBN (Book)
9783638647861
Language
German
Tags
Sterben Subjekts Entpersonalisierung Gegenübers Doing Death Krankenhaus Ausgewählte Aspekte Soziologie Phänomene Lebenssituation
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Oliver Kanehl (Author), 1998, Vom Sterben des Subjekts - die Entpersonalisierung des 'Gegenübers' im Doing Death: Der Tod im Krankenhaus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/23273
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