Lernstörungen
von: Anja Schellenberg
Inhaltsverzeichnis
1. Was heißt Lernstörung? 1
1.1. Klassifikation von Lernstörungen 2
1.2. Mögliche Ursachen von Lernstörungen 3
1.2.1. Mangelndes Instruktionsverständnis 3
1.2.2. Mangelnde Vorkenntnisse 3
1.2.3. Mangelnde Lernmotivation 4
1.2.4. Nicht ausreichende Lernzeit 4
1.2.5. Mangelnde Unterrichtsqualität 4
1.2.6. Ungünstiges Klassenklima 4
1.2.7. Gestörte Beziehungen zwischen den Schülern 5
1.2.8. Beeinträchtigungen im familiären Umfeld 5
1.2.9. Der Einfluß von Medien 5
2. Diagnostik und Intervention 5
2.1. Instruktionsverständnis 5
2.2. Vorkenntnisse 6
2.3. Motivation 6
2.4. Lernzeit 6
2.5. Unterrichtsqualität 7
2.6. Unterrichtsklima 7
2.7. Beziehungen zwischen den Schülern 7
2.8. Familiäres Umfeld 7
2.9. Medien 8
3. Spezielle Lernprobleme 8
3.1. Lese-Rechtschreibschwierigkeiten (LRS) 8
3.1.1. Mögliche Ursachen von Lese-Rechtschreibschwierigkeiten 8
3.1.2. Diagnostik und Intervention von Lese-Rechtschreibschwierigkeiten 9
3.1.3. Strukturanalyse einer Lern- und Leistungsstörung am Beispiel der Legasthenie 10
3.2. Rechenschwierigkeiten 11
4. Behandlung und Prävention 12
Liteteratur XVI
1. Was heißt Lernstörung?
Lernstörungen sind alltägliche Phänomene. Wenn ein Inhalt nicht sofort richtig beherrscht wird – z.B. auch beim Erlernen von Sportarten –, liegt noch lange keine Lernstörung vor, sondern es kann sich auch einfach nur um einen schwierigen Lernprozeß handeln. Vielleicht war ja der Stoff sehr schwer oder man wurde durch Musik oder andere Sachen abgelenkt. Bei der Definition benutzt man oft verschiedene Begriffe, wie Lernbehinderung, Leistungsversagen, Lernstörung oder Lernschwierigkeiten. Dabei muß man aber auch zwischen Einigen unterscheiden. Eine Lernbehinderung z.B., ist „das schwere und dauernde Versagen in Grund- bzw. Hauptschule, deren Bildungsmöglichkeiten nicht ausreichen, um das lernbehinderte Kind zu fördern.“ 1) „Von Lernschwierigkeiten spricht man im allgemeinen, wenn die Leistungen eines Schülers unterhalb der tolerierbaren Abweichungen von verbindlichen institutionellen, sozialen und individuellen Bezugsnormen (Standards, Anforderungen, Erwartungen) liegen oder wenn das Erreichen (bzw. Verfehlen) von Standards mit Belastungen verbunden ist, die zu unerwünschten Nebenwirkungen im Verhalten, Erleben oder in der Persönlichkeitsentwicklung des Lernenden führen.“ 2) Desweiteren muß man unterscheiden zwischen einer Lern- und einer Leistungsstörung. „Eine Lernstörung liegt vor, wenn der Klient Gelegenheit hatte zu lernen, aber der Lernerfolg nicht gegeben ist. Eine Leistungsstörung liegt vor, wenn der Klient vor einer Forderung, die er aller Voraussicht nach bewältigen könnte, versagt.“ 3)
Im engeren Sinne sind Lernstörungen Störungen der Lernfähigkeit. Die Lernfähigkeit wird unter anderem bezeichnet als Teilaspekt intelligenten Verhaltens, aber auch als Fähigkeit, die interne Organisation von Wissen und informationsverarbeitenden Strategien effektiv auf Problemsituationen anzuwenden. Im Amerikanischen unterscheidet man zwischen „mental retardation“ (geistiger Zurückgebliebenheit) und „learning disabilities“ (Lernunfähigkeit). Bei den „learning disabilities“ schöpfen offenbar die informationsverarbeitenden Prozesse nicht deren „intellektuelle Fähigkeiten“ aus oder erreichen sie nicht. Es besteht also eine Diskrepanz zwischen der Lernfähigkeit und der Intelligenz. Lernstörungen im pädagogischen Kontext sind unterschiedlich „schwerwiegende, umfängliche und langandauernde“ 4) Beeinträchtigungen des Lernens. Hier ist eine Unterscheidung zwischen Lernbehinderung und Lernstörung nicht von Vorteil, da beide als Ergebnis eines komplexen Transaktionsprozesses zwischen den Anforderungen der jeweiligen Institution und den Lernvoraussetzungen des Individuums angesehen werden. Beide sind abhängig von der Person des Schülers, der Situation, in der der Schüler sich befindet und der Wechselwirkung zwischen Person und Situation.
In der Schule ist Lernen durch institutionelle Vorgaben geprägt. Es verlangt oft aufgrund seiner Anforderungen eine Loslösung von konkreten Lebensumständen. Es gibt Schüler, die bei schulischen Lernaufgaben versagen, im Alltag aber intelligent und lernfähig sind. Schulisches Lernen ist instruktionsabhängig, gefordert werden Fähigkeiten zur Generalisierung und eigenständigen Regelerweiterung. Lernstörungen äußern sich hier darin, dass das Kind Lesen, Rechnen und Schreiben – also das gewünschte Können – nicht in ausreichender Qualität, nicht mit ausreichender Sicherheit und nicht in der institutionell dafür vorgesehenen Zeit erwirbt, d.h. bestimmte Leistungsergebnisse werden nicht erreicht. Schulische Lernstörungen sind also Aneignungsstörungen, die 4 – 6 % der Schüler betreffen. Schulversagen ist deshalb zurückzuführen auf die „Unfähigkeit, von einer Strategie auf die andere umzuschalten, unangemessene Strategien aufzugeben, Informationen mit einer Strategie zu bearbeiten und dann eine andere auszuwählen oder gar verschiedene Verarbeitungsprozesse in schneller Folge zu berücksichtigen, um zu einer Problemlösung zu gelangen.“ 5)
1.1. Klassifikation von Lernstörungen
[...]
1) Zielinski, W., Lernschwierigkeiten, 1995, S. 12
2) Ebd., S. 12
3) Betz, D., Teufelskreis Lernstörungen, 1987, S. 28
4) Lauth, G., Lernstörungen, 1993, S. 70
5) Ebd., S. 70
Arbeit zitieren:
Anja Behr, 2001, Lernstörungen, München, GRIN Verlag GmbH
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