Studienseminar für das Lehramt für die
Sekundarstufe II, Düsseldorf I
Schriftliche Hausarbeit
im Rahmen der Zweiten Staatsprüfung für das Lehramt
Sekundarstufe II/I
Thema:
Streiten-Vermitteln-Lösen - Einführung in ein kooperatives
Konfliktlösetraining zur Förderung des Sozialverhaltens
für die 5. Klasse einer Gesamtschule
(Lehrerfunktionen: Unterrichten und Erziehen)
Ausbildungsjahrgang: 2002/04
Schwerpunkt: Gesamtschule
Fach: Hauptseminar
von
Stefanie Hedderich
Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung ... 1
2. Problemaufriss und theoretische Ansätze ... 2
2.1 Was ist ein Konflikt? ... 3
2.2 Konflikte in der Schule ... 4
2.3 Konflikte und die Ursachen wachsender Erziehungsprobleme in der Schule ... 5
2.3.1 Der Individualisierungsprozess oder gesellschaftlicher Wandel als Auslöser mangelnder Konfliktfähigkeit von Kindern und Jugendlichen ... 6
2.3.2 Die Familie als Auslöser mangelnder Konfliktfähigkeit von Kindern und Jugendlichen ... 7
2.3.3 Schule als Auslöser mangelnder Konfliktfähigkeit von Kindern und Jugendlichen ... 8
3. Modelle zur Konfliktlösung – zwei Konzepte aus der Schulpraxis ... 9
3.1 Das Konzept der Mediation – Streitschlichtung in der Schule ... 10
3.2 Die Gordon-Methode oder wie man Konflikte in der Schule löst ... 11
4. Planung der Unterrichtsreihe ... 12
4.1. Ausgangslage und Problemanalyse der Lerngruppe ... 13
4.2 Das kooperative Konfliktlösetraining als Grundlage der geplanten Unterrichtsreihe ... 14
4.3 Didaktisch-methodische Überlegungen zur Konzeption der Unterrichtsreihe ... 15
4.4 Ziele der Unterrichtsreihe ... 16
5. Darstellung drei ausgewählter Unterrichtsstunden ... 17
5.1 Darstellung der 5. Unterrichtsstunde: Kooperation bedeutet Zusammenarbeit (Teil I) ... 18
5.1.1 Ziele der Unterrichtsstunde ... 19
5.1.2 Stundenverlauf ... 20
5.1.3 Reflexion der Stunde ... 21
5.2 Darstellung der 9. Unterrichtsstunde: Wie fühlst du dich? Gefühle wahrnehmen und darstellen ... 22
5.2.1 Ziele der Unterrichtsstunde ... 23
5.2.2 Stundenverlauf ... 24
5.2.3 Reflexion der Stunde ... 25
5.3 Darstellung der 14.Unterrichtsstunde: Worte können missverstanden werden – Genaues Formulieren und aktives Zuhören ... 26
5.3.1 Ziele der Unterrichtsstunde ... 27
5.3.2 Stundenverlauf ... 28
5.3.3 Reflexion der Stunde ... 29
6. Gesamtreflexion – Zusammenfassung der gewonnenen Erfahrungen und Ausblick ... 30
Literaturverzeichnis ... 31
Anhang ... 34
1. Einleitung
Raufereien auf dem Schulhof, Bedrohungen von Mitschülern, Schubsen oder Drangsalieren ... Es lässt sich nicht vermeiden, dass Kinder mit Konflikten in Berührung kommen. Ob in der Schule, zu Hause oder in ihrer Freizeit. Oft haben Schüler jedoch keine Lösungsmöglichkeiten gelernt und besitzen keine Verhaltensalternativen zur gewaltfreien Bearbeitung von Konflikten. Die Folge sind zahlreiche Auseinandersetzungen durch nicht ausgetragene Streitigkeiten, die mit in den Unterricht hineingetragen werden und die Lehrer zwingen immer häufiger Sozialverhalten im Unterricht zu vermitteln. Die vorliegende Arbeit stellt einen durchgeführten Unterrichtsversuch dar, indem ein kooperatives Konfliktlösetraining in einer 5. Klasse einer Gesamtschule durchgeführt wurde, welches einen konstruktiven Umgang mit Konflikten in der Schule vermittelt und das soziale Klima, die gegenseitigen Achtung und Akzeptanz innerhalb der Lerngemeinschaft zu verbessern versucht.
Die Arbeit beginnt mit einem Überblick von Konflikten und zeigt des Weitern drei Ursachen auf, welche diese in der Schule begünstigen und somit das mangelnde Konfliktverhalten der Schüler zu erklären versucht. Zwei Modelle zur Konfliktlösung aus der Schulpraxis zeichnen den nächsten Teil der Arbeit aus und schließen den theoretischen Rahmen der Arbeit ab. Kapitel 4 der vorliegenden Arbeit stellt die Planung der durchgeführten Unterrichtsreihe dar. Hier werden die Ausgangslage, die Problemanalyse der Lerngruppe, das Konzept des kooperativen Konfliktlösetrainings, die didaktisch-methodischen Überlegungen und die damit verbundenen Unterrichtsreihenziele aufgeführt und erläutert. Um einen Einblick in die durchgeführte Unterrichtsreihe zu erhalten, werden im nächsten Kapitel drei ausgewählte Unterrichtsstunden mit ihrer Zielsetzung, Beschreibung und anschließender Reflexion vorgestellt. Die Arbeit endet mit einem Gesamtreflexion und zeigt gewonnene Erfahrungen und weitere Umsetzungsmöglichkeiten für die Schulpraxis auf.
Anmerkung:
Aus Gründen der leichteren Lesbarkeit verzichte auf die grammatikalische Bennennung beider Geschlechter. Mit „Schüler“, „Lehrer“ und „Kollegen“ sind beide Geschlechter gemeint.
2. Problemaufriss und theoretische Ansätze
2.1 Was ist ein Konflikt?
Das Wort Konflikt stammt vom Lateinischen confligere, was so viel bedeutet wie „Zusammenstoß“ und „im sozialwissenschaftlichen Sinne die allgemeine Bezeichnung für Gegensätzlichkeiten, Spannungen, Gegnerschaften, Auseinandersetzungen und Kämpfe unterschiedlicher Intensität zwischen verschiedenen sozialen Einheiten beinhaltet.“1 Soziale Konflikte beinhalten eine Interaktion zwischen zwei oder mehreren Individuen oder Gruppen (Cliquen) bei denen mindestens eine Seite Unvereinbarkeiten in Gedanken, Gefühls- oder Willensleben erlebt. Entscheidend hierbei ist jedoch, dass sich die eine durch die andere Seite gehindert sieht, ihre Ziele, Gefühle und Vorstellungen zu verwirklichen.2 Es sind gerade die sozialen Konflikten, die in ihrer Häufigkeit am meisten in der Schule auftreten und den Schulalltag beeinflussen. Konflikte gehören zum Leben der Menschen und werden häufig als etwas Negatives angesehen, da sie oft ungelöst bleiben und die Beteiligten darunter leiden und keinen Ausweg mehr finden. Konflikte machen jedoch Unterschiede deutlich - Unterschiede im Denken, Fühlen und Wollen - und liegen dort vor, wo ungleiche, oft gegensätzliche Absichten verfolgt werden. Wenn man erkennt, dass Konflikte ein wichtiges Signal sind, dass etwas nicht stimmt und verändert werden muss, bieten sie die Möglichkeit zur Entwicklung und zum Aufbau der gegenseitigen Beziehung. Voraussetzung ist allerdings, dass ein konstruktiver Umgang mit den unterschiedlichen Auffassungen, Empfindungen und Zielen gefunden wird. Als entscheidend erweist sich die Fragestellung, wie man einen Konflikt zur Kenntnis nimmt und bearbeitet. Nicht der Konflikt an sich ist das Problem, sondern die Art und Weise, wie man mit ihm umgeht. Dieser Kerngedanke wurde bei der Planung meiner Unterrichtsreihe: „Da habe ich einfach zugeschlagen ... – Fair streiten lernen mithilfe des kooperativen Konfliktlösetrainings“ berücksichtigt und wird an späterer Stelle noch ausführlicher erläutert. Da es eine Reihe von Definitionen und Formen von Konflikten in verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen gibt, wird im Folgenden der Schwerpunkt auf Konflikte im Schulalltag gelegt.
2.2 Konflikte in der Schule
Konflikte sind im Zusammenleben zwischen Menschen alltäglich und normal. Daher muss sich auch die Institution Schule mit diesem Problem fast täglich auseinandersetzen. Jedoch rückt die steigende Gewalt an Schulen in den letzten Jahren immer mehr ins öffentliche Bewusstsein und Ereignisse wie der „16. März 2000: Ein 16-Jähriger schießt im oberbayerischen Brannenburg auf den Internatsleiter und unternimmt danach einen Selbstmordversuch, 13. Februar 2002: Ein mit Messern bewaffneter 17-Jähriger bringt insgesamt 13 ehemalige Mitschüler einer Hauptschule im Jüchener Ortsteil Hochneukirch fast vier Stunden in seine Gewalt, 26. April 2002: Im Erfurter Gutenberg-Gymnasium erschießt ein ehemaliger Schüler 13 Lehrer, zwei Schüler sowie einen Polizisten. Anschließend jagt er sich selbst eine Kugel in den Kopf. “3 beherrschten die öffentliche Diskussion. Die Gewaltbereitschaft und der Anstieg täglicher Konflikte im Schulalltag bringen es mit sich, dass deutsche Lehrer immer häufiger nicht nur unterrichten, sondern auch Sozialarbeiter, Erzieher, Psychologen, Elternberater und Seelsorger in einem sein müssen.
[....]
1 K.H. Hillmann: Wörterbuch der Soziologie, Stuttgart 1994, S. 432
2 vgl. F. Glasl: Konfliktmanagement, Bern/ Stuttgart 1990, S. 14
3 SPIEGEL ONLINE: Chronik: Gewalt an Schulen, 18.10.2002, http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,218914,00.html
Quote paper:
Stefanie Hedderich, 2003, Streiten-Vermitteln-Lösen - Einführung in ein kooperatives Konfliktlösetraining zur Förderung des Sozialverhaltens für die 5. Klasse einer Gesamtschule, Munich, GRIN Publishing GmbH
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