thematisiert. Den Schwerpunkt der beiden letzten Stunden bildeten die innerbetrieblichen Arbeitsbedingungen in Fabriken. Die Schülerinnen und Schüler setzten sich mit den Arbeitsbedingungen am Beispiel der Fabrikordnung einer Baumwollspinnerei auseinander und analysierten diese und beurteilten sie kritisch. Des Weiteren wurde die Höhe der Löhne der Arbeiter besprochen und die Folgen, die diese auch für die Familien der Arbeiter mit sich brachten.
In der heutigen Unterrichtsstunde liegt der Schwerpunkt auf dem Produktionsvorgang der Arbeitsteilung in Manufakturen und Fabriken. Die Schülerinnen und Schüler sollen, nachdem fünf den Arbeitsprozess durchgeführt haben, auf der Grundlage eines Textes von Adam Smith, die Vor- und Nachteile der Arbeitsteilung analysieren, diskutieren und beurteilen.
In den folgenden Stunden wird der Schwerpunkt auf der Kinderarbeit zur Zeit der Indus trialisierung liegen. Hier sollen die Arbeitsbedingungen der Kinder in Fabriken untersucht und diskutiert werden. Die Entwicklung der Dampfmaschine (James Watt) und die Erfi ndungen der ersten Dampflokomotiven sollen einen weiteren Aspekt der Reihe bilden. Wenn es die organisatorischen Bedingungen zulassen, ist als Abschluss der Reihe geplant, mit der Klasse 9 das Rheinische Industriemuseum Cromfort in Ratingen zu besuchen und sich auf die Spuren der Industrialisierung zu begeben.
Anmerkung zur Planung und Durchführung der bisherigen Unterrichtsstunden:
Die Unterrichtsreihe wurde gemeinsam mit Frau W., einer Referendarin (Geschichte/ Italienisch) der G esamtschule, geplant und in der Regel in Form des Team-Teachings durchgeführt. Die Reihe wurde so konzipiert, dass sowohl historische als auch wirtschaftliche und soziale Aspekte aufgezeigt und in ihrem Zusammenhang verdeutlicht werden. Aus organisatorischen Gründen wurden und werden jedoch auch einzelne Stunden von Frau W. und mir alleine durchgeführt.
Bemerkungen zur Lerngruppe:
Die Klasse 9 sind 14 Mädchen und 16 Jungen. In der Klasse herrscht ein eher unterdurchschnittliches Leistungsniveau. Die aktive Beteiligung am Unterrichtsgeschehen ist gering und oft unstrukturiert. Die Jungen zeigen ein größeres Interesse am Unterricht, was wohl auf das Thema der Reihe zurückzuführen ist. Die Schüler O., M., M., H. und M. und O. gehören zu den leistungsstärkeren Schülern der Klasse. Bei der Schülerin J. handelt es sich um eine problematische Schülerin, die ein sehr aggressives Verhalten gegenüber den Lehrkräften und ihren Mitschülern zeigte. In der vorletzten Stunde wurde die Schülerin
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aufgrund ihres Verhaltens von der GL Stunde ausgeschlossen. Es bleibt abzuwarten, wie sie sich in dieser Stunde verhält.
Didaktisch-methodische Überlegungen:
Die heutige Unterrichtsstunde setzt die Unterrichtsreihe: „Die Industrialisierung - zwei Gesichter des Fortschritts“ fort und ist im schulinternen Lehrplan des Fachs Gesellschaftsle hre für den Jahrgang 9 der Gesamtschule obligatorisch.
Bei der Planung der heutigen Stunde waren folgende Fragen und Kriterien für den Unte rrichtsinhalt, die Methodenwahl und den Verlauf leitend: Wie kann bei den Schülerinnen und Schülern das Interesse für das Stundenthema geweckt werden, welches sie augenblicklich nicht persönlich betrifft? Des Weiteren sollte die Motivation im Kurs gefördert we rden, da dies ein Problem der letzten Unterrichtsstunden darstellte. Eine weitere Problematik, die bei der Planung berücksichtigt werden musste, ist das Leistungsniveau der Klasse 9, welches sich eher im unteren Bereich befindet. Es wurde im Laufe der Unterrichtsreihe festgestellt, dass den Schülerinnen und Schülern die Arbeitsformen der Einzel - bzw. der Partnerarbeit und das Unterrichtsgespräch entgegenkommen. I n der Stundenplanung wurden diese Sozialformen berücksichtigt.
Das Stundenthema: „Immer die gleiche Arbeit ? - Vor- und Nachteile der Arbeitsteilung am Beispiel der Stecknadelproduktion von Adam Smith“ wurde als Unterrichtsgegenstand gewählt, um den Arbeitsprozess, welcher in vielen Manufakturen und Fabriken zur Zeit der Industrialisierung eingeführt wurde, zu thematisieren und ihre Folgen zu verdeutlichen und zu diskutieren. Nachdem sich die Klasse in der letzten Stunde mit den Arbeitsbedingungen auseinandersetzt hat, sollen sie nun die Arbeitsteilung kennen lernen, mit dem Ziel, diese kritisch zu untersuchen.
Der Einstieg in die Unterrichtsstunde soll mit einem Versuch beginnen. Vier freiwillige Schülerinnen und Schüler sollen den Prozess der Arbeitsteilung am Beispiel der Herste llung eines Briefes erfahren und verdeutlichen. Ein Schüler bzw. eine Schülerin führt dagegen sämtliche Arbeitsgänge durch. Die anderen Klassenmitglieder bekommen den Auftrag, den Versuch zu beobachten. Ziel dieses Versuches ist es, der Lerngruppe den Prozess der Arbeitsteilung zu veranschaulichen. Die Motivation und Aufmerksamkeit der Klasse wird durch die Auswahl des Einstiegs gefördert, da nicht die Lehrerin das Unte rrichtsgeschehen bestimmt, sondern einzelne Schülerinnen und Schüler die Phase aktiv gestalten. Im Anschluss sollen die am Unterrichtsversuch beteiligten Schülerinnen und Schüler ihrer Erfahrungen und Gefühle erläutern. Danach werden die Ergebnisse der Beobachtungsgruppe (Plenum) mündlich besprochen. Hier wird die subj ektive Erfahrung der Einzelnen am Lernprozess gefördert. Die Betroffenheit der Aktiven wird dem Plenum er-
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kennbar und nachvollziehbar sein. Die Auswahlkriterien der Bedeutsamkeit und Betroffe nheit sind für die Unterrichtsstunde somit bedacht worden.
Im Weiteren sollen die Schülerinnen und Schüler den Begriff Arbeitteilung erklären. Es kann davon ausgegangen werden, dass die Schülerinnen und Schüler den Begriff der „Fliesbandarbeit“ dafür verwenden werden, was nicht falsch ist, da dieser Arbeitsprozess auch in sehr differenzierte Arbeitsgänge aufgeteilt ist. Falls die Klasse den Begriff jedoch nicht eindeutig bestimmen kann, wird die Lehrerin diesen vorgeben und an der Tafel festhalten.
In der Erarbeitungsphase erhalten die Schülerinnen und Schüler einen Text von Adam Smith, welcher sich mit der Arbeitsteilung am Beispiel der Stecknadelproduktion auseinandersetzt. Dadurch wird den Schülerinnen und Schülern deutlich, was das Stundenthema mit der Unterrichtsreihe zur Industrialisierung gemeinsam hat. Sie erhalte n eine zeitgenössische Textquelle, welche den Arbeitsprozess zur Zeit der Industrialisierung positiv hervorhebt. Nach der Lesephase und der Klärung von Verständnisfragen sollen in einem Unterrichtsgespräch die Vorteile der Arbeitsteilung nach Smith erarbeitet und an der Tafel festgehalten werden. Die Nachteile der Arbeitsteilung sollen dann in Partnerarbeit kurz analysiert und dann gemeinsam im Plenum besprochen werden. Die schriftliche Ergänzung der Nachteile an der Tafel vervollständigt dann das Tafelbild und die Klasse kann die Stundenergebnisse in ihr Heft übertragen. Als Hausaufgabe erhalten die Schüleri nnen und Schüler eine zeitgenössische Karikatur, welche den Prozess der Arbeitsteilung veranschaulicht. Die erworbenen Kenntnisse können so durch die Interpretation der Karikatur überprüft und gesichert werden.
Falls jedoch nach der Ergebnissicherung des Adam Smith Textes noch Zeit vorhanden ist, wird die Karikatur als OHP - Folie den Schülerinnen und Schülern präsentiert und besprochen. Da es jedoch nur zu einer kurzen Interpretation kommen kann, wird ihnen die selbe Hausaufgabe gestellt, in der sie sich ausführlich mit dem Unterrichtsgegenstand auseinandersetzen müssen. Zudem fällt es vielen Schülerinnen und Schülern schwer ihre Gedanken schriftlich zu formulieren und daher ist die Hausaufgabe auch eine weitere Übung zur Förderung des schriftlichen Sprachgebrauchs.
Die Integration von praktischem Handeln mit aufbauender Reflexion, Begriffsbildung und fachbezogener Erkenntnisgewinnung zeigt deutlich, dass handlungsorientierter Unterricht im Vordergrund steht. 1
1 Vgl. H. Klippert: „Handlungsorientierter Politikunterricht“, in: Deutsche Vereinigung für politische Bildung (Hrsg.): Politisches Lernen,
Heft 3-4/95, S. 24-26, gekürzt
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Sachanalyse:
In seinem 1776 erschienen Buch „Der Wohlstand der Nationen“ stellt Adam Smith fest: „Die Arbeitsteilung dürfte die produktiven Kräfte der Arbeit mehr als alles andere fördern und verbessern.“ 2 An seinem Beispiel aus der Stecknadelproduktion lassen sich Aspekte der Arbeitsteilung ableiten, in der die Produktion eines Gutes in einzelne Arbeitsgänge zerlegt wird. Entsprechend kann man hier von einer innerbetrieblichen Arbeitszerlegung sprechen.
Die Vor- und Nachteile der Arbeitsteilung werden auch heute noch konträr diskutiert. Die Spezialisierung von Arbeitern auf Teilverrichtungen führe über entsprechende Ausbildungsgänge zu vermehrter Qualifizierung. So entständen neue Fertigkeiten mit besonderen Anforderungen, die schließlich Grundlage sein können für die Definition neuer Berufe mit eigenen Berufsbildern und Qualifikationen 3 . Andererseits darf nicht übersehen werden, dass mit der Arbeitsteilung auch Nachteile verbunden sind. Die Reduzierung auf die Eintönigkeit verhindert überhaupt eine notwendige Qualifizierung. Es entstehen keine neue Berufe, sondern ungeübte Teilfertigkeiten sind gefordert. Diese kann jeder ungelernte Arbeiter ausüben. Der Streit unter den Ökonomen und Arbeitswissenschaftlern ist nicht gelöst.
Es hat sich allerdings gezeigt, dass durch Arbeitsteilung die Ergiebigkeit der Produktion gesteigert wird. Arbeitsteilung ermöglicht die Produktion großer Mengen bei relativ niedrigen Kosten.
Die erkennbaren Nachteile führen zu gesundheitliche Schäden, Monotonie der Arbeit, zum Verlust der Arbeitsfreude. Der Arbeitende verliert die Übersicht über den Gesamtzusammenhang seiner Tätigkeit. Trotzdem kann die moderne Volkswirtschaft nicht auf die Arbeitsteilung verzichten. Bis heute ist die von Henry Ford (1913) eingeführte Fließbandfertigung die verbreitetste Produktionsform.
Im Bereich der Autoindustrie wurden jedoch Anfang der 90er Jahre z.B. bei Opel Eisenach, Versuche unte rnommen, die Zufriedenheit und Motivation der Arbeiter zu fördern, indem eine andere Arbeitsorganisation entwickelt und durchgeführt wurde. Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen aller Fertigungsbereiche bildeten Teams und übernahmen, neben der reinen Montagetätigkeit auch Aufgaben der Qualitätssicherung, I nstandhaltung sowie der Materialbereitstellung. 4 Solche Teammodelle, wurden in verschiedenen Industriezweigen praktiziert, jedoch wurden viele aufgrund hoher Kosten wieder eingestellt und man wandte
2 Adam Smith: Wohlstand der Nationen . Eine Untersuchung seiner Natur und seiner Ursachen, dtv, München 1974, Seite 9
3 Vgl. H. Seidel/ R. Temmen: „Grundlagen der VWL“, Gehlen Verlag, Bad Homburg 2000, Seite 41
4 Aus: Opel Eisenach GmbH, Broschüre: „Opel Eisenach“, Ausgabe 1994, S.18, in: Zukunft gestalten in Wirtschaft, Gesellschaft und
Politik, Schroedel Verlag, S. 19, Hannover 2000
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Arbeit zitieren:
Stefanie Hedderich, 2003, Immer die gleiche Arbeit? - Vor- und Nachteile der Arbeitsteilung am Beispiel der Stecknadelproduktion von Adam Smith, München, GRIN Verlag GmbH
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