Streetball als jugendkulturelles Phänomen
M Ma a ai i in n nz z z, , , 1 1 1. M M Mä ä är r rz z z 2 2 20 0 00 0 04 4
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Inhalt Seite
1 Einleitung 2
2 Jugendliche, Sport, Grundeinstellung 3
2.1 Jugend 3
2.2 Jugendkultur 4
2.3 Jugendliches Verhältnis zum Sport 5
2.4 Jugendliche Stellungnahme zur Globalisierung 5
3 Die Geschichte des Basketballs 6
3.1 Der Beginn in den .US.A. 6
3.2 Basketball und Streetball kommen nach Deutschland 8
3.3 Verlauf des Basket- und Streetballbooms 10
3.4 Die Streetballplätze 11
4 Die NBA 12
4.1 Die Geschichte der NBA 12
4.2 Der NBA-Profi-Mythos 14
5 Verbindung von Streetball und Jugendkultur 17
5.1 Streetball in Peergroups 17
5.2 Aussehen, Sprache, Verhalten 18
5.2.1 Jugendliches Körperbild 18
5.2.2 trash-talk 19
5.2.3 Respekt auf dem Court 20
5.2.4 Streetball ist maskulin 20
5.3 Das Streetballspiel selbst 22
5.4 Marketingprodukt oder echte Jugendkultur 22
6 Fazit 23
7 Literaturverzeichnis 25
1
Streetball als jugendkulturelles Phänomen
1 Einleitung
Die Jugendforschung (vgl. BERNFELD/HERRMANN, 1994) stellte bereits Mitte der 80er Jahre fest, dass jugendliche (Sub-) Kulturen immer rascher entstehen und sich verändern. Erst seit wenigen Jahren scheint man erkannt zu haben, wie bedeutungsvoll innerhalb von Jugendkulturen das Thema Sport neben dem Konsumverhalten von Musik und Kleidung ist (vgl. BRINCKHOFF, 1992). 1 Nicht nur der jugendliche Alltag, sondern auch das Sportsystem befindet sich derzeit im Umbruch (vgl. z.B. BALZ u. a., 1994). 2 Besonders gut entwickelt hat sich in den vergangenen zehn Jahren die deutsche Streetballszene. 3
Ich selbst habe vor elf Jahren als Jugendlicher erlebt, wie die Basketballwelle ganz Deutschland und mich zu erfassen begann. Als langjähriges Vereinsmitglied und passionierter Streetballspieler wurde ich Teil dieser Sportkultur und verbrachte mit meinen Freunden unzählige Stunden auf den Playgrounds unter freiem H immel und in den Turnhallen der Umgebung, was 2001 durch eine Knieverletzung beendet wurde. Auf Grund meines engen Bezugs zur Thematik möchte ich mit dieser Arbeit das Phänomen Streetball untersuchen.
Hiermit widme ich mich also folgender zentralen Fragestellung: Wie konnte sich die Trendsportart Streetball bei männlichen Jugendlichen in der Bundesrepublik Deutschland etablieren?
Weil die Motive für die schnelle Expansion des Streetballs in Deutschland so komplex sind, müssen einige Argumentationen in verschieden Kapiteln dieser Abhandlung mehrmals auftauchen. Dies zeigt die vielfältigen Verbindungen zwischen Basketballgeschichte und Spielerverhalten, Macht der Medien und Regelwerk, NBA-Star-Image und Konsum der Fans, Hip-Hop-Musik und Streetball-Slang.
1 BRINCKHOFF allerdings machte bereits Anfang der 90er auf die enge Verbindung von Jugend und Sport in
historischer und sozialisationstheoretischer Hinsicht aufmerksam. Die „Erfindung“ des Lebensabschnitts
Jugend korrespondiert mit der Verbreitung modernen Sports in Europa und dieser wird in die alltägliche
Lebenspraxen expandiert und ausdifferenziert (vgl. BRINCKHOFF, 1992).
2 Es ist ein stetiger Rückgang von jugendlicher Partizipation an Aktivitäten des sozio-politischen Lebens wie
ehrenamtlicher Vereinsarbeit zu verzeichnen (vgl. KOOPMANN, 1994).
Dennoch sind sogar 39% der 12-24-jährigen Mitglied in einem Sportverein (vgl. SHELL-STUDIE 1997, S.357).
Seit zunehmend mehr Sport außerhalb der Vereine und Verbände ausgeübt wird, spricht man von der
„Entsportlichung des Sports“ (vgl. HORNSTEIN, 1988 u. BRINCKHOFF/FERCHHOFF, 1990 u. BAACKE, 1993,
HURRELMANN u. a., 1994) und vom „Strukturwandel des Sports“ (vgl. BALZ u. a., 1994).
3 Streetball ist der urheberrechtlich geschützte Eventbegriff des Sportartikelherstellers Adidas. Um keine
Missverständnisse aufkommen zu lassen, mache ich darauf aufmerksam, dass ich diesen Namen für die
abgewandelte Form des Basketballspiels im Allgemeinen verwende.
Streetball als jugendkulturelles Phänomen
Vorab sind die Begriffe »Jugend« und »Jugendkultur« zu klären - ihre genauen Bedeutungen sind bereits ein erster Schritt zum Verständnis des Streetballphänomens. Des Weiteren bedarf es einer Darstellung der Geschichte des Basketballsports in den USA und den Anfängen in Deutschland. Seine unbeständige Entwicklung und die spezifischen Spielregeln (die des Streetballs sind die gleichen - lediglich vereinfacht) sind als Vorkenntnis für die spezifisch soziologische Betrachtung der Verknüpfung von Jugend und Streetball wichtig. Ebenso bedeutsam ist der regelrechte Kult, welchen die Zuschauer und besonders die Streetballfans mit ihren Lieblingsathleten der nordamerikanischen Profiliga NBA 4 treiben. Zum jugendkulturellen Streetballphänomen gehören Image, Körperkult, Sla ng und „männliches“ Verhalten. In entsprechender Kombination mit den Eigenschaften des Streetballs lässt sich erklären, weshalb sich dieser Sport so sehr als Jugendkultur eignet.
2 Jugendliche, Sport, Grundeinstellung
Zwei Begriffe möchte ich zunächst genauer erläutern, da sie erst im zwanzigsten Jahrhundert gebräuchlich wurden und oftmals verschieden interpretiert werden. Die Kenntnis darüber, was »Jugend« und »Jugendkultur« genau ausmacht, schafft die Basis für das Verständnis der Zusammenhänge zwischen den Jugendlichen und Streetball.
2.1 Jugend
Unter Jugend ist ein gesellschaftlich und historisch bestimmter Lebensabschnitt zwischen Kindheit und Erwachsenenalter zu verstehen. Die Jugendzeit ist in der abendländischen Geschichte seit der Antike als relativ eigenständige Lebensphase bekannt. Bis Ende des 19. Jahrhunderts war sie ein Privileg männlicher Heranwachsender der Oberschicht, bei allen anderen sozialen Gruppen schloss sich der Eintritt in das Erwachsenenalter mehr oder minder unmittelbar an die Kindheit an. Danach entwickelten sich die Jugendbewegungen, welche erstmals die Gleichheit der Geschlechter betonten. Durch die zahlreichen Protestbewegungen entwickelte sich die Jugend schließlich bis zu ihrem jetzigen Stand (vgl. SCHÄFER 1982, S. 41 f f.). In modernen Gesellschaften westlicher Prägung verlängert sich dieser
4 National Basketball Association
Streetball als jugendkulturelles Phänomen
Lebensabschnitt immer mehr, da der Eintritt ins Erwachsenenalter 5 immer später erfolgt (vgl. STRZYSCH, 1998).
2.2 Jugendkultur
Jugendkultur ist allgemein die zusammenfassende Bezeichnung für die Normen, Werte, Einstellungen sowie Verhaltensweisen 6 Jugendlicher, durch die sich diese von den Erwachsenen unterscheiden.
In den westlichen Industriegesellschaften hat sich von den sechziger Jahren bis zum Ende des 20. Jahrhunderts die Jugendkultur tendenziell von einer Gegenkultur, die wie die Hippie-Kultur in Opposition zur Wertewelt der Erwachsenen entstanden ist, zu einer autonomen Teilkultur der Gesellschaft entwickelt, die weitgehend unabhängig von den anderen Teilkulturen der Gesellschaft existiert: Jugendliche orientieren sich weniger an Erwachsenen als vielmehr an Gleichaltrigen. So sind in diesem Zeitraum tendenziell auch immer mehr von Jugendlichen selbst geschaffene kulturelle Elemente und Sozialformen von im kommerziellen Interesse geförderten und geschaffenen Idealen und Verhaltensweisen (Starkult, Modesportarten etc.) verdrängt worden. 7
Von einigen Soziologen 8 wird die Herausbildung einer eigenständigen Jugendkultur als Notwendigkeit im individuellen Sozialisationsprozess verstanden. Die Zugehörigkeit zu einer Jugendkultur erleichtert dem Jugendlichen in der modernen Gesellschaft den Übergang von der Geborgenheit der Familie zu der universalistischen Welt, in der er sich als Erwachsener bewegen muss. Demnach enthalten Jugendkulturen sowohl familiennahe Orientierungen als auch Werte, wie die starke Gruppenbildung in Cliquen, und Mechanismen wie z.B. Protest, die die partielle Ablösung von der Familie erleichtern (vgl. STRZYSCH, 1998 und BEIL, 2002). 9
5 ungenau dadurch bestimmt, wann eine Person in das Berufsleben eintritt oder eine eigene Familie gründet
6 Lebensentwürfe, Kommunikationsformen, Symbolbildungen, Selbstdarstellungen und Konfliktpotenziale
7 oft in Verbindung mit bestimmten Musikformen (z.B. Rap, Trip-Hop, Trash Metal, Rave, Britpop) und der
Favorisierung bestimmter Markenprodukte (insbesondere Kleidung, Handys)
8 z.B. TALCOTT PARSONS
9 Wichtig dabei ist die Individualisierung. Damit sind gesellschaftliche Prozesse gemeint, die mit dem
Aufkommen der Moderne, die Lebenslagen und -formen der Individuen gewissermaßen
kontinuitätszerstörend aus bindenden Normen und kollektiven Lebenszusammenhängen herauslösen und auf
Grund der fortschreitenden Atomisierung der Gesellschaft in individuelle Akteure ehemals gesellschaftlich
vorgezeichnete Lebensläufe zu individualisierten Biographien werden lassen (vgl. BRINCKHOFF, 1992, S.29).
Dies hängt besonders mit den Auflösungserscheinungen traditionaler und Sicherheit bietender sozialer
Milieus wie Familie, Kirche und Nachbarschaft zusammen, wodurch Jugendliche immer mehr zur
Übernahme von Verantwortung für die Gestaltung des eigenen Lebens gezwungen werden (vgl.
BRETTSCHNEIDER/BRANDL-BREDENBECK, 1997, S.28).
Streetball als jugendkulturelles Phänomen
2.3 Jugendliches Verhältnis zum Sport
Jugend und Sport bilden mittlerweile eine wie selbstverständlich wirkende soziale Symbiose, da sie zum einen sozialgeschichtlich eng miteinander verbunden sind („Entdeckung der Jugend“ bei gleichzeitiger Ausbreitung des Sports auf dem europäischen Kontinent) und zum anderen war Jugend als Mythos und Projektionsfläche immer eine besondere Dynamik inhärent, die auch in den sportlichen Aktivitäten und Rekorde brechender Leistungen junger Menschen im Sport begründet ist. Dieser Kult der Jugend lichkeit hat dazu geführt, dass neben Mode, Musik und Medien besonders der Sport eine zentrale Rolle im Leben der Jugendlichen heutzutage einnimmt: zum einen, weil Sport eine Möglichkeit der Identitätsbildung oder -findung darstellt und zum anderen, weil die Kompetenz Jugendlicher angesichts neuer, fremder und extremer Bewegungsformen gewachsen und dadurch der Jugendkult im Zusammenhang mit Sport eher verstärkt worden ist.
Symbolisch für diese Entwicklung ist die Bedeutung des Körpers im Sport, die über seine physisch- motorische Notwendigkeit hinaus auffällig gestiegen ist. Der jugendliche, sportliche und gesunde Körper tritt somit immer mehr in den Mittelpunkt des gesellschaftlichen Interesses und dient besonders für Jugendliche als Prestigeobjekt und Ausdrucksmöglichkeit in einer Zeit, in der die tradierten Formen und Regularien des „natürlichen Statusgewinns“ an der Grenze zwischen Jugendlichkeit und Erwachsenendasein versagen (vgl. Wenzel, 2001, S.53). Dazu folgen gleich weitere Erläuterungen.
2.4 Jugendliche Stellungnahme zur Globalisierung
Jugendliche sind und waren schon immer eine tolerante Bevölkerungsgruppe. Je höher das Bildungsniveau 10 übrigens ist, desto geringer sind die Vorbehalte gegenüber Ausländern und
Außerdem halte ich die soziologische Individuation für relevant, welche den seelischen Prozess der Reifung
eines Menschen zu einer eigenständigen Person ausmacht.
Die Lebenslagen jugendlicher Deutscher sind sehr verschieden. Die Mehrheit (48%) der Jugendlichen im
Alter bis 25 Jahren besucht noch eine allgemeinbildende Schule. 17% machen eine Berufsausbildung und
weitere 12% studieren. 17% sind bereits erwerbstätig und weitere etwas über 2% arbeitslos. Die restlichen
runden 4% zählen schließlich aus unterschiedlichen Gründen zu den sonstigen nicht oder noch nicht
Erwerbstätigen.
10 Von zentraler Bedeutung für Lebensumstände, die aktuellen Ansichten sowie die späteren gesellschaftlichen
Chancen ist das Bildungsniveau. Dies ist ein wichtiger Tatbestand in Bezug auf die Streetball spielende
Jugend. Etwa die Hälfte der Schülerinnen und Schüler strebt heute das Abitur oder eine fachgebundene
Hochschulreife an. Die Mädchen haben im Bereich der Schulb ildung die Jungen inzwischen überholt.
Streetball als jugendkulturelles Phänomen
Randgruppen. 11 Einige Vor- und Nachteile der Globalisierung kennend, stehen sie ihr weder euphorisch noch einheitlich ablehnend gegenüber. Was die überwiegende Mehrheit angeht, so ist sie sich doch der starken Stellung der großen Konzerne bewusst und geht von einer weiteren kulturellen Amerikanisierung aus (auch für den Streetball, der letztendlich aus den U.S.A. nach Europa kam, ist u..a. das globalisierende Massenmedium Fernsehen mitverantwortlich). Mancher Bedenken zum Trotz sind die Jugendlichen aber der Meinung, dass das Leben durch die Globalisierung interessanter und vielfältiger wird. 12 Im Zusammenhang für die starke Resonanz, welche die fremdländische Sportart innerhalb der letzten zehn Jahre in Deutschland erfahren hat, ist diese grundsätzlich offene Einstellung der jugendlichen Gene ration gegenüber Neuem ein wichtiger Faktor. Weitere Merkmale von Jugendkultur sollen später erörtert werden.
3 Die Geschichte des Basketballs
Streetball ist die vereinfachte Variante des Hallenbasketballs. Grundlegende Kenntnisse über die geschichtliche Entwicklung des Basketballsports sind zum Verständnis für seine heutige Situation unentbehrlich. Denn erst die Ursache für seine Entstehung und Auswirkungen des Reglements 13 macht die Faszination des Streetballs im Vergleich zu anderen Sportarten nachvollziehbar (dazu später mehr).
Dann zeigen die nachfolgenden Kapitel, wie sich Basketball letzten Endes auch nach Deutschland kam und beleuchten seinen besonders im Streetballbereich fulminanten Boom seit Beginn der 90er Jahre, der auch durch die vielfach geschaffenen Räume zur Ausübung des Sports begünstigt wird.
Jugendliche, die ein geringeres Bildungsniveau aufweisen sind deutlich benachteiligt. Sie haben schlechtere
Berufsaussichten und sind auch mit ihrer gegenwärtigen Lebenssituation weniger zufrieden.
Das Bildungsniveau in Deutschland wird nach wie vor in hohem Maße „vererbt“. Während drei Viertel der
Schülerinnen und Schüler, deren Väter das Abitur besitzen, ebenfalls das Abitur oder eine fachgebundene
Hochschulreife anstreben, gilt dies mit einem Viertel nur für eine Minderheit der Schülerinnen und Schüler
aus Familien mit Volksschul- oder einfachem Hauptschulabschluss (vgl. Albert/Hurrelmann, 2002, S.17f.).
11 wie z.B. Aussiedlerfamilien, Sozialhilfeempfängern und Homosexuellen (vgl. ebd., S.24f)
12 vgl. ebd., S.25f
13 Streetball hat das Basketballreglement reduziert
Arbeit zitieren:
René Baldus, 2004, STREETBALL als jugendkulturelles Phänomen, München, GRIN Verlag GmbH
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