Inhaltsverzeichnis
1 Definitionen
Angst 1 1 S 4
Schulangst 1 2 S 6
S 6 Was ist Angst 2
Angststörungen 2 1 S 7
Panik 2 2 S 9
S 9 Entstehung von Angst 3
S 10 Entstehung von Schulangst 4
S 12 Schulangst und Lernerfolg 5
S 14 Körperliche Symptome und Verhaltensmuster 6
10 Anhang
Der Schulangstfragebogen für Kinder 10 1 S 19
10.3
10.4
10.5
11 Literatur für Eltern und Lehrer / Infoadressen S. 35
12 Literaturverzeichnis S. 38
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1 Definitionen
1.1 Angst
Angst ist ein sehr komplexes Phänomen, welches sich nicht nur anhand der vielen verschiedenen Möglichkeiten der Ursachen zeigt, sondern auch in den vielfältigen Definitionen. So findet sich selbst innerhalb der Psychologie keine einheitliche Begriffsbestimmung. Die Psychoanalyse nach FREUD beispielsweise definiert Angst als „Affektzustand, der aus einer Erregungssteigerung, aus Reaktionen zur Abfuhr dieser Erregung, aus der Wahrnehmung dieser Erregung und ihrer Abfuhr und aus einem, den Verlauf begleitenden Unlusterlebnis besteht “ (KROHNE 1981).
Eine weitere Definition, die eher kognitiv ausgerichtet ist, findet sich bei ESSER, wo Angst beschrieben wird „als ein emotionaler Zustand des Organismus, bestimmt durch einen als betont unangenehm erlebten Erregungsanstieg angesichts der Wahrnehmung einer komplexen und mehrdeutigen Gefahrensituation, in der eine adäquate Reaktion des Individuums nicht möglich erscheint “ (ESSER 1978).
Ebenso kann man Angst definieren als einen „Spannungszustand mit somatischen, psychischen und motorischen Reaktionen, der durch die Antizipation, die aktuelle Empfindung oder die Erinnerung gekennzeichnet ist“ (GRAEBE 1992).
Die wesentlichen Grundzüge der Angst sind nach GROSSMANN und WINKEL (1977) folgende:
- „Anthropologische“, dies bedeutet, dass Angst eine erlernte Verhaltensweise ist (da z.B. nicht alle Menschen in der gleichen Situation Angst haben) und daher vermeidbar.
- „Situative“, es sind immer Außenreize nötig, damit Angst ausgelöst wird.
- „Komplexe“, Angst ist ein komplexes Phänomen, d.h. nicht monokausal. -„Neurotisierende“, Angst führt zu Verhaltensstörungen.
- „Konflikthafte“, es besteht ein Konflikt zwischen Ich und Über-Ich (Ich und Über-Ich sind aus dem Instanzenmodell nach FREUD entnommen).
Hier soll ein grober Überblick der verschiedenen Aspekte der Angst gegeben werden. Es sollen und können an dieser Stelle nicht alle Definitionen zum Thema Angst aufge zählt werden. Vielmehr soll versucht werden, eine gewisse Gemeinsamkeit in der Begriffsbildung
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zu finden. Dabei fällt auf, dass es eigentlich nur wenige Übereinstimmungen gibt, die sich darauf beziehen, dass Angst mit einer Erregungssteigerung verbunden is t und dass dieser Zustand äußerst unangenehm ist. Alle weiteren Komponenten der Begriffsbestimmungen sind gekennzeichnet durch die verschiedenen psychologischen Ansätze und dementsprechend unterschiedlich.
Umso erstaunlicher ist es daher, dass andere, der Angst sehr ähnliche Konstrukte, wie z.B. Furcht oder Phobie, in der Literatur relativ eindeutig dargestellt sind. So lässt sich die Furcht dadurch beschreiben, dass sie auf konkrete Objekte bezogen und nicht, wie die Angst, sehr unbestimmt ist. Daher sind die Reaktionsmöglichkeiten bei Furcht auch wesentlich bewusster und angepasster, wohingegen sie bei der Angst oft wahllos und unangemessen erscheinen. Angst ist häufig dadurch gekennzeichnet, dass die Stimuluskonfiguration mehrdeutig ist, d.h. die Art, Intensität oder der Auftretenszeitpunkt der Gefahr können nicht eindeutig bestimmt werden oder die Informationen über die Situation sind zwar eindeutig, aber eine angemessene Reaktion ist in diesem Moment nicht möglich (KROHNE 1981; SCHLUNG 1987).
Dies lässt sich besser an einem Beispiel verdeutlichen: Wenn ich kurz vor einer sehr wichtigen Prüfung stehe, weiß ich meist noch nicht, welche Anforderungen bezüglich der Aufgabeninhalte und -schwierigkeiten an mich gestellt werden, d.h. die Situation ist für mich sehr unklar. Ebenso ist keine angemessene Reaktion möglich, da ein Ausweichen mit Sicherheit negativere Konsequenzen nach sich ziehen würde, als sich der Situation auszusetzen. In diesem Moment empfinde ich dann keine Furcht, sondern Angst. Wenn ich aber beispielsweise auf der Straße einem Hund begegne, der nicht angeleint ist und auf mich zugerannt kommt, dann empfinde ich eher Furcht als Angst, da ich für mich mittlerweile angemessene Reaktionsweisen gefunden habe, um die Situation zu entschärfen, indem ich dem Hund sehr selbstbewusst gegenübertrete.
Neben Furcht und Angst wird auch der Begriff der Phobie häufig in der Literatur zur Angstforschung erwähnt. Er stammt aus der Psychoanalyse und beschreibt eine „übertriebene, unrealistische Angst vor Dingen der Umgebung“ (SCHLUNG 1987). Diese Dinge sind Objekte, Orte oder Personen, die normalerweise nicht mit Ängsten in Verbindung gebracht werden. Dies ist dadurch zu erklären, dass bei einer Phobie ungelöste innere Konflikte auf bestimmte Objekte übertragen werden (SCHLUNG 1987). So sind die Ängste vor bestimmten Tieren, wie z.B. Mäusen, die ja vollkommen harmlos sind und daher die Angst objektiv nicht zu erklären ist, eher als Phobien zu bezeichnen.
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1.2 Schulangst
Als Schulangst werden diejenigen Angstreaktionen bezeichnet, die im Zusammenhang mit der Schule auftreten. Diese können sich in vielfältiger Form – speziell durch psychosomatische Störungen - äußern. Ihr Ursprung liegt im Wesentlichen in der schulischen Sozialisation. In den immer stärker zunehmenden leistungsorientierten Anforderungen liegt eine der Hauptursachen der Schulangst. Mit dem daraus resultierenden Druck können vor allem die leistungsschwächeren Schüler nicht umgehen. Auch die Geschlechtszugehörigkeit und das soziale / familiäre Umfeld spielen in Bezug auf Schulangst eine tragende Rolle. Die Ängstlichkeit der Schüler hängt von den jeweiligen Schultypen ab.
2 Was ist Angst?
"Wovor hast du denn Angst", ist wohl die häufigste Frage, die Betroffenen von Unwissenden gestellt wird. Dass Angst eine Krankheit sein kann, hat sich in unserer Gesellschaft noch nicht allzu sehr herumgesprochen, da viele Betroffene buchstäblich Angst haben darüber zu reden, Angst haben, für verrückt gehalten zu werden, Angst haben, in eine geschlossene Anstalt gesperrt zu werden. Und noch vor kurzem zählte man Angstpatienten in der Schulmedizin zu den Depressiven. Leider werden auch heute noch viele von ihnen lange Zeit falsch diagnostiziert.
Angst ist ein Gefühl, das wohl jedem Menschen bekannt ist. Grundsätzlich kann sie wohl als ein unangenehm empfundenes Gefühl von Bedrohung beschrieben werden. In diesem Rahmen hat Angst durchaus auch eine nützliche Funktion, da sie ein Alarmsignal ist, das Aktivitäten zur Beseitigung einer Gefahr auslösen kann. Nach Beseitigung dieser Bedrohung sollte auch die Angst verschwinden.
Angst ist eine der häufigsten psychischen Störungen. Bei etwa 10% der Allgemeinbevölkerung findet sich Angst in einem behandlungsbedürftigen Ausmaß. Aber wann ist diese Angst nun krankhaft? Wenn einzelne oder alle Symptome völlig unbegründet oder ohne erkennbaren Grund auftreten.
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Angsterkrankungen unterteilt man in "Angststörungen" und "Panik".
Bei Angststörungen kommt der Auslöser einer Panikattacke von außen. Beispiel: Ein Mann möchte einkaufen gehen. Um das Geschäft zu erreichen muss er einen großen Marktplatz
à weiter Platz = äußerer Auslöser.
Bei Panik kommt der Auslöser einer Panikattacke von innen. Beispiel: Eine Frau sitzt mit Freunden in einem Biergarten. Weder der Anblick des großen Gartens noch die vielen Menschen lösen eine Panikattacke bei ihr aus. Plötzlich verspürt sie Beklemmungsgefühle auf à Beklemmungsgefühl = innerer Auslöser.
der Brust, die eine Panikattacke auslösen
2.1 Angststörungen
"Angststörung" ist der Sammelbegriff, der viele Formen der Angst beinhaltet: Höhenangst, Phobien (z. B. Spinnenphobie), Platzangst, soziale Angst und generalisierte Angst.
Höhenangst:
Hierzu zählt man die Angst auf hohe Türme zu steigen oder auf einen Balkon im 10. Stock zu gehen. Angst den Boden unter den Füßen zu verlieren.
Phobien:
Den Begriff Spinnenphobie kennen sicher alle Menschen. Es ist eine extreme, überspitzte Angst vor Spinnen. Allgemein ist die Angst vor Spinnen ganz natürlich, geht man davon aus, dass es giftige Spinnen gibt, deren Biss sogar tödlich wirken kann. Bei der Spinnenphobie reagieren die Betroffen mit Symptomen der Angst. Diese Angstsymptome treten auch dann auf, wenn es sich um eine nachweislich nicht giftige Spinne handelt. Diese Angst ist eigentlich völlig grundlos.
Platzangst:
Die Platzangst unterteilt man in "Agoraphobie" und "Klaustrophobie".
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Bei der Agoraphobie handelt es sich um Angst vor großen Räumen und weiten Plätzen. Die Betroffenen meiden weite, unübersichtliche Orte wo es unter anderem zu Orientierungs- schwächen kommen kann.
Bei der Klaustrophobie ist es die Angst vor ge- oder verschlossenen Räumen. Die Betroffenen fühlen sich eingeengt, bekommen keine Luft mehr. Sie fürchten, keine Fluchtmöglichkeiten zu haben. Aber auch das Warten in einer Schlange vor der Kasse oder im Stau und das Fahren in einem Aufzug zählt ebenfalls zur Klaustrophobie.
soziale Angst:
Diese Form der Angst bezieht sich auf den direkten Umgang mit Menschen. Angst vor anderen Menschen zu reden. Angst im Mittelpunkt zu stehen oder einen Fremden auf der Straße nach dem Weg zu fragen.
generalisierte Angst:
Die Betroffenen dieser Form der Angst fürchten sich vor Allem und Jedem. Sie haben eigentlich ganz normale, gesunde Ängste in die sie sich aber krankhaft hineinsteigern. Da kann eine Panikattacke ausbrechen, weil der Briefträger wie gewohnt an der Tür läutet, denn es könnte ja auch ein Fremder sein. Da kann bei dem Gedanken mit dem Auto fahren zu müssen eine Panikattacke ausbrechen, denn man könnte ja einen Unfall haben.
Bei all den bisher aufgezählten Formen der Angst ist genau genommen kein Grund für die Angst gegeben. Warum sollte man in einem geschlossenen Raum Angst haben, den man doch jederzeit wieder verlassen kann? Warum sollte man vor einem hohen Turm Angst haben, den schon Tausende vor einem bestiegen haben und sicher wieder herunter kamen? Warum sollte man Angst haben, einen anderen Menschen nach dem Weg zu fragen? Warum sollte man vor einer Spinne Angst haben, wenn sie doch nachweislich ungiftig ist?
Auch wenn die Auslöser dieser Ängste für gesunde Menschen nicht nachvollziehbar sind, so können die Betroffenen sie doch klar definieren.
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2.2 Panik
Im Unterschied zu den Angststörungen können bei der Panik die Auslöser einer Attacke von den Betroffenen nicht genau definiert werden. Bei Angststörungen können die Betroffenen klar definieren "große, weite Plätze machen mir Angst - geschlossene Räume machen mir Angst - usw." auch wenn sie es oftmals selber albern finden. Bei einem Panikpatienten ist das völlig anders. Die Symptome der Angst treten bei den unterschiedlichsten Situationen auf; mal im geschlossenen Raum und dann wieder nicht - mal auf einem hohen Balkon und dann wieder nicht. Die auslösenden Faktoren sind von keiner Situation bestimmt, die Symptome kommen aus heiterem Himmel ohne einen erkennbaren Grund. Genau genommen haben Betroffene der Panikerkrankung gar keine Angst sondern "nur" die Symptome der Angs t. Das macht es den Betroffenen ziemlich schwer, Ärzten gegenüber zu erklären wo ihre Ängste eigentlich genau liegen.
Noch viel schwieriger ist es für die Ärzte bei der Panikerkrankung die richtige Diagnose zu stellen. Die Patienten klagen nicht über Angs t vor weiten Plätzen, sondern über Herzrasen oder Stechen in der Brust oder ständige Schwindelgefühle oder permanente Übelkeit im Magen oder, dass sie wie aus einem Zwang heraus, begleitet durch starke Atemnot, immer öfter den Drang nach Flucht verspüren ohne sagen zu können, wovor sie eigentlich flüchten. So erklärt sich sicher auch, warum viele Paniker erst alle möglichen Herz-, Kreislauf- und Magenspezialisten konsultieren, völlig nutzlose Medikamente schlucken, bis dann endlich die Hilfe bringende Diagnose "Panik" erfolgt.
3 Entstehung von Angst
Selten liegt der Erkrankungsbeginn nach dem 45. Lebensjahr. Normalerweise verfügt jeder Mensch über die Bereitschaft angst zu erleben. Ob und wann diese Bereitschaft aber auch zu richtiger Angst wird, hängt dagegen aber von der Person ab. Einige Personen verkraften auch Extremsituationen, z.B. lebensgefährliche Unfälle, Entführungen, Vergewaltigungen oder Misshandlungen, ohne anschließend unter vermehrter Angst zu leiden. Andere dagegen trauen sich nicht mehr unter Menschen, nachdem sie sich durch eine Bemerkung einer Person, die für andere sogar banal wirkte, gekränkt oder angegriffen fühlen. Eventuell liegt das
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Julia Gerstberger, 2003, Angstfragebögen in Bezug auf Schulangst, Munich, GRIN Publishing GmbH
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