3
Einleitung 4
1. Theoretischer Teil: Hintergrund, Zielstellungen und Voraussetzungen. 5
1.1 Palimpsest - ’archaische versus ’höfische Logik 5
1.1.1 Fortschreitende Zivilisation - Norbert Elias Entwurf zu einer
Theorie der Zivilisation“ 6
1.1.2 Das Nibelungenlied als Ausdruck der nachträglichen Überschreibung
eines ’archaischen Stoffes in der Logik des höfischen Ritterideals 7
1.1.3 ’Archaisch versus ’höfisch - eine Opposition als Arbeitshypothese 8
1.2 Formen der Codierung von Gewalt im Nibelungenlied. 9
1.2.1 Kriterien zur Analyse von G ewalt in einem literarischen Text:
Bestimmung und Kategorisierung 10
1.2.2 ’Archaisch versus ’höfisch : Zur Logik von Gewaltformen. 12
2. Praktischer Teil: Analysen. 15
2.1 Brautnachtbetrug (X., 631-683) 16
2.1.1 Komik und Gewalt - die erste Brautnacht 23
2.2 Etzels Tafel: Kindesmord und Saalkampf (XXXIII., 1951-2008) 29
2.2.1 ’Spiel mir das Lied vom Tod - die Fiedlermetaphorik Volkers 32
2.3 Finale: Hagen und Kriemhild (IXXXX., 2353-2379) 34
3. Schlußbemerkungen. 39
4. Literatur 44
4
Einleitung
Diese Arbeit schließt sich an das Referat zum Thema „Höfische Zivilisation und archaische Fremde - die Ambivalenz im Nibelungenlied“ an. Sie setzt sich zum Ziel, den Zusammenhang zwischen unterschiedlichen Formen der literarischen Codierung von Gewalt im Nibelungenlied und den ihnen zugrundeliegenden kulturellen Denkformen herauszuarbeiten. Dabei wird zu untersuchen sein, ob sich diese Denkformen in der - freilich sehr schematischen - Dichotomie von einer ’archaischen‘ gegenüber einer ’höfischen‘ Logik fassen lassen, und wenn ja, welche spezifischen Unterschiede die diesen Logiken folgenden Codierungen von Gewalt aufweisen. Diese Arbeit versteht sich damit als ein Prozeß der Analyse, der die Opposition von ”archaischer versus höfischer Gewaltcodierung“ zuallererst zu verifizieren hat, und nur wenn das gelungen ist, untersuchen kann. Ich verstehe das Nibelungenlied als das Ergebnis einer kontinuierlichen Überschreibung eines Erzählstoffes (bzw. Liedes) in der kulturellen Logik der jeweiligen Erzähler. Die unserem Seminar zugrundeliegende kanonisierte Fassung dieses Stoffes weist nun deutliche Züge einer ’höfischen‘ Überschreibung auf, die der Schlüssel zu vielen Erzählphänomenen im Text sein könnte.
Der Opposition von ”archaischer versus höfischer Logik“ folgend, die wir im Referat entwickelt und an ausgewählten Textstellen nachgezeichnet haben, möchte ich eine unterschiedlichen Logiken folgende Codierung und Motivation von Gewalt herausarbeiten, die ein wesentlicher Bestandteil des ambivalenten, brüchigen, widersprüchlichen Textcharakters im Nibelungenlied zu sein scheint. Ich denke, das erschütternde Phänomen nicht integrierbarer, unaufhaltsam ausbrechender, exzessiver Gewalt im Text läßt sich u.a. aus und in der Kollision zweier unterschiedlicher Logiken erklären und darstellen. Die im Referat entwickelte Opposition leitet sich kulturhistorisch aus einem ’Prozeß einer fortschreitenden Zivilisation‘ her, wie ihn Norbert Elias (Über den Prozeß der Zivilisation) entworfen hat. Diese Arbeit gliedert sich in einen theoretischen und einen praktischen Teil. Zunächst wird darzustellen sein, von welchem kultur- und literaturgeschichtlichen Modell aus das Nibelungenlied untersucht werden soll. Danach folgen Überlegungen zu den Voraussetzungen einer Analyse der Gewaltcodierung in einem literarischen Text des Mittelalters. Im zweiten Teil dieser Arbeit sollen einzelne Textstellen genauer untersucht werden, um so die Plausibilität und Anwendbarkeit der zuvor dargestellten Modelle und Denkansätze zu prüfen.
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1. Theoretischer Teil: Hintergrund, Zielstellungen und Voraussetzungen
Ich werde mich in dieser Arbeit auf ganz spezifische und ausgewählte Aspekte der Untersuchung konzentrieren müssen. Zu diesem Zweck bedarf es, denke ich, einer präzisen Erörterung der Hintergründe, Arbeitsvoraussetzungen und Zielstellungen meines Vorhabens. Ich begreife den Text als das Produkt ineinandergreifender Veränderungen auf der historischen, kulturellen und literarischen Ebene, der zu einer Einschreibung unterschiedlicher Denksysteme geführt hat (1.1). Um zu untersuchen, ob und wieweit sich diese Logiken auch in der literarischen Repräsentation von Gewalt auswirken, bedarf es einiger grundsätzlicher Überlegungen zu Möglichkeiten der Analyse literarischer Codierungen von Gewalt (1.2).
1.1 Palimpsest - ’archaische‘ versus ’höfische‘ Logik
Die Entstehung der wichtigsten Handschriften des Nibelungenliedes stammen aus der Zeit um 1200. Sie sind also in der Blütezeit der höfischen literarischen Kultur Mitteleuropas entstandene Kombinationen verschiedener, wesentlich älterer Überlieferungskreise und Erzählmotive. Wenn ich nun das Nibelungenlied in der Fassung des beginnenden 13. Jahrhunderts als ’Palimpsest‘ bezeichne, so interessieren mich hier weniger die genaue Stoffgeschichte und Quellenherkunft der Motive des Epos, sondern vielmehr sein eigentümlicher Charakter als Produkt einer literarischen ’Überschreibung‘: Das Epos kann man sich vorstellen als ein Pergament, auf dem die ursprünglichen Schriftzüge im Laufe der Überlieferung, der Nacherzählung, immer wieder überschrieben, ausradiert, neuformuliert wurden, so daß der um 1200 fixierte Status der Überlieferung noch die Spuren älterer Schriftzüge erkennen läßt, noch die Struktur der Vorläufertexte trägt, aber seine Oberfläche sich verändert hat. Mir geht es also um die immanente Untersuchung eines Textes, der sich in meinen Augen als literatur- und kulturgeschichtliches Palimpsest darstellt. Ich möchte die Brüchigkeit, die Ambivalenz und Widersprüchlichkeit dieses Epos aus der Überschreibung älterer Überlieferungen in der zeitgenössischen Erzähllogik des Verfassers (bzw. der Verfasser?) erklären, da ich in der Überblendung unterschiedlicher Denkformen (Logiken) eine maßgebliche Besonderheit dieses Textes, einen Grund für seine widersprüchliche und faszinierende Erscheinung sehe.
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1.1.1 Fortschreitende Zivilisation - Norbert Elias‘ ”Entwurf zu einer Theorie der Zivilisation“
Den kulturtheoretischen Hintergrund dieses Ansatzes bildet Norbert Elias‘ Modell einer ’fortschreitenden Zivilisation‘ 1 . Ich nehme also ein soziogenetisches Modell gesellschaftlicher Transformationsprozesse auf und versuche, ein kulturelles (literarisches) Produkt in den Begriffen einer solchen Wandlung zu fassen. Ich gehe davon aus, daß sich in jedes kulturelle Zeugnis dominante Deutungs- und Verstehensmuster seiner Zeit einschreiben, daß aber gleichzeitig ältere Denkmuster der Stoffvorlagen strukturell erhalten bleiben und Spuren in der Bearbeitung hinterlassen.
Norbert Elias beschreibt den Prozeß einer zunehmenden Ausdifferenzierung und Verflechtung der sozialen Beziehungen innerhalb komplexer werdender Gesellschaften. Diese innere Ausdifferenzierung bringt das hierarchische Wachsen der gesellschaftlichen Strukturen ’nach oben‘, die Ausbildung immer höherer sozialer Integrationsebenen mit sich. Die zunehmende Komplexität der sozialen Beziehungen (Bindungen, Abhängigkeiten, Verpflichtungen) und Interaktionen erzwingt eine stärkere Selbstreglementierung des Individuums, eine Affektkontrolle des Einzelnen z ugunsten der Einhaltung verbindlicher sozialer Interaktionskodizes. Eine solche Selbstreglementierung ermöglicht erst das Funktionieren komplexer Gesellschaften.
Im Zuge dieses Zivilisationsprozesses bilden sich Formen der gesellschaftlichen Integration von Affekten aus, wie z.B. Rituale, Feste, Turniere (Wettkämpfe), Aufführungen, etc. Ihnen allen ist gemeinsam, daß sich der Einzelne in seinen Bedürfnissen zugunsten eines verbindlichen Wertekodex zurückstellt. Gleichzeitig eröffnen solche Formen die Möglichkeit der kontrollierten Entladung von Affekten, der Integration von Konfliktpotentialen, kurz der Sozialisierung des Individuums.
Wenn ich nun im folgenden bestimmte Verhaltensmuster im Nibelungenlied unter dem Gesichtspunkt einer solchen Zivilisierung betrachte, möchte ich betonen, daß ich nicht von einem Urzustand einer ”einfachen“, nicht-sozialen Gesellschaft ausgehe - schon allein der Begriff der Gesellschaft bezeichnet ja gerade Formen der Zivilisation, der Vergesellschaftung. Ich verstehe den Prozeß dieser Zivilisierung als ein von Beginn der Menschheit andauerndes Kontinuum, das nicht mit einem ”Fortschrittsbegriff“ gleichgesetzt
1 Elias, Norbert: Über den Prozeß der Zivilisation. Wandlungen der Gesellschaft. Entwurf zu einer
Theorie der Zivilisation. Bd. II, 1939
7
werden darf 2 . Die Opposition von ’archaischer‘ und ’höfischer‘ Zivilisation darf also nicht als ein Gegenüber von ”sozial undifferenziert“ versus ”hochentwickelt“ verstanden werden, sondern es handelt sich bei dieser schematischen Setzung um unterschiedliche Ausprägungen sozialer Komplexität. Bevor ich beginne, diese Opposition näher zu erläutern, muß ich darauf hinweisen, daß es sich bei einer solch schematischen Aufgliederung eines Transformationsprozesses immer um eine unangemessene, sehr abstrakte Konstruktion handelt, deren Dichotomie sich im Laufe der Analysen auch immer wieder als nicht ausreichend für eine genaue Beschreibung oder gar Erklärung der Textphänomene erweisen wird. Im Bewußtsein dieses grundlegenden Mangels an historischer, soziologischer, kultureller Differenziertheit benutze ich dennoch die Arbeitsbegriffe von ’archaisch‘ und ’höfisch’ zur Beschreibung v on Denk- und Deutungsmustern, die unterschiedlichen Zivilisationsebenen zugeordnet werden können.
1.1.2 Das Nibelungenlied als Ausdruck der nachträglichen Überschreibung eines ’archaischen‘ Stoffes in der Logik des höfischen Ritterideals
Ich möchte meine These vom Palimpsestcharakter des Nibelungenliedes durch die Beschreibung einiger Motive und Erzählfiguren stützen, die ich exemplarisch in die oben eröffnete Opposition einordne, um in 1.1.3 die Formulierung genauerer Arbeitsbegriffe von ’archaisch‘ und ’höfisch‘ zu ermöglichen. Ich nehme den Untersuchungsgegenstand mit diesen Begriffen sozusagen ”in die Zange“, indem ich außerhalb des Textes kulturtheoretisch die Existenz einer solchen Opposition postuliere und dann im Text durch Phänomene mein Postulat stütze, um so Aussagen über den Text als kulturelles Produkt der Überschreibung zu machen.
Ich behaupte, daß das Nibelungenlied eine adaptation courtoise ist, also eine Höfisierung eines älteren Überlieferungsstoffes. So finden sich Erzählmotive, die eindeutig dem höfischen Kontext entstammen: Der Falkentraum Kriemhilds (Str. 13-17) ist ein beliebtes Motiv aus der Minnedichtung, die Schilderung prächtiger höfischer Feste (z.B. Str. 29ff) mit den ’Kleiderszenen‘ finden sich im Kontext höfischer Literatur, die Darstellung ritterlicher Kämpfe, sei es auf Turnieren oder im Kampf gegen die Sachsen und Dänen (Str. 139ff) folgen deutlich Mustern höfischer Erzählungstrategien. Es ist eine nicht unerhebliche
2 Wenn man es ganz genau nimmt, kann man auch schon in sozialen Formationen von Tieren ähnliche
Merkmale entdecken. In jedem Falle ist es aber ein Merkmal der Spezies ’Mensch‘, ausschließlich innerhalb
mehr oder minder komplexer sozialer Strukturen zu existieren und sie beständig zu reproduzieren.
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Beobachtung, daß das Erzähltempo in den Passagen, die ich als ’hö fisch’ einordnen würde, systematisch wahrnehmbar langsamer ist als dort, wo die Erzählung aus dem höfischen Idealdiskurs heraustritt. So nimmt beispielsweise die Ankunft Gunthers und seines Gefolges auf Îsenstein mit der Inszenierung eindeutig dem höfische n Hierarchiekontext zuzuordnender gestischer Zeichen, mit der ausgiebigen Beschreibung ihrer Kleider und Ausrüstung ganze 16 Strophen in Anspruch (Str. 389-405), während der eigentliche Kern der Islandfahrt, nämlich der betrügerische Wettkampf mit Brünhild (Str. 428-467), rasant schnell erzählt wird, allerdings ebenfalls immer wieder unterbrochen von detaillierten Beschreibungen von Brünhilds Kleidung, derer Pracht und Wert sie als eine höfische Würdenträgerin charakterisieren soll (hier also wieder der Bezug auf einen ‘höfischen’ Diskursbereich). Der Unterschied im Erzähltempo wird auch besonders deutlich, wenn man die Schilderungen ritterlicher Zweikämpfe mit denen blutigen Gemetzels am Etzelhof vergleicht. Jenseits einer einfachen Zuordnung einzelner Stellen als ’archaisch‘ oder ’höfisch‘ (was ebenso stereotyp als falsch wäre) behaupte ich, daß sich das Phänomen des wechselnden Erzähltempos in unterschiedlichen Diskursreferenzen von zweierlei Perspektive erklären läßt:
- Zum einen bildet sich, literaturtheoretisch argumentiert, die Erzählform der
- Zum zweiten, kulturtheoretisch argumentiert, wage ich zu vermuten, daß in
1.1.3 ’Archaisch‘ versus ’höfisch‘ - eine Opposition als Arbeitshypothese Die im Referat eröffnete Hypothese von der Opposition einer ’archaischen‘ gegenüber einer ’höfischen‘ Logik bezieht und stützt sich demnach auf zwei Ebenen: Zum ersten ziehe ich als kulturtheoretischen Hintergrund einer solchen Unterscheidung die oben ausgeführten Überlegungen zu einer ’fortschreitenden
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Zivilisation‘ 3 heran, die sich auf der Textebene in der Art und Weise der Darstellung und Deutung sozialer Beziehungen und Interaktionen äußert. Zum zweiten verweist diese Opposition auf unterschiedliche Modi literarischer Darstellung (Motivik, Bezüge, Erzählgestus, etc.), deren Zuordnung als ’höfisch‘ wir in der Parallele zu typischen Werken höfischer Literatur, z.B. der Artus- oder Minnedichtung ansetzen. Die Zuordnung als ’archaisch‘ erfolgt dann sozusagen ex negativo: Solche Erzählmotive, Deutungsmuster, etc., die nicht in den höfischen Diskurskontext einzuordnen sind, müssen in Bezug auf das erstere, kulturtheoretische Kriterium auf ihre Plausibilität als zum Bereich des ’Archaischen‘ gehörend untersucht werden.
Im Verlauf der Analyse wird sich, so hoffe ich, die Anwendung dieser Begriffe als weniger statisch praktizieren lassen, als es hier zunächst erscheint. Ich möchte noch einmal darauf hinweisen, daß es sich hier um eine betont schematische Setzung handelt, vermittels derer die Ambivalenzen des Textes untersucht werden sollen. Da ich mich in dieser Arbeit auf die Logik der Codierung von Gewalt konzentrieren möchte, verweise ich für eine genauere Beschreib ung der Merkmale ’archaisch‘ und ’höfisch‘ auf 1.2.2, wo die ’Logik von Gewaltformen‘ genauer erörtert werden soll.
1.2 Formen der Codierung von Gewalt im Nibelungenlied
Was meint ”Codierung“ von Gewalt? Ich möchte dazu einige Vorüberlegungen anstellen, die sich teilweise auch an Hartmut Böhmes Vortrag im Rahmen der Ringvorlesung ”Codierung von Gewalt“ 4 orientieren.
(i) Codierung von Gewalt meint die Vermittlung/ Repräsentation von
(ii) Das Nibelungenlied beinhaltet Formen der Codierung von Gewalt, und zwar
3 Ich nehme den Begriff von Elias hier in seiner transformatorischen Komponente auf, ohne aber
’fortschreitend‘ mit einem ”Fortschrittsgedanken“ zu konnotieren.
4 Ringvorlesung im Rahmen des Graduiertenkollegs ”Codierung von Gewalt im medialen Wandel“ an
der HU Berlin; am 21.06.99 Hartmut Böhme: ”Gewalt. Reflexionen im Anschluß an Zygmunt Bauman und
Wolfgang Sofsky“
(iii) Es gilt zu untersuchen, ob - und wenn, wie weit - die Codierungen von Gewalt
(iv) Bei der Untersuchung der Codierung von Gewalt interessieren Mechanismen
(v) Außerdem müssen die Besonderheiten literarischer Codierung beachtet und untersucht werden.
1.2.1 Kriterien zur Analyse von Gewalt in einem literarischen Text:
Bestimmung und Kategorisierung
Zunächst ein Wort zum Wort ’Gewalt‘: Systematisch gesehen bezeichnet Gewalt die Verletzung der Integrität eines Individuums, und zwar aus der Sicht des Täters. Für das Opfer besteht Gewalt nur als die Erfahrung von potentieller oder faktischer Verletzung. Dies kann auf geistiger (psychologischer, emotionaler, etc.), sozialer (Drohung, Beschränkung von Handlungsalternativen, Isolation, Stigmatisierung, Ausstoß, etc.) und physischer Ebene (Fixierung, Verletzung, Tötung, etc.) geschehen. Dabei fasse ich all diese Spielarten von Gewalt als Verletzungen 5 des ’Körpers‘ auf, ich verstehe also hier das Individuum als eine Totalität aus physischer, psychischer und sozialer Erscheinung. Schon hier wird augenfällig, daß beinahe jegliche soziale Interaktion auf Formen der Gewaltanwendung beruht.
5 Genau im Dualismus der Perspektiven von ’Gewalt‘ und ’Verletzung‘, der in dieser Formulierung zu
Ausdruck kommt, möchte ich die Untersuchungen verankern.
Arbeit zitieren:
Michael Obenaus, 1999, Codierungen und Logiken von Gewalt im Nibelungenlied, München, GRIN Verlag GmbH
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