Georg August Universität Göttingen
Institut für Klassische Philologie
Hausarbeit im Rahmen der ersten Staatsprüfung
für das Lehramt an Gymnasien
Thema:
Badekultur im Spiegel lateinischen Schrifttums
vorgelegt von
Marcel Wüstefeld
Göttingen, im Dezember 2003
"balnea vina venus corrumpunt corpora nostra."
sed vitam faciunt b(alnea) v(ina) v(enus).
( Grabinschrift aus Rom, 1. Jh. n. Chr. )
Inhaltsverzeichnis
Einleitung ... 1
I. Interpretation von Einzeltexten
1. Vitruv: De Architectura Liber V, 10 ... 3
2. Seneca minor: Epistulae morales ad Lucilium 86, 4 - 12 ... 12
3. Petron: Cena Trimalchionis ... 19
3.1 Der Besuch eines öffentlichen Bades: 26, 7 - 27, 4 ... 19
3.2 Der Besuch in Trimalchios Privatbad: 72, 2 - 73, 5 ... 27
4. CIL 6, 15258 ( CLE = 1499 ): balnea vina venus ... 31
5. Martial und die Bäder ... 34
5.1 Bäderepigramme bei Martial ... 35
5.2 Epigramm VI, 42: Das Bad des Claudius Etruscus ... 52
II. Schlussteil
1. Zusammenfassung ... 58
2. Schlussbetrachtung ... 59
3. Nachwirkung der römischen Badekultur ... 60
III. Literaturverzeichnis... 62
IV. Anhang
1. Index verwendeter Textstellen... 64
Einleitung:
Bäder und Thermen gewinnen im Zuge der städtischen Zivilisation der römischen Kaiserzeit zunehmend an Bedeutung. Die zahlreichen baulichen Überreste von Badeanlagen sind noch in heutiger Zeit ein Indiz für die wichtige Rolle, die die Badekultur besonders zur Zeit der Cesaren gespielt hat.
In Rom wie in den Provinzen war der Besuch der öffentlichen Bäder etwas Selbstverständliches und gehörte zum festen Tagesablauf. Sie dienten aber nicht allein zu hygienischen Zwecken, sondern waren Mittelpunkt des öffentlichen Lebens.
Neben den Anlagen für die Körperpflege standen oft Sportplätze, Gesellschaftsräume und vereinzelt sogar Bibliotheken zur Verfügung.
Aufgrund der Bedeutung für die Allgemeinheit wurde bezüglich des Baus, der Ausstattung und der Unterhaltung der Thermen ein enormer Aufwand betrieben. Die großen Anlagen der Kaiserzeit waren Meisterwerke der Architektur, und ihre Existenz stellte praktisch eine Zusammenballung aller kulturellen Leistungen der Römer dar1.
Mit dem wirtschaftlichen Niedergang des Römischen Reiches ab etwa dem 5. Jahrhundert wurden dann auch die Dimensionen der Bäder wieder kleiner oder sie verschwanden ganz2.
In der Literatur findet die Badekultur hauptsächlich Niederschlag in Form von Epigrammen, Briefen und Berichten antiker Zeitzeugen, die in ihrer inhaltlichen Verbindung von technisch - gesellschaftlicher Errungenschaft und Literatur auch zwei Jahrtausende später noch äußerst lebendig wirken.
Dies ist auch nicht verwunderlich, wenn man beispielsweise die Überreste der Caracalla-Thermen in Rom besichtigt ( erbaut ab 212 n. Chr. ) und dabei bedenkt, wie imposant selbst die Ruinen der einst so großartigen Anlage heute immer noch sind. Man kann sich vorstellen, welchen Eindruck da erst die intakten Bauwerke in Verbindung mit dem regen Treiben der Badegäste gemacht haben müssen!
Das Thema Badekultur wird allerdings nur in wenigen Quellen umfassend behandelt, und Informationen finden sich oft nur in sehr verschiedenen Kontexten. Offenbar waren die Bäder und später die großen Thermen ein derart selbstverständlicher und wohlbekannter Teil des Lebens, dass es Autoren für unnötig hielten sich dazu zu äußern. In der Prosa wie in der Dichtung finden sich daher sehr vielschichtige und verschiedenartige Inhalte: Wasserversorgung, Heizungssysteme, Architektur, Innenausstattung, Gesundheitswesen, Eintrittspreise, Öffnungszeiten und natürlich das Verhalten der Besucher in den Bädern und Thermen sind nur einige Aspekte, die in der lateinischen Literatur bis heute erhalten geblieben sind.
Trotz der thematischen Vielfalt bleibt das Thema an sich aber eine geschlossene Größe - so wie es im übertragenen Sinn auch der einheitsstiftenden Rolle der Bäder entspricht3.
Durch die Interpretation ausgewählter Texte möchte ich in der folgenden Untersuchung diese Vielfalt des Themenkomplexes `Römische Bäder` erschließen. Maßgeblich sollen dabei die Exponate zeitgenössischer Autoren aus dem 1. nachchristlichen Jahrhundert sein, da man hier sowohl das Entstehen als auch die Hochphase der Badekultur sehr gut nachvollziehen kann. Grundsätzlich wird die Arbeit also von literarisch – philologischem Interesse geprägt sein.
Ein kulturgeschichtliches, im weitesten Sinn sogar archäologisches Interesse an den Inhalten soll dann zur Erschließung zahlreicher Hintergrundinformationen führen, da es sich in den Texten meist nicht um sprachliche Fiktionen, sondern um die Verarbeitung eines Stoffes handelt, der dem wirklichen Leben entnommen ist; ohne hinreichende Kenntnis der Sachaspekte ließen sich die Inhalte nur schwer begreifen. Umgekehrt ist die philologische Behandlung der Quellentexte notwendig, um den Zeugniswert des Dargestellten richtig beurteilen zu können.
Bene lava (te) „angenehmes Baden“
(Willkommensgruß am Eingang des Badegebäudes)
I. Interpretation von Einzeltexten
1. Vitruv: De Architectura, Liber V, 10: Bauvorschriften für ein Bad
Vitruv war gemäß seiner eigenen Angaben4 ausgebildeter Architekt und zu Lebzeiten wenig bekannt. Seine Schrift „De Architectura“, die in den Jahren zwischen 33 – 23 v. Chr. entstanden ist, sollte der Nachwelt sein Andenken erhalten5.
Im zehnten Kapitel des fünften Buches erläutert er die zweckmäßige Anlage eines Bades. Damit sind noch nicht die großen Thermen der Kaiserzeit gemeint, sondern Badeanlagen im kleineren Stil6, wie sie kurz vor der Zeitenwende schon häufig vorzufinden waren7.
[...]
1 Vgl. Brödner, Erika: Die römischen Thermen und das antike Badewesen. Vorwort S. IX.
2 Vgl. Der neue Pauly SP. 400 zu Bäder, D. Christliche Zeit; vgl. Busch 1999, Seite 3 f.
3 Vgl. Busch 1999, S. 5.
4 De Architectura I 33, 8.
5 Datiert nach Fensterbusch 1964, S. 4f.
6 Vgl. Brödner 1992, S. 41: Die Römer unterschieden zwischen den thermae und den balnea. Die Griechen gebrauchten ursprünglich für das Bad die Ausdrücke balaneion und loutron. Balaneion wird im Lateinischen zu balineum und im Plural als Kurzform zu balnea. Dieser Ausdruck steht für kleinere Anlagen z. B. im privaten Bereich. Das Warmbad war das thermon loutron. Warme Bäder mit natürlichen Thermalquellen und große, öffentliche Badeanlagen wurden demnach mit therma loutra und lateinisch mit thermae bezeichnet.
7 Vgl. Brödner 1992, S. 37: Agrippa hatte 33 v. Chr. eine Zählung veranlasst, die eine Zahl von 170 vorhandenen Bädern ergeben hatte.
Quote paper:
Marcel Wüstefeld, 2003, Badekultur im Spiegel lateinischen Schrifttums, Munich, GRIN Publishing GmbH
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