1. Einleitung
2
1.1. Wozu brauchen wir die Reproduktionsmedizin 2
1.2. Verfahren der Reproduktionsmedizin 5
1.3. Statistische Erhebungen 6
1.4. Fallbeispiele 8
2. Optionen und Alternativen
10
2.1. Adoption 10
2.2. Verzicht 10
2.3. Fehlhandlungen 11
3. Rechtliche Grundlagen
11
3.1. Grundgesetz 11
3.2. Embryonenschutzgesetz 12
3.3. Strafgesetz 12
3.4. Richtlinien der Bundesärztekammer 13
3.5. Sozialgesetz 13
3.6. Christliche Dogmen 13
4. Pro und Contra zur Reproduktionsmedizin
14
5. Die ethische Diskussion
15
6. Schlussfolgerungen
22
7. Erklärung medizinischer Fachbegriffe
24
8. Quellenverzeichnis
26
1. Einleitung:
1.1. Wozu brauchen wir die Reproduktionsmedizin?
Nachdem im Jahr 1964 durch die Legalisierung des Antikontrazeptivums „Pille“ als Verhütungsmittel bei Menschen im fortpflanzungsfähigen Alter eine neue Art der Lebensplanung ermöglicht wurde, entschieden sich immer mehr Frauen im gebärfähigen Alter, die berufliche Karriere an die erste Stelle ihrer Lebensziele zu stellen. 1 Das Bild von Elternschaft und der Rolle der Frau in der Gesellschaft wurde dadurch erstmals erheblich verändert.
In der Bundesrepublik Deutschland nutzten zum damaligen Zeitpunkt viele Frauen diese Möglichkeit der Familienplanung, ohne sich darüber im Klaren zu sein, dass die Chance, ab einem Alter von 35 Jahren und darüber hinaus schwanger zu werden, erheblich abnimmt, da ihrem Körper - und damit ihrem Kinderwunsch - Grenzen gesetzt sind. 2
In der damaligen DDR waren aufgrund der Doppelbelastungen der Mütter durch Arbeit und Kindererziehung ein Geburtenrückgang zu verzeichnen, der 1975 sein Tief von 52,3 Geburten je 1000 Frauen erreichte. 3 Auf Beschluss des IX. Parteitages der SED im Jahre 1976 wurden weitgreifende soziale Maßnahmen wirksam.
Diese beinhalteten beispielsweise die Erhöhung der Geburtenbeihilfe, zinslose Ehekredite für Familien, Erweiterung des Wohnungsbaues, Förderung der staatlichen Kinderbetreuung sowie bei der Geburt des zweiten Kindes ein Jahr Freistellung von der Arbeit bei voller Lohnfortzahlung. Danach war ein Geburtenanstieg zu verzeichnen, der im Jahre 1980 bereits bei 67,4 /1000 Frauen lag. 4
Durch die Wiedervereinigung beider deutschen Staaten im Jahre 1990 änderte sich besonders in den neuen Bundesländern die Lage.
Ausgelöst durch tiefgreifende soziale und politische Umstrukturierungen und damit ausgelöste Existenzängste dürfte Deutschland in den Jahren 1990 – 1995 die niedrigste Geburtenrate der Welt gehabt haben. 5 Inzwischen ist die Anzahl der geborenen Kinder in den neuen Bundesländern wieder angestiegen, hat jedoch noch nicht wieder den Stand von 1989 erreicht.
Laut statistischem Bundesamt „... nehmen seit 1995 die Geburtenzahlen in den neuen Ländern und Berlin-Ost wieder zu: 1995 wurden 6,5 % mehr Kinder geboren als 1994 und 1996 11,3 % mehr als 1995. 1996 wurden dort 93.300 Kinder lebend geboren, allerdings immer noch weniger als halb so viele wie im Jahr 1989.“ 6
Bei der Unvereinbarkeit von Arbeits- und Privatbiographie in der heutigen Gesellschaft ist jedoch das Problem des unerfüllten Kinderwunsches bei vielen Frauen im fortgeschrittenen Alter an die erste Stelle gerückt. Nach dem Aufbau einer beruflichen Karriere und der damit entstandenen sozialen Sicherheit fehlt nur noch die abgeschlossene Familienplanung, um auch das private Glück zu vervollkommnen.
Hier kommen nun die Reproduktionsmediziner und ihr Beitrag zur Steigerung der Geburtenraten zum Einsatz.
Kinderlosen Paaren wurde Ende der 70-er Jahre mit der Entwicklung der In- vitro-Fertilisation (IVF) eine Möglichkeit gegeben, doch noch ihren Kinderwunsch zu erfüllen. Jedoch kann diese Alternative eine vorschnelle Euphorie auslösen.
Am 25. Juli 1978 wurde im englischen Manchester das Mädchen Louise Brown geboren. Das 5086g schwere Baby der 30-jährigen Lesley Brown war das weltweit erste Kind, das durch eine In- vitro-Fertilisation entstand.
Inzwischen hat sich das vor 20 Jahren noch heftig diskutierte Verfahren in vielen Ländern durchgesetzt. Mittlerweile werden auf der ganzen Welt mehr als 300.000 auf diesem Weg gezeugte Kinder gezählt. 7
Das erste deutsche „Baby aus dem Reagenzglas“, Oliver Wimmelbacher, wurde am 27.April 1982 in der Frauenklinik der Universität Erlangen geboren. 8 Doch auch mehr als zwei Jahrzehnte nach Etablierung der Reproduktionsmedizin in der medizinischen Wissenschaft stellt sich nach wie vor die Frage, ob der Wunsch nach einem eigenen Kind über alle ethischen Bedenken hinaus so konsequent verfolgt werden sollte?
1.2. Verfahren der Reproduktionsmedizin
Zur assistierten Reproduktionsmedizin sollen hier z wei Verfahren kurz vorgestellt werden, die in der Anwendung alle anderen reproduktionsmedizinischen Techniken weit hinter sich gelassen haben: die bereits eingangs erwähnte In-vitro-Fertilisation (IVF) und die Intracytoplasmatische Spermatozoen-Injektion (ICSI). Andere Methoden, wie zum Beispiel das reproduzierende und therapeutische Klonen, sollen hier nur genannt werden, aber nicht Thema dieser Arbeit sein. Die früher angewandte Insemination, das Einbringen besonders aufbereiteter Spermien in die Gebärmutter, wurde von den neueren und verbesserten Verfahren weitgehend abgelöst.
Die IVF wird folgendermaßen durchgeführt:
1. Entnahme von Eizellen aus dem Eileiter nach mehreren Zyklen
Hormontherapie per Punktion
2. Reaktion der Eizelle mit dem Spermium im Reagenzglas (In-vitro-
Befruchtung)
3. Einbringen der befruchteten Eizelle in die Gebärmutter (Embryonentransfer)
Maximal drei befruchtete Eizellen werden übertragen. Weitere können zur späteren Anwendung eingefroren (Kryokonservierung) werden.
Der Unterschied der ICSI im Vergleich zur IVF liegt in der Befruchtung der Eizelle. Da dieses Verfahren hauptsächlich angewendet wird, wenn die Ursache der Fertilitätsstörung beim Mann liegt, wird hier ein besonders aufbereitetes Spermium per Injektion in die Eizelle verbracht.
Auch hier werden mehrere befruchtete Eizellen (bis zu 3) zurücktransferiert, um die Schwangerschaftsrate zu erhöhen. 10
1.3. Statistische Erhebungen
Dabei gibt es allerdings zu bedenken, dass ab einem Alter von Mitte 30 die Befruchtungsrate um etwa 5-10% jährlich sinkt.
Immer mehr Frauen nehmen daher die Dienste der Reproduktionsmediziner in Anspruch.
Inzwischen forscht ein französisches Ärzteteam unter Leitung von Dr. Jan Tesarik vom Laboratoir d`Eylau in Paris auch nach Möglichk eiten, reiferen Frauen zur späten Mutterschaft zu verhelfen.
Beim sogenannten Kerntransfer soll der Eizellkern einer älteren Frau mit dem Eizytoplasma einer jüngeren verschmolzen werden.
Im Tierversuch wurden nach dreijähriger Forschung erste Erfolge erzielt. Ob sich dieses Verfahren allerdings auch auf den Menschen anwenden lässt, wird zur Zeit von einem Mitglied des Teams, Dr. Zolt Nagy an der Klinik „Roger Abdelmassih“ im brasilianischen Saõ Paulo untersucht. 12
In Frankreich ist - ebenso wie in Deutschland - die Forschung an Embryonen verboten. 13 Nach dem Embryonenschutzgesetz dürfen immer nur so viele Eizellen befruchtet werden, wie auch zum Transfer in die Gebärmutter bestimmt sind. Damit sind der Wissenschaft natürlich Grenzen gesetzt, jedoch sollte man sich in diesem Zusammenhang fragen, wo das Experimentieren und Manipulieren an menschlichen Embryonen sonst noch endet.
14 Die Schwangerschaftsrate bei IVF mit 21.468 Behandlungszyklen wird beispielsweise mit 20,5% angegeben, wobei die leider unvollständig dokumentierte Lebendgeburtenrate nur bei 7,6% lag. 15
Quote paper:
Dana Russow, 2002, 'Ein Kind um jeden Preis ?' Ethische Aspekte der Reproduktionsmedizin am Beispiel Deutschlands, Munich, GRIN Publishing GmbH
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