- I -
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis III
1 Vorwort 1
2 Theoretische Grundlagen 2
2.1 Problemstellung 2
2.2 Neue Sportarten im Sportunterricht 3
2.2.1 Indiaca 4
2.2.2 Frisbee. 5
2.3 Der Werbefilm als Element des Marketing 7
3 Planung der Unterrichtseinheit 8
3.1 Analyse der Rahmenbedingungen 8
3.1.1 Strukturdaten der Klasse 8
3.1.2 Situation der Klasse und Konsequenzen für die Unterrichtsplanung 8
3.1.3 Situation des Referendars 9
3.1.4 Institutionelle Rahmenbedingungen 9
3.2 Didaktische Entscheidungen 10
3.2.1 Analyse der curricularen Vorgaben 10
3.2.2 Begründung der Auswahl- und Reduktionsentscheidung 11
3.2.3 Berufsbezug und fächerübergreifendes Lernen 12
3.3 Methodische Entscheidungen 13
3.3.1 Selbstorganisiertes Lernen im schülerzentrierten Unterricht 14
3.3.2 Handlungsprodukte mit neuen Medien 15
4 Unterrichtseinheit in der Schulpraxis 16
4.1 Planung, Durchführung und Reflexion der ersten Doppelstunde 16
4.1.1 Kompetenzen 16
4.1.2 Planung der ersten Doppelstunde 17
4.1.3 Durchführung und Reflexion der ersten Doppelstunde 18
4.2 Planung, Durchführung und Reflexion der zweiten Doppelstunde 20
4.2.1 Kompetenzen 20
4.2.2 Planung der zweiten Doppelstunde 21
4.2.3 Durchführung und Reflexion der zweiten Doppelstunde 22
4.3 Planung, Durchführung und Reflexion der dritten und vierten Doppel
stunde 24
4.3.1 Kompetenzen 25
4.3.2 Planung der dritten und vierten Doppelstunde 25
- II -
4.3.3 Durchführung und Reflexion der dritten und vierten Doppelstunde 27
4.4 Planung, Durchführung und Reflexion der fünften Doppelstunde 29
4.4.1 Kompetenzen 29
4.4.2 Planung der fünften Doppelstunde 29
4.4.3 Durchführung und Reflexion der fünften Doppelstunde 30
4.5 Planung, Durchführung und Reflexion der sechsten Doppelstunde 32
4.5.1 Kompetenzen 32
4.5.2 Planung der sechsten Doppelstunde 32
4.5.3 Durchführung und Reflexion der sechsten Doppelstunde 34
5 Reflexion der Unterrichtsreihe 35
6 Schlusswort 37
7 Literaturverzeichnis 38
Inhaltsverzeichnis I
Abbildungsverzeichnis III
- III -
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1: Indiaca Spielgerät
1 Vorwort
Durch das Phänomen der Megatrends 1 ist ein tiefgreifender Wandel in Gesellschaft und Arbeitswelt beobachtbar. Diese Veränderungen haben auch wesentliche Auswirkungen auf die berufliche Bildung. Wo bisher das Üben und Anwenden bestimmter fachlicher Fertigkeiten im Mittelpunkt stand, werden heute in zunehmendem Maße überfachliche personale, soziale und methodische Kompetenzen verlangt. 2 Für den Sportunterricht im Kontext einer Berufsausbildung entstehen damit ebenfalls neue Herausforderungen. Auf der Grundlage der neuen Rahmenrichtlinien für das Fach Sport in Berufsschulen und Berufsfachschulen bietet sich die Möglichkeit, diese Herausforderungen zu bearbeiten.
Ziel dieser Arbeit ist es, eine Unterrichtseinheit zu gestalten, die den Schülern 3 über das selbstorganisierte Lernen von Sportarten einen neuen Zugang zu Sport-, Spiel- und Bewe-gungsformen ermöglicht. Dabei sollen die Entwicklung einer Spielfähigkeit in den neu erlernten Sportarten und die selbstständige Auseinandersetzung mit Arbeitsmaterialien im Zentrum der Unterrichtseinheit stehen. Die Intention dieser Arbeit ist es, einen neuen Weg bei der Umsetzung der Rahmenrichtlinien für das Fach Sport in Berufsschulen und Berufsfachschulen zu gehen. Dabei möchte ich einerseits einen konkreten Berufsbezug und damit eine subjektive Bedeutsamkeit für die Schüler erzeugen. Durch fächerübergreifendes Lernen werden berufsbezogene Inhalte einbezogen und durch den Einsatz neuer Medien eine berufsbezogene Methodenkompetenz gefördert. Auf der anderen Seite sollen durch das selbstständige Lernen wesentliche Schlüsselqualifikationen gefördert werden, die im Rahmen des lebenslangen Lernens eine unverzichtbare Rolle spielen. Diese überfachlichen Qualifikationen sollen durch einen selbstorganisierten, schülerzentrierten Unterricht gefördert werden.
Ein wesentlicher Aspekt der neuen Rahmenrichtlinien ist die Forderung nach handlungsorientiertem Lernen. Im Mittelpunkt dieses Unterrichts steht ein Handlungsprodukt als Ergebnis der schülerzentrierten Bearbeitung. 4 Dieses Handlungsprodukt wird durch die Nutzung neuer Medien im Sportunterricht nicht nur motivierend für die Schüler, sondern auch vielfäl-
5 DieSchüler schaffen mit dem Medium Videotig nutzbar für die Reflexion und Bewertung.
film ein beständiges Produkt, das sich über den Sportunterricht hinaus nutzen und verbreiten lässt. Die Vermittlung von sportartspezifischen Übungs- und Spielformen mit Hilfe neu-
1 Vgl.Achtenhagen, F. (1998b), S. 230f
2 Vgl. Lang, R. (2000), S. 37
3 Wenn im Folgenden von Schülern die Rede ist, sind sowohl weibliche als auch männliche Schüler gemeint.
4 Vgl. Jank, W., Meyer, H. (1991), S. 354ff
5 Vgl. z.B. Anlage E1
er Medien soll in den Grundzügen stattfinden. Die weitreichende Vermittlung einer ganzen Sportart muss aber professionell erfolgen. Die Arbeit der Schüler soll ihren Schwerpunkt daher auf der Erstellung des Handlungsprodukts und der ausschnitthaften Nutzung im Unterricht haben.
Aufgrund der institutionellen Gegebenheiten entschließe ich mich dazu, mit den Schülern zwei neue Trendsportarten in arbeitsteiliger Gruppenarbeit zu bearbeiten. Damit ist sichergestellt, dass für den Lernprozess ausreichend viele Sportgeräte zu Verfügung stehen. Hinzu kommt, dass die ausgewählten Sportarten relativ einfach erlernbar sind. Diese Vorgehensweise ermöglicht eine interessante Unterrichtssituation, die zusätzliche Aspekte des Lernens ermöglicht.
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Problemstellung
Die überwiegend sportartspezifische und an Fertigkeitserwerb orientierte Unterrichtsgestaltung verliert zunehmend ihre Legitimation. Dagegen bildet ein erweitertes Verständnis vom
6 Sportunterricht die Basis für die Förderung und Entwicklung von Schlüsselqualifikationen und einer umfassenden Handlungskompetenz. Dies betrifft besonders den Kompetenzbereich 5.1 „Sport-, Spiel- und Bewegungsformen lernen“.
Bei der theoretischen Betrachtung der Inhalte muss ein neues Verständnis von Sportunterricht zugrunde gelegt werden. Im Bereich der beruflichen Bildung haben die extrafunktionalen Qualifikationen einen hohen Stellenwert erlangt. 7 Diese so genannten Schlüsselqualifikationen im Bereich der Selbst- und Sozialkompetenz lassen sich aber nicht unabhängig von der Sachkompetenz entwickeln. 8 Eine Auseinandersetzung mit den Inhalten muss sogar erfolgen, um die Arbeit in den Kompetenzbereichen erfolgreich zu gestalten. Durch eine selbstständige Erarbeitung sportmotorischer Fertigkeiten, spezifischer Bewegungstechniken und taktischer Fähigkeiten erweitern die Jugendlichen so ihre Handlungskompetenz.
Im Zentrum des Sportunterrichts steht heute jedoch nicht mehr der Erwerb sportmotorischer Perfektion in einzelnen Sportarten oder Disziplinen, sondern vielmehr der Erwerb von Lernkompetenz, erworben an sportlichen Inhalten. 9 Daher soll in dieser Arbeit die fachliche
6 Vgl. Kap.3.2.3
7 Vgl. Niedersächsisches Kultusministerium (Hrsg.) (1999), S. 2f
8 Vgl. Achtenhagen, F. (1998a), S. 4
9 Vgl. Niedersächsisches Kultusministerium (Hrsg.) (2002), S. 5
Auseinandersetzung mit den Inhalten der geplanten Unterrichtseinheit nur in geringem Umfang stattfinden. Dazu werden die ausgewählten Sportarten Indiaca und Frisbee hier kurz dargestellt. Es folgt ein Bezug zum Marketing als berufsspezifische Thematik.
2.2 Neue Sportarten im Sportunterricht
Durch die gesellschaftlichen Entwicklungstendenzen der Megatrends lassen sich auch Effekte auf den Sport und den Sportunterricht feststellen. Die Globalisierung, die Individualisierung und die zunehmende Bedeutung der Medien für das moderne Leben zeigen sich in einer Wandlung des Sportverständnisses. Immer mehr Sportarten aus anderen Ländern und Kulturkreisen werden in Deutschland betrieben und weltweite Sporttrends haben einen großen Einfluss auf die Freizeitgestaltung deutscher Jungendlicher. Sport ist ein Bereich zur Erarbeitung und Festigung der individuellen Persönlichkeit geworden, in dem durch ungewöhnliche Sportarten oder herausragende Leistungen eine eigene Identität gesucht wird. 10
Bei der Betrachtung von neuen Sportarten für den Sportunterricht werden häufig Trend-sportarten angeführt. Trendsportarten werden als Formen des Sporttreibens bezeichnet, die im Verlauf der gegenwärtigen gesellschaftlichen Veränderungen entstanden sind und den aktuellen Bedürfnissen der Individuen entsprechen. 11 Dazu zählen auch wieder entdeckte Sportarten und Varianten bereits bestehender Sportarten. Allgemein kann man feststellen, dass diese neuen Sportarten sich in einigen Punkten von den traditionellen Sportarten unterscheiden. So sind die Freiheit von Verpflichtungen und ein erweitertes Sportverständnis zentrale Aspekte neuer Sportarten. Die Tendenz zu einem nicht institutionalisierten Sporttreiben geht einher mit der Forderung nach selbstorganisiertem Lernen
12 Die Kompetenz, neue Trendsportarten oder und der Prämisse des lebenslangen Lernens.
dem einzelnen unbekannte Sportarten selbstständig und selbstorganisiert zu erlernen, ist daher von hoher Bedeutung. Die Steigerung der Motivation von Jugendlichen durch neue Sportarten im Sportunterricht zeigt sich in der zunehmenden Implementierung dieser Sportarten in die Praxis des Sportunterrichts. Die Forderung nach einer vielfältigen und aktuellen Auswahl der Inhalte zur freudvollen Auseinandersetzung mit neuen sportlichen Bewegungsformen unterstreicht diese Entwicklung. 13
10 Vgl. Küßner, G. (2003), S. 4ff
11 Vgl. Küßner, G. (2003), S. 13
12 Vgl. Schildmacher, A. (2001), S. 54
13 Vgl. Niedersächsisches Kultusministerium (Hrsg.) (2002), S. 7
Ein Vorteil der Einführung neuer Sportarten im Sportunterricht sind auch die meist homo-
14 DieSchüler machen gemeinsam die ersten genen Voraussetzung innerhalb der Klasse.
Erfahrungen mit den neuen Sportgeräten und empfinden dies als motivierend. Ohne festgefahrene Spielvorstellungen können durch Kreativität und exploratives Vorgehen das neue Spielgerät erkundet und Mannschaftsspiele neu erfunden werden. Die Wettkampfregeln neuer Sportarten und Spiele sind den Schülern oft nicht bekannt. Dies ermöglicht das selbstständige Verabreden eigener Regeln. 15
2.2.1 Indiaca
Indiaca wurde 1936 von dem deutschen Sportlehrer Karlhans Krohn nach einem Aufenthalt in Brasilien entwickelt. Er sah dort am Strand Jugendliche mit der Peteka, einem flachen, mit Sägemehl gefüllten und Federn bestückten Lederbeutel spielen. Diesen Handfederball entwickelte Krohn weiter und benannte ihn nach der Wortkombination aus Indianer und Peteka in Indiaca um.
Seit 1953 ist die Indiaca der Öffentlichkeit bekannt und wurde 1972/73 sogar durch den Deutschen Sportbund zum Trimm-Gerät des Jahres gewählt. Diese Auszeichnung verhalf dem Indiaca zum Durchbruch in Deutschland. Insgesamt spielen in Deutschland zurzeit ca. 20.000 Sportler Indiaca als Mannschaftsrückschlagspiel nach einem einheitlichen Regelwerk. 16 Im Jahre 1998 wurde die erste Deutsche Meisterschaft im Indiaca ausgetragen. Daneben wird die Indiaca in vielen weiteren sportlichen Zusammenhängen verwendet. 17
Das Mannschaftsrückschlagspiel Indiaca ähnelt dem Volleyball. Die Indiaca muss mit der flachen Hand so über ein Netz in das Feld des Gegners geschlagen werden, dass sie dort den Boden berührt, bevor sie von der Gegenseite zurückgeschlagen wird. Indiaca als
18 Mannschaftsrückschlagspiel ist aufgrund der Spielidee als Rückschlagspiel einzuordnen. Das Spielgerät ist ein abgeflachter Handschlagball. Vier Führungsfedern bewirken, dass die Indiaca schlaggerecht mit dem gepolsterten Boden auf den Spielpartner zufliegt. Die Indiaca ist ungefähr 25 cm hoch und mit 50 Gramm sehr leicht. Das Spielgerät ist problem-
19 los transportierbar und aufgrund des geringen Gewichts ungefährlicher als ein Ball.
14 Für die Schüler sind die ausgewählten Sportarten als „neu“ zu verstehen. So sind nur sehr geringe Vorkenntnisse mit den Sportgeräten vorhanden. Vgl. dazu Kap 4.1.3
15 Vgl. Schmitz, F. (2003b), S. 48
16 Auf die Wiedergabe des offiziellen Regelwerks des DTB wird hier verzichtet, da die festgelegten Regeln in der geplanten Unterrichtseinheit von nachrangiger Bedeutung sind.
17 Vgl. Wessels, L. (2002)
18 Vgl. Wessels, L. (2002)
19 Vgl. Marquardt, D. (2003), S. 8
Generell wird bei den Schlagbewegungen in vier Schlagarten unterschieden: dem Aufschlag, dem Grundschlag, dem Bogenschlag und dem Schmetterschlag. 20 Hinzu kommen der Stellschlag als Variation des Bogenschlags und der Block, die im Anfängerspiel eine untergeordnete Rolle spielen. Da die Grundschläge leicht zu erlernen sind, kann bereits
21 nach wenigen Übungseinheiten ein Spiel entstehen.
Neben dem wettkampf- und zielspielorientierten Einsatz der Indiaca werden in vielen Veröffentlichungen auch weitere Möglichkeiten des Spiels mit dem Spielgerät angedacht. Dabei wird beispielsweise das Spiel der Indiaca mit Schlägern oder das Werfen thematisiert. Die relative Offenheit und die Vielfalt bezüglich des Einsatzes der Indiaca, schaffen Spielraum
22 für eine weites Verständnis der sportlichen Auseinandersetzung mit dem Gerät. Das Spiel mit der Indiaca hat aufgrund der ungewöhnlichen Flugeigenschaften des Spielgeräts, der leichten Handhabung und der schnellen Lernerfolge eine besonders motivie-
23 DieIndiaca hat im Vergleich zu anderen Spielgeräten eine rende Wirkung auf Schüler.
relativ hohe Fehlertoleranz bei der Handhabung der Schläge. Es ergeben sich dadurch weniger Unterbrechungen und langweilige Spielsituationen aufgrund technischer Fehler. 24
2.2.2 Frisbee
Den Ursprung nahm die Sportart Anfang des 20. Jahrhunderts in den USA. Studenten an der Universität von Connecticut entdeckten die runden und flachen Kuchentabletts der Firma „Frisbee Pie Company“ als Wurfgerät. Um andere Leute vor dem fliegenden Blech zu warnen, riefen sie „Frisbee“. 25
Mitte der 40er Jahre versuchte Walter Frederic Morrison, die Eigenschaften des Fluggerätes positiver zu gestalten. Er entwickelte eine Flugscheibe aus Plastik, die in aerodynami- 20 Vgl.Anlage A5
21 Aufgrund des begrenzten Umfangs dieser Arbeit sollen an dieser Stelle keine genauen Bewegungsbeschreibungen aufgeführt werden. Vgl. z.B. Stenglein, H.-J. (1985), S. 107ff
22 Vgl. Schmitz, F. (2003a), S. 12
23 Vgl. Brinkmann, T. (2002), S. 42
24 Vgl. Schmitz, F. (2003b), S. 48
25 Vgl. Theis, R. (1990), S. 14
scher Hinsicht wesentlich besser nutzbar war. Die Wham-O-Company kaufte 1955 die Rechte von Morrison und begann die Flugscheibe unter dem eingetragenen Markennamen „Frisbee“ zu produzieren. 26 Die Verbreitung des Frisbeesports in Deutschland fand in den 70er und 80er Jahren statt. Seit 1979 ist Deutschland der IFA (International Frisbeedisc Association) angeschlossen und 1980 fanden die ersten deutschen Meisterschaften im
27 Mannschaftsspiel Ultimate Frisbee statt.
Im Laufe der Zeit entwickelten sich viele Spiel- und Wettkampfformen mit der Flugscheibe. Zu den Einzeldisziplinen zählen beispielsweise Disc-Golf, Weitwurf, Zielwurf, Discathlon, Selbstfangwürfe, Doppelfeld-Frisbee und Freestyle. Als Mannschaftssport und Königsdisziplin unter den Frisbee Sportarten ist Ultimate derzeit das am meisten gespielte Spiel mit der Wurfscheibe. 28 Ultimate wird von zwei Mannschaften auf einem langen, rechteckigen Feld gespielt. An jedem Ende des Spielfeldes befindet sich eine End- oder Punktzone. 29 Wird innerhalb der gegnerischen Endzone die Scheibe gefangen, gibt es einen Punkt. Zu Spielbeginn und nach jedem erzielten Punkt stellen sich die beiden Teams entlang ihrer Grundlinie auf. Die verteidigende Mannschaft wirft die Wurfscheibe so weit wie möglich in Richtung des gegnerischen Teams, worauf diese sie auffängt oder aufhebt und zu spielen beginnt. 30 Die Spielregeln sind einfach und werden von den Spielern selbst verwaltet; das heißt es wird ausdrücklich auf einen Schiedsrichter verzichtet. 31
Der Wurf der Frisbee wird einhändig ausgeführt und die Scheibe dabei in Rotation gebracht. Bei den verschiedenen Würfen ist es notwendig, die Flugscheibe in eine möglichst schnelle Drehung zu bringen. Erst bei genügend Eigendrehung bildet sich wegen der leicht gewölbten Form unter der Scheibe ein Luftkissen, welches das typische Gleiten ausmacht. 32 Die wichtigsten Wurfarten sind der Rückhandwurf (Backhand) und der Dreifingerwurf (Sidearm). Beim Fangen wird nach beidhändigem und einhändigem Fangen unter-
26 Vgl.Zimmermann, R., Battanta P. (1995), S. 23ff
27 Vgl. Preut, S. (1997), S. 7
28 Vgl. Preut, S. (1997), S. 9
29 Das Hauptspielfeld ist 65 Meter lang und 35 Meter breit, die Endzonen sind jeweils 23 Meter lang. Beim Ultimate treten jeweils sieben Spieler pro Mannschaft gegeneinander an. Die Anzahl der Spieler und die Spielfeldgröße sollten im Sportunterricht den jeweiligen Bedingungen angepasst werden. Vgl. Schulz, H. (1998), S. 6ff
30 Vgl. Schulz, H. (1998), S. 6
31 Auf die Wiedergabe der offiziellen Spielregeln wird hier verzichtet, da die festgelegten Regeln in der geplanten Unterrichtseinheit weitgehend von nachrangiger Bedeutung sind. Vgl. hierzu Glorius, S., Leue, W. (2000), S. 47
32 Vgl. Schulz, H. (1998), S. 6
schieden. Zum beidhändigen Fangen gehört der „Sandwichcatch“, bei dem die Frisbee
33 zwischen beiden Händen eingeklemmt wird.
Frisbee erfreut sich heute in erster Linie als Freizeitsportart steigender Beliebtheit, da es praktisch überall gespielt werden kann. Als Freizeitbeschäftigung mit Freunden oder in der Familie kann das Wurfgerät vielfältig eingesetzt werden und ermöglicht ein freudvolles,
34 Die sportartspezifischen Techniken des Frisbee, Werfen kommunikatives Sporterlebnis.
und Fangen, sind nicht durch Regeln beschränkt. Jeder Spieler hat so die Möglichkeit, eine eigene Technik zu entwickeln oder auf der Basis der Grundtechniken diese weiterzuentwickeln. Die Grundtechniken sind einfach zu erlernen und Erfolgserlebnisse stellen sich schnell ein.
2.3 Der Werbefilm als Element des Marketing
Durch den Wandel vom Verkäufer- zum Käufermarkt sind Unternehmen heute gezwungen, das Marktgeschehen aktiv zu beeinflussen. Durch eine bewusste, planvolle und bedarfsgerechte Absatzgestaltung sowie Marktbeeinflussung im Sinne der festgelegten Unternehmensziele sollen Vorteile gegenüber Mitbewerbern errungen werden. Dieser Prozess wird als Marketing bezeichnet. 35
Im Rahmen des Marketings kommt der Kommunikationspolitik eine besonders wichtige Rolle zu. Sie stellt mit gezielten Informationen eine direkte Verbindung zum Absatzmarkt her. Die Absatzwerbung ist dabei von entscheidender Bedeutung: Es genügt heute nicht mehr allein ein Produkt zu entwickeln und auf den Markt zu bringen. Es wird vielmehr immer wichtiger, dass der Anbieter sein Produkt unmittelbar in den Aufmerksamkeitsbereich des Verbrauchers bringt. 36 Dies geschieht je nach Stand des Produktes in seinem Lebenszyklus durch Einführungswerbung, Expansionswerbung, Stabilisierungswerbung oder Erinnerungswerbung. Bei Einführungs- und Expansionswerbung stehen die Steigerung des Bekanntheitsgrades und das Erschließen neuer Märkte durch die Steigerung des Marktanteils im Vordergrund. 37
In der Werbeplanung steht die so genannte AIDA-Formel 38 als Orientierungsraster dafür, wie erfolgreiche Werbung aussehen sollte. In den Grundsätzen der Werbeplanung stehen
33 Aufgrund des begrenzten Umfangs dieser Arbeit sollen an dieser Stelle keine genauen Bewegungsbeschreibungen aufgeführt werden. Vgl. z.B. Zimmermann, R., Battanta P. (1995), S. 33ff
34 Vgl. Preut, S. (1997), S. 12
35 Vgl. Bensch, J. (2002), S. 195
36 Vgl. Von den Bergen, H.-P. et al (2002), S. 526f
37 Vgl. Schneider, P. et al. (1997), S. 259
38 AIDA = Attention, Interest, Desire, Action. Vgl. z.B. Von den Bergen, H.-P. et al (2002), S. 531
unter anderem die Werbeziele, die Werbezielgruppe, die Werbebotschaft und die Wahl des Werbemittels zur Auswahl. Mit der Entscheidung des Werbemittels und des Werbeträgers bestimmt das Unternehmen, auf welche Weise die Informationen zum Kunden gelangen sollen. Die Werbeträger dienen als Transportmedien, die Werbemittel dienen der Durchführung von Werbung. So kann über den Werbeträger „Fernsehen“ das Werbemittel
39 Der „Werbefilm“ gesendet werden, um dem Kunden ein neues Produkt vorzustellen. Werbefilm zählt zu den wichtigsten Werbemedien. Er kann die unterschiedlichsten Inhalte und Ziele im Bereich der Kommunikationspolitik haben. So kann es sich einerseits um die rein informative Vorstellung eines Produktes oder andererseits auch um einen kurzen, emotionalen, Kaufappell handeln. 40
Einzelne Werbefilme von Verbänden und Vereinen zeigen beispielhaft, dass es auch Ansätze im Sportmarketing gibt. So versuchen Sportinstitutionen zunehmend das Marketing für Sportarten und Freizeitangebote über Werbefilme und andere neue Medien zu verbreiten. In diesen Filmen sind Werbeinhalte häufig mit Informationen zu der Sportart, Bewe-
41 gungsausführungen und Spielformen verknüpft.
3 Planung der Unterrichtseinheit
3.1 Analyse der Rahmenbedingungen
3.1.1 Strukturdaten der Klasse
Die Klasse BFW 11B ist eine Klasse der einjährigen Berufsfachschule Wirtschaft für Realschulabsolventen/ -innen. Die Lerngruppe besteht aus acht Schülerinnen und zehn Schülern.
Die Klasse ist nach ihrer Altersstruktur und der von den Schülern zuletzt erreichen Schulabschlüsse als homogen zu bezeichnen. Das Durchschnittsalter der Schüler beträgt 17 Jahre. Carolin ist mit 16 Jahren die jüngste Schülerin, Franziska K. ist mit 18 Jahren die Älteste. Die Mehrzahl der Schüler haben den Sekundarabschluss I – Realschule erreicht. Franziska K. und Sina-Marie besitzen den Erweiterten Sekundarabschluss I.
3.1.2 Situation der Klasse und Konsequenzen für die Unterrichtsplanung
Die Lernatmosphäre in der BFW 11B ist sehr angenehm. Die Schüler zeichnen sich durch ein positives Sozialverhalten aus. Ann-Christin, Franziska, Mathias und Michael animieren
39 Vgl. Seidel, H., Temmen, R. (1998), S. 94f
40 Vgl. Schneider, P. et al. (1997), S. 262
andere Schüler zur Mitarbeit und zeigen sich verantwortlich für Klassenorganisatorische Belange. Eduardo, Patrick und Andrej sind teilweise übermotiviert. Ich muss künftig noch stärker versuchen, die übermäßige Aktivität dieser Schüler zu bremsen. Ann-Christin kann aufgrund einer Verletzung derzeit nicht aktiv am Sportunterricht teilnehmen. Sie wird in der Planung jedoch explizit berücksichtigt. 42 Iwan hat nach der vierten Unterrichtseinheit die Klasse verlassen und ist in eine andere Schulform gewechselt.
Die sportliche Leistungsfähigkeit der Lerngruppe ist gut. Sportliche Vorerfahrungen sind bei dem überwiegenden Teil der Schüler vorhanden. 43 Die Vorerfahrungen im Sportunterricht konzentrieren sich jedoch hauptsächlich auf die traditionellen Mannschafts- und Individual-sportarten. Einige Schülerinnen äußerten negative Erlebnisse mit dem koedukativen Sportunterricht. Ich werde daher in dem geplanten Unterricht eine rücksichtsvolle Zusammenarbeit von Schülerinnen und Schülern in Gruppen fordern.
Die Lern- und Leistungsbereitschaft der Schüler ist durchschnittlich. Iwan, Andreas und
44 sind oft unkonzentriert und wollen die Aufmerksamkeit der Klasse erregen. Es Wassily
reicht jedoch meist eine Ermahnung, um die Schüler zur Mitarbeit zu bewegen. Der Sportunterricht findet freitags in der siebten und achten Unterrichtsstunde statt. Dies stellt ein Problem für die Unterrichtsplanung dar, da die Schüler relativ unaufmerksam und unruhig sind. Die kognitive Leistungsbereitschaft ist dadurch beeinträchtigt. Die bisherige Arbeit im Sportunterricht zielte auf eine höhere Schülerzentriertheit ab. Da hier in der Lerngruppe noch Defizite bestehen, sollen die Selbstorganisation und Selbstständigkeit in der Planung der Unterrichtseinheit besondere Beachtung finden.
3.1.3 Situation des Referendars
Seit Beginn des Schuljahres im August 2003 unterrichte ich zwei Wochenstunden in der Klasse BFW 11B eigenverantwortlich das Fach Sport. Mein Verhältnis zur Klasse empfinde ich als freundlich. Die Klasse zeigt sich sehr motiviert und meinem Unterricht gegenüber aufgeschlossen.
3.1.4 Institutionelle Rahmenbedingungen
Die Ausstattung der Sporthalle mit Sportgeräten spielt eine Rolle bei der Planung der Unterrichtseinheit. Den Schülern stehen vier Flugscheiben und sieben Indiaca zu Verfügung. Für den Unterricht kann die gesamte Sporthalle mit drei Segmenten verwendet werden.
41 Vgl. z.B. National Football League Europe (Hrsg.) (2000)
42 Vgl. z.B. Kap. 4.3.2
43 Eine Umfrage unter den Schülern ergab, dass fast die Hälfte der Klasse aktiv in Vereinen Sport treibt.
Zur multimedialen Ausstattung zählen ein digitaler Videocamcorder und ein Notebook mit Beamer, der auch in der Sporthalle eingesetzt werden kann. Im Schulgebäude sind Computer zur Videobearbeitung vorhanden.
In meiner Intention zu einem fächerübergreifenden Unterricht arbeite ich mit Herrn StR Hofeditz zusammen. Herr Hofeditz unterrichtet die Klasse BFW 11B im Unterrichtsfach Allgemeine Wirtschaftslehre.
3.2 Didaktische Entscheidungen
3.2.1 Analyse der curricularen Vorgaben
Die Grundsätze und Bestimmungen für den Schulsport in Niedersachsen dienen als eine Planungsgrundlage für die Aufgaben und Ziele des Sportunterrichts. Hiernach sollen durch den Schulsport Sachkompetenz, Selbstkompetenz und Sozialkompetenz als miteinander
45 vernetzte Komponenten vermittelt werden.
Die Grundsätze und Bestimmungen erhalten durch die Leitlinien für den Sportunterricht an Berufsschulen eine schulformbezogene Ergänzung. Die Orientierung an den Leitlinien findet besonders in Bezug auf die Entwicklung von Schlüsselqualifikationen statt. Mit Bezug auf die geplante Unterrichtseinheit wird die Einbeziehung anderer Unterrichtsfächer der Berufsschule hier explizit über eine themen- und ggf. projektbezogene Kooperation gefordert. Die Auseinandersetzung mit neuen Sportarten und das selbstständige Lernen anhand von komplexen Bewegungsaufgaben ist ebenfalls ein Bezugspunkt. 46
Die zentrale Planungsgrundlage für die vorliegende Unterrichtskonzeption bilden die von dem Niedersächsischen Kultusministerium 2002 erlassenen Rahmenrichtlinien für das Fach Sport an Berufsschulen und Berufsfachschulen.
In den Rahmenrichtlinien wird als Bildungsauftrag die Vermittlung von beruflicher und allgemeiner Handlungskompetenz genannt. Die Aufgabe des Sportunterrichts, berufsübergreifende Kompetenzen zu fördern, wird mit der Forderung nach einem Berufsbezug kombiniert. 47 Diese Punkte bilden eine Grundlage meiner Unterrichtsplanung. In dem von mir für die Unterrichtseinheit ausgewählten Kompetenzbereich 5.1 „Sport-, Spiel- und Bewegungsformen lernen“, wird als vorrangiges Ziel die Erweiterung der Handlungskompetenz gefordert. Die Schüler planen die Schritte zum Erlernen neuer Sportarten selbstständig und verbessern ihre Methodenkompetenz. Ein weiterer Zielbereich ist die
44 Andreas, Iwan, Wassily, Andrej und Michael sind Russlanddeutsche, beherrschen die Deutsche Sprache aber sehr gut. Nur vereinzelt finden Unterhaltungen auf Russisch statt.
45 Vgl. Niedersächsisches Kultusministerium (Hrsg.) (1998), S. 8
46 Vgl. Niedersächsisches Kultusministerium (Hrsg.) (1999), S. 1ff
47 Vgl. Niedersächsisches Kultusministerium (Hrsg.) (2002), S. 2f
Gestaltung und Variation von Spielideen und das Erfahren von sportlicher Betätigung als
48 sinnvolle Freizeitgestaltung.
Folgende Inhalte des Kompetenzbereichs finden in der geplanten Unterrichtseinheit besondere Beachtung: 49
Förderung des selbstständigen Lernens in Spiel- und Sportformen Auseinandersetzung mit neuen Sportarten / Trendsportarten Veränderung von Spielen und Gestaltung eigener Spielideen im offenen Unterricht Gestaltung von Lernprozessen mit Hilfe neuer Medien Verbesserung der Spielfähigkeit in Sportspielen
Es wird deutlich, dass der Sportunterricht, auch unter der Perspektive des selbstständigen Erarbeitens von Sport-, Spiel- und Bewegungsformen, einen sehr wichtigen Bereich der beruflichen Bildung darstellt. 50 In diesem Zusammenhang trägt die geplante Unterrichtseinheit zu einer allgemeinen und beruflichen Handlungskompetenz bei, die als Vorraussetzung zum lebenslangen Lernen und lebenslangen Sporttreiben gilt.
3.2.2 Begründung der Auswahl- und Reduktionsentscheidung
Die Auswahl der Lerninhalte knüpft zunächst an die berufliche Bedeutung für die Lerngruppe an. Die Schüler aus der BFW 11B streben mit ihrer schulischen Ausbildung einen Beruf im kaufmännischen Bereich an. Die Anforderungen des Berufsbildes sind im Bereich der Schlüsselqualifikationen sehr vielfältig. Umfragen in der Wirtschaft zeigen, dass gerade das selbstständige Lernen, das planvolle Handeln und die Kreativität bei Schülern erhebliche Defizite aufweisen. 51 Die Förderung dieser Schlüsselqualifikationen steht in einem direkten Zusammenhang mit der Intention dieser Unterrichtseinheit. Im privaten Bereich der Schüler spielt die Auseinandersetzung mit neuen Sportarten und dem selbstorganisierten Lernen eine wesentliche Rolle. Die persönliche Betroffenheit spiegelt sich in der erhöhten Auseinandersetzung der Jugendlichen mit Trendsportarten wider. Obwohl das Interesse vieler Jugendlicher an neuen Sportarten vorhanden ist, nimmt laut einer aktuellen Untersuchung die körperliche Fitness von Kindern und Jugendlichen kontinuierlich ab. 52 Man kann also davon ausgehen, dass ein Faktor dieser Entwicklung die mangelnde Fähigkeit zum selbstorganisierten und selbstständigen Lernen von neuen Sportarten ist. Die Schüler finden somit erst gar keinen Zugang zu dem Erlernen der Sportarten. Der Prämisse des lebenslangen Sporttreibens und der Forderung nach einem
48 Vgl. Niedersächsisches Kultusministerium (Hrsg.) (2002), S. 6
49 Vgl. Niedersächsisches Kultusministerium (Hrsg.) (2002), S. 6f
50 Vgl. Niedersächsisches Kultusministerium (Hrsg.) (1999), S. 3
51 Vgl. Zedler, R. (2002), S. 1ff
52 Vgl. o.V. (2003b), S. 55f
lebenslangen Lernen kann somit nicht entsprochen werden. Der Sportunterricht muss daher so gestaltet werden, dass am Beispiel von neuen Sportarten die Motivation der Schüler genutzt wird, um ein selbstorganisiertes Lernen zu entwickeln.
Das Vermitteln von Sport-, Spiel- und Bewegungsformen ist nur auf einer sehr hohen kognitiven Ebene möglich. Vorher muss Kenntnis über einen Sachverhalt erlangt werden, das Verständnis gesichert sein, eine Anwendung stattfinden und zudem die kognitive Fähigkeit bestehen, die Inhalte vermitteln zu können. Diese komplexe kognitive Kompetenz ermöglicht einen Transfer auf andere Bereiche und trägt so zur Erweiterung der Handlungskompetenz bei.
Die Komplexität der ausgewählten Sportarten ist relativ niedrig. Dies soll dazu dienen, dass schnelle Lernfortschritte die Schüler motivieren. Zudem soll eine Überforderung der Schüler im Bereich des autodidaktischen Lernens vermieden werden. Es ist weniger von Bedeutung, dass die Bewegungen fehlerfrei ausgeführt werden. Der Schwerpunkt liegt auf der selbstständigen Erarbeitung der Bewegungsausführung.
Zu den Reduktionsentscheidungen der Unterrichtseinheit gehört, dass die videobasierte Vermittlung der neuen Sportarten nur in Teilbereichen realisiert wird. Die Vermittlung beschränkt sich aufgrund des begrenzten Umfangs der Unterrichtseinheit auf einzelne Spiel-und Übungsformen. Eine weitere Reduktion liegt der Betrachtung der offiziellen Regeln für die Mannschaftsspiele Indiaca und Ultimate Frisbee. So steht in der Unterrichtseinheit nicht die Befolgung festgelegter Regeln, sondern die Gestaltung eines eigenen Regelkataloges im Vordergrund. 53
3.2.3 Berufsbezug und fächerübergreifendes Lernen
Der Sportunterricht an Berufsschulen steht in einem direkten Bezug zu der Berufsausbil-
54 Häufigwird dieser Berufsbezug in den Kompetenzbereichen 5.2 „Sozial handeln“ dung.
und 5.4 „Gesundheit erhalten und fördern“ hergestellt. In diesen Kompetenzbereichen lassen sich im Sportunterricht sehr gut Qualifikationen erarbeiten, die auf die berufliche Handlungskompetenz übertragen werden können.
Im Kompetenzbereich 5.1 „Sport-, Spiel- und Bewegungsformen lernen“ ist dagegen ein Berufsbezug schwieriger. In diesem Bereich stellt der Erwerb von Schlüsselqualifikationen 55 einen Schwerpunkt dar. Diese Qualifikationen sind zum einen vor dem Hintergrund eines lebenslangen Lernens und eines lebenslangen Sporttreibens zu sehen. Im privaten
53 Vgl. Kap. 4.4
54 Vgl. Niedersächsisches Kultusministerium (Hrsg.) (2002), S. 1
Bereich lassen sich als Schlüsselqualifikationen das selbstständige Erlernen neuer Sportarten und die Kommunikation im Lernprozess nennen. Im beruflichen Kontext ist das selbstständige und selbstorganisierte Lernen außerhalb von Schule und Betrieb von besonderer Bedeutung. Häufig geforderte berufsspezifische Anforderungen sind zudem das selbstständige und selbstorganisierte Handeln, das selbstständige Erschließen von Lernkonzepten, die aufgabenorientierte Kooperation im Team und das systematische Lösen
56 Der Berufsbezug soll durch die Förderung dieser Kompetenzen von Problemstellungen.
erreicht werden und damit auch die Legitimation für Sportunterricht in Berufsbildenden Schulen unterstreichen.
Ein Berufsbezug lässt sich auch durch einen fächerübergreifenden Unterricht herstellen. Die Vernetzung mit anderen Fächern zeigt die Bedeutsamkeit des Handelns im Sportunterricht und betont die Möglichkeiten des Wissenstransfers. So können konkrete Lernsituationen für den Sportunterricht vor dem Hintergrund der Arbeits- und Lebenssituation der Schüler unter Maßgabe des Kompetenzbereiches arrangiert werden. 57 Die Verknüpfung mit anderen Fächern hat gerade für Schüler in beruflichen Vollzeitklassen den Vorteil der subjektiven Bedeutsamkeit. Da die Schüler die berufliche Realität nicht im Rahmen des dualen Systems erleben, fehlt bei vielen gelernten Inhalten der Bezug zur Anwendung im Berufsleben. Im Sportunterricht lassen sich vom Lehrer Situationen inszenieren, die über das Aufgreifen von berufsspezifischen Inhalten einen Berufsbezug und damit eine subjektive Bedeutsamkeit ermöglichen. In der geplanten Unterrichtsreihe wird ein Berufsbezug zu ökonomischen Inhalten hergestellt. 58 Die marketingspezifischen Inhalte im Sportunterricht werden dabei eng mit den erarbeiteten Inhalten im berufsspezifischen Unterricht abgestimmt.
3.3 Methodische Entscheidungen
Die folgenden grundsätzlichen methodischen Entscheidungen beziehen sich auf die gesamte Unterrichtseinheit. Sie werden durch die methodischen Entscheidungen in der Pla- 55 Schlüsselqualifikationenwerden hier als langfristig verwertbare Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten, Einstellungen und Haltungen verstanden, die über die fachlichen Kenntnisse und Fertigkeiten hinausreichen und sie überdauern. Vgl. hierzu Lang, R. (2000), S. 36f
56 Vgl. Hampel, D., Liebergesell, M. (2001), S. 335
57 Vgl. Niedersächsisches Kultusministerium (Hrsg.) (2002), S. 3
58 Die Klasse BFW 11B wird laut einem Beschluss der Fachkonferenz bereits nach dem neuen Rahmenrichtlinien für die fachrichtungsbezogenen Fächer in der einjährige Berufsfachschule Wirtschaft und in der einjährigen Berufsfachschule Wirtschaft für Realschulabsolventinnen und Realschulabsolventen unterrichtet. Es findet ein Bezug zu Lernfeld 3 „Absatzprozesse und Marketingmaßnahmen kundenorientiert gestalten“ statt. Vgl. Niedersächsisches Kultusministerium (2003), S. 14f
59 Die methodischen Schwerpunkte der Unterrichtsnung der Unterrichtsstunden ergänzt. reihe werden in Kapitel 3.3.1 und 3.3.2 vertieft behandelt.
In den neuen Rahmenrichtlinien wird explizit auf das Konzept des handlungsorientierten Lernens hingewiesen. 60 Um das dort verankerte Ziel einer umfassenden Handlungskompetenz zu verfolgen, habe ich die Gruppenarbeit als wesentliche Sozialform der Unterrichtseinheit ausgewählt. Gruppenarbeit ist als einzige Sozialform in der Lage, fachliche, methodische und soziale Kompetenzen gleichzeitig zu fordern und zu fördern. Insbesondere wenn es um die Entwicklung von Ideen und die Bearbeitung von komplexen Aufgaben geht, bietet Gruppenarbeit wesentliche Vorteile gegenüber anderen Sozialformen. 61 Durch die Komplexität der Aufgabenstellung und die institutionellen Voraussetzungen 62 wird die Klasse in zwei Arbeitsgruppen zusammenarbeiten. Die Gruppenorganisation erfolgt in der ersten Doppelstunde.
Die Leistungsbewertung der Schüler setzt sich aus mehreren Komponenten der Beurteilung zusammen. In erster Linie tragen die Beobachtungen in den Unterrichtsstunden, die Auswertung des Videomaterials und die Selbstbewertung der Schüler zu der Beurteilung bei. Dabei liegt der Schwerpunkt nicht auf der Bewertung sportmotorischer Leistungen,
63 sondern auf den in den angestrebten Kompetenzen festgelegten Teilzielen.
3.3.1 Selbstorganisiertes Lernen im schülerzentrierten Unterricht
Ausgehend von den Megatrends wird das selbstorganisierte Lernen als die wichtigste Vorraussetzung für lebenslanges Lernen genannt. Das selbstorganisierte Lernen ist nicht an bestimmte Institutionen, nicht an bestimmte Personen und nicht an bestimmte Inhalte ge-bunden und stellt somit einen zentralen Punkt der Handlungskompetenz dar. Dieser Kern-
64 bereich wird in der beruflichen Bildung zunehmend wichtiger.
Im Sportunterricht können das selbstorganisierte Lernen und die Selbstlernkompetenz entscheidend gefördert werden. Selbstorganisiertes und selbstgesteuertes Lernen erfordert jedoch eine Abkehr von alten Vermittlungsweisen hin zu einem neuen Verständnis von Sportunterricht. 65 In einem von Selbstorganisation geprägten Unterricht müssen sich die Schüler selber Ziele setzen, sich dieser Ziele bewusst sein und sich auf ihr Vorwissen be-
59 Vgl.Kap. 4
60 Vgl. Niedersächsisches Kultusministerium (2002), S. 4
61 Vgl. Gudjons, H. (1993), S. 16
62 Vgl. Kap. 3.1.4
63 Vgl. Kap. 4
64 Vgl. Sembill, D. (2000), S. 61ff
65 Vgl. Schricker, G. (2002), S. 14
sinnen. Die Lernenden müssen ihre Lernprozesse selbst in Gang setzen, in dem sie Problemlösestrategien entwickeln, ihr Vorwissen integrieren und das Selbsterarbeitete reflektieren. In einem solchen Prozess müssen die Schüler von dem Lehrer beratend unterstützt werden. Die Rolle der Lehrkraft wandelt sich vom steuernden Lehren zur Lernberatung. Im Sportunterricht muss dem Lehrer bewusst sein, dass beim selbstorganisierten Lernen nicht nur die Auseinandersetzung mit den Lerninhalten, sondern auch die Unterstützung der individuellen Lernenden im Vordergrund steht. Die Schüler stehen im Zentrum der pädagogischen Bemühungen. 66
Die konkrete Umsetzung des selbstorganisierten Lernens kann durch die Bereitstellung von handlungsorientierten Materialien und Problemstellungen erfolgen. Im Kompetenzbereich 5.1 „Sport-, Spiel- und Bewegungsformen lernen“ bietet sich die Möglichkeit zur Förderung der Selbstlernkompetenz, die als Schlüsselqualifikation auf viele Bereiche des beruflichen und privaten Lebens übertragen werden kann. Ein autodidaktisches Erarbeiten von Inhalten und die selbstorganisierte Problemlösung leisten einen Beitrag zur Vorbereitung für ein lebenslanges Lernen. Lernschritte zum Erlernen einer neuen Sportart werden selbstständig geplant und dadurch die Methodenkompetenz verbessert. 67
3.3.2 Handlungsprodukte mit neuen Medien
Die Forderung nach einer Handlungsorientierung gilt auch im Sportunterricht. Durch die vielfältigen und unmittelbaren Erfahrungsmöglichkeiten bietet der Sportunterricht im Sinne der Handlungsorientierung eine besondere Möglichkeit zum Erwerb von Handlungskompetenz. Im Sportunterricht ist das Denken und Handeln viel enger miteinander verknüpft als in vielen anderen Fächern. Dieser positive Effekt lässt sich auf vielfältige Weise nutzen und auch auf andere Bereiche übertragen. In der Gestaltung von Unterricht bestehen weitere bedeutende Potentiale zur Handlungsorientierung.
Ein zentrales Prinzip des handlungsorientierten Unterrichts ist die Herstellung eines Handlungsprodukts als Ergebnis einer Unterrichtseinheit. 68 Im Sportunterricht kann dieses Produkt sehr vielfältig sein: beispielsweise ein akrobatischer Pyramidenbau oder ein Spielzug im Flagfootball. Diese Handlungsprodukte weisen jedoch häufig den Schwachpunkt auf, dass eine Ergebnissicherung nur schwer möglich ist und eventuelle Ergebnisse meist nicht weiter genutzt werden können. Gefordert werden veröffentlichungsfähige materielle und geistige Ergebnisse der Unterrichtsarbeit. Mit diesen Produkten können sich die Schüler
66 Vgl. Dubs, R. (1996), S. 3ff
67 Vgl. Niedersächsisches Kultusministerium (Hrsg.) (2002), S. 5
68 Vgl. Jank, W., Meyer, H. (1991), S. 354ff
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Martin Strauss, 2003, Schülerinnen und Schüler erlernen selbstständig die Sportarten Frisbee und Indiaca und entwickeln einen Werbefilm als berufsbezogenes Handlungsprodukt, Munich, GRIN Publishing GmbH
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