3
1 Einleitung 4
2 Frauentausch - Eine Theorie der Geschlechterrollen. 7
2.1 Zum spezifischen Charakter der FRAU in der Gesellschaft 7
2.2 Frauenmarkt - die Zirkulation von Frauen als gesellschaftliches
Konstitutiv 9
2.2.1 Inzestverbot. 10
2.2.2 FRAU als Ware: Wertform und Gebrauchsform. 11
2.3 Gesellschaftlich/kulturell legitimierte Rollentypen der FRAU 12
3 Vladimir Nabokov: Lolita. 14
3.1 Lolitas Wert’: Die Nymphe 14
3.2 Humbert versus Quilty 16
3.3 Lolita - zwischen MANN und Gesellschaft 19
3.3.1 Die Jungfrau. 20
3.3.2 Die Prostituierte 22
3.3.3 Die Mutter. 24
3.4...................... Auseinandersetzung mit den Mechanismen des Frauentausches
im Roman. 25
3.4.1 Das Finale: (Selbst)Mord eines Sünders 26
3.4.2 Die Schuldfrage 28
3.4.3 Humbert, oder die Unmöglichkeit einer Utopie 30
4 Schlußbemerkung(en) 32
4.1 Eine gewagte These: Zur Skandalrezeption des Romans 32
4.2 Fazit. 33
5 Literaturverzeichnis 35
4
1 Einleitung
“Was man weiß, sieht man erst.” (J. W. Goethe, Einleitung in die Propyläen) Der geschärfte Blick, sensibilisiert für diese oder jene Seite einer Sache, für einen ganz bestimmten Aspekt, einen Blickwinkel in einem Problem, einem Text, läßt unvermutet Fragen erscheinen, aber auch Antworten finden. Es ist die Eigenart einer solchen Sensibilisierung, daß sie ’erlernbar‘ ist - und daß sie notwendige Voraussetzung der Vermittlung eines ungewohnten Problems sein muß. Den Versuch, einen solchen Blickwinkel vorzustellen, soll diese Arbeit unternehmen. Ich hoffe, sie wird ihrer Aufgabe - der Sensibilisierung für einen ’unvermuteten‘ Aspekt dieses Textes, einer Lesart nach Kategorien und Fragestellungen der gender-Forschung gerecht werden können.
Die Fragestellung, mit der ich an den Roman Lolita von Vladimir Nabokov herantreten möchte, ist der Versuch einer Synthese von Literaturwissenschaft und Überlegungen zu gesellschaftlichen Beziehungs- und Rollenmustern, die kulturell eingeschriebene Rezeptions- und Interpretationsmuster von gender 1 hinterfragen, sie in ihrer Funktion und Wirkungsmacht im kulturellen und sozialen Diskurs zu bestimmen versuchen.
Den Ausgangspunkt dieser Untersuchung bildet ein theoretischer Ansatz von Luce Irigaray 2 , der den Versuch unternimmt, kulturell etablierte und legitimierte Rollenmuster und Hierarchien zwischen den ’Geschlechtern‘ in ihrer Schematik darzustellen, die aus ihnen begründeten Verhaltensmuster von ’Mann‘ und ’Frau‘ darzustellen, um sich über ihre Bewußtmachung von ihrer Festschreibung als gültige Dichotomie zu befreien. Dabei bleibt Irigaray einem Geschlechterbegriff verhaftet, der sich noch stark an einer Definition von ’Mann‘ und ’Frau‘ als gesellschaftliches Gegensatzpaar orientiert. Sie abstrahiert zwar weitgehend von einem ontologischen Begriff von Geschlecht, ordnet aber Individuen immer das Geschlecht zu, dem sie
1 Zum Begriff gender wie ich ihn hier verwende: Diese Untersuchungskategorie beschreibt
Ausprägungen von ’Geschlecht‘, wie sie in sozialen, kulturellen, ökonomischen, literarischen, u.s.w., also
insgesamt kulturellen Kontexten einer Gesellschaft erscheinen. Es ist der Versuch einer Analyse der
einzelnen Komponenten einer Zuordnung, die in der Regel biologisch oder ontologisch verortet, also als
einmal definiert und identisch verstanden wurde und wird; einer Zuordnung, die sich aus den
verschiedensten, gesellschaftlich bedingten, Faktoren zusammensetzt, deren jeweilige Funktion im
kulturellen Kontext es einzeln zu beschreiben und zu bestimmen gilt. Im Rahmen dieser Arbeit wird es
erforderlich sein, sich auf einige Untersuchungszusammenhänge für diese Kategorie zu konzentrieren,
wie ich sie im folgenden genauer erläutern werde.
2 Luce Irigaray: ”Das Geschlecht, das nicht eins ist”, 1977
5
gemeinhin zuerkannt werden. Mit anderen Worten: Irigaray untersucht die Wirkungsmacht kulturell vorgebildeter Rollenmuster, zu denen sich (biologisch) männliche bzw. weibliche Individuen verhalten müssen, an und gegen die sie sich identifizieren. Ihr Ansatz ist geprägt durch eine Tradition der Frauenforschung, wie sie seitdem schon weit differenzierter zu dem Begriff der gender-Forschung entwickelt wurde. Ich bediene mich ihres Blickwinkels aber dennoch in meiner Untersuchung eines literarischen Textes, da es mit seinen Begriffen und Kategorien möglich ist, die Wirkungsmacht und Funktion genau jener kulturellen Geschlechterkonzeptionen im Text zu verdeutlichen, ihre Motivationskraft für den Text und auch ihre Untergrabung im Text herauszustellen. Ich möchte in dieser Arbeit dokumentieren, wie der Roman kulturell verfestigte Geschlechterrollen zum einen nachvollzieht, sich aber gleichzeitig mit ihnen auseinandersetzt. In der letzt möglichen Konsequenz der Inszenierung dieser stereotypen Verhaltens- und Rollenmuster wird ihre Gültigkeit, jenseits von jeder Moralisierung, zu Schau gestellt, und so auch der Regelkreislauf, dem diese Geschlechterrollen und die in ihnen definierten Individuen unterliegen, in seinem zerstörerischen Potential zu einem der treibenden Faktoren für die Handlungsentwicklung in Lolita.
Zunächst werde ich den theoretischen Ansatz nach Luce Irigaray darstellen: Er verbindet geschlechteranthroplogische Ansätze mit den Begriffen Marx’scher Warenanalyse, um den gesellschaftlichen Charakter der Frau in unsererpatriarchalisch- logozentrisch dominierten - Kultur zu beschreiben. Die Frau als gesellschaftliches Wesen unterliegt danach als Warenobjekt der Zirkulation unt er den Tausch-Subjekten, den Männern. Sie bekommt bestimmte Rollen vom Mann zugewiesen, und sie kann nur durch diese Zuweisung gesellschaftlichen Wert erhalten. Es folgt eine textnahe Lesart (close reading) des Romans Lolita, bei dem ich zunächst die theoretisch ausgearbeiteten Strukturen im Text aufsuche, um dann die kritische Auseinandersetzung des Textes mit diesen Strukturen herauszuarbeiten. So bekommt Lolita in ihrer Funktion als Tauschobjekt zwischen Humbert und Quilty die bei Irigaray beschriebenen Rollen als Frau nacheinander zugewiesen, sie dient den Verhandlungen der Männer für deren Beziehungen zueinander. Schließlich werde ich eine - zugegeben gewagte - These zum außergewöhnlichen Skandalcharakter der Rezeptionsgeschichte dieses Romans aufstellen, die seine
6
Wirkung aus den beschriebenen Strukturen heraus, als einen geschlechtskulturellen Tabubruch, erklärt.
Diese Arbeit versteht sich als ein Beitrag zu einem umfassenderen Verständnis sowohl des vorliegenden Romans als auch der ihm und der Kultur zugrundeliegenden Geschlechterstrukturen. Im Bewußtmachen der Wirkung und der Herkunft solcher Schematisierungen liegt die Möglichkeit der Sensibilisierung für ihr Auftreten in literarischen (Kon)Texten, und damit eines tieferen Verständnisses solcher Strukturen für die eigene literarische und kulturelle Rezeption.
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2 ‘Frauentausch‘ - Eine Theorie der Geschlechterrollen
“Die weibliche Sexualität ist immer von männlichen Parametern ausgehend gedacht worden.” (IRIGARAY 1977a, 22)
Die Grundannahme des vorzustellenden theoretischen Ansatzes fußt auf der Beobachtung, daß in einer seit Jahrtausenden von Männern dominierten Gesellschaft, in einem patriarchalisch ü berformten kulturellen Erinnern, einem logozentrisch begründeten Denken grundlegende Oppositionen von eben diesen männlichen Parametern ausgehend konstruiert sind, daß diese Parameter jegliche kulturelle Rezeption, also das Modell von Welt, das der Wahrnehmung und Interpretation zugrunde liegt, von vornherein bestimmen. Uns als selbstverständlich erscheinende Gegensatzpaare von Gut und Böse, Schwarz und Weiß, Mann und Frau und viele andere mehr sind in diesem Sinne gesellschaftlich-kulturelle Konstrukte, die unser Denken, unser kulturelles Bewußtsein, Selbstverständnis und Erinnern maßgeblich bestimmen und formen. Weibliche Sexualität, die in einer männlichen dominierten Welt immer das ‘andere’, der Gegensatz ist, wird so auch immer nur im Unterschied zur männlichen Norm gedacht. Im Denken unserer Kultur hat sich seit der Antike ein Begriff vom ’Mann‘ als der Norm, der unmarkierten Form der menschlichen Art herausgebildet, der die Frau immer als das Gegenüber, das Fremde, das (rätselhafte) Andere begreift. Weiblichkeit erscheint so vor allem als Negativbild von Männlichkeit, als Abweichung. Mehr noch, weibliche Sexualität konstruiert sich selbst in ihrer Identität aus eben jenen Denkmustern, versteht sich unter den Voraussetzungen dieser männlichen Norm und erscheint - von der Bibel bis zur zeitgenössischen Belletristikauch und vor allem in literarischen Diskursen als Gegenpol zum ’Mann‘. Diese Dichotomie in ihrer unreflektierten Interpretation als ontologische Wahrheit, als Naturgesetz gilt es zu hinterfragen, in ihrer Bedingtheit und Wirkung zu beschreiben.
2.1 Zum spezifischen Charakter der FRAU in der Gesellschaft
“Die Frau ist innerhalb dieses sexuellen Imaginären nichts als eine mehr oder weniger gefällige Stütze für die Inszenierung der männlichen Phantasien. Daß sie dabei Lust empfindet, sofern sie dazu ermächtigt wird, ist möglich und sogar gewiß. Aber
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diese Lust ist vor allem masochistische Prostitution ihres Körpers für einen Wunsch, der nicht der ihre ist; das beläßt sie in diesem Zustand der Abhängigkeit vom Mann, den man ihr zuweist.” (ebd., 24)
Die FRAU 3 erscheint vor diesem Hintergrund als ein Medium, in dem sich der MANN 1 spiegelt. Sie kann nur Wert erhalten, indem er ihn ihr zuweist. Nur durch den MANN wird die FRAU zum gesellschaftlichen Wesen, kann sie ein Selbstverständnis entwickeln, bekommt sie Anerkennung.
Diese Abhängigkeit von der männlichen Definitionsmacht manifestiert sich schon in der Zuweisung des Eigennamens durch den MANN an seine Frau, Kinder, etc. Irigaray spricht hier von dem ‘phallomorphistischen’ Bestreben der Männer, alles in ihrer Welt nach der ‘Logik des Blickes’, der ‘Individualisierung der Form’ zu definieren:
“Die Frau genießt mehr durch die Berührung als durch den Blick, und ihr Eintritt in eine herrschende skopische Ökonomie bedeutet für sie wiederum eine Zuweisung zur Passivität: sie wird das schöne Objekt zum Anschauen sein.” (ebd., 25) Das weibliche Geschlecht ist für den Blick unsichtbar, und da es nicht eins ist, muß es nach männlicher Logik als keines erscheinen. “Sie ist weder eine noch zwei. Bei aller Anstrengung kann sie nicht als eine Person, noch auch als zwei, bestimmt werden. Sie widersteht jeder adäquaten Definition. Sie hat darüber hinaus keinen ”Eigen”-Namen. Und ihr Geschlecht, das nicht ein Geschlecht ist, wird als kein Geschlecht gezählt. Als Negativ, Gegenteil, Kehrseite dessen, (!) das einzig sichtbare und morphologisch bezeichenbare [...] Geschlecht zu besitzen: den Penis.” (ebd., 25/26) Die FRAU wird so zum Objekt des Anschauens, zum erst vom MANN zu bezeichnenden. Sie erscheint in zweierlei Weise als Spiegel des Mannes: Als Träger seines Namens und Objekt seiner B egierde. Sie wird “...eingeengt auf den eifersüchtigen Besitz seines wertvollen Produkts." (ebd., 30) Die Frau wird zur Ware ,
3 Ich benutze die kapitalisierte Schreibform FRAU (wie auch MANN), in Anlehnung an die
Sprachwissenschaften, um zu verdeutlichen, daß wir hier vom Konzept FRAU (MANN) sprechen, wie es
im kulturellen Bewußtsein erscheint. Jedes anatomisch weibliche (männliche) Individuum muß sich zu
diesem Konzept FRAU (MANN) verhalten, wobei sich die Freiheit dieser Beziehungsdefinition in den
letzten zwei Jahrzehnten verändert haben mag; das Bild der FRAU (des MANNes) in der Gesellschaft
aber scheint seine, hier skizzierten, Züge in wesentlichen Punkten erhalten zu haben.
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zum Tauschobjekt unter Männern. Sie wird unter Männern verhandelt und findet so Eingang in den Zirkulationskreislauf der patriarchalischen Gesellschaft. “Wie kann dieses Tauschobjekt ein Recht auf Lust beanspruchen, ohne aus dem etablierten Handel auszusteigen? Wie könnte diese Ware zu den übrigen Waren eine andere Beziehung haben, als die einer aggressiven Eifersucht? Wie könnte diese Materie sich selbst genießen, ohne beim Konsumenten Angst vor dem Verschwinden seines Nährbodens zu provozieren? Wie könnte dieser Austausch des Wunsches der Frau in nichts, was sich definieren, in Händen halten ließe, nicht als bloßes Trugbild, als Wahnsinn erscheinen, der allzu schnell durch einen sinnreichen Diskurs und ein System von scheinbar greifbareren Werten vereinnahmt werden kann?” (ebd., 31)
2.2 ‘Frauenmarkt‘ - die Zirkulation von Frauen als gesellschaftliches Konstitutiv “Die Frau hat also Wert nur, sofern sie getauscht werden kann.” (IRIGARAY 1977b, 183)
Luce Irigaray nimmt Denkansätze des Kulturanthroplogen Claude Lévi-Strauss auf, nach denen die Zirkulation von Frauen unter Männern oder Männergruppen die Grundlage der uns bekannten Gesellschaft, unserer Kultur bildet. Der ‘Frauentausch’ motiviert sich aus dem Eindruck der ‘Knappheit’ der Frauen, “...‚weil die tiefverwurzelte Tendenz zur Polygamie, deren Tendenz bei allen Männern anzunehmen ist, die Zahl der zur Verfügung stehenden Frauen immer als nicht ausreichend erscheinen läßt. Und selbst wenn die Frauen genauso zahlreich sind wie die Männer, sind sie nicht alle genauso begehrenswert, und die begehrenswerten Frauen sind, per se, eine Minderheit.” (Lévi-Strauss, Structures élémentaires de la parenté, Paris 1949: ebd., 177) Doch Irigaray fragt noch weiter:
“...warum sind Männer kein Tauschobjekt unter Frauen? Weil die Körper der Frauen - durch ihren Gebrauch, ihre Konsumtion, ihre Zirkulation - die Bedingungen liefern, die die Sozialität und die Kultur möglich machen, aber eine verkannte ‘Infrastruktur’ ihres Aufbaus bleiben.” (ebd., 177) Der Frauentausch, konstitutiv für unsere Sozialität, muß sich zum Erhalt des Systems immer selbst regenerieren. Die Individuen sind so zum einen gefangen in diesem Regelkreislauf und tragen zum anderen selbst zur Reproduktion seiner Strukturen bei. Ein solcher Prozeß ist nur schwer interpretierbar in einem Denksystem,
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das sich auf eben jene Voraussetzungen gründet, die es zu untersuchen vorgibt, also in der Sprache und Kultur, aus der der Frauentausch stammt und die er zu erhalten hat.
2.2.1 Inzestverbot
“Der Übergang zur gesellschaftlichen, zur symbolischen, zur Ordnung schlechthin wird also dadurch gewährleistet, daß die Männer oder Männergruppen Frauen unter sich zirkulieren lassen: eine Regel, die unter dem Namen Inzestverbot bekannt ist.” (ebd., 177)
Das Inzestverbot garantiert die Einspeisung der FRAUEN (Waren) in den Zirkulationskreislauf, indem es den Vätern verbietet, ihre Produkte ‘für sich’ zu behalten. Es regelt die für das Bestehen des Frauenmarktes notwendige Freisetzung der Waren, mit Hilfe derer Männer ihre Beziehungen untereinander verhandeln können. Irigaray führt den Begriff der ‘Hom(m)osexualität’ (ebd., 179) ein, der das Beziehungsgefüge der Männer untereinander “...über die Körper der Frauen, als Materie oder Zeichen...” beschreibt: “Und bisher ist Heterosexualität nichts anderes als ein Alibi für die reibungslosen Beziehungen unter Männern.” (ebd., 179) Diese These impliziert auch eine Motivation für die gesellschaftliche Denunziation der Ho mosexualität (”Schwule” und ”Lesben”): Hier werden Beziehungen zwischen Männern bzw. Frauen verhandelt, ohne daß sie in den gesellschaftlich verankerten Regelkreislauf eingebunden sind. Sie entziehen sich so dem sozialen und kulturellen Reglement, das der Gesellschaft gleichsam als Existenzbegründung dient. Dadurch rührt Homosexualität, eine so ‘private’ Sache, möchte man zunächst glauben, an den Grundfesten einer Gesellschaft, eines Moralbegriffs, eines Machtgefüges, daher wahrscheinlich auch seine moralische Denunziation, deren Strategie der Ausgrenzung erst in den vergangenen zwei Jahrzehnten durch eine ’Beherrschbarkeit durch Integration‘ ersetzt wurde. Nicht umsonst ist Sexualität außerhalb der kulturell dafür legitimierten Räume und Diskurszusammenhänge ein Tabu! Irigaray spricht von einer männlich dominierten Sexualität, die alle anderen gesellschaftlichen Diskurse bestimmt, sie beschreibt das Wirken einer ‘soziokulturellen Endogamie’, die die Beteiligung der Anderen, der Fremden, der FRAU, von vornherein ausschließt. “Zwar verlangt die Exogamie, daß man aus seinem Clan herausgeht, um Ehebündnisse zu schließen. Sie duldet deshalb aber noch keineswegs die Eheschließung mit allzu entfernten, außerhalb der herrschenden kulturellen Regeln stehenden Populationen. Eine sozio-kulturelle Endogamie würde also den Handelsverkehr mit Frauen [als Partner, M.O.] verbieten.
Arbeit zitieren:
Michael Obenaus, 1999, Lolita - eine Geschlechter(gender)-Studie, München, GRIN Verlag GmbH
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