Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung 1
1. Das Leiden der Moderne 2
1.1 Säkularisierung 3
1.2 Individualisierung 4
1.3 Pluralisierung 5
1.4 Ökonomisierung der Religion 7
1.5 Die Erlebnisgesellschaft 9
2. Das Rezept der modernen Esoterik 10
2.1 Holistisches Weltbild 11
2.2 Erlösungshoffnung 12
2.3 Innerlichkeit und Erlebnisorientierung 13
2.4 Vereinigung von Wissenschaft und Religion 13
3. Fazit 14
II
0. Einleitung
Esoterik ist kein neues Phänomen. Es gab schon immer, in Begleitung der offiziell institutionalisierten Religion, Gruppen, die sich mit einem „geheimen Wissen“ von dieser abgrenzten. Neu in unserer Zeit ist allerdings, dass dieses Wissen, was wie der Name es sagt geheim sein sollte, heute der breiten Masse zugänglich ist; man kann fast behaupten, dass es allgegenwärtig ist.
Es vergeht kaum ein Tag ohne dass man irgendwo, egal ob im Fernsehen, in der Zeitung, Zeitschrift, Straßenwerbung oder von der lächelnden Person an der Ecke, irgend eine Einladung zu einer religiösen Gruppe, Selbsthilfe Seminar, einer Esoterikmesse oder ähnliches bekommt. Mit „spirituellen“ Themen wird man immer öfter im Alltag konfrontiert, sei es im Film, Werbung, Internet, Buchhandlung, Radio oder beim Spaziergang durch die Hauptstraße. Immer mehr Leute finden „ihre eigene Religion“; die einen können es mit dem Christ-Sein vereinbaren, die anderen nehmen es als Alternative dazu. Es besteht kein Zweifel, dass die Beschäftigung mit dem „Religiösen“ boomt. Die Frage ist nur: Warum? Warum in einer säkularisierten Gesellschaft, wie die deutsche es angeblich ist, in der Wissenschaft und Technik weit entwickelt sind, in der immer mehr Bürger die Kirche verlassen, moderne Esoterik sich etablieren konnte und immer mehr Zulauf findet? Das Thema ist komplex, es umfasst viele Faktoren. Darum beschränken wir uns auf das Warum und lassen das Wie ganz unberücksichtigt.
Wir wollen im ersten Teil der Arbeit den Grundriss des Zeitgeistes schildern, d.h., der Moderne samt ihrer Probleme und Sehnsüchten, ohne den Anspruch zu erheben, die Moderne gänzlich zu erfassen. Eher werden wir ein paar Gesellschaftstrends analysieren, die unserer Meinung nach dazu beitragen, dass der moderne Mensch sich der modernen Esoterik zuwendet.
Die Frage beginnt bei der fortlaufenden Säkularisierung und stolpert über Pluralisierung, Individualisierung, Privatisierung und Identitätsbildung; Phänomene, die in einem dialektischen Zusammenhang zu denken sind.
Im zweiten Teil der Arbeit, wollen wir dann herausarbeiten was moderne Esoterik ausmacht, was es ist, dass sie so attraktiv für den modernen Menschen mach. Wir werden aber auf eine Typologisierung der verschiedenen Gruppen und einer Definition verzichten, da dies zu tief
1
in die Debatte um den Religionsbegriff führt, und uns vorwiegend auf das Gesamtbild und die Dynamik der Esoterik konzentrieren.
Wir hoffen somit, einen Zusammenhang zwischen der Dynamik der Esoterik und den Bedürfnissen des modernen Menschen feststellen zu können.
1. Das Leiden der Moderne
„Man must make a world for himself” 1 Der Mensch konstruiert seine Realität, er gibt ihr Sinn durch ein Symbolsystem. Wenn viele Menschen zusammen leben, brauchen sie eine gemeinsame Realität um sich verständigen zu können; eine Gesellschaft, die ein Symbolsystem, eine Realität teilt, hat eine Kultur. „The fundamental coercivness of society lies not in its machineries of social control, but in its power to constitute and to impose itself as reality“ 2 Solang eine Gesellschaft eine Realität für sich definiert, hält sie zusammen.
In prämodernen Gesellschaften war es der Fall, dass es nur ein Deutungsmuster der Realität gab, an das sich alle hielten. Ein Deutungsmonopol das meistens von der Religion beansprucht wurde. In der Moderne ist dies nicht mehr der Fall. Es existieren nebeneinander eine Unmenge an konkurrierenden Deutungsmuster mit Wahrheitsanspruch unter denen der moderne Mensch nach belieben wählen kann, was aber die Einheit und die Verständigungsbasis der Gesellschaft gefährdet.
Der Versuch die erste Ursache für diesen Zustand der Moderne auszumachen, scheint uns wie eine Diskussion um das „Huhn und das Ei“, die wir an dieser Stelle nicht führen möchten, da sie den Rahmen der Arbeit sprengt. Es waren mehrere Entwicklungen entlang der abendländischen Geistesgeschichte, die entweder parallel oder nacheinander abgelaufen sind, die aber auf keinen Fall von einander getrennt verstanden werden können, die dafür verantwortlich sind.
Für den Zweck der Analyse werden diese im Folgenden einzeln betrachtet. 1 BERGER, Peter L. (1973) : The Social Reality of Religion, Harmondsworth/ Victoria, Penguin University Books. S.15.
2 Ebd. S. 21.
2
1.1. Säkularisierung
Der Begriff Säkularisierung hat seinen Anfang in einem anderen: Säkularisation, was „die Auflösung des Kirchengutes, wie sie in Deutschland nach französischem Vorbild mit aller Deutlichkeit durch den Reichdeputatiosnhauptschluss von1803 vollzogen wurde“ 3 , bedeutet. Anfangs, war der Begriff eher neutraler Auffassung, erst nach diesem Vorfall, hatte er für die Kirchen ein Beigeschmack von „Usurpation geistlicher Rechte“ 4 und wurde zu einer „bekämpften und beklagten Sache“. 5 Aus den geistlichen Entwicklungen des 19. Jh. und seiner massiven Religionskritik, kam es dann zu der Umwälzung in den Begriff der Säkularisierung, 6 der dann als „Parole kultureller Emanzipation auftritt.“ 7 Zwar wurden schon bei Hegel und Marx Säkularisierungsprozesse vorangetrieben, ohne dass sie so bezeichnet wurden, da der Begriff als solches noch fehlte, 8 damit er sich aber in ein „geschichtsphilosophischen und kulturpolitischen Begriff“ 9 umprägen konnte, musste erst die Unvereinbarkeit der kirchlichen Religion mit den Entwicklungen der modernen Gesellschaft erfahren werden. 10 Mit der „Forderung nach religiöser Emanzipation von Bildung und Erziehung“ 11 begann ein Prozess, der immer mehr Lebensbereiche aus der Obhut der Kirche riss. Folglich wuchsen Bereiche wie Kunst, Literatur, Politik, Philosophie und vor allem die Wissenschaft, als autonomes Weltdeutungssystem aus dem Herrschaftsbereich der Kirchen heraus. 12 Der Fortschritt der Naturwissenschaften löste ein Konflikt zwischen Wissenschaft und Religion aus, da sie beide um den Anspruch auf Weltdeutung kämpften. Säkularisierung wurde als ein „Sieg der Moderne über die Religion“ 13 gefeiert, da durch den wissenschaftlichen und technischen Fortschritt, Religion überflüssig wurde. 14 Religion wurde ohnehin als „wesentlicher Faktor der Unfreiheit des Menschen gesehen“ 15 , so dass man sich in die Obhut der Vernunft begab. „Nimmt man den Wissenschaftler und den Ingenieur als 3 KNOBLAUCH, Hubert (1999) Religionssoziologie, Berlin/ New York, de Gruyter, S. 20. 4 LÜBBE, Hermann (1975): Säkularisierung: Geschichte eines Ideenpolitischen Begriffs, Freiburg/München, Verlag Karl Alber. S. 28.
5 Ebd.
6 Vgl. ebd. S. 40.
7 Ebd. S. 41.
8 Vgl. ebd. S. 34-38.
9 Ebd. S. 40.
10 Vgl. ebd. & KNOBLAUCH, S. 22 11 Ebd. S.41 12 Vgl. BERGER (1973), S. 113 & FRIESL, Christian/POLAK, Regina (2002) Theoretische Weichenstellungen, in :POLAK, Regina (Hrsg.), Megatrend Religion? Neue Religiositäten in Europa, Ostfildern, Schwabenverlag, S. 77.
13 FRIESEL/POLAK, S. 77.
14 Ebd.
15 Ebd. & Vgl.
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Mariana Pinzon, 2004, Moderne Esoterik, Munich, GRIN Publishing GmbH
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