Inhaltsübersicht
1. Einleitung 1
2. Grundlegende Kritik an der Offiziellen .US.-Armutsgrenze 2
3. Alternative Konzepte und Definitionen 5
3.1. Definition einer Armutsgrenze 5
3.1.1. Die Armutsgrenze als absolutes, relatives oder subjektives Maß 5
3.1.2. Konzeption 9
3.1.3. Aktualisierung der Armutsgrenze 11
3.2. Definition der Resourcen 11
3.2.1. Verschiedene Ansätze im Vergleich 12
3.2.2. Einkommensmessung 13
4. Fazit 15
Literaturverzeichnis 16
1
1. Einleitung
Als die U.S. Regierung in den 60er Jahren begann sich genauer mit der Armutsmessung zu befassen, wurde das damalige Maß als eine vorübergehende Lösung betrachtet, die der Vorläufer für die Entwicklung von weiteren und verbesserten Strategien sei. Doch obwohl die Fundiertheit der Konzeption und der Methodologie dieses Maßes von Anfang an bezweifelt wurden bildet es heutzutage immer noch die Grundlage der offiziellen U.S.-Armutsmessung. 1 Nichtsdestotrotz erfüllte dieses Maß in den 60er Jahren, sehr wohl seinen Zweck. Die von Mollie Orshansky entwickelten Armutsgrenzen waren bemerkenswert übereinstimmend mit einem alternativen Ansatz, der als Grenze 50 Prozent des Durchschnittseinkommens verwendete und entsprachen ebenso der öffentlichen Meinung über ein minimal adäquates Maß an Gütern und Dienstleistungen für eine typische Familie. 2 Jedoch neigen Armutsmessungen dazu, nur ihre eigene Zeit und deren äußere Umstände widerzuspiegeln (vgl. Citro und Michael, Measuring Poverty, S. 26). Die offizielle U.S.-Armutsgrenze wurde jedoch seit 1963, abgesehen von minimalen Veränderungen und jährlich jeweils nur um die Inflationsrate bereinigt, im Großen und Ganzen beibehalten. Gerade deswegen herrscht auch allgemein Einigkeit über die Tatsache, daß das Armutsmaß geändert werden muß. 3 1990 veröffentlichte Patricia Ruggles ihr Buch, Drawing the line, welches den Anstoß zu mehreren Kongreß-Anhörungen des Joint Economic Committee gab. Auf Anfrage dieses Kongresses wurde dann im Jahre 1992 von der National Academy of Sciences (NAS) ein Studien-Ausschuß gebildet, welcher sich mit einer umfassenden Untersuchung der offiziellen Armutsmessung beschäftigte. Dieser Ausschuß veröffentlichte 1995 seinen Bericht: Measuring Poverty: A New Approach (Citro und Michael, 1995). 4 In den darauffolgenden Jahren wurden zahlreiche Anstrengungen dahingehend unternommen, die Umsetzbarkeit dieser Empfehlungen zu prüfen. Deshalb werde auch ich mich hauptsächlich auf die darin empfohlenen wesentlichen Änderungen und Punkte beschränken.
2. Grundlegende Kritik an der Offiziellen U.S.-Armutsgrenze
An der offiziellen U.S.-Armutsgrenze werden zahlreiche Punkte kritisiert. Zum einen im Hinblick auf die konzeptionelle Entwicklung der Grenze selbst und zum anderen bei der
1 Vgl. Revising the poverty measure, in: Focus Vol. 19, Nr. 2 vom Frühjahr 1998, S. 1
2 Vgl. Poverty: Improving the Measure after Thirty Years, in: Focus Vol. 20, Nr. 2 vom Frühjahr 1999, S. 51
3 Vgl. Poverty: Improving the Measure after Thirty Years, in: Focus Vol. 20, Nr. 2 vom Frühjahr 1999, S. 51
4 Vgl. Short und Iceland, Who is better off than we thought?, S. 1
2
Einkommensdefinition. Viele dieser Probleme entwickelten sich erst im Laufe der Zeit, einige wurden jedoch schon bei der erstmaligen Einführung bemängelt. Der Grund hierfür waren umfangreiche soziale und wirtschaftliche Veränderungen. 5 Gestiegene Lebensstandards und Verbrauchsmuster
Die aktuelle U.S.-Armutsgrenze wurde seit deren Entwicklung jährlich jeweils nur um die Inflationsrate bereinigt. Deswegen fehlen jegliche Anpassungen an sich verändernde soziale Normen und Erwartungen, wie gestiegene Lebensstandards oder Verbrauchsmuster (vgl. Short, Garner und Johnson, Experimental Poverty measures 1990 bis 1997, S. 2). Entsprachen die durchschnittlichen Ausgaben einer Familie in den 50er Jahren für Lebensmittel noch 1/3 des Gesamteinkommens, wie dies auch von Mollie Orshansky in der offiziellen Armutsgrenze mittels eines Multiplikators von 3 für den restlichen Bedarf angesetzt wurde, so entsprechen sie heutzutage gerade mal noch 1/7 des Gesamteinkommens (vgl. Poverty: Improving the Measure after Thirty Years, in: Focus Vol. 20, Nr. 2 vom Frühjahr 1999, S. 51). Sachleistungen
Zu der Zeit als die offizielle U.S.-Armutsgrenze entwickelt wurden, gab es noch sehr wenig öffentliche oder private Zuschüsse in Form von Gütern oder Dienstleistungen für die niedrigverdienende Bevölkerung. Seitdem haben solche Leistungen jedoch stark zugenommen. Ein gutes Beispiel dafür ist das Lebensmittelmarken Programm. Im Jahre 1970 wurde es noch nicht einmal in den ganzen Vereinigten Staaten durchgeführt, 1993 jedoch versorgte es bereits 10 Prozent der gesamten U.S. Bevölkerung mit solchen Marken. 6 Weitere Beispiele für Sachleistungen, die in der aktuellen Armutsmessung nicht miteingerechnet werden, sind Essens-Programme in Schulen, öffentliches Wohnen, Medicaid (Amerikanisches Gesundheitsfürsorgeprogramm für Bedürftige) und Medicare (Amerikanische Gesundheitsfürsorge; besonders für Senioren). Steuern
Die offizielle U.S.-Armutsgrenze zählt Steuern als Einkommen, obwohl diese eigentlich nicht für den Verbrauch zu Verfügung stehen. Dies stimmt auch nicht mit dem ursprünglichen
5 Vgl. Citro und Michael, Measuring Poverty, S. 26 f.
6 Vgl. Citro und Michael, Measuring Poverty, S. 30
3
Konzept von Mollie Orshansky überein, das auf Nettoeinkommen basierte. 7 In den 60er Jahren waren positive Steuern jedoch noch keine ausschlaggebende Faktoren für den Wohlstand von Familien mit niedrigem Einkommen, da sie fast gänzlich von der Versteuerung ausgeschlossen waren. Die einzige Steuer, die die meisten „Armen“ zahlen mußten war die Sozialversicherungssteuer, und die entsprach gerade einmal 3,625 Prozent des Einkommens. 8 Deswegen war die Verwendung von Bruttoeinkommen zum Vergleich mit den Armutsgrenzen auch wenig problematisch. Seitdem gab es jedoch durchaus Zeiten in denen die Steuerlast für Niedrig-Verdienende relativ hoch war. 9 Ausgaben in Verbindung mit einem Arbeitsplatz
Die aktuelle U.S.-Armutsmessung berücksichtigt bei Familien mit berufstätigen Elternteilen nicht die Ausgaben, die notwendig sind, eine Arbeitsstelle beizubehalten und somit auch Einkommen zu verdienen. Hierunter fallen die Fahrtkosten zur Arbeitsstelle und die Kosten für Kinderbetreuung während der Arbeitszeit. 10 Daß diese Ausgaben in den letzten Jahrzehnten stark an Bedeutung zugenommen haben, läßt sich zum großen Teil auf wesentliche Veränderungen im Arbeitsleben zurückführen, wie z.B. der starke Anstieg der alleinerziehenden Elternteile, davon meistens Frauen. So hat sich die Anzahl der berufstätigen Frauen mit einem Kind unter 6 Jahren in der Zeit von 1955 bis 1993 mehr als verdreifacht. In demselben Zeitraum hat sich die Arbeitsbeteiligung von Frauen, deren jüngstes Kind 6 Jahre oder älter ist, fast verdoppelt. Dementsprechend gibt es heutzutage wesentlich mehr Familien, die Vereinbarungen über Kinderbetreuung treffen müssen, welche sehr teuer sein können. 11 Kosten für Medizinische Versorgung
Das offizielle Armutsmaß berücksichtigt nicht die Tatsache, daß der Bedarf nach medizinischer Versorgung und dementsprechend auch die Höhe der damit verbundenen Kosten je nach Familie variiert. Solche Merkmale wie Alter und Gesundheitsstatus der Familienmitglieder haben einen sehr großen Einfluß auf diese Art der Ausgaben. Ebensowenig wird einkalkuliert, inwieweit diese Kosten für die Familien durch Krankenversicherungen, einschließlich
7 Vgl. Citro und Michael, Measuring Poverty, S. 97
8 Vgl. Poverty: Improving the Measure after Thirty Years, in: Focus Vol. 20, Nr. 2 vom Frühjahr 1999, S. 51 und
Definitional issues in establishing a new poverty measure, in: Focus Vol. 19, Nr. 2 vom Frühjahr 1998, S. 7
9 Vgl. Citro und Michael, Measuring Poverty, S. 29
10 Vgl. Short, Garner und Johnson, Experimental Poverty Measures 1990 bis 1997, S. 2
11 Vgl. Citro und Michael, Measuring Poverty, S. 27 f.
Arbeit zitieren:
Ines Michi, 2002, Die U.S.-Armutsgrenze - Kontroversen, München, GRIN Verlag GmbH
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