Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Medialisierung der Gesellschaft. 2
2.1 Theoretische Grundlagen - Medialisierung als Konzept 2
2.1.1 Medialisierung und die Mediengesellschaft. 2
2.1.2 Interpenetrationsansatz und Handlungssystem 3
2.2 Medialisierung der Politik. 5
2.2.1 Das politische Kommunikationssystem 5
2.2.2 Politische Kommunikationskultur. 6
2.2.3 Medialisierung der Politik in Deutschland. 8
2.3 Metaberichterstattung als Konsequenz der Medialisierung 9
3. Medien und Terrorismus 10
3.1 Einführung. 10
3.1.1 Terrorismus - eine Definition 10
3.1.2 Internationaler Terrorismus - medialisierter Terrorismus 12
3.2 Theater des Terrors - Beispiele für medialisierten Terrorismus. 13
3.2.1 Bombenanschlag auf das King-David-Hotel in Jerusalem, 1946 13
3.2.2 TWA Flug 847 - Medienspektakel Flugzeugentführung, 1985. 13
3.2.3 Der 11. September 2001 - Katastrophe in Echtzeit 15
3.3 Terrorvision - Warum Terroristen Medien brauchen 17
4. Fazit. 21
4.1 Medialisierung und politische Kommunikationskultur. 21
4.2 Terrorismus im Licht von Globalisierung und Medialisierung. 23
5. Literatur. 24
Karikatur auf Titelseite „You are either with us or against us “ Aus: message, 1/2002, 112
1. Einleitung
Das Konzept der Medialisierung 1 beschreibt allgemein die zunehmende Bedeutungssteigerung der Massenmedien, vor allem für die politische Kommunikation. Dabei ist zu untersuchen, ob - und wenn, wie weit - die Medien mit ihrer systemeigenen Logik der Selektion, Produktion und Publikation von Themen, Meinungen und Einstellungen mittlerweile den Prozess der politischen Kommunikation bestimmen, wie es zum Beispiel Meyer (2001, 2002) auch für die Bundesrepublik Deutschland beobachtet. Oder ob nicht eher doch die Politik - und die politische Öffentlichkeitsarbeit - die Kontrolle über die publizierten Inhalte besitzt und die Medien für ihre Zwecke instrumentalisiert. Mit dieser Frage der politischen Kommunikation beschäftigt sich das zweite Kapitel, in dem nach den Grundlagen des Konzepts der Medialisierung ein Vorschlag der Verbindung von System- und Akteurstheorie vorgestellt wird, der vor allem auf Jarren & Donges (2002a, b) zurückgeht und die empirische Untersuchung der Beziehungen zwischen sozialen Systemen ermöglicht . Das zweite Unterkapitel befasst sich zunächst mit dem Konzept der politischen Kommunikationskultur, mit dem die Interaktionen und Einstellungen im etablierten Handlungssystem der politischen Kommunikation beschrieben und untersucht werden können, um dieses dann am Beispiel der Medialisierung des politischen Systems in der Bundesrepublik Deutschland zu konkretisieren. Dabei zeigt sich, wie anschließend dargestellt werden soll, dass die zunehmende Medialisierung zu einem Rückkoppelungseffekt bei den Medien selbst führt: der „Metaberichterstattung“, d.h. der Berichterstattung über das eigene Metier Journalismus und Öffentlichkeitsarbeit.
Im dritten Kapitel soll das Konzept der Medialisierung anhand einer Fallstudie zum Phänomen des internationalen Terrorismus konkretisiert werden. Die Hypothese dabei lautet, dass der internationale Terrorismus fundamental auf auf das Zusammenspiel mit
1 Der ebenfalls oft benutzte Terminus „Mediatisierung“ (engl. „mediation“) wird hier nicht verwendet, da er in dreifacher Hinsicht missverstanden werden kann. Erstens bezeichnet er die Aufhebung der Reichsunmittelbarkeit eines weltlichen Reichsstandes durch den Reichsdeputationsausschuss und dessen territoriales Aufgehen in einem anderen Reichsstand des Heiligen Römischen Reiches zu Beginn des 19. Jhd. und ist somit schon belegt (hier irrt Schulz (2003, S. 465), da er von der „Herstellung der Reichsunmittelbarkeit“ spricht). Zweitens besteht die Gefahr der Verwechslung mit dem phonetisch ähnlichen Begriff „Mediation“, d.h. die Konfliktlösung durch Einschalten einer neutralen Instanz. Drittens wird der Begriff in der Systemtheorie bei der Modellierung demokratischer Prozesse zur Unterscheidung von Vermittlungssystemen verwendet, zu denen Parteien, Interessengruppen und vielfach auch die Massenmedien gezählt werden. (vgl. Schulz 2003, S. 465).
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der internationalen Medienöffentlichkeit angewiesen ist, weil er durch sie seine eigentliche Wirkung entfaltet. Terroristen legen planen die Anschläge so, dass sie möglichst gut der Medienlogik entsprechen, um die vorhandene Medienagenda zu überlagern und andere Medienereignisse zu überschatten.
Im ersten Unterkapitel wird der Begriff „Terrorismus“ näher definiert; der internationale Terrorismus erscheint als dessen besonders medialisierte Form.. Kapitel 3.2 stellt einige ausgewählte, Beispiele für internationalen Terrorismus vor und fokussiert sich dabei auf Medienberichterstattung und die Interaktionen - soweit diese möglich warenvon Terroristen und Journalisten. In Kapitel 3.3 wird versucht, auf der Grundlage der gewonnenen Erkenntnisse den Terrorismus in die System- bzw. Handlungstheorie ein-zuordnen. Dabei wird konzentriert sich die Arbeit wiederum auf die Beziehungen zwischen den Massenmedien und dem internationalem Terrorismus. Das letzte Kapitel fasst die Resultate zusammen und wagt einen Ausblick auf mögliche weitere Forschungen.
2. Medialisierung der Gesellschaft
2.1 Theoretische Grundlagen - Medialisierung als Konzept
2.1.1 Medialisierung und die Mediengesellschaft
Medialisierung bezeichnet ganz allgemein den generellen Bedeutungszuwachs der Massenmedien: Die Zahl der Medien hat sich stark erhöht, ihre Inhalte haben sich erweitert, ihre Angebotsformen vervielfältigt. Neue Medienformen (z.B. Zielgruppenzeitschriften, Spartenkanäle oder die Internetmedien) konnten sich neben den herkömmlichen Massenmedien etablieren und die Geschwindigkeit, mit der Informationen übertragen und vermittelt werden können, hat rasant zugenommen. Alle gesellschaftlichen Bereiche werden immer stärker und engmaschiger von den Medien durchdrungen und die Akteure 2 der gesellschaftlichen Teilsysteme müssen mit einer ständigen Medienaufmerksamkeit und -berichterstattung rechnen. Die Medien erlangen zudem aufgrund ihrer hohen Beachtungs- und Nutzungswerte wiederum zusätzliche gesamtgesellschaftliche Aufmerksamkeit und Bedeutung. Aufgrund dieser Strukturveränderungen im Verhältnis von Medien und Gesellschaft kann von der Ausbildung einer „Mediengesellschaft“ gesprochen werden (vgl. Jarren & Donges 2002a, S. 30-31).
2 Akteure sind Personen oder Personengruppen, die nicht vorrangig individuell und privat handeln, sondern stellvertretend, zumeist im Auftrag von sozialen Gruppen, einzelnen Organisationen oder für ganze Organisationseinheiten handeln (vgl. Jarren & Donges 2002a, S. 61).
2
Medialisierung bedeutet also weiter, dass die von den Massenmedien berichteten Inhalte in der Mediengesellschaft zunehmend von der Medienlogik geprägt, d.h. nach medienspezifischen Selektionsregeln und Darstellungsformen von vornherein ausgerichtet werden. Die Konsequenz dieser Entwicklung zeigt sich in einer wachsenden Prägung der sozialen Wirklichkeit durch die Massenmedien (vgl. Schulz 2003, S. 465; Jarren & Donges 2002a, S. 31; Kepplinger 1998, S. 173). Laut Kepplinger (1990, S. 46ff.) werden Themen und Ereignisse in der Politikberichterstattung bereits im Vorfeld der Berichterstattung medialisiert, d.h. in Hinsicht auf die Medienlogik ausgewählt. Diese Auswahl wird vor allem an Hand von Nachrichtenwertfaktoren getroffen, wie Bedeutsamkeit, Eindeutigkeit, Überraschung, Elitenbezug, Personalisierung, Nähe, Dauer, Konflikt, Schaden, Skandalisierung oder Negativismus.
Dadurch entsteht ein rückgekoppeltes und eigendynamisches System, in dem die Berichterstattung über bereits medialisierte Ereignisse - und damit die Selbstreferenzialität des Systems - zunimmt. Diesen Prozess stellen Altheide & Snow (1991) auch außerhalb der Politik fest.
2.1.2 Interpenetrationsansatz und Handlungssystem
Das eigendynamische, selbstreferenzielle Kommunikationssystem zwischen den Medien und anderen gesellschaftlichen Teilsystemen lässt sich durch eine Verschränkung von System- und Akteurstheorie genauer erfassen. 3 Nach dem Interpenetrationsansatz von Richard Münch kommt es bei Wechselwirkungen zweier Systeme auf Systemebene zu Überlappungen, so genannten Interpenetrationszonen, die von einer starken Durchdringung der Logiken beider Systeme gekennzeichnet sind. Um die Intersystembeziehungen zu ermöglichen, bilden sich Subsysteme aus, die außer der Logik ihres Muttersystems auch die Logik der anderen Systeme in sich aufnehmen (vgl. Münch 1991, S. 341f.; Jarren & Donges 2002a, S. 58ff.; 2002b, S. 133ff.). Als Subsystem kann beispielsweise die PR (oder besser „Publicity“, da dieser Begriff auch die Nicht-PR-Akteure einschließt, die sich als Selbstdarsteller präsentieren) aufgefasst werden, die im Auftrag des Muttersystems eine Verbindung mit dem, für das Muttersystem relevanten Journalismus - also einem Subsystem des Mediensystems - eingeht (Schaubild 1). Diese theoretische Verlagerung der Beziehungen zwischen zwei Systemen auf das Handlungssystem macht vor allem empirisch Sinn, da so die wechselseitige Durchdringung der verschiedenen Systemlogiken auch auf der Mikroebene - also in Hinsicht auf Themen und Akteure - untersucht werden kann.
3 Die Grundlage für die Verbindung von system- und akteurstheoretischen Erklärungsansätzen, der auch die vorliegende Arbeit folgt, haben Otfried Jarren und Patrik Donges (2002a, 2002b) ausgearbeitet.
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Die Akteure, welche aus den Subsystemen heraus agieren, sind zwar durch die Logik ihres Muttersystems geprägt, aber nicht vollständig determiniert. Sie sind auch in der Lage, die Logik des korrespondieren Systems zu antizipieren (vgl. Esser 2003b; Jarren & Donges 2002b, S. 135). Durch die ständigen Interaktionen und Austauschprozesse der Akteure beider Systeme institutionalisiert sich mit zunehmender Dauer ein (empirisch beobachtbares) gemeinsames Handlungssystem 4 , welches aus formalen (z.B. Pressekonferenzen und Pressemitteilungen) und informellen (z.B. Hintergrundgespräche und Gesprächszirkel) Formen der Interaktion besteht. In diesem Handlungssystem durchdringen sich die Logiken beider Systeme wechselseitig. In Hinsicht auf Handlungssysteme zwischen sozialen Systemen und dem Mediensystem kommt es zu einer „Produktionsgemeinschaft“ von Themen und Medieninhalten, die im Regelfall von den Akteuren beider Systeme im gegenseitigen Austausch erarbeitet werden (vgl. Jarren & Donges 2002b). Pfetsch (2003) spricht in Hinblick auf das politische System von einer „Kommunikationskultur“, die sich beispielsweise im Zusammenspiel von politischen und journalistischen Akteuren etabliert.
Schaubild 1: Interpenetration zwischen Mediensystem und anderen Teilsystemen der Gesellschaft
4 Handlungssysteme sind hochflexible, jedoch stabile Formen von Organisationen, die strukturbildend wirken, weil in ihnen norm- und regelgeleitet interagiert wird. Sie gewinnen dadurch ein gewisses Maß an Eigensinn bzw. Autonomie. Handlungssysteme vermitteln zwischen der Mikro- und der Meso-Ebene (Rolleninhaber - Organisation) und stellen zugleich auf der Makroebene auch den funktionalen Bezug zwischen zwei Systemen her. (vgl. Jarren & Donges 2002b, S. 147, S. 158).
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Medialisierung kann nun als das „Maß“ angesehen werden, inwieweit dieses Handlungssystem von der Medienlogik im Verhältnis zur Logik des anderen Systems (z.B. Politik, Wirtschaft, Wissenschaft) bestimmt ist und inwieweit das Subsystem Publicity in seinem Muttersystem an Bedeutung gewinnt, beispielsweise indem das Muttersystem gezwungen ist, Presse-/PR-Stellen auszubauen oder Publicity- und Medienresonanzüberlegungen in seine Entscheidungsprozesse strategisch einfließen zu lassen. Ein hoher Medialisierungsgrad bedeutet damit zum einen eine von der Medienlogik geprägte Interaktionskultur im Handlungssystem und zum anderen ein stetiges „Aufrüsten“ des Subsystems Publicity im interagierenden System (vgl. Esser 2002b).
2.2 Medialisierung der Politik
2.2.1 Das politische Kommunikationssystem
Die Subsysteme der politischen Kommunikation sind einerseits die politische Publicity (Politiker, politische PR, Werbe- und Kommunikationsberater) und andererseits der politische Journalismus (Reporter, Moderatoren, Korrespondenten). Diese formen das politische Kommunikationssystem (vgl. Pfetsch 2003a, S. 399). Die Akteure beider Subsysteme verfolgen bei ihren wechselseitigen Interaktionen in diesem Handlungssystem jeweils bestimmte Interessen und sind zunächst der Logik ihres Muttersystems verpflichtet.
Politiker sind generell am Erwerb und Erhalt von Macht interessiert, für ihre Organisation und/oder für sich selbst. Zudem sind Politiker als Teil des politischen Systems an der Herstellung und Vermittlung allgemein verbindlicher Entscheidungen beteiligt. Um dieses Ziel zu erreichen sind die Politiker auf die Massenmedien zur Vermittlung und Legitimation angewiesen - sowohl nach außen (Wahlbürger) wie auch zunehmend nach innen (Parteibasis). Da auch zum Erhalt von Macht innerhalb der Organisation öffentlichkeitswirksame Aspekte ausschlaggebend sind, bemühen sich Politiker um Publicity für sich und ihre Themen mit der Folge, dass sie ihre Botschaften und ihr Verhalten der Medienlogik anpassen (vgl. Jarren & Donges 2002b, S. 163ff.). Akteure der politischen PR sind dagegen nicht von vornherein und unmittelbar am Erwerb und Erhalt politischer Macht interessiert. Ihre berufliche Karriere ist aber oft eng mit der eines politischen Amts- oder Mandatsträgers verbunden, so dass sie an dessen Erfolg partizipieren. Sie sind mit der Logik des Mediensystems und den Beobachtungs- und Selektionsregeln der Journalisten vertraut, oft handelt es sich um ehemalige Journalisten. Diese Vertrautheit mit dem Mediensystem macht den Wert der PR-Experten für den Politiker aus, da die Medienberichterstattung für ihn und seine Organi-
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Arbeit zitieren:
Paul Eschenhagen, 2003, Medialisierung der Gesellschaft - Fallstudie Medien und Terrorismus, München, GRIN Verlag GmbH
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