Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 1
2. Was sind Faktionen? 2
3. Faktionalismus in Japan. 5
3.1 Faktionalismus in Japans Parteien 5
3.2 Ursachen und Entwicklung des Faktionalismus in japanischen Parteien. 6
3.3 Strukturen und Funktionen von Faktionen in japanischen Parteien 7
4. Faktionalismus in Südkorea 9
4.1 Faktionalismus in Südkoreas Parteien 9
4.2 Ursachen und Entwicklung des Faktionalismus in südkoreanischen Parteien im
Vergleich mit Japan. 10
4.3 Strukturen und Funktionen von Faktionen in südkoreanischen Parteien im
Vergleich mit Japan. 10
5. Fazit. 12
6. Literatur 14
7. Erklärung Fehler Textmarke nicht definiert
1. Einleitung
Hier im Orient haben wir die Konzeption einer Faktion ..., nicht die einer öffentlichen Partei. Eine politische Partei ist eine Vereinigung von Menschen, deren ausschließliches Ziel die Diskussion öffentlicher Staatsangelegenheiten und die Durchsetzung ihrer Absichten hierzu ist. Wenn jedoch öffentliche Parteien in den Orient verpflanzt werden, nehmen sie sogleich die Natur von Faktionen an, die private und persönliche anstelle von Staatsinteressen verfolgen ... [D]ie Sitten und Gebräuche der Feudalzeit sind hier so tief in den Geist der Menschen eingeprägt, dass sogar die Idee politischer Parteien, sobald sie in die Gehirne unserer Landsleute eindringt, entlang feudaler Konzeptionen keimt und wächst. Angesichts dessen sind politische Parteien ... in Wirklichkeit Angelegenheiten persönlicher Beziehungen und Gefühle; die Bindung zwischen dem Führer und den Mitgliedern einer Partei ähneln denen, die zwischen einem Feudalherren und seinen Versallen existierten [...]. Yukio Ozaki (1918: 93), zitiert in Köllner (2001: 1)
Politische Parteien h aben eine zentrale Bedeutung für das Funktionieren von demokratischen Systemen, ihre Strukturen und Prozesse sowie die Faktoren, welche diese beeinflussen, sind Gegenstand vielfältiger sozial- und politikwissenschaftlicher Forschungen. Zu ihren Untersuchungsfeldern gehört die fast unüberschaubare Vielfalt parteilicher Organisationsformen im Kontext mit den damit verbundenen Varianten der Wahrnehmung gesellschaftlicher und staatlicher Aufgaben. In organisatorischer Hinsicht können Parteien beispielsweise eine hierarchische oder bürokratische Form aufweisen, sie können als bloße Dachorganisationen für einzelne Kandidaten fungieren, als Zusammenschlüsse verschiedener Gruppen aufgebaut sein oder sich irgendwo zw ischen diesen Extremen lokalisieren (vgl. Morgenstern 2001: 235). Es gibt keine universell gültige, zwingend notwendige oder auch nur ideale Organisationsform politischer Parteien. Dabei weisen Parteien - wie alle Organisationen - neben ihren formalen organisatorischen Strukturen auch informelle Beziehungssysteme, Verfahrensweisen und Normen auf, die verschieden stark institutionalisiert sein können (vgl. Köllner 2004: 1). Bei Parteien handelt es sich in der Regel - oft entgegen dem äußeren Anscheinnicht um homogene, einem einheitlichen Willen folgende u nd zielwissende Organisationen, sondern um Koalitionen politischer Akteure, die im Rahmen der Organisation meist unterschiedliche Interessen und Ziele verfolgen und ihre Koalitionen auf den Austausch politischer Ressourcen stützen. Die innerparteiliche Politik ist daher, wie die Politik im Allgemeinen, von Konflikten zwischen mehr oder weniger unabhängigen Gruppen innerhalb der Partei gekennzeichnet. Die Aktivitäten solcher innerparteilicher Gruppierungen, so genannter Faktionen, können nicht nur Wandlungsprozesse in Parteien beeinflussen, sondern auch „für die Stabilität von Parteien und Parteisystemen sowie letztlich die demokratische Qualität der Parteipolitik von Ausschlag gebender Bedeutung sein“ (ebd.: 2).
1
Besonders ausgeprägt ist der innerparteiliche Faktionalismus in den Demokratien Ostasiens (vgl. Köllner 2001: 5). Die japanische Liberaldemokratischen Partei (LDP) gilt als Extrembeispiel einer faktionalisierten Partei (vgl. Ebd: 11). Daher liegt es nahe, bei einer Betrachtung des Phänomens innerparteilicher Faktionen den Blick hierher zu wenden. Aus diesem Grund soll in der vorliegenden Arbeit das schon länger bestehende demokratische Parteiensystem Japans mit dem benachbarten, relativ jungen System Südkoreas in Hinblick auf die innerparteileichen Faktionen verglichen werden. Die Forschungsfrage lautet dabei: Wie unterscheiden sich die innerparteilichen Faktionen in Japan und Südkorea? Das zweite Kapitel dient zur Erläuterung des Begriffs „Faktion“ und stellt verschiedene Charakteristika von Faktionen kurz dar. Zudem wird das Kontinuum der faktionalen Organisation einer Partei von Morgenstern (2001) vorgestellt. Das dritte Kapitel widmet sich dem Faktionalismus in japanischen Parteien, wobei auf die Strukturen, Funktionen und Ursachen sowie die Entwicklung der innerparteilichen Gruppierungen eingegangen wird. Im vierten Kapitel wird der innerparteiliche Faktionalismus in Südkorea behandelt und mit dem japanischen verglichen. Das fünfte Kapitel dient als Fazit der Zusammenfassung der geleisteten Arbeit und der Beantwortung der eingangs gestellten Forschungsfrage. Dazu werden die japanischen und südkoreanischen Parteien grob anhand des Kontinuums von Morgenstern in Hinblick auf den innerparteilichen Faktionalismus klassifiziert.
2. Was sind Faktionen?
Faktionen sind in besonderer Weise ausgeprägte informelle Institutionen bzw. Beziehungssys teme in politischen Parteien, eine herausragende Bedeutung haben sie in den politischen Systemen der Regionen des Mittelmeerraums, des postkommunistischen Osteuropas und Ostasiens, wo sie als organisatorische Basiselemente den politischen Prozess dominieren (vgl. Köllner 2004: 3). Der Terminus „Faktion“ darf nicht - wie dies oftmals im allgemeinen oder journalistischen Sprachgebrauch vorkommt - mit dem ähnlich klingenden Be griff „Fraktion“ verwechselt werden. Eine Fraktion im politischen Kontext ist eine zumeist durch offizielle Bestimmungen näher definierte Verhandlungsgruppe im Parlament. Im U nterschied dazu existieren für Faktionen normalerweise keine solchen schriftlich fixierten und offiziell anerkannten Grundlagen, z. B. in Art einer Satzung (vgl. ebd.: 4).
2
In Bezug auf politische Parteien und Faktionen bestehen allgemein zwei wesentliche Sichtweisen:
Aus modernisierungstheoretischer Perspektive gelten Faktionen als charakteristisch für die frühen Stufen des Modernisierungsprozesses: In dieser Phase haben Individuen und Gruppen mit den traditionellen Mustern politischen Verhaltens gebrochen, aber die politische Partizipation ist noch nicht weit entwickelt und die Verteilung politischer Macht ist noch nicht umfassend institutionalisiert. Faktionen werden hier als Ausbildungen der Parteiorganisation aufgefasst, die der Entstehung entwickelter „moderner“ Parteien vorangeht (vgl. Chambers 1963; Huntington 1968: 412-415; Köllner 2004: 5). 1
Im Folgenden soll aber mit der Definition von Beller und Belloni (1978) gearbeitet werden. Die beiden Politikwissenschaftler definieren Faktionen als
„jede relativ organisierte Gruppe, die im Kontext einer anderen Gruppe existiert und welche (als eine politische Faktion) mit ihren Rivalen im Wettstreit um Machtvorteile innerhalb der größeren Gruppe steht, von der sie ein Teil ist“ (Beller und Belloni 1978: 419, zitiert und übersetzt in Köllner 2004: 7; Hervorhebung im Original).
Aus dieser Perspektive kann Faktionalismus in politischen Parteien als Form der Konfliktorganisation aufgefasst werden, welche die Tendenz der innerparteilichen Akteure widerspiegelt, kollektiv zu handeln, um gemeinsame Ziele zu erreichen (vgl. Köllner 2004: 7). D iese können verschiedener Art sein, beispielsweise eine bestimmte Ideologie, politische Inhalte, das Streben nach bestimmten Posten oder materielle Vorteile. Beller und Belloni (1978) begreifen Faktionen als übergreifende Kategorie verschieden strukturierter innerparteilicher Gruppen. Diese differenzieren sie auf Basis der jeweiligen organisatorischen Charakteristika und unterscheiden konkret drei „modale Faktionstypen“:
1. faktionale Cliquen und Strömungen, deren Mitglieder zwar ge meinsame Interessen inhaltlicher, ideologischer, persönlicher, m aterieller oder anderer Art teilen, diese Interessen aber nicht oder kaum in organisierter Form verfolgen. Zwar können einzelne Persönlichkeiten in derartigen Gruppierungen eine herausragende Rolle spielen, doch diese basiert eher auf Charisma als auf klientelistischen Beziehungen. Oft werden Mitglieder einer Partei auch von außen - etwa durch die Medien - solchen Strömungen zugewiesen und so ettiketiert. In der Literatur werden
1 Im 18. Jahrhundert wurden die Termini Partei und Faktion noch weitestgehend synonym verwendet (vgl. Köllner 2004: 5).
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Arbeit zitieren:
Paul Eschenhagen, 2004, Faktionen in politischen Parteien Japans und Südkoreas - Charakteristika, Funktionen und Ursachen innerparteilicher Gruppen, München, GRIN Verlag GmbH
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