Inhaltsverzeichnis
1. Einführung in die Thematik und kurze Einordnung der Arbeit S.2
2. Ethik der Public Relations S.4
2.1 Begriffsklärung: Public Relations S.4
2.2 Kodizes der PR-Verbände S.4
2.3 Problembereiche S.5
2.4 Arten der Medienethik S.7
3. Die Zensurmaßnahmen S.8
3.1 Die Vorbereitungen zur „Zensurpolitik“ S.8
3.2 Die Reaktion der amerikanischen Medien auf die Maßnahmen S.11
3.3 Die Funktionsweise der Zensur in den Pressepools S.14
3.4 Die Berichterstattung aus Bagdad S.17
3.5 Selbstzensur S.18
4. Die PR-Kampagne S.21
4.1 „Citizens for a free Kuwait“ und „Hill Knowlton S.21
4.2 Die Brutkasten-Story S.22
4.3 Die systematische Verteufelung des Irak und die Glorifizierung der USA S.25
4.4 EXKURS: Die Golfkriegs-Videos von CNN S.29
5. Die Rechtfertigung der Medien für ihr Verhalten S.31
6. Schluss: Kritische Anmerkungen S.33
7. Literatur- und Videoverzeichnis S.36
1
1. Einführung in die Thematik und kurze Einordnung der Arbeit
In dieser Arbeit möchte ich auf die Rolle der Medien im Golfkonflikt eingehen und dabei besonders die PR-Maßnahmen der US-Regierung beleuchten. Es soll aufgezeigt werden wie es die US-Regierung schaffte die Medien für ihre PR-Zwecke zu instrumentalisieren, ein funktionierendes Zensursystem zu installieren, sowie die Funktionsweise dieses Systems. Dies alles diente einer Pro-amerikanischen und Contra-irakischen Berichterstattung, die der Kriegspolitik der USA dienen sollte. Unterstützt wurde die US-Regierung von der Public Relations-Agentur Hill und Knowlton (H&K), wie unter Punkt vier nachzulesen ist.
Es ist mit ihr Verdienst, dass einige Themen und Begriffe, die in engem Zusammenhang mit dem Golfkrieg stehen und fest mit seiner Berichterstattung verbunden sind, uns noch immer gut im Gedächtnis geblieben sind. So steht der Golfkrieg noch immer in dem Ruf, der erste Live-Krieg gewesen zu sein. Die Geschichte von den lasergesteuerten, „intelligenten“ Bomben mit denen „chirurgische“ Eingriffe vorgenommen wurden und die in jeder Nachrichtensendung vorgeführten Zielvideos aus dem Kopf dieser Waffen, prägen genauso die Erinnerung an diesen Krieg, wie das Wissen um die Zensur der Berichterstattung.
Für diese Themen habe ich als grundlegende Literatur neben Mac Arthur: „Die Schlacht der Lügen“ 1 auch Ramsey Clark: „Wüstensturm: US-Kriegsverbrechen am Golf“ 2 gewählt, da beide Autoren von einem Versagen der Medien in Bezug auf ihre Aufgabe unabhängig und kritisch zu berichten ausgehen, die Ursachen jedoch unterschiedlich beurteilen. Interessant in diesem Zusammenhang sind die unterschiedlichen Biographien der beiden Autoren.
Mac Arthur war Journalist bei verschiedenen amerikanischen Zeitungen, u.a. für die „New York Times“, das „Wall Street Journal“, die „Los Angeles Times“ und als stellvertretender Ressortleiter für Außenpolitik bei der Nachrichtenagentur United Press International. Danach wurde er Herausgeber des „Harper’s Magazine“. Man kann somit davon ausgehen, dass Mac Arthur einen gewissen Einblick in die Arbeitsweise der Medien hat und auch zur Zeit des Golfkriegs Zugriff auf die für die Presse verfügbaren Informationen.
1 Mac Arthur, John R.: Die Schlacht der Lügen. München (dtv) 1993
2 Clark, Ramsey: Wüstensturm. US- Kriegsverbrechen am Golf. Göttingen (Lamuv) 1995
2
Clark hingegen entstammt aus dem politischen Milieu und hat dadurch einen etwas anderen Zugang zu den Ereignissen. Er war bis 1968 stellvertretender Justizminister unter Lyndon B. Johnson, Unterhändler von Jimmy Carter in der US-Geiselaffäre im Iran. Anschließend betätigte er sich als Rechtsanwalt und Menschenrechtsaktivist.
Ein zusätzlicher Aspekt der vorliegenden Arbeit behandelt die ethischen Dimensionen dieser Zusammenhänge. Hier wird mich das Verhalten der Medien beschäftigen, denen nach dem Krieg immer wieder vorgeworfen wurde, nicht für freie Berichterstattung gekämpft zu haben, oder nur aus kommerziellen Interessen g ehandelt zu haben. Aber nicht nur die Journalisten und Medienkonzerne müssen sich Kritik an ihrem unmoralischen Handeln gefallen lassen, auch die PR-Agentur Hill & Knowlton muß sich diesen Vorwurf gefallen lassen.
Als Hauptwerk habe ich zur Untersuchung des unethischen Handelns der Beteiligten die Textesammlung „Die ethischen Normen der Public Relations“ von Horst Avenarius herangezogen. Der Autor ist Vorsitzender des Deutschen Rates für Public Relations, bekannter PR-Autor und Praktiker. Da das Thema sehr umfangreich ist, beschränke ich mich auf die amerikanischen Medien, da hier am deutlichsten der Einfluß der PR-Aktionen nachzuvollziehen ist. Zu den verschiedenen Bereichen werde ich nur exemplarische Geschehnisse anführen, obwohl sich sicherlich zu jedem Thema viele weitere wichtige Beispiele finden lassen. An den gegebenen Stellen und am Ende der Arbeit werde ich mit meiner Kritik bezüglich des ethischen Anspruchs des Handelns von Journalisten und Medienorganisationen einhaken.
3
2. Ethik der Public Relations
2.1 Allgemeines zu Public Relations
Heute ist PR in allen Bereichen der öffentlichen Kommunikation zu beobachten. Aber trotz des großen Einflusses auf unseren Alltag scheint es Defizite in der wissenschaftlichen PR-Forschung und Lehre zu geben, denn die meisten Werke sind für die Praxis ausgelegt und geben sich weniger mit, in ihren Augen, „unpraktischen“ ethischen Normen ab. Um sich dem Thema überhaupt nähern zu können, möchte ich erst einmal genauer definieren, was unter Public Relations zu verstehen ist. Bei meiner Lektüre mußte ich feststellen, daß es eine Vielzahl von Einzeldefinitionen gibt, die ein unterschiedliches Verständnis des PR-Begriffs widerspiegeln.
Deshalb möchte ich mich in dieser Arbeit an der „Superdefiniton“ von Harlow orientieren. Er faßt aus 472 PR-Definitionen, die am häufigsten vorkommenden und ihm am wichtigsten erscheinenden Bestandteile wie folgt zusammen:
„Public Relations ist eine unterscheidbare Management-Funktion, die dazu dient, wechselseitige Kommunikationsverbindungen, Akzeptanz und Kooperation zwischen einer Organisation und ihren Öffentlichkeiten herzustellen und aufrechtzuerhalten. Sie bezieht die Handhabung von Problemen und Streitfragen ein; sie unterstützt das Management im Bemühen, über die öffentliche Meinung informiert zu sein und auf sie zu reagieren; sie definiert die Verantwortung des Managements in ihrem Dienst gegenüber dem öffentlichen Interesse und verleiht ihm Nachdruck; sie unterstützt das Management, um mit dem Wandel Schritt halten zu können und ihn wirksam zu nutzen; sie dient als Frühwarnsystem, um Trends zu antizipieren; und sie verwendet Forschung sowie gesunde und ethische Kommunikationstechniken als ihre Hauptinstrumente.“ 3
2.2 Kodizes der PR-Verbände
Anhand dieser Definition wird deutlich wie wenig zur Ethik der PR bei den einzelnen Autoren zu finden ist. Die Verbände wollen dieses Manko durch diverse ethische Kodizes zur PR ausgleichen, sie wollen damit auch PR-Berufe von den Berufen der Werbung und des Journalismus, aber auch gegenüber propagandistischen Tätigkeiten abgrenzen. Um ein positiveres Licht auf die PR-Berufe zu werfen, schicken sie sich an, die für ihre Mitglieder als verbindlich gesetzten sittlichen Normen zu kodifizieren, so dass - neben den berufsrelevanten Gesetzen und Verordnungen - spezifische Berufsbilder und besondere
3 Harlow, Rex F.: Building a Public Relations Definiton. In: Public Relations Review 2 (1976), Heft 2 (S.34-42); in der Übersetzung von M. Rühl
4
berufsethische Kodizes entstanden und ständig weiterentwickelt werden, da in der Gesellschaft ein steter Wertewandel stattfindet. Weltweit legen die Berufsorganisationen ihre und die normierten Selbstverständnisse ihrer Mitglieder in „Kodizes beruflichen Verhaltens“ und in „Ethik-Kodizes“ fest. Vorzugsweise sind es Definitionselemente wie Meinungsäußerungsfreiheit, Ethik, Moral und Vertrauen, um die herum die PR-Bestimmungen gelagert werden. Daneben finden rechtlich begründetet Normen sowie Hinweise auf Vertrauen Eingang in diese Kodizes. 4
Rechtlich und moralische Verpflichtungen sowie Vertrauensschutz sind beispielsweise in den Grundsätzen der Deutschen Public Relations-Gesellschaft (DPRG) vom 10. Juli 1964 vertreten. 5 Ganz ähnlich die Kodizes anderer PR-Berufsorganisationen, freilich mit anderer Akzentsetzung. So schreibt der „Code of Athens. International Code of Ethics for Public Relations“ 6 der International Public Relation Association (IPRA) vom 11. Mai 1965 den Mitgliedern rechtliche, moralische und durch Vertrauen gestützte Sollensstandards vor. Er fußt auf der Charta der Vereinten Nationen. Im Unterschied dazu enthält der „Code of Lisbon. European Code for Professional Conduct in Public Relations“ 7 der Confédération Européenne des Relations Publiques (CERP) vom 16. April 1978 neben allgemeinen beruflichen Verpflichtungen eine Reihe konkreter Anweisungen für die Beziehungen, wie sie PR-Praktiker zu Klienten, zu Arbeitgebern, zu den Medien, zu konkurrierenden PR-Kollegen und zu den PR-Berufen unterhalten sollen. Er ist als eine Ergänzung zu den reinen Moralkodizes zu verstehen.
2.3 Problembereiche
Vorgestellt habe ich nur die in meinen Augen wichtigsten und für die Themenstellung relevanten Texte, ohne dabei näher auf die Problematiken des Product Placement oder der redaktionellen Werbung einzugehen, wie dies Avenarius tut.
Alle die oben genannten Kodizes, sind gekennzeichnet von dem Respekt für andere, die Wahrung ihrer Würde und die Anerkennung ihrer autonomen Rechte. Diese Kodizes sind notwendig geworden, um die Grenzen des verantwortbaren Eingriffs in anderer Leute Meinung aufzuzeigen. Gerade bei den relativ
4 Alle in dieser Arbeit genannten Kodizes sind in vollständiger Version abgedruckt in Avenarius, Horst: Die ethischen Normen der Public Relations; aus Platzgründen werden die Inhalte hier nur in geraffter Version wiedergegeben.
5 Vgl. Avenarius, Horst: Die ethischen Normen der Public Relations, S.44
6 Vgl. Avenarius, Horst: Die ethischen Normen der Public Relations, S.29
7 Vgl. Avenarius, Horst: Die ethischen Normen der Public Relations, S.32
5
jungen Kommunikationsberufen ist es nötig geworden moralische Normen zu schaffen, da hier eine extrem geringe Berufsloyalität zu finden ist. Das liegt möglicherweise auch an der ungeregelten, nicht einheitlichen Ausbildung, die noch dazu selten moralische und ethische Grundlagen vermittelt. Statt dessen werden die nötigen Diskussionen über ethische Grundsätze als nachrangig und lästig empfunden. Entsprechend zwielichtig bleibt das Ansehen der PR in der Gesellschaft. Der Vorwurf der Öffentlichkeit, die PR würde Manipulation und gezielte Desinformation betreiben, bestätigt sich leider immer wieder anhand so trauriger Beispiele wie der amerikanischen Berichterstattung im Golfkrieg. Die vorhandenen Kodizes sind auch sehr wortreich, schwammig formuliert und für eventuelle Rügen schwierig anzuwenden. In Deutschland sind im PR-Bereich zwei Institutionen tätig, die die Einhaltung der Kodizes kontrollieren. Der Ehrenrat der DPRG schlichtet berufliche und persönliche Streitfälle zwischen Mitgliedern, während der PR-Rat der DRPR kommunikatives Fehlverhalten gegenüber Öffentlichkeiten ahndet. Denn die Präambel der DRPR-Statuten besagt, dass „alle in der Gesellschaft wirkenden Organisationen und Personen“ 8 verpflichtet sind, sich bei Kontakten mir Presse oder Öffentlichkeiten an die ethischen Normen und Gesetze zu halten, die für jede Art Öffentlichkeitsarbeit gelten. Der PR-Rat hat die Aufgabe Urteile zu Beschwerden zu treffen, selbst Vorfälle heranzuziehen und zu behandeln, neue Richtlinien zu entwickeln und Grauzonen zu ermitteln und versuchen diese zu beseitigen. 9
Problematisch ist dabei die Vielzahl von Kodizes, die zusätzlich noch so unpräzise formuliert sind, dass ein festnageln derjenigen, die gegen die Kodizes verstoßen haben, nur sehr schwer oder gar nicht möglich ist. Auch die geringen Kontroll- und Sanktionsmöglichkeiten stellen ein großes Problem dar. So ist die härteste Form der Strafe die öffentliche Rüge, da es sich bei den Kodizes nur um Normen, nicht aber um Gesetze handelt.
So ist zwar nicht mehr alles, was Erfolg verspricht erlaubt, aber in der Praxis halten sich die meisten PR-Berufler leider doch kaum an diese ethischen Normen.
8 Vgl. Avenarius, Horst: Die ethischen Normen der Public Relations, S.228
9 Vgl. Avenarius, Horst: Die ethischen Normen der Public Relations, S.23
6
2.4 Arten der Medienethik
Ethik von Medien und damit von PR, die die Medien nutzt und ohne diese nicht existieren würde, ist immer auf drei Ebenen zu unterscheiden. Der erste Bereich ist als einziger bislang hinreichend differenziert worden: die Instanz der Journalisten oder auch der Mitarbeiter von PR-Agenturen und ihre Selbstkontrolle. Medienethik bezieht sich hier insbesondere auf die Methoden der Beschaffung von Nachrichten, aber auch auf die Verbreitung bzw. die journalistische Meinungsmache, wie z.B. im Golfkrieg. Den Journalisten wird ethisches Handeln als Frage der persönlichen Moral abverlangt und deshalb auch Individualethik genannt. Die Berufsnormen finden sich in der Menschenrechtserklärung der Vereinten Nationen (1948), im Art.5 Abs.1 des Grundgesetzes der BRD (1949) und im „Pressekodex“ des Deutschen Presserates (seit 1973) mit mittlerweile sechzehn Punkten. 10 In der Praxis sind diese Berufsnormen nicht immer brauchbar als Handlungsmaximen. Empirische Untersuchungen belegen, dass die Trennung von Nachricht und Meinung, eine der wichtigsten journalistischen Normen, in keinem Medium duchgängig sauber praktiziert wird. 11 Ein weiteres Problem in der Praxis ist die Nachrichtenselektion, wie es auch in der Forschung zum „Agenda-Setting“ thematisiert wird. Nachrichten werden laufend gemacht und lanciert, womit man sagen kann, dass die Medienwirklichkeit weitgehend inszeniert ist.
Der zweite Bereich ethischen Handelns bezieht sich auf die Macher und Medienorganisationen und wird Organisationsethik genannt, da nicht mehr der Einzelne verantwortlich ist. Hier zeigen sich Hierarchien und strukturelle Zwänge für die Individuen, es geht um den „Stil des Hauses“ oder um das ultimative Interesse einer Organisation, der sich alles andere unterzuordnen hat. Wie solche Strukturen in der Praxis wirken werden wir noch deutlich in der folgenden Arbeit erkennen. Am meisten fehlen Beiträge zu der letzten Ebene, der Ethik der Mediennutzung. Dazu findet sich meist nur Material zur Medienpädagogik bei Kindern und Jugendlichen. Sie soll nur der Vollständigkeit halber erwähnt werden, wird aber im folgenden keine Rolle mehr spielen. In der folgenden Arbeit soll nun versucht werden diesen theoretischen Hintergrund auf die Golfkriegsberichterstattung der US-amerikanischen Medien anzuwenden.
10 Nachzulesen in Avenarius, Horst: Die ethischen Normen der Public Relations, S.79ff
11 Vgl. Faulstich, Werner: Grundwissen Medien, S.87
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Arbeit zitieren:
Kerstin Tille, 2000, Ethik der Public Relations am Beispiel der Golfkriegsberichterstattung der US-Medien, München, GRIN Verlag GmbH
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