Gliederung
1 E i n l e i t u n g 1
2 D a s M o d e l l 3
2.1 Die Produktionsfunktion 3
2.2 Die Festlegung des Lohns 4
2.3 Das staatliche Transfersystem 6
2.4 Die Zielfunktion der Gewerkschaft 6
2.5 Die Gewerkschaftsentscheidung bei verschiedenen Zielkonstellationen 7
3. Die Reaktion der Gewerkschaft auf zusätzliche Immigration 9
3.1 Die Reaktion bei unterschiedlichen Zielkonstellationen 9
3.2 Die Variation der Annahmen 10
4. Die Zuwanderungspolitik der Regierung 12
4.1 Die Effekte zusätzlicher Zuwanderung auf die Volkswirtschaft 12
4.2 Mögliche Strategien der Regierung 14
5. Zusammenfassung der Ergebnisse und Ausblick 17
6. Literaturverzeichnis 22
II
1. Einleitung
Migrationsprozesse werden durch die gravierenden Einkommensdifferenzen zwischen weniger entwickelten Ländern, wie den Ländern der dritten Welt, und hoch entwickelten Ländern, wie Westeuropa oder den USA, ausgelöst und durch Kriege und Bürgerkriege, politische Verfolgung, ökologische Katastrophen und wirtschaftliche Not verstärkt. Die Einwohner der wirtschaftlich weniger entwickelten Länder sehen in der Migration eine Chance auf bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen. Beispielsweise lag der Bruttostundenlohn für einen Facharbeiter im verarbeitenden Gewerbe in Westdeutschland im Jahr 2000 etwa bei 28,50 DM. Ein Arbeiter mit entsprechenden Qualifikationen erhielt in West-Polen einen Stundenlohn von 4,80 DM, in Ost-Polen 2,70 DM, in der Slowakei lag der
entsprechende Lohn noch niedriger. 1 Diese Einkommensdifferenz stellt einen großen Anreiz für eine verstärkte Mobilität der Arbeitskräfte dar. Ein Land wie Deutschland steht durch das hohe Lohnniveau verbunden mit einem hohen Arbeitslosenversicherungsniveau praktisch einem unendlichen Angebot an Immigranten
gegenüber. 2
Zugleich existiert in vielen wirtschaftlich hoch entwickelten Ländern das Problem umfangreicher und dauerhafter Arbeitslosigkeit, vor allem im Bereich der ungelernten Arbeitskräfte. Aus diesem Grund lehnen beispielsweise Gewerkschaften die Zuwanderung von gering qualifizierten Arbeitskräften ab, da befürchtet wird, dass die bereits bestehende Beschäftigungsprobleme durch die Verdrängung
einheimischer ungelernter Arbeiter durch Immigranten verstärkt werden. 3 Daneben bestehen Befürchtungen bezüglich weiterer negativer ökonomischer und sozialer Folgen einer hohen Zuwanderung, z.B. die Überlastung des Sozialsystems, die
Veränderung der Gesellschaftsstruktur oder sozialer Unfrieden. 4
1 Vgl. DGB (2001), S. 1 ff.
2 Vgl. Schmidt et al. (1994), S. 186.
3 Vgl. Putzhammer (2002), S. 5.
4 Vgl. Schmidt et al. (1994), S. 186.
1
Die vorliegende Arbeit basiert auf dem Aufsatz „Mass migration, unions, and government intervention“ von Schmidt, Stilz und Zimmermann. Es wird ein Modell mit potentiell unbegrenzter Zuwanderung betrachtet, das die Auswirkungen des Mechanismus der Lohnsetzung als Ursache von Arbeitslosigkeit untersucht. Im Zentrum der Betrachtung steht dabei die Rolle der relativ stark zentralisierten Gewerkschaften in Europa, insbesondere in Deutschland, und ihr Einfluss auf den Lohn im Sektor der ungelernten Arbeitskräfte. Es wird gezeigt, unter welchen Voraussetzungen Immigration für eine Volkswirtschaft wohlfahrtssteigernd sein kann und welche Möglichkeiten für die Regierung bestehen, kontrollierte Zuwanderung als politisches Instrument zu nutzen. Im Unterschied zu früheren Arbeiten wird eine Situation analysiert, in der das Problem der Massenmigration besteht, d.h. das Niveau der Zuwanderung ist lediglich durch staatliche Regulierung begrenzt. Außerdem wird heterogene, gewerkschaftlich organisierte Arbeit
eingeführt. 5
Die Gliederung dieser Arbeit orientiert sich an dem oben genannten Aufsatz. Im zweiten Kapitel der Arbeit wird das zugrundeliegende Modell erläutert. Dabei wird zuerst auf die Produktionsfunktion und die Produktionsfaktoren eingegangen. Daraufhin werden die Faktoren dargelegt, welche die Determinierung des Lohns beeinflussen. Im nächsten Abschnitt wird die Rolle des Staates bzw. der Regierung in der Volkswirtschaft und das staatliche Transfersystem erörtert, gefolgt von der Darstellung der gewerkschaftlichen Zielfunktion und den sich daraus ableitenden Lohnsetzungsstrategien der Gewerkschaft bei unterschiedlichen Zielkonstellationen, die anhand eines Referenzfalles verglichen werden. Im dritten Kapitel wird analysiert, wie die Gewerkschaft bei den verschiedenen Gewichtungen der Ziele auf zusätzliche Immigration reagiert und ob sich die Ergebnisse verändern, wenn die im zweiten Kapitel getroffenen Annahmen verändert werden. Im anschließenden vierten Kapitel werden mögliche Strategien für die Zuwanderungspolitik der Regierung dargelegt, d.h. welche Möglichkeiten die Regierung hat, auf das ökonomische Ergebnis der Volkswirtschaft Einfluss auszuüben. Zum Abschluss der Arbeit werden im letzten Kapitel die wichtigsten Ergebnisse zusammengefasst, kurz bewertet und mit anderen Aufsätzen verglichen.
5 Vgl. Schmidt et al. (1994), S. 186 ff.
2
2. Das Modell
2.1 Die Produktionsfunktion
Das Modell basiert auf einer neoklassischen aggregierten Produktionsfunktion. Die Kombination der drei Produktionsfaktoren Kapital K, Facharbeit oder hoch qualifizierte Arbeit S und ungelernte respektive gering qualifizierte Arbeit L Y = ermöglicht die Produktion des Gutes Y: . Das Angebot an ) , , ( L S K F
Produktionsfaktoren wird dabei im betrachteten Land als fix angenommen: K , S und N . 6 Es werden zwei verschiedene Fälle betrachtet, die sich auf unterschiedliche Substitutionsbeziehungen zwischen den Produktionsfaktoren beziehen. 7 Im ersten Fall wird eine Technologie angenommen, in der Facharbeit und ungelernte Arbeit q-Komplemente sind, d.h. dass die marginale Produktivität der Facharbeit bei steigender Beschäftigung ungelernter Arbeiter ansteigt. Im zweiten betrachteten Fall wird angenommen, dass Facharbeit und ungelernte Arbeit q-Substitute sind, d.h. es besteht ein negativer Zusammenhang zwischen der marginalen Produktivität der Facharbeiter und einem Anstieg der Beschäftigtenzahl von ungelernten Arbeitern. Des weiteren gilt die Annahme, dass der Einfluss des betrachteten Landes auf das Preisniveau zu vernachlässigen ist. Somit kann das exogen gegebene Preisniveau auf
Eins normiert werden. 8
Eine weitere Annahme ist, dass Immigranten kein Kapital ins Land einführen. Diese Annahme ist plausibel, da hier die Auswirkungen von Massenimmigration untersucht werden und daher im allgemeinen von mittellosen Flüchtlingen ausgegangen werden kann. In andere Ansätzen werden dagegen die Wohlfahrtswirkungen von Migration
verbunden mit umfangreichen Kapitalflüssen betrachtet. 9 Es wird im folgenden nur die Zuwanderung unqualifizierter Arbeitskräfte betrachtet, was wiederum mit der Voraussetzung der Massenmigration begründbar ist. Zusätzlich ist anzumerken, dass im Herkunftsland erworbene allgemeine und berufliche Qualifikationen und Abschlüsse nur in Ausnahmefällen anerkannt werden, was zur Folge hat, dass Immigranten oft trotz qualifizierter Abschlüsse als ungelernte Arbeitskräfte
6 Vgl. Schmidt et al. (1994), S. 188.
7 Vgl. Sato/Koizumi (1973).
8 Vgl. Schmidt et al. (1994), S. 188.
9 Vgl. Berry/Soligo (1969).
3
eingestuft werden. 10 Für Deutschland haben empirische Untersuchungen ergeben, dass Immigranten im Bereich der industriellen Produktion nahezu perfekte Substitute für einheimische ungelernte Arbeiter sind. Für inländische Facharbeiter gilt diese
Substitutionsbeziehung hingegen nicht. 11 Das Arbeitsangebot der Immigranten an
ungelernter Arbeit M wird des weiteren als unelastisch angenommen. Das gesamte + = Arbeitsangebot an ungelernter Arbeit ist daher . Des weiteren wird von M N L
potentiellen Effekten der Immigration auf die Nachfrageseite der Volkswirtschaft im
folgenden abstrahiert. 12
2.2 Die Festlegung des Lohns
Der Prozess der Lohnfestlegung orientiert sich im betrachteten Modell an der zentralisierten Struktur der europäischen Gewerkschaften. In Deutschland beispielsweise wird die Gewerkschaftsbewegung im wesentlichen vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB), dem Dachverband der Arbeitnehmerverbände,
kontrolliert. 13 Es wird angenommen, dass im Bereich der ungelernten Arbeitskräfte eine Monopolgewerkschaft über den Lohn verhandelt, im Facharbeitersektor die Lohnfindung demgegenüber in einem kompetitiven Prozess stattfindet. Die Annahme ist realistisch, da der Organisationsgrad der Arbeitnehmer mit steigendem Einkommen abnimmt. Dies lässt sich unter anderem damit begründen, dass die Mitgliedschaft in der Gewerkschaft mit steigendem Einkommen teurer wird, da die Gewerkschaftsbeiträge als prozentuale Anteile am Einkommen bestimmt sind und der Nutzen der Gewerkschaft für Arbeitnehmer mit höheren Einkommen geringer ist, da Gewerkschaften eher an der Verbesserung der unteren und mittleren Einkommen
sowie der Verringerung der Einkommensunterschiede interessiert sind. 14 Eine alternative Begründung liefert das „Verweildauer-Modell“: Hoch qualifizierte Arbeitnehmer wechseln auf Grund der längeren „Karriereleiter“ öfter das Unternehmen als gering qualifizierte, deshalb ist die Mitgliedschaft in einer
Gewerkschaft für hoch qualifizierte Arbeiter weniger interessant. 15
10 Vgl. DGB (2001), S. 18.
11 Vgl. Schmidt (1992).
12 Vgl. Schmidt et al. (1994), S. 189.
13 Vgl. Pege/Wölke (1987), S. 5 f.
14 Vgl. Schnabel/Pege (1992), S. 74 ff.
15 Vgl. Winkelhake (1994), S. 166 ff.
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Arbeit zitieren:
Jens Mennigmann, 2003, Zuwanderung und Gewerkschaftsverhalten, München, GRIN Verlag GmbH
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