

Sylvia Nösterer: Integration von Kindern mit Behinderung an AHS in Wien
1. INHALTSVERZEICHNIS
1. Inhaltsverzeichnis 2
2. abstract 6
3. Vorwort 7
4. Einleitung 8
4.1. Begriffsklärungen der Abkürzungen 9
4.2. Begriffsklärung „Integration“ 10
4.3. Abgrenzung des Themas 10
4.4. Anzahl der Integrationsklassen in Wien in der Sekundarstufe 1 11
5. Hypothesen 12
5.1. Schulorganisation 12
5.2. Persönliche Sicherheit im Umgang mit Kindern mit Behinderung 12
5.3. Teamteaching 12
6. Methoden 13
7. Beschreibung der Stichprobe, Vorgehensweise, Erhebungszeitraum 14
7.1. Geschlechtsverteilung der Stichprobe 15
7.1.1. Geschlechtsverteilung aller AHS-LehrerInnen in Wien 15
7.2. Altersverteilung der Stichprobe 16
7.2.1. Altersverteilung aller AHS-LehrerInnen in Wien 16
7.3. Verteilung der Stichprobe nach regelmäßiger Unterrichtserfahrung in 17
der Integrationsklasse
8. Ergebnisse 18
8.1. Schulorganisation (Hypothese 1) 18
8.1.1. Allgemein: Bereiche der Schulorganisation betreff AHS- 18
Integration
8.1.1.1 Schulverwaltung, -organisation und 18
- zuständigkeitsbereiche
8.1.1.2. Gesetzliche Grundlagen der Sekundarstufenintegration 18
8.1.1.3 Lehrpläne 19
8.1.2. Kontaktanbahnung VS / SPZ - AHS betreff Integration 20
8.1.2.1 die AHS-Leitung 20
8.1.2.2 die SPZ-Leitung 21
8.1.2.3 Kontaktaufnahme zur Eröffnung einer Integrationsklasse 22
in der AHS
8.1.3. Zuteilung „ausgewählter AHS-Kinder“ zur Integrations-klasse 23
8.1.3.1 Klassenschülerzahl 23
8.1.3.2 Klassenzusammensetzung 23
8.1.3.3 Erhebungsergebnisse bezüglich Zuweisung der 24
AHS-Kinder zur Integrationsklasse durch die jeweilige
AHS-Direktion
2
Sylvia Nösterer: Integration von Kindern mit Behinderung an AHS in Wien
8.1.4. Zuteilung „ausgewählter AHS-LehrerInnen“ zur 25
Integrationsklasse
8.1.4.1. Team - Zusammensetzung 25
8.1.4.2. die AHS - ProfessorInnen 25
8.1.4.3. Erhebungsergebnisse bezüglich Zuweisung der AHS - 26
LehrerInnen zur Integrationsklasse durch die jeweilige
AHS-Direktion
8.1.5. der/ die Sonderpädagoge/in 28
8.1.5.1. der/ die „schulfremde“ Sonderpädagoge/in 28
8.1.5.2. BundeslehrerInnen und LandeslehrerInnen 28
8.1.5.3. Erhebungsergebnisse bezüglich Kontakt des/ der 29
Sonderpädagogen/in zur AHS-Leitung
8.1.6. Kontakt zum SPZ 30
8.1.7. Supplierung für Sonderpädagogen/in 30
8.1.7.1. Erhebungsergebnisse bezüglich Supplierung für 30
Sonderpädagogen/in
8.1.8. Betreuung der I-Kinder in Mittagspause/ Tagesschulheim 31
8.1.8.1. Erhebungsergebnisse bezüglich Nachmittagsbetreuung 31
der Integrationskinder
8.1.9. Spezifika der Stundenplangestaltung in der I-Klasse 32
8.1.9.1. Erhebungsergebnisse bezüglich der Stundenplan- 32
gestaltung in der I-Klasse
8.1.10. 5/ 6 - Tage Woche 33
8.1.10.1. Erhebungsergebnisse bezüglich Anteil der 33
Integrationsklassen in 5-Tage - Wochenform
8.1.11. Notwendige bauliche Veränderungen 33
8.1.12. Einsatz von Zivildienern 34
8.1.13. Auswirkungen der I-Klasse auf SchülerInnenanzahl der 35
Oberstufe
8.1.13.1. Erhebungsergebnisse bezüglich 35
Oberstufenproblematik
8.1.14. Anmerkungen 36
8.2. Persönliche Sicherheit im Umgang mit Kindern mit 37
Behinderung (Hypothese 2)
8.2.1. Definition “persönliche Sicherheit 37
8.2.2. Zusammenhang „persönliche Vorerfahrungen im Umgang 38
mit Kindern mit Behinderung und persönliches
Sicherheitsgefühl /persönlicher Sicherheit“
8.2.3. Zusammenhang „Dauer der Integration am Schulstandort 40
und persönliche Sicherheit“
8.2.4. Zusammenhang „Quantität des Kontakts zu I-Kindern und 42
persönliche Sicherheit“
8.2.4.1. Quantität des Kontakts zu I-Kindern 42
8.2.5. Zusammenhang „Art des Kontakts zu I-Kindern und 44
persönliche Sicherheit“
8.2.6. Zusammenhang „Interesse am Umgang mit I-Kindern und 45
persönliche Sicherheit“
8.2.7. Zusammenhang „Kenntnis des Entwicklungsstandes der I- 47
Kinder und persönliche Sicherheit“
3
Sylvia Nösterer: Integration von Kindern mit Behinderung an AHS in Wien
8.2.8. Zusammenhang „Wichtigkeit des/ der Sonderpädagogen/in 49
im Zuge der Kontaktanbahnung und persönliche
Sicherheit“
8.2.9. Auswirkungen von persönlicher Sicherheit im Umgang mit 51
Kindern mit Behinderung
8.2.9.1. Zusammenhang „SchülerInnenkonflikte, an denen ein I- 51
Kind beteiligt ist und persönliche Sicherheit“
8.2.9.2. Zusammenhang „ Ohne Unterstützung der/ des 53
Sonderpädagogen/in supplieren und persönliche
Sicherheit“
8.2.9.3. Häufigkeit „Wie viele ProfessorInnen holen - bei 55
SchülerInnenkonflikten, an denen ein I-Kind beteiligt ist -
den/ die Sonderpädagogen/in“
8.3. Teamteaching (Hypothese 3) 56
8.3.1. Definition Teamteaching 57
8.3.2. Spezifika des Teamteachings in der AHS 59
8.3.3. Bereitschaft zum Teamteaching 62
8.3.3.1. Verteilung AHS-LehrerInnen mit/ ohne 62
Teamteachingerfahrung in Integrationsklassen
8.3.3.2. Verteilung AHS-LehrerInnen mit/ ohne 63
Teamteachingerfahrung mit anderen AHS-LehrerInnen
8.3.4. Zusammenhang „ Teamteaching mit Sl und Teamteaching 64
mit AHS“
8.3.5. Resultierende Einstellungsunterschiede aus der Quantität 66
des Teamteachings
8.3.5.1. Zusammenhang „Quantität des Teamteachings mit SL 66
und Führungs- /Verantwortlichkeitsproblematik“
8.3.5.2. Zusammenhang „Quantität des Teamteachings mit AHS 68
und Führungs- /Verantwortlichkeitsproblematik“
8.3.5.3. Zusammenhang „Quantität des Teamteachings mit SL 70
und gewünschte Unterstützung im Unterricht“
8.3.5.4. Zusammenhang „Quantität des Teamteachings mit AHS 72
und gewünschte Unterstützung im Unterricht“
8.3.6. Einstellung zum Teamteaching und Quantität der 74
tatsächlichen Umsetzung
8.3.6.1. Zusammenhang „Einstellung zu - mit SL im Team zu 74
unterrichten - und tatsächliche Quantität dieser Art
Teamteaching“
8.3.6.2. Zusammenhang "Einstellung zu - mit AHS-KollegInnen 76
im Team zu unterrichten - und tatsächliche Quantität
dieser Art Teamteaching“
9. Hypothesenprüfung 78
9.1. Hypothese 1 - Schulorganisation 78
9.2. Hypothese 2 - Persönliche Sicherheit im Umgang mit Kindern mit 78
Behinderung
9.3. Hypothese 3 - Teamteaching 78
10. Zusammenfassung/ Interpretation 79
4
Sylvia Nösterer: Integration von Kindern mit Behinderung an AHS in Wien
11. Schlussfolgerungen für die Praxis Expertise 82
12. Verzeichnis der Tabellen 84
13. Verzeichnis der Abbildungen 86
14. Literaturverzeichnis 87
15. Anhang 90
15.1. Leerformular Fragebogen 90
15.2. Leerformular Interviews 92
15.3. Transkribierte Interviews 94
15.4. Zusätzliche Tabellen 110
5
Sylvia Nösterer: Integration von Kindern mit Behinderung an AHS in Wien
2. ABSTRACT
My investigation deals with the joint schooling of 10 to 14 year old children with and without disabilities in the lower grades of Schools for General Higher Education (AHS) in Vienna.
On the basis of two hypotheses, one concerning personal confidence in handling children with disabilities, the other concerning teaching as a team, I examined 756 AHS teachers of eight Viennese Schools by means of a questionnaire. An additional, third hypothesis applies to school organization. I interviewed the associated eight directors of the schools, as the experts in this field, by following a main connecting theme in my questions.
Next to the legal basis, the organization, and the basic conditions of this school form, I depict specific problems. Difficulties are caused by the initiation of classes at AHS locations in Vienna, in which both particularly talented children and children with disabilities are taught jointly. I further attempt to analyze the aspect of unfamiliarity of AHS teachers in their contact with children with learning and achievement deficiencies. I also try to give an insight to the teachers' attitudes towards teaching as a team. All information given on the above aspects is supported by the evaluation of the data from the questionnaire answered by AHS teachers from school locations with experience in integration.
An account of my personal position and function as an AHS integration teacher, conclusions concerning the practice, as well as possible attempts to further research the field of this young school form supplement, the submitted paper.
Meine Untersuchung befasst sich mit der gemeinsamen Beschulung von 10-14 - jährigen Kindern mit und ohne Behinderung in der Unterstufe der Allgemeinbildenden Höheren Schule (AHS) in Wien.
Ausgehend von zwei Hypothesen betreffend die persönliche Sicherheit im Umgang mit Kindern mit Behinderung und dem Bereich Teamteaching erhob ich mittels Fragebogen die Erfahrungen von 756 AHS - LehrerInnen an 8 Wiener Allgemeinbildenden Höheren Schulen.
Bezüglich einer weiteren - dritten - Hypothese, die Schulorganisation betreffend, befragte ich im leitfadengestützten ExpertInneninterview die zugehörigen 8 SchuldirektorInnen.
Neben den gesetzlichen Grundlagen, der Organisation und den Rahmenbedingungen stelle ich spezifische Problematiken - bedingt durch die Initiierung gemeinsamen Unterrichts von besonders begabten Kindern und Kindern mit Behinderung an AHS - Standorten Wiens - dar. Ich versuche weiters - gestützt auf die Auswertung des Datenmaterials, das sich aus der Beantwortung der Fragebögen durch die AHS-LehrerInnen an Schulstandorten mit Integrationserfahrung ergab - den Bereich des ungewohnten Umgangs der AHS - LehrerInnen mit Kindern mit Lern- und Leistungsdefiziten zu hinterfragen und deren Einstellung zum Unterricht im Team darzustellen.
Die Darstellung meiner persönlichen Position und Funktion als AHS-Integrationslehrerin, Schlussfolgerungen für die Praxis sowie mögliche Ansätze zu weiterer Forschung im Bereich dieser jungen Schulform ergänzen die vorliegende Arbeit.
6
Sylvia Nösterer: Integration von Kindern mit Behinderung an AHS in Wien
3. VORWORT
"Nicht das Handicap, nicht die sogenannte geistige oder psychische Behinderung ist es, die es Menschen verunmöglicht, ihren Platz in unserer Gesellschaft zu finden, 1 sondern die vielfach mangelnde Aufnahmebereitschaft der Gesellschaft!" .
Was haben Kinder mit Behinderung an einer Allgemeinbildenden Höheren Schule zu suchen? Dass gerade in der Schulform der „AHS“, die auf der Teilung von „Spreu und Weizen“ basiert, die gemeinsame - integrative - Beschulung von besonders begabten und Kindern mit Behinderung initiiert wurde, überfordert(e) das Vorstellungsvermögen nicht nur vieler AHS - LehrerInnen. Im Rahmen meiner (nunmehr neunjährigen) Tätigkeit als Integrationslehrerin an einer Wiener Allgemeinbildenden Höheren Schule meine ich jedoch feststellen zu können, dass nicht vorrangig durch Information und Aufklärung die Skepsis und Unsicherheit der AHS - LehrerInnen gegenüber der Integration von behinderten Kindern abgebaut werden konnte, sondern der (tägliche) Kontakt zu den „besonderen“ SchülerInnen weitaus stärker half, Scheu und Angst vor dem „Anderssein“ zu nehmen.
„Es geht darum, ein neues Bild von Menschen mit Behinderungen in der Gesellschaft zu implementieren, ein Bild das offen ist für Anderssein als Bereicherung und damit 2 als Lern-Chance für jede/n einzelne/n. “
Menschen mit Behinderung in ihren Fähigkeiten und Stärken zu erleben und nicht die Beeinträchtigung in den Mittelpunkt der Betrachtungsweise zu stellen. Dieser Ansatz bringt - nicht nur im Europäischen Jahr der Menschen mit Behinderung (2003) - eine Überzeugung zum Ausdruck, die wichtig ist: Selbstbestimmung, Integration, Normalisierung sind möglich. Und wo sie gelingen, bereichern sie beide Seiten. Denn es ist normal, verschieden zu sein!
1 Landau, 2003 2 OEZIV, 2003
7
Sylvia Nösterer: Integration von Kindern mit Behinderung an AHS in Wien
4. EINLEITUNG
Wird über Integrationsklassen beständig geforscht, dokumentiert und evaluiert, so fand die Gruppe der AHS-LehrerInnen, für die der Umgang mit Kindern mit
Behinderung ein Novum darstellt, bislang kaum Eingang in die Fachliteratur. Dieses „Umfeld“ der Integrationsklasse - die dort arbeitenden LehrerInnen und die (nicht nur) für die Organisation verantwortlichen DirektorInnen - hat sich der Förderung einer bildungselitären SchülerInnenschicht verschrieben. Wie gehen diese nun mit der plötzlichen Konfrontation mit Menschen mit Behinderung um, wie sicher fühlen sich die „dafür nicht ausgebildeten“ AHS-LehrerInnen im Umgang mit Kindern mit Leistungs- und Lerndefiziten?
Beeinflußt die unausweichliche Konfrontation mit der Thematik des „Anders seins“ den gesamten AHS-Lehrkörper, auch wenn nur eine einzige Klasse am Schulstandort Kinder mit Behinderungen integriert?
Auch die in Integrationsklassen unabdingbare Notwendigkeit des Teamteachings stellt die (meist jahrelang) ihr Einzelkämpfertum in der Klasse etablierenden AHS -LehrerInnen vor eine neue Herausforderung. Inwiefern beeinflußt die gemeinsame Klassenarbeit mit dem/der „schulfremden“ Sonderpädagogen/in die Einstellung der AHS - LehrerInnen zur Arbeit im Team? Können Unterschiede beim gemeinsamen Unterrichten im Team zwischen der Arbeit in der Integrationsklasse und dem
Teamteaching der „FachlehrerInnen“ ausgemacht werden, oder erfolgt
Teamteaching in der AHS ausschließlich im Rahmen des integrativen Unterrichts? Die Etablierung einer Integrationsklasse an Allgemeinbildenden Höheren Schulen erforderte nicht nur gesetzliche Neuerungen, sondern auch die Schulorganisation muss auf veränderte Rahmenbedingungen - um ein gleichberechtigtes Miteinander der SchülerInnen und LehrerInnen zu gewährleisten - eingehen. In welchen Bereichen treten organisatorische Problematiken auf und mit welchen Strategien steuern die DirektorInnen (wenn nötig) gegen?
8
Sylvia Nösterer: Integration von Kindern mit Behinderung an AHS in Wien
4.1. Begriffsklärung der Abkürzungen
AHS: Die in Österreich gebräuchliche Abkürzung „AHS“ bezeichnet die Allgemeinbildende Höhere Schule, eine Einrichtung, die von SchülerInnen besucht werden kann, die von ihren jeweiligen VolksschullehrerInnen aufgrund ihrer überdurchschnittlichen Begabung die „AHS - Reife“ zugeschrieben bekommen.
Eine AHS umfasst 8 Schulstufen, als Abschluss wird die Reifeprüfung („Matura“) abgelegt und die Hochschulreife erlangt. Die AHS teilt sich in die Sekundarstufe 1 („Unterstufe“) und die Sekundarstufe 2 („Oberstufe“). Durch die 17. Schulorganisationsnovelle wurde die Möglichkeit der Integration von Kindern mit geistiger Behinderung nur in der Sekundarstufe 1 der AHS gesetzlich verankert, also die gemeinsame Beschulung von AHS - reifen Kindern und Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf vom 10. -14. Lebensjahr.
SPZ: Die Abkürzung SPZ bezeichnet Sonderpädagogische Zentren. Ehemals als „Sonder- oder Spartenschulen“ bezeichnete Standorte wurden in verwaltungstechnische sonderpädagogische Institutionen umgewandelt, denen ein/e SPZ - LeiterIn (vormals „SonderschuldirektorIn“) vorsteht. Jeder AHS - Integrationsklasse ist ein SPZ zugewiesen, der/die Sonderpädagoge/in einer AHS - Integrationsklasse wird vom jeweiligen SPZ betreut.
SPF: Sonderpädagogischen Förderbedarf erhalten jene Kinder, die auf Grund einer körperlichen, psychischen oder Lernbehinderung nicht imstande sind, dem Unterricht in der Regelschule zu folgen.
Der SPF wird vom Bezirksschulrat per Bescheid ausgestellt und berechtigt den/ die SchülerIn zu besonderen Unterstützungsmaßnahmen (z.B.: Einsatz 3 unterschiedlicher Lehrpläne, zusätzliches Lehrpersonal,...) .
3 Vgl. Betrifft: integration, 2003
9
Sylvia Nösterer: Integration von Kindern mit Behinderung an AHS in Wien
4.2. Begriffsklärung „Integration“
In der vorliegenden Arbeit ist Integration als der gemeinsame Unterricht von behinderten und nichtbehinderten Kindern und Jugendlichen (im Schulsystem der Allgemeinbildenden Höheren Schule) zu verstehen.
Im Rahmenkonzept des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Sport für integrative Schulversuche heißt es dazu:
„Durch den gemeinsamen Unterricht behinderter und nichtbehinderter Kinder sollen auch jene sozialen Lernprozesse angebahnt werden und ablaufen, die für eine spätere gesellschaftliche Bewertung behinderter und nichtbehinderter Mitmenschen 4 günstig sind. “
Ich beschränke mich in meiner Untersuchung ausschließlich auf die schulische
Integration von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf - das heißt auf die Integration von SchülerInnen mit Behinderung, die nach dem Lehrplan der Allgemeinen Sonderschule oder der Schwerstbehindertenschule beurteilt werden. Obwohl sich in vielen Publikationen der Begriff „Kinder mit geistiger Behinderung“ findet, möchte ich mich der Ansicht FEUSERs anschließen: 5 „Geistig Behinderte gibt es nicht “, da weder „Geist“ noch „geistig“ definiert werden, 6 kann diesen Begriffen keine Behinderung zugeschrieben werden .
Ich halte mich somit an die Titulierungen „SchülerInnen mit SPF“, „Kinder mit Behinderung“ oder „Integrationskinder (I-Kinder)“ wobei ich SchülerInnen mit körperlichen oder Sinnesbehinderungen in meiner Untersuchung ausklammere. Jene gelten (aufgrund ihres AHS - Lehrplans) nicht als „Integrationskinder“ im engeren Sinn.
4 BMfUK, Zl.36, 1988, S.6 5 Feuser, 1996, S.1 6 Feuser, 1996 , S. 8
10
Sylvia Nösterer: Integration von Kindern mit Behinderung an AHS in Wien
4.4. Anzahl der Integrationsklassen in Wien in der Sekundarstufe1
In Wien werden im heurigen Schuljahr (2002/03) in der Sekundarstufe 1 235 Hauptschul-Integrationsklassen und 99 Mittelschul-Integrationsklassen geführt,
7
dagegen nur 7 Integrationsklassen an AHS-Standorten.
7 vgl. Mörwald/ Zugschwert, 2003
11
Sylvia Nösterer: Integration von Kindern mit Behinderung an AHS in Wien
5. HYPOTHESEN
H1: „Integrationsklassen an AHS sind schulorganisatorisch problemlos umzusetzen.“ H0: „Integrationsklassen an AHS sind schulorganisatorisch nicht problemlos umzusetzen.“
5.2. Persönliche Sicherheit im Umgang mit Kindern mit Behinderung
H1: „Integrationsklassen an AHS wirken sich positiv auf die persönliche Sicherheit der am Standort tätigen ProfessorInnen im Umgang mit Kindern mit Behinderung aus!“
H0: „Integrationsklassen an AHS wirken sich nicht positiv auf die persönliche
Sicherheit der am Standort tätigen ProfessorInnen im Umgang mit Kindern mit Behinderung aus!“
H1: „An AHS mit Integrationsklassenerfahrung findet Teamteaching ausschließlich mit dem/ der Sonderpädagogen/in der Integrationsklasse statt.“ H0: „An AHS mit Integrationsklassenerfahrung findet Teamteaching nicht ausschließlich mit dem/ der Sonderpädagogen/in der Integrationsklasse statt.“
12
Sylvia Nösterer: Integration von Kindern mit Behinderung an AHS in Wien
6. METHODEN
Mittels Fragebogen wurden 756 AHS-LehrerInnen von 8 Wiener Allgemeinbildenden Höheren Schulen ersucht, die Erfahrungen mit Integration von Kindern mit Behinderung an ihrem Standort aufzuweisen. Die Fragen betreffen die Themen „persönliche Sicherheit im Umgang mit behinderten Kindern“ sowie den Bereich „Teamteaching“.
Die AHS-LehrerInnen hatten bei einigen Fragen (teilweise) 6 Antwortmöglichkeiten („stimme stark zu“ - „stimme zu“ - „stimme eher zu“ - „stimme eher nicht zu“„stimme nicht zu“ - stimme gar nicht zu“ ) zur Auswahl. Bei der Bearbeitung der Antworten zeigte sich, dass dies bei dieser Stichprobengröße eine zu große Anzahl an Antwortmöglichkeiten darstellt. Dadurch wurden diese 6 Felder zu den 4 Kategorien „stimme zu“ - „stimme eher zu“„stimme eher nicht zu“ - „stimme nicht zu“ zusammengefasst. Die Ergebnisse, Kreuztabellen und Diagramme wurden mit Hilfe der SPSS Version 9.0. berechnet und erstellt. Zur Bestimmung der Signifikanz der Ergebnisse wurde der Chi-Quadrat-Test nach Pearson herangezogen.
Da nicht alle der befragten Standorte aktuell eine Integrationsklasse führen - aber mindestens 4 Jahre Erfahrung darin aufweisen - formulierte ich einige der Fragen, soweit sinnvoll, in Präsens und Vergangenheitsform, um die Identifikation mit der Fragestellung zu erleichtern. Folglich werden auch in der Auswertung dieser Fragen beide Zeitformen verwendet.
Zum Thema „schulorganisatorische Umsetzung der Integration“ führte ich Leitfaden - 8 gestützte ExpertInneninterviews mit den jeweiligen AHS-DirektorInnen.
8 vgl. Mayer S. 40ff
13
Sylvia Nösterer: Integration von Kindern mit Behinderung an AHS in Wien
7. BESCHREIBUNG DER STICHPROBE, VORGEHENSWEISE, ERHEBUNGSZEITRAUM
Von insgesamt 9 Wiener AHS-Standorten mit Integrationserfahrung konnte ich 8 zur Mitarbeit an meiner Untersuchung gewinnen! 9 Die Fragebögen wurden von mir persönlich - zwischen dem 5. und 20. November 2002 - in die jeweiligen Postfächer der AHS-LehrerInnen ausgeteilt, ein Beiblatt informierte über Zweck und Anlass der Untersuchung. Weitere persönliche Informationen erfolgten - auf Wunsch der AHS-LehrerInnen an einem Standort - im Rahmen einer Schulkonferenz. 10 Die jeweiligen DirektorInnen-Interviews wurden unmittelbar vor oder nach dem
Austeilen der Fragebögen am Schulstandort geführt, ein/e Direktor/in ließ sich krankheitsbedingt beim Interview von einer/m TeamlehrerIn der Integrationsklasse vertreten.
Die ausgefüllten Fragebögen wurden im Schulsekretariat in einem Kuvert gesammelt und mir - ca. zwei Wochen nach dem Austeilen - auf dem Postweg retourniert.
Die Rücklaufquote belief sich auf 201 ausgefüllte Bögen, somit 27,13 %.
9 vgl. Anhang S. 90 10 vgl. Anhang S. 92
14
Sylvia Nösterer: Integration von Kindern mit Behinderung an AHS in Wien
7.1. Geschlechtsverteilung der Stichprobe
Tab.1:
Geschlecht der befragten AHS-LehrerInnen
N = 201
Von den antwortenden AHS-LehrerInnen sind 86 (42,8 %) männlich und 115 (57,2%) weiblich.
7.1.1. Geschlechtsverteilung der AHS-LehrerInnen in Wien Im Bundesland Wien wurden im Schuljahr 2001/02 1895 (32,9%) männliche und 11 3871 (67,1%) weibliche AHS-LehrerInnen beschäftigt.
11 vgl.: bm:bwk Schulstatistik 2002, S. 11
15
Sylvia Nösterer: Integration von Kindern mit Behinderung an AHS in Wien
7.2. Altersverteilung der Stichprobe
Von den antwortenden AHS-LehrerInnen sind 12 (6,0 %) jünger als 30 Jahre, 126 (62,7%) zwischen 31 und 50 Jahren und 63 (31,3%) über 50 Jahre alt.
7.2.1. Altersverteilung der AHS-LehrerInnen in Wien Im Bundesland Wien wurden im Schuljahr 2000/01 664 (11,4%) AHS-LehrerInnen beschäftigt, die 30 Jahre oder jünger waren. 4216 (72,6%) der AHS-LehrerInnen waren zwischen 31 und 50 Jahren alt und 926 (15,9%) AHS-LehrerInnen über 50 12 Jahre alt .
12 vgl.: bm:bwk Schulstatistik 2001, S. 71
16
Sylvia Nösterer: Integration von Kindern mit Behinderung an AHS in Wien
7.3. Verteilung der Stichprobe nach regelmäßiger Unterrichtserfahrung in der
Integrationsklasse
Tab.2:
Ich unterrichte/te in der Integrationsklasse mehr als 3 Stunden/Woche.
Von den antwortenden AHS-LehrerInnen unterrichten/unterrichteten 49 (24,4%) mehr als 3 Stunden pro Woche in der Integrationsklasse, 131 (65,2%) weniger als 3 Stunden pro Woche oder haben/ hatten keine Unterrichtserfahrung in der
Integrationsklasse.
21 (10,4%) der AHS-LehrerInnen gaben bei dieser Frage keine Antwort an.
Tab.3:
Ich unterrichte/te in der Integrationsklasse 1-3 Stunden/Woche.
Von den antwortenden AHS-LehrerInnen unterrichten/ unterrichteten 50 (24,9%) 1-3 Stunden pro Woche in einer Integrationsklasse, 130 (64,7%) weniger als 1-3 Stunden pro Woche oder haben/ hatten keine Unterrichtserfahrung in einer Integrationsklasse.
21 (10,4%) der AHS-LehrerInnen gaben bei dieser Frage keine Antwort an. Insgesamt teilt sich die Gruppe der diese Frage beantwortenden AHS-LehrerInnen somit in 99 (55%) ProfessorInnen mit regelmäßiger Unterrichtserfahrung in der Integrationsklasse und 81 (45%) ohne diese.
17
Sylvia Nösterer: Integration von Kindern mit Behinderung an AHS in Wien
8. ERGEBNISSE
8.1. Schulorganisation (Hypothese 1)
8.1.1. Allgemein: Bereiche der Schulorganisation betreff AHS-Integration
8.1.1.1. Schulverwaltung, -organisation und - zuständigkeitsbereiche
„ Dem Grundsatz der Bundesstaatlichkeit entsprechend sieht die österreichische Bundesverfassung eine Verteilung der Zuständigkeiten vor. (...) Für die allgemeinbildenen Pflichtschulen ist der Bezirksschulrat (in Wien: Stadtschulrat) die erste, der Landesschulrat die zweite Instanz. Für die allgemeinbildenden höheren Schulen ist der Landesschulrat die erste, das Bundesministerium die zweite Instanz. (...) Der gesetzliche Schulerhalter ist für die allgemeinbildenden Pflichtschulen das 13 Bundesland, bzw. die Gemeinde, für die mittleren und höheren Schulen der Bund. “
Somit offensichtlich werden bei der AHS-Integration nicht nur die Bereiche unterschiedlicher Lehrplanzuordnungen, unterschiedlich ausgebildeter LehrerInnen und unterschiedlicher Schulstandorte zu vernetzen versucht, sondern zwei gesetzlich gänzlich unterschiedliche Zuständigkeitsbereiche: das Landeslehrerdienstrecht und das Bundeslehrerdienstrecht.
8.1.1.2. Gesetzliche Grundlagen der Sekundarstufenintegration
Nachdem die 15. Schulorganisationsnovelle im Jahr 1993 Eltern von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf das Recht eingeräumt hat, bei der Beschulungsform ihrer Kinder zu entscheiden, ob sie eine Sonderschule oder die Integration in eine Regelschulklasse wünschen, war eine Nachfolgenovelle für den Sekundarstufenbereich unerlässlich.
Mit der 17. Schulorganisationsgesetznovelle 1997 (nach 6 Jahren Schulversuch) wurde diese Bestimmung, also das Recht auf integrative Beschulung auch im Bereich der Sekundarstufe I (5. - 8.- Schuljahr) legistisch verankert. Betroffen hiervon sind Schüler und Schülerinnen, denen per Bescheid der sonderpädagogische Förderbedarf zuerkannt wurde, Kinder, die aufgrund ihrer Behinderung teilweise oder zur Gänze nach dem Lehrplan der Allgemeinen Sonderschule oder jenem der Schule für schwerstbehinderte Kinder unterrichtet 14 werden müssen .
13 Das Wiener Schulwesen 1997, S. 6 14 vgl. Pannos, 1998
18
Sylvia Nösterer: Integration von Kindern mit Behinderung an AHS in Wien
Im Schulpflichtgesetz liest sich das so:
• 2) „(...) Wünschen die Eltern oder sonstigen Erziehungsberechtigten die Aufnahme in eine Volksschule, Hauptschule oder Unterstufe einer Allgemeinbildenden Höheren Schule, so hat der Bezirksschulrat zu informieren, an welcher nächstgelegenen allgemeinen Schule dem sonderpädagogischen Förderbedarf entsprochen werden kann.
• (3) Wünschen die Eltern oder sonstigen Erziehungsberechtigten die Aufnahme des Kindes in eine Volksschule, Hauptschule oder Unterstufe einer Allgemeinbildenden Höheren Schule und bestehen keine entsprechenden Fördermöglichkeiten an einer derartigen Schule, welche das Kind bei einem ihm zumutbaren Schulweg erreichen kann, so hat der Bezirksschulrat unter Bedachtnahme auf die Gegebenheiten im Rahmen seiner Zuständigkeiten Maßnahmen zur Ermöglichung des Besuches der gewünschten Schulart zu ergreifen und - im Falle der Zuständigkeit anderer Stellen - bei diesen die 15 Durchführung der entsprechenden Maßnahmen zu beantragen“ .
8.1.1.3. Lehrpläne
Für die AHS-Kinder der jeweiligen Integrationsklasse gilt der Lehrplan der AHS, also die „Aufgabe, den SchülerInnen eine umfassende und vertiefte Allgemeinbildung zu 16 vermitteln und sie zugleich zur Hochschulreife zu führen“ .
Für Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf findet in der Integrationsklasse der ihnen jeweilig zugeordnete Lehrplan Anwendung (Allgemeine Sonderschule oder Sonderschule für schwerstbehinderte Kinder); es kann jedoch auch - entsprechend den Lernvoraussetzungen des jeweiligen Kindes gemäß - versucht werden, die Unterrichtsziele der AHS in einzelnen oder mehreren Unterrichtsgegenständen 17 grundsätzlich zu erreichen .
15 §8a Schulpflichtgesetz 1985 16 BMUK 1999, S. 53
17 vgl. BMUK 1999, S. 54
19
Sylvia Nösterer: Integration von Kindern mit Behinderung an AHS in Wien
8.1.2. Kontaktanbahnung VS / SPZ - AHS betreff Integration
8.1.2.1. die AHS-Leitung
Indem es Eltern behinderter Kinder gelungen war, AHS-DirektorInnen für ihr Anliegen zu gewinnen, erhielt die Integrationsbewegung massive und potente Unterstützung. Gerade an AHS - Standorten, die schon vor dem Schulversuch als innovative Schulen mit hoher Schulversuchs- und Projektanzahl galten, wurden Integrationsklassen seitens der jeweiligen Leitung positiv unterstützt. Gerade in Wien - mit einer hohen Dichte von Allgemeinbildenden Höheren Schulenstehen diese in großer Konkurrenz zueinander. Verschiedene Angebote wie Freizeitbetreuung, spezielle Unterrichtsschwerpunkte und natürlich das 5/ 6 - Tage-Modell bieten den Eltern die Möglichkeit, sich bewusst für einen bestimmten Standort zu entscheiden. Die Führung einer Integrationsklasse bietet somit den AHS-DirektorInnen die Option, ihr Schulprofil um einen sozialen Faktor zu erweitern und neue Elternschichten anzusprechen.
Generell lässt sich hier jedoch anmerken, dass die Führung meist nur einer einzigen Integrationsklasse pro Standort zwar für eine Erweiterung des Schulprofils spricht, eine tatsächliche Öffnung der AHS für Integration aber noch in weiter Ferne liegt.
20
Sylvia Nösterer: Integration von Kindern mit Behinderung an AHS in Wien
8.1.2.2. Die SPZ-Leitung
In der 15. SchOG-Novelle wurden Sonderpädagogische Zentren verankert, deren Aufgabe es ist, „durch Bereitstellung und Koordination sonderpädagogischer Massnahmen (...) dazu beizutragen, dass Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf in bestmöglicher Weise auch in allgemeinen Schulen unterrichtet 18 werden können“ . In der 17. SchOG-Novelle wurde der Tätigkeitsbereich der Sonderpädagogischen Zentren auch auf die Sekundarstufe I ausgedehnt. Tatsächlich obliegt den LeiterInnen Sonderpädagogischer Zentren neben einer umfassenden Vermittler- und Koordinationsfunktion (Eltern, Bezirksschulrat, Volks-und Sekundarschule) vor allem die Funktion der Öffentlichkeitsarbeit.
Im Kleinen bedeutet dies die Aufgabe, Eltern eine Förderung außerhalb des geleiteten Spezial-Standorts als die geeignetste Form für ihr Kind mit Behinderung zu empfehlen.
Im größeren Kontext scheint es für viele SPZ-LeiterInnen schwierig, das verzweigte Alternativsystem Integrationsklasse nicht als Konkurrenz zum „eigenen Haus“ zu sehen und darzustellen. Die Befürchtung, einer „Schule ohne Kindern“ vorzustehen,
18 SchOG§27 Abs. 1
21
Sylvia Nösterer: Integration von Kindern mit Behinderung an AHS in Wien
hemmt manche LeiterInnen, der Integrationsbewegung ihren Stellenwert - als etablierte Möglichkeit, behinderte Kinder zu beschulen - öffentlich einzuräumen. Dem entgegengesetzt zeigt sich seitens der SPZ-LeiterInnen die Tendenz, speziell AHS-Expositurklassen als Image-aufwertend anzusehen und -
8.1.2.3. Kontaktaufnahme zur Eröffnung einer Integrationsklasse in der AHS Von den 8 interviewten DirektorInnen geben 5 an, dass Eltern von Volksschulkindern aus Integrationsklassen an sie herangetreten seien und die Weiterführung der Integration in der AHS anstrebten. In zwei Fällen etablierte ein/e AHS-LehrerIn, der/die sich dann als Klassenvorstand der Integrationsklasse zur Verfügung stellte, den damaligen Schulversuch. An einem Standort initiierte der/die DirektorIn die erste 19 standorteigene Integrationsklasse.
19 vgl. Interviews A, B, F, G, H Anhang S. 94ff
22
Sylvia Nösterer: Integration von Kindern mit Behinderung an AHS in Wien
8.1.3. Zuteilung „ausgewählter AHS-Kinder“ zur Integrationsklasse?
8.1.3.1. Klassenschülerzahl
„Sofern in Klassen der Allgemeinbildenden Höheren Schulen ein integrativer Unterricht von Kindern mit und ohne sonderpädagogischem Förderbedarf erfolgt, sind im Durchschnitt mindestens fünf SchülerInnen mit sonderpädagogischem Förderbedarf zu unterrichten. Bei der Feststellung der Klassenschülerzahl zählt jedes 20 Kind mit sonderpädagogischem Förderbedarf doppelt“ .
Geht man von der Höchstzahl von 30 Kinder pro AHS-Klasse aus, so erreicht man mit 5 SchülerInnen mit sonderpädagogischen Förderbedarf (jedes der 5 verringert die Klassenschülerzahl um 2, somit um 10 AHS-SchülerInnen) eine durchschnittliche Klassengröße von 25 Kindern in einer Sekundarstufenintegrationsklasse, 20 AHS-Kinder und 5 SchülerInnen mit Lehrplan der jeweiligen Sonderschule.
Zwei DirektorInnen geben an, dass sie in der ersten Klasse 29 Kinder in die Integrationsklasse aufnehmen, dafür aber keine RepetentInnen aus anderen Klassen in den Folgejahrgängen dazukommen. Alle anderen DirektorInnen 21 machen zur Klassenschülerzahl keine Angaben.
8.1.3.2. Klassenzusammensetzung
Für die AHS-SchülerInnen gilt als Voraussetzung für die Aufnahme in die AHS der erfolgreiche Abschluss der Volksschule und eine ihnen - von den jeweiligen VolksschullehrerInnen - zugeschriebene „AHS-Reife“, wobei die Pflichtfächer 22 Deutsch und Mathematik mit „Sehr gut“ oder „Gut“ beurteilt wurden .
Besonderes Augenmerk wird bei der Klassenzusammensetzung darauf gelegt, dass die RegelschülerInnen der NormalschülerInnenpopulation der jeweiligen Schulumgebung entsprechen. Integrationsklassen sind bewusst nicht Auffangklassen für bekannt leistungsschwache und verhaltensauffällige Kinder (ohne sonderpädagogischen Förderbedarf).
Generell wird darauf geachtet, dass die Verteilung Mädchen/ Knaben und der Anteil von Kindern mit nichtdeutscher Muttersprache heterogen erfolgt. Als günstig wird der geschlossene Übertritt einer Kerngruppe aus der gleichen 23 Volksschulklasse angesehen.
Die Zuweisung der SchülerInnen mit sonderpädagogischem Förderbedarf erfolgt durch das zugehörige Sonderpädagogische Zentrum. Meist stellt das Kernteam (SonderpädagogIn und AHS-Klassenvorstand) der Integrationsklasse den Kontakt zu den einzugliedernden behinderten Kindern schon im Laufe der 4. Klasse
20 BMUK 1999, S. 56 21 vgl. Interviews A, D Anhang S. 94ff 22 SCHOG §40 (1)
23 vgl. Feyerer, Mörwald, Pannos 1997, S. 23
23
Arbeit zitieren:
Sylvia Nösterer, 2003, Die Integration von Kindern mit Behinderung an Allgemeinbildenden Höheren Schulen in Wien, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Basedow, Salzmann, Philanthropine - ein kurzer Abriß
Hausarbeit, 10 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Integration, Gewaltprävention und Schule
Interkulturelle Kompetenz - Un...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Diplomarbeit, 141 Seiten
Interkulturelle Kompetenz- Eine Schlüsselqualifikation für die Fachkrä...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Diplomarbeit, 106 Seiten
Edmund Neuendorff im Kontext der Reformpädagogik
Sport - Sportpädagogik, Didaktik
Hausarbeit, 18 Seiten
Mit Fremdheit leben - Entwicklungen in der Integrationsarbeit
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Diplomarbeit, 113 Seiten
Eine Lesebuchanalyse und Bewertung von "Deutsch 7: Texte – Litera...
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Hausarbeit (Hauptseminar), 12 Seiten
Integration durch Bildung? Integrationsprojekte der Sozialpädagogik
Eine qualitative Auswertung vo...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Diplomarbeit, 240 Seiten
Der "Labeling Approach": Howard S. Becker, Siegfried Lamnek ...
Soziologie - Recht, Kriminalität abw. Verhalten
Hausarbeit (Hauptseminar), 31 Seiten
Interkulturelle Pädagogik als integrativer Bestandteil der Grundschule
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Bachelorarbeit, 58 Seiten
Lyrik der Weimarer Republik - Gedichtanalyse - Stefan George und Erich...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 18 Seiten
Integration behinderter Kinder in die Grundschule
Pädagogik - Heilpädagogik, Sonderpädagogik
Diplomarbeit, 93 Seiten
Sylvia Nösterer hat den Text Die Integration von Kindern mit Behinderung an Allgemeinbildenden Höheren Schulen in Wien veröffentlicht
Sylvia Nösterer hat einen neuen Text hochgeladen
Die Sicherstellung des Schulbesuchs behinderter Kinder mit Mitteln des...
Eine Untersuchung am Beispiel ...
Johannes Reimann
Militärakademie - Kriegsschule - Fahnenjunker-Schule: Wiener Neustadt ...
Joh. Christoph Allmayer-Beck
Barrierefrei vom Kindergarten in die Schule?
Eine Untersuchung zur Kontinui...
Carmen Dorrance
Verhaltensorientierte Interventionen bei Schülerinnen und Schülern mit...
Konzeption und Planung
Hermann Meyer
0 Kommentare