ORT DES LEBENS
Der Taufort als Paradigma für die Initiationsliturgie
und -pastoral in der Pfarrei
Abschlussarbeit
für die Diplomprüfung
im Fachbereich Theologie an der
KATHOLISCHEN FACHHOCHSCHULE NW
ABTEILUNG PADERBORN
vorgelegt von
Marius STELZER
am 22. November 2000
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung ... 24
2 Die Ikonografie des Taufortes in der Antike ... 27
2.1 Der Taufort im frühen Christentum ... 7
2.2 Das Taufhaus von Kal’at Sim’ân in Zentralsyrien ... 7
2.3 Frühchristliche Dokumente zur Feiergestalt der Taufe ... 13
3 Die Typologie des Taufortes /-gerätes in der Geschichte bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts ... 20
3.1 Der geschichtliche Befund ... 20
3.2 Zusammenschau ... 23
4 Die Entwicklung der Ausgestaltung des Taufortes nach dem II. Vatikanischen Konzil ... 25
4.1 Das erneuerte Verständnis der Taufe nach dem Konzil ... 25
4.2 Problemanalyse ... 30
5 Die Typologie nachkonziliarer Tauforte ... 32
5.1 Die architektonische Dimension des Rituals ... 32
5.2 Der Taufort der St. Christophorus Pfarrei in Westerland /Sylt ... 35
5.3 Der Taufort der St. Hedwig Pfarrei in Paderborn – Auf der Lieth ... 38
5.4 Der Taufort der St. Bruno Pfarrei in Düsseldorf-Unterrath ... 40
5.5 Gestaltungsprobleme des Taufortes ... 44
5.6 Exkurs: Die Gestaltung ausgewählter Tauforte in den USA ... 49
5.7 Zusammenfassung ... 52
6 Möglichkeiten der zeitgemäßen Gestaltung des Taufortes in einem bestehenden Kirchenraum ... 54
6.1 Die Pfarrkirche St. Joseph in Stadtlohn – Ist-Zustand ... 54
6.2 Die Pfarrkirche St. Joseph in Stadtlohn – Kann-Zustand ... 57
6.3 Optionen für die Feiergestalt der Kinder- und Erwachsenentaufe ... 61
7 Zukünftige Aufgaben der neuen Tauforte ... 66
7.1 Taufgedächtnis im Sonntagsgottesdienst ... 68
7.2 Krankensalbung ... 70
7.3 Begräbnisliturgie und Friedhofsgestaltung ... 71
7.4 Schlusswort ... 75
8 Anhang ... 76
8.1 Materialien ... 77
8.2 Abkürzungsverzeichnis ... 93
8.3 Literaturverzeichnis ... 94
1 Einführung
Das kirchliche Leben der Weltkirche, der Ortskirche als auch der einzelnen Gemeinden drückt sich am dichtesten im liturgischen Tun, in gottesdienstlichen Feiern aus. Die Grundsätze des II. Vatikanischen Konzils über die Feier der Liturgie bezeichnen dieses Feiern als „Höhepunkt, dem das Tun der Kirche zustrebt, und zugleich als Quelle, aus der all ihre Kraft strömt“ (SC 10). Dies gilt in besonderer Hinsicht für die Feier der Eucharistie, aber auch für die anderen gottesdienstlichen Versammlungen. Liturgische Handlung ist also zutiefst „heilige Handlung, deren Wirksamkeit kein anderes Tun der Kirche an Rang und Maß erreicht“ (SC 7), da Gott selber durch Christus mittels Zeichen an und mit uns handelt. Schriftlesung und Zeichenhandlung bestimmen daher in besonderem Maße den Ablauf einer gottesdienstlichen Feier.
Insbesondere die Feier der Sakramente bilden Schwerpunkte im liturgischen Feiern der Christen, denn als Sakramente des Glaubens sind sie „Lebens-mittel“ des Menschen. Grundlegendes Sakrament ist die Feier der Eingliederung in die Kirche, welche sich in Taufe, Firmung und Ersteucharistie ausdrückt. Auch hier spielen Schriftlesung und Zeichenhandlung zentrale Rollen, denn Wort und Zeichen verdichten sich im Ritual und betreffen den Menschen zutiefst: Im Ritual wird der Mensch anfanghaft in das Paschamysterium hineingenommen. Anhand symbolischer Darstellung erfährt er unmittelbar geistliche Wirklichkeit - und umgekehrt, denn „wenn Menschen etwas bewegt, tief berührt, beeindruckt, dann drängt dieses Innen nach einem Außen. [...] es will gesagt und erzählt, gemalt und geschrieben, in Stein gehauen und in Klang umgesetzt sein. Das, was sich da „äußert“, ist Widerspiegelung dessen, was „innert“, was in mir ist“1 beschreibt die Theologin Andrea SCHWARZ diese Sehnsucht des Menschen, Gedanken und Empfindungen greifbar werden zu lassen, um so Zeugnis davon zu geben. Dies gilt bevorzugt für die Geschichte des Kirchenbaus und die konkreten baulichen Ausformungen.
Aber auch die Gestaltung des Taufortes in der 2000jährigen Tradition des Christentums ist „in Stein gehauener“ Ausdruck, ist Äußerung dessen, was – um in der Terminologie SCHWARZ‘ zu bleiben - Innerung der Christen ist: Anhand der Typographie des Taufortes lässt sich ablesen, wie Initiation theologisch gesehen und im Ritual praktiziert wurde.
Dieser Dreischritt bildet das Untersuchungsschema der vorliegenden Arbeit: Ausgewählte Tauforte werden in ihrer Typographie, ihrer Ausgestaltung, näher untersucht, um daraus Rückschlüsse auf die Theologie und Praxis der Taufe zu ziehen. Da sich Liturgiewissenschaft dem interdisziplinären Fragen verpflichtet fühlt und so vor allem den Dialog mit der Kirchen- und Kunstgeschichte sucht, ergibt sich folgende Struktur:
Im ersten Teil wird der Taufort im frühen Christentum untersucht. Unterstützend werden altkirchliche Dokumente zu Fragen der Taufpraxis und Ausgestaltung der Tauforte hinzugezogen. Die weitere Entwicklung des Taufortes in der Geschichte bis zum II. Vatikanischen Konzil wird in einem geschichtlichen Abriss verdeutlicht. Hier soll nur ein roter Faden gesponnen werden, um daraufhin den Kern der Problemanzeige dieser Arbeit zu formulieren.
Der zweite Teil der Arbeit befasst sich mit der Gestaltung des Taufortes in heutiger Zeit. Es wird das erneuerte Verständnis der Initiationsliturgie nach dem II. Vatikanischen Konzil anhand einschlägiger Texte und Dokumente erörtert. Hierzu zählen auch die gängigen Arbeitshilfen und Ritualbücher, um die wesentlichen Punkte einer gewünschten Praxis der Initiationsliturgie zu dokumentieren. Die tatsächliche Taufpraxis wird ablesbar in der Gestaltung ausgewählter Tauforte, wie sie anschließend gesichtet und bewertet werden. Daraufhin wird auf der Basis der bis dahin fest- gehaltenen Ergebnisse in einem vorhandenen Kirchenbau ein Taufort gestaltet, der sowohl den (kunst-) historischen, theologischen als auch den pastoralliturgischen Ansprüchen und im wesentlichen dem Menschen gerecht werden soll: „Die Sakramente sind hingeordnet auf die Heiligung des Menschen“ (SC 59) ist ein Grundsatz der Liturgiekonstitution des II. Vatikanischen Konzils und sollte vor allem in der Gestaltung des Taufortes sichtbar werden. Dabei werden in dieser Arbeit besonders die Aspekte Kindertaufe und Erwachsenentaufe beachtet, denn die Feier der Kindertaufe wird auch in Zukunft eine gewichtige Rolle spielen; die Feier der Erwachsenentaufe bildet gerade in der jüngsten Zeit eine besondere Herausforderung, da sich viele Erwachsene entgegen jedem Trend zum Christsein entscheiden (hier erhalten wir besonders aus den USA wertvolle Impulse). Abschließend werden Optionen hinsichtlich der Feier der Tauferinnerung untersucht. Die Tauferinnerung /-erneuerung kann vor allem eine Alternative zum Problempunkt „Schuldbekenntnis / Kyrie“ im Gottesdienst sein und soll dementsprechend dargestellt werden. Ebenso kann der Taufort als Ort des Lebens gerade in den liturgischen Feiern am Lebensende, der Krankensalbung und Begräbnisliturgie eine besondere Rolle einnehmen.
[....]
1 AUSTEN, G., u.a., Wandel durch Licht und Zeit- Kirchenräume neu entdecken / mit Texten von Andrea SCHWARZ, Paderborn 1999, S. 5.
Quote paper:
Marius Stelzer, 2000, Ort des Lebens - Der Taufort als Paradigma für die Initiationliturgie und -pastoral in der Pfarrei, Munich, GRIN Publishing GmbH
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