Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Das argentinische Gewerkschaftssystem im historischen Wandel 3
2.1 Erste Entwicklungsphase 3
2.2 Peronismus - Die zentrale Rolle der Gewerkschaften 3
2.3 Antiperonismus im Zeichen der Militärregimes 4
2.4 Peronistische Episode und „Schmutziger Krieg“ der Militärs 5
2.5 Präsident Alfonsín - Dauerkonflikt zwischen Staat und Gewerkschaften 6
2.6 Die Regierungszeit von Präsident Menem 7
2.6.1 Neue Rahmenbedingungen - Schwächung der Gewerkschaften 7
2.6.2 Bruch des peronistischen Gewerkschaftssystems 8
2.6.3 Wiedervereinigung und erneute Aufspaltung 8
2.6.4 Neue Protestformen 9
3. Aktuelle Entwicklungen - Zwischen Resignation und Neubeginn 10
4. Fazit. 11
5. Literatur 12
1
Gewerkschaften in Argentinien
- Vom „Rückgrat“ des Peronismus zum „Appendix“ der Gesellschaft? - 1.Einleitung
Gewerkschaften sind Vereinigungen von abhängig Beschäftigten, welche die wirtschaftlichen, politischen und sozialen Interessen ihrer Mitglieder im Beschäftigungsverhältnis und gegenüber der Politik vertreten. Dabei ist die Mitgliedschaft normalerweise freiwillig (Koalitionsfreiheit). Der Staat steht zu den Gewerkschaften in einem Spannungsverhältnis, dass sich in vier verschiedenen Formen bzw. Phasen äußert: Verbot, Duldung, Anerkennung und Förderung. Gewerkschaftssysteme weisen je nach Land, unterschiedliche Ausprägungen hinsichtlich der Zahl, Art und Größe (horizontale Dimension) und der Aufteilung der Entscheidungsmacht (vertikale Dimension) auf. 1
Die klassische Arbeitsteilung zwischen den Verbänden, wie sie z. B. im Rahmen der Tarifautonomie in der Bundesrepublik besteht, hat in Argentinien nie wirklich funktioniert. Die starke Politisierung der Verbände bewirkte, dass die Konfliktbewältigung über den Staat ausgetragen wurde. D iese Situation kann mit dem Begriff „Klassenkampf durch Mittelsmann“ 2 beschrieben werden.
Die vorliegenden Studien über das argentinische Gewerkschaftssystem, lassen uns zu folgender These kommen:
Der inkorporatisierte Peronismus verhinderte lange eine innergewerkschaftliche Demokratisierung. Ihre starke Politisierung bedingte die Konfliktbewältigung über den Staat und v erhinderte eine klassische Arbeitsteilung. Heute befinden sich die Gewerkschaften, aufgrund der veränderten Rahmenbedingungen und de s Wandels des Peronismus , in einer Identitätskrise und versuchen sich neu zu orientieren.
Im Folgenden werden wir diese These anhand einer historischen Analyse, von der postkolonialen Zeit über die peronistische Ära bis zur Gegenwart, zu belegen versuchen. Abschließend versuchen wir die aktuelle Lage zu beschreiben, sowie einige
1 Vgl. Nohlen, Dieter: 173.
2 Vgl. Birle, Peter: 153.
2
Entwicklungslinien aufzuzeigen. Dabei stützt sich diese Arbeit vor allem auf die Untersuchungen von Hartmut Grewe, Peter Birle und Héctor Palomino. Diese Wissenschaftler haben das argentinische Gewerkschaftssystem in der deutschen Politikforschung am ausführlichsten behandelt.
2. Das argentinische Gewerkschaftssystem im historischen Wandel
2.1 Erste Entwicklungsphase
Die Gewerkschaften traten in Argentinien ab Ende des 19. Jahrhunderts auf und waren hauptsächlich durch Einwanderer aus Südeuropa geprägt. Bis in die dreißiger Jahre wurden die Gewerkschaften jedoch durch den Staat unterdrückt. Erst ab den vierziger Jahren des letzten Jahrhunderts, wurden die Gewerkschaften legalisiert und zu Stützen der peronistischen Herrschaft aufgebaut. 3
2.2 Peronismus - Die zentrale Rolle der Gewerkschaften
Die argentinischen Arbeiter waren vor 1943 fast ausschließlich im landwirtschaftlichen Bereich tätig. Die Landarbeiter waren keineswegs sozial abgesichert. Im Zuge eines Industrialisierungs- und Urbanisierungsschubes stieg die Zahl der Gewerkschaftsmitglieder damals drastisch von 350.000 (1943) auf knapp 4 Millionen (1948) an. Diese Masse an Mitgliedern bildete die spätere Machtbasis für Perón.
Im Jahre 1946 wurde Juan Domingo Perón durch das Militär als Präsident eingesetzt. Schon bevor er Präsident wurde, war er in der Position als Arbeitssekretär, Ansprechpartner für die Gewerkschaften. Dies, sowie die Schwächung der Gewerkschaftsführung, erleichterte es ihm den direkten Zugang zu der Massenbasis zu erreiche n. 4 Der Peronismus stellte sich als eine Mischung aus Populismus und Korporatismus, d. h. Einbindung von Interessensgruppen in den Staat, dar. 5
Die erfolgreiche Importsubstitutionsstrategie in den vierziger Jahren, ermöglichte die Expans ion der öffentlichen Verwaltung. Dadurch entwickelten sich die staatlichen Industrie- 3 Vgl.Birle, Peter: 154.; Grewe, Hartmut (1994): 198.
4 Vgl. Grewe, Hartmut (1996): 49f..
5 Vgl. Grewe, Hartmut (1996): 41.
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Arbeit zitieren:
Sebastian Hübers, 2003, Gewerkschaften in Argentinien - Vom 'Rückgrat' des Peronismus zum 'Appendix' der Gesellschaft?, München, GRIN Verlag GmbH
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