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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung S.2
2. Aufsätze: „Die Struktur der Filmsprache“ und „Theorie und Praxis der
Filmmontage von Griffith bis heute“ S.3
2.1 Zeichensysteme S.3
2.2 Sprachsysteme S.5
2.2.1 Kameraperspektive S.6
2.2.2 Entwicklung der Filmsprache und der Montage S.7
2.2.2.1 Begriffsklärungen S.8
2.2.2.2 Spezifisches des filmische n Sehens S.10
2.2.3 Funktionen der Montage S.12
2.2.4 Einwände gegen die Montage S.16
2.2.4.1 Der Tonfilm S.16
2.2.4.2 Die Breitwand und „deep- focus“-Objektive S.17
2.2.4.3 Manipulation S.17
2.3 Formensysteme S.18
3. Schlußbemerkungen S.19
4. Literatur- und Filmverzeichnis S 21
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1. Einleitung
Jan-Marie-Lambert Peters wird 1920 in Holland geboren. Er studiert Germanistik und gründet 1958 die Filmhochschule in Amsterdam, zu deren erster Direktor er ernannt wird. In den folgenden Jahren ist der Sprach- und Literaturwissenschaftler als Professor für Filmtheorie an der Universität von Amsterdam tätig und seit 1967 ist Peters Ordinarius für Kommunikationswissenschaft an der Katholischen Universität Leuven. In seinen zahlreichen Werken beschäftigt sich der Niederländer mit Theorien zur Filmsprache und versucht, ähnlich wie sein Kollege Metz, in ihr eine Struktur zu finden. Auf vergleichbarem Wege wie schon andere Filmtheoretiker vor ihm, nähert sich Peters der Filmsemiotik, indem er sie mit den geltenden Regeln der Wortsprache vergleicht. Dabei stößt er a llerdings auch auf Widersprüchlichkeiten, die er oft übergeht ohne eine Lösung zu bieten. Diese Arbeit soll seine Überlegungen zur Filmsprache darlegen und eventuelle Schwachstellen in den beiden Aufsätzen „Die Struktur der Filmsprache“ und „Theorie und Praxis der Filmmontage von Griffith bis heute“ aufzeigen. Die beiden Aufsätze Peters werden nicht klar von einander getrennt behandelt, sondern sind in den einzelnen Untergliederungspunkten verwoben. Dabei wurde für den Gliederungspunkt Montage (2.2.2) stärker der Text „Theorie und Praxis der Filmmontage von Griffith bis heute“ herangezogen. In seinen beiden Aufsätzen formuliert Peters keine eigenen Theorien, wie sie von Eisenstein, Pudowkin, Balasz und anderen aufgestellt worden sind, die in den vorangegange n Referaten dieses Semesters behandelt worden sind, sondern er analysiert und katalogisiert das Vorhandene, welches sich im Laufe der Filmgeschichte gebildet hat oder auch wieder verloren ging.
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2. Aufsätze: „Die Struktur der Filmsprache“ und „Theorie und Praxis
der Filmmontage von Griffith bis heute“
Im Gegensatz zu dem Text „Theorie und Praxis der Filmmontage von Griffith bis heute“, dessen Hauptaufgaben die formale Definition und psychologischen Charakteristika des Phänomens Montage sind, untersucht Peters die Sprache des Films in „Die Struktur der Filmsprache“ auf einer allgemeineren Ebene, die mehr Aspekte erfaßt als die bloße Montage. Er vergleicht in seiner Arbeit die Wort- mit der Filmsprache, um herauszufinden ob die wesentlichen Kennzeichen der Wortsprache auf den Film übertragbar sind. Die wesentlichen Unterschiede sollen verdeutlicht und eine eventuell eigene Struktur der Sprache des Mediums Film gefunden werden.
In seinem Aufsatz „Theorie und Praxis der Filmmontage von Griffith bis heute“ klärt Peters die Fragen was man seit Griffith unter Montage versteht und welche (ästhetischen) Funktionen man mit ihr realisieren wollte.
2.1 Zeichensysteme
(Eine wesentliche Voraussetzung für die Gegenüberstellung von Wort- und Filmsprache ist, daß die Existenz anderer Sprachen als die der Wortsprache überhaupt anerkannt wird.) Die Wortsprache ist ein Kommunikationsmittel, welches den geistigen Verkehr mit anderen erlaubt. Durch Sprechen und Schreiben kann der Mensch seine Gefühle, Wünsche und Gedanken m itteilen. Als ein Medium hierfür dient ein System von Zeichen einer sehr bestimmten Struktur. Auch der Film wird häufig als Medium bezeichnet und stellt somit ebenfalls einen Mittler für Botschaften dar, die an den Zuschauer herangebracht werden. Als Handhabe dienen die Filmbilder, die Zeichen entsprechen, welche sich sowohl selbst darstellen, als auch für etwas anderes stehen können. Daraus ergeben sich sogleich die nächsten Fragen:
Haben die Zeichen ähnliche Strukturen wie die der Wortsprache? Birgt die Verwendung von Filmzeichen eine der Wortsprache entsprechende Systematik? Das einzelne Wort ist die kleinste Sprachgebrauchseinheit der Wortsprache; ähnliches kann man vom Film sagen, dort bildet die einzelne Aufnahme das filmische Äquivalent zur kleinsten Gebrauchseinheit. Jede Aufnahme kann als Zeichen für eine abgebildete Person, Sache oder Handlung verstanden werden, das das Original aber immer mit einer gewissen
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Abstraktion wiedergibt. Das Abbild weicht von seinem „in natura“-Zustand ab, da eine Distanz zwischen Abgebildetem und dessen Darstellung besteht. So kann das Bild nach Peters niemals das Duplikat der sichtbar gemachten Sache sein, sondern nur ein Zeichen, durch welches der Betrachter das zu Grund liegende Original erkennt. Zur Veranschaulichung nimmt er ein Beispiel aus der Wortsprache: Das Wort „Hund“ an sich kann nicht beißen und bellen, auch hier ist das Wort kein Duplikat der Sache, die es bezeichnet, sondern im Wort „Hund“ wird die Sache „Hund“ verstanden. Der einzige Unterschied zwischen Wort- und Filmsprache besteht diesbezüglich in der Art des Verstehens. Bei der Wortsprache registriert der Zuhörer oder Leser einen Begriff, der ihm schon zuvor bekannt war und überträgt ihn auf die jeweilige Situation. In diesem Fall gibt das Wort das Konzept einer Sache, was soviel heißt, daß die Abstraktion des Begriffs, wie zuvor erwähntes Beispiel „Hund“, vom Denken abgeleitet wird. In der Filmsprache dagegen sieht Peters das Verstehen der Zeichenbedeutung als Wahrnehmungsakt. Das Bild liefert in diesem Fall ein sogenanntes Perzept der Sache, das bedeutet, daß die Abstraktion von der Wahrnehmung abgeleitet wird. Doch gerade an diesem Punkt ergeben sich Argumentationsschwierigkeiten von Seiten Peters, die es für den Leser schwierig machen, seine Darlegungen nachzuvollziehen. Er übergeht die Tatsache, daß die wort- mit der filmsprachlichen Abstraktion kaum zu vergleichen ist, da ein Bild immer eine Wertigkeit insofern besitzt, daß sie das Dargestellte äußerst präzise reproduziert. Der „Hund“ ist nicht nur ein neutraler Hund, sondern der Betrachter erkennt auf der Abbildung Alter, Farbe, Größe, Umgebung usw. des Tieres, wodurch es sehr konkret wird. Bei der Wortsprache hingegen wird über die Erscheinungsform des Hundes durch das Wort allein nichts ausgesagt. Es ist somit möglich im Film durch die Art der Abbildung Urteile oder auch Mitteilungen über eine Sache zu formulieren. Wie im oben genannten Beispiel ersichtlich, macht das Filmbild eine Sache immer unter einem speziellen Gesichtspunkt sichtbar. Dem Zuschauer wird etwas mitgeteilt, indem sein Blick und damit seine Aufmerksamkeit gelenkt wird (z.B. durch Großaufnahme) und ihn zwingt, das Dargestellte in dieser Form und unter diesem Gesichtspunkt zu betrachten. Ein weiterer interessanter Aspekt des Unterschiedes zwischen Wort- und Filmsprache, den Peters nicht erwähnt, ist die Tatsache, daß die Wortsprache und das Lesen nach bestimmten Regeln erlernt werden müssen, die Filmsprache aber ab einem bestimmten Alter von jedem verstanden werden kann. Im Grundgesetzkommentar findet man dazu:
„‚Schrift‘ [...] ist - wiederum im weitesten Sinne - jede Verbindung von Zeichen, deren
Bedeutungswert auf Grund irgendeiner Konvention über den (unter Umständen) unmittelbar
dargestellten Gegenstand hinausreicht, mit einer Unterlage.[...]
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‚Bild‘ [...] ist eigentlich jedes mit einer Unterlage verbundene Zeichen, das - im Gegensatz zur
‚Schrift‘ - seinen Inhalt nicht erst durch eine Konvention erhält, sondern ihn bereits durch die Art
des Dargestellten in sich trägt.“ 1
Mit dem Bild lassen sich ebenfalls bestimmte Gedanken und Gefühle ausdrücken, wie es mit einem einzigen Wort nicht möglich ist. In der Wortsprache dient zur Mitteilung der Satz, der sich aus einer Kombination von Wörtern bildet, deren Mitteilung nicht in jedem einze lnen Wort enthalten ist.
Peters sieht anhand seiner Untersuchungsergebnisse eine Übereinstimmung in den wesentlichen Punkten der Struktur und Funktion der gebrauchten Zeichen und Zeichengruppen im Film und in der Wortsprache, da sich in beiden Mitteilungen formulieren lassen. Aspekte, die nicht zu diesen Ergebnissen passen, läßt Peters unerwähnt.
2.2 Sprachsysteme
Neben den Zeichensystemen existieren noch weitere Kennzeichen der Wortsprache, eines davon sind die Sprachsysteme. Als deren allgemeine Voraussetzung formuliert Peters:
„Das System setzt voraus, daß jedes Zeichen etwas anderes bedeutet, daß dieser
Bedeutungsunterschied sich in verschiedenen Formen ausdrückt und daß zu jeder Zeichenform ein
mehr oder weniger fester Zeicheninhalt gehört. Fehlt dieser Zeicheninhalt, dann ist keine
Kommunikation, kein Einvernehmen möglich.“ 2
Das Wort „Tisch“ zum Beispiel hat für Sprecher und Hörer einer Sprachgemeinschaft dieselbe Bedeutung; gleiches gilt für Zeichenkombinationen, die auf Grund irgendeiner Konvent ion verstanden werden und wobei jede Kombination ihren eigenen Sinn in sich trägt. Aus Änderungen der Interpunktion oder Wortfolge folgern in der Regel Änderungen des Inhalts. Der Satz „Ein Mann beißt einen Hund“ ändert seinen Sinn durch folgende Umstellung der einzelnen Satzelemente gravierend „Ein Hund beißt einen Mann“. Dieses Beispiel zeigt, daß Zeichen und Zeichengruppen von festen Regeln bestimmt sind und nicht beliebig vertauschbar sind.
Im Allgemeinen kann jede Kunst als eine Sprache bezeichnet werden, da der Künstler sich durch sein Werk der Umwelt mitzuteilen versucht. Nach Peters besteht das Kunstwerk zwar aus Formen, welche sich jedoch bei zwei verschiedenen Künstlern nie gleichen werden und
1 Maunz; Dürig; Herzog: Grundgesetz: Kommentar. München: Beck. (Loseblatt-Ausgabe)
2 Peters, Jan-Marie -Lambert: Die Struktur der Filmsprache. In: Texte zur Theorie des
Films. Hrsg.: Franz-Joseph Albersmeier. Stuttgart: Philipp Reclam jun. 1995. S.377
Arbeit zitieren:
Kerstin Tille, 1998, Jan Marie Lambert Peters: Struktur der Filmsprache, München, GRIN Verlag GmbH
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