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Faktionen in politischen Parteien Japans und Südkoreas - Charakteristika, Funktionen und Ursachen innerparteilicher Gruppen

Title: Faktionen in politischen Parteien Japans und Südkoreas - Charakteristika, Funktionen und Ursachen innerparteilicher Gruppen

Term Paper , 2004 , 17 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Paul Eschenhagen (Author)

Politics - Region: Far East
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Summary Excerpt Details

Hier im Orient haben wir die Konzeption einer Faktion ..., nicht die einer öffentlichen Partei. Eine politische Partei ist eine Vereinigung von Menschen, deren ausschließliches Ziel die Diskussion öffentlicher Staatsangelegenheiten und die Durchsetzung ihrer Absichten hierzu ist. Wenn jedoch öffentliche Parteien in den Orient verpflanzt werden, nehmen sie sogleich die Natur von Faktionen an, die private und persönliche anstelle von Staatsinteressen verfolgen ... [D]ie Sitten und Gebräuche der Feudalzeit sind hier so tief in den Geist der Menschen eingeprägt, dass sogar die Idee politischer Parteien, sobald sie in die Gehirne unserer Landsleute eindringt, entlang feudaler Konzeptionen keimt und wächst. Angesichts dessen sind politische Parteien ... in Wirklichkeit Angelegenheiten persönlicher Beziehungen und Gefühle; die Bindung zwischen dem Führer und den Mitgliedern einer Partei ähneln denen, die zwischen einem Feudalherren und seinen Versallen existierten [...].
Yukio Ozaki (1918: 93), zitiert in Köllner (2001: 1)

Politische Parteien haben eine zentrale Bedeutung für das Funktionieren von demokratischen Systemen, ihre Strukturen und Prozesse sowie die Faktoren, welche diese beeinflussen, sind Gegenstand vielfältiger sozial- und politikwissenschaftlicher Forschungen. Zu ihren Untersuchungsfeldern gehört die fast unüberschaubare Vielfalt parteilicher Organisationsformen im Kontext mit den damit verbundenen Varianten der Wahrnehmung gesellschaftlicher und staatlicher Aufgaben. In organisatorischer Hinsicht können Parteien beispielsweise eine hierarchische oder bürokratische Form aufweisen, sie können als bloße Dachorganisationen für einzelne Kandidaten fungieren, als Zusammenschlüsse verschiedener Gruppen aufgebaut sein oder sich irgendwo zwischen diesen Extremen lokalisieren (vgl. Morgenstern 2001: 235). Es gibt keine universell gültige, zwingend notwendige oder auch nur ideale Organisationsform politischer Parteien. Dabei weisen Parteien – wie alle Organisationen – neben ihren formalen organisatorischen Strukturen auch informelle Beziehungssysteme, Verfahrensweisen und Normen auf, die verschieden stark institutionalisiert sein können (vgl. Köllner 2004: 1).

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was sind Faktionen?

3. Faktionalismus in Japan

3.1 Faktionalismus in Japans Parteien

3.2 Ursachen und Entwicklung des Faktionalismus in japanischen Parteien

3.3 Strukturen und Funktionen von Faktionen in japanischen Parteien

4. Faktionalismus in Südkorea

4.1 Faktionalismus in Südkoreas Parteien

4.2 Ursachen und Entwicklung des Faktionalismus in südkoreanischen Parteien im Vergleich mit Japan

4.3 Strukturen und Funktionen von Faktionen in südkoreanischen Parteien im Vergleich mit Japan

5. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht vergleichend das Phänomen innerparteilicher Faktionen in den politischen Systemen Japans und Südkoreas, um deren Charakteristika, Funktionen und Ursachen zu analysieren und zu differenzieren.

  • Vergleich des innerparteilichen Faktionalismus zwischen Japan und Südkorea
  • Analyse organisatorischer Strukturen von Faktionen
  • Untersuchung soziokultureller und systemischer Ursachen für Faktionen
  • Klassifizierung der Parteiorganisationen anhand des Kontinuums von Morgenstern

Auszug aus dem Buch

3.3 Strukturen und Funktionen von Faktionen in japanischen Parteien

Die Faktionen in japanischen Parteien, vor allem in der LDP, haben sich von den eher simplen und stark personalisierten Patron-Klient-Strukturen der 50er und 60er Jahre zu kollegialer geprägten, zugleich stark bürokratisierten Gremien entwickelt. Sie wandelten sich so von den informellen Machtgruppen, die einzelne Politiker um sich geschart hatten, immer mehr zu „Parteien in der Partei“ (Pohl 1999: S. 294) mit einer eigenen Hierarchie, eigenen Hauptquartieren und eigenen Verwaltung. Ein programmatisches oder ideologisches Profil der einzelnen Faktionen ist, vor allem in der LDP, allerdings kaum auszumachen. Ihr Wirkungsbereich bleibt dabei auf die zentrale Ebene der Partei beschränkt, im Parlament manifestiert sich der Faktionalismus nicht formal, gleichwohl geben alle wichtigen Parlamentsnachschlagewerke die Faktionszugehörigkeit der Abgeordneten an (vgl. Köllner 2001: 16). Auch auf lokaler Ebene der Parteien gibt es in Japan keine eigenständigen Faktionen.

Faktionen in japanischen Parteien – vor allem in der LDP – helfen in erster Linie, Personalentscheidungen zu strukturieren. So erfüllen sie – mit Ausnahme der Faktionen in der SPJ/SDP, deren Auseinandersetzungen auf ideologischen Konflikten basieren – primär klassische Patronagefunktionen. Die Führung einer Faktion bedeutet für ambitionierte Parteimitglieder mehr Macht und Gewicht in der Partei und vergrößert ihre Chancen auf ein hohes Partei- oder Regierungsamt. Im Gegenzug erwarten die Mitglieder einer Faktion von ihrem Führer Förderung ihrer politischen Karriere (Nominierungen als Kandidaten, Regierungs- und Parteiposten) und finanzielle Unterstützung. Denn anders als in politischen Systemen mit einem autonomeren Staatspräsidenten – wie etwa Südkorea – oder mit weniger stark faktionalisierten Regierungsparteien ist in Japan auch die Vergabe der zentralen Partei- und Kabinettsposten hauptsächlich Sache der LDP-Faktionen, wobei vor allem auch die Seniorität der Abgeordneten eine wichtige Rolle spielt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Faktionen sowie Darlegung der Forschungsfrage und des methodischen Vorgehens.

2. Was sind Faktionen?: Definition und theoretische Einordnung von Faktionen im Kontext politischer Parteien sowie Vorstellung des Organisationskontinuums.

3. Faktionalismus in Japan: Analyse der Entstehung, Entwicklung, Struktur und Funktion innerparteilicher Gruppen im japanischen Kontext.

4. Faktionalismus in Südkorea: Darstellung und vergleichende Analyse des Faktionalismus in den südkoreanischen Parteien unter Berücksichtigung der politischen Rahmenbedingungen.

5. Fazit: Zusammenführende Betrachtung der Ergebnisse und Vergleich der Faktionalisierungsgrade zwischen Japan und Südkorea.

Schlüsselwörter

Faktionen, Faktionalismus, Japan, Südkorea, politische Parteien, innerparteiliche Gruppen, LDP, Patron-Klient-Beziehungen, Parteiorganisation, Institutionalisierung, politisches System, Machtverteilung, Demokratie, Regierungsamt, Parteifinanzierung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert das Phänomen des innerparteilichen Faktionalismus, also die Bildung informeller Gruppierungen innerhalb politischer Parteien, in den Ländern Japan und Südkorea.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die Charakteristika, Funktionen und Ursachen für die Entstehung solcher Faktionen sowie deren Einfluss auf die Parteistabilität und den politischen Prozess.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?

Ziel ist es, die Unterschiede in der Ausprägung, Organisation und Dynamik innerparteilicher Faktionen zwischen dem etablierten System Japans und dem jüngeren System Südkoreas zu bestimmen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um einen komparativen politikwissenschaftlichen Vergleich, der theoretische Modelle, insbesondere das Kontinuum der faktionalen Organisation von Morgenstern, auf die empirischen Gegebenheiten beider Länder anwendet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Betrachtung der japanischen Faktionen, eine Analyse der südkoreanischen Situation sowie einen direkten Vergleich von Ursachen und Strukturen beider Länder.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wesentlichen Begriffe sind Faktionalismus, politische Parteien, Japan, Südkorea, Institutionalisierung und Patron-Klient-Beziehungen.

Warum wird Japan oft als Extrembeispiel genannt?

Die japanische Liberaldemokratische Partei (LDP) weist eine besonders tief verwurzelte Doppelstruktur aus formellen Parteistrukturen und informellen, hochgradig organisierten Faktionen auf, die maßgeblich die politische Karriere und Amtsvergabe steuern.

Wie unterscheiden sich japanische und südkoreanische Faktionen hauptsächlich?

Der Hauptunterschied liegt im Grad der Institutionalisierung: Japanische Faktionen sind stark institutionalisiert und bürokratisiert, während südkoreanische Faktionen deutlich fluider, stärker personalisiert und von asymmetrischen Machtbeziehungen geprägt sind.

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Details

Title
Faktionen in politischen Parteien Japans und Südkoreas - Charakteristika, Funktionen und Ursachen innerparteilicher Gruppen
College
Johannes Gutenberg University Mainz  (Institut für Politikwissenschaft)
Course
Analyse und Vergleich politischer Systeme
Grade
1,0
Author
Paul Eschenhagen (Author)
Publication Year
2004
Pages
17
Catalog Number
V23612
ISBN (eBook)
9783638267021
ISBN (Book)
9783656379256
Language
German
Tags
Faktionen Parteien Japans Südkoreas Charakteristika Funktionen Ursachen Gruppen Analyse Vergleich Systeme
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Paul Eschenhagen (Author), 2004, Faktionen in politischen Parteien Japans und Südkoreas - Charakteristika, Funktionen und Ursachen innerparteilicher Gruppen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/23612
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