Ein Leben ohne Medien ist für uns heutzutage kaum mehr vorstellbar.
Angefangen beim Aufwachen durch den Radiowecker begleiten uns
Medien durch den ganzen Tag. Sie umgeben uns in Form der
morgendlichen Tageszeitung, der Werbeplakate auf dem Weg zur Arbeit,
dem Telefon im Büro bis hin zum abendlichen "Abschalten" vor dem
Fernseher. Die Bedeutung, die Medien dabei in unserem täglichen Leben
einnehmen, ist enorm – und uns ist meistens gar nicht bewusst, wie sehr
sie unser Leben beeinflussen. In dem gleichen Maße wie die Vielfalt der
unterschiedlichsten Medien zugenommen hat, ist auch das Alter
gesunken, in dem Kinder zum ersten Mal in Kontakt mit den Medien
kommen.
Das Medium Fernsehen hat den Einzug sogar schon bereits bei
Grundschulkinder in deren Kinderzimmer geschafft.
Das Fernsehen hat unter anderem eine starke wertevermittelnde und
sozialisierende Fähigkeit. Daher stellt sich natürlich auch die Frage,
inwieweit dieses Medium Einfluss auf die geschlechtsspezifische und
mediale Sozialisation der 3- bis 13jährigen Kinder hat. Interessant hierbei
ist auch die Darstellung der Geschlechterrollen aus dem Blickwinkel des
Medium Fernsehens.
Diese Ausführung beschäftigt sich mit der Thematik “Kinder und Medien“.
Dabei wird zuerst einmal definiert was Medien überhaupt sind und inwieweit diese von Familien, insbesondere von Kindern benutzt wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Mediengeschichte und –gebrauch
2.1 Was sind Medien?
2.2 Entstehungsgeschichte des Medium Fernsehens
2.3 Das Medium Fernsehen innerhalb der Familie
2.4 Zeitverwendung von und Zeitstrukturierung durch Medien
2.5 Programmvorlieben
2.6 Mediennutzung als Haupt- oder Nebentätigkeit
2.7 Einflussfaktoren auf das Medienverhalten
3. Sozialisation
3.1 Geschlechtsspezifische Sozialisation
3.2 Wahrnehmungsentwicklung bei Kindern
3.3 Mediale Sozialisation
4. Geschlechterrollen
4.1 Geschlechtsstereotypen
4.2 Geschlechtstereotypen in den Medien
5. Kinderprogramme
5.1 Geschichte der Kinderprogramme
5.1.1 Die Anfänge
5.1.2 Die 60er, 70er und 80er Jahre
5.1.3 Die 90er
5.1.4 Die öffentlich- rechtlichen und die privaten Anbieter und ihr Kinderprogramm
5.2 Geschlechterverhältnis in Kinderprogrammen
5.2.1 Männliche Figuren und ihre Darstellung in Kinderprogrammen
5.2.2 Weibliche Figuren und ihre Darstellung in Kinderprogrammen
5.2.3 Der Wandel des Mädchenbildes
5.2.4 Der Wandel des Blickes auf Geschlechter stereotype am Beispiel der „Teletubbies“
5.3 Geschlechterdarstellung in Kinofilmen für Kinder
5.3.1 Harry Potter
5.3.2 Pippi Langstrumpf
5.3.3 Zusammenfassung
5.4 Geschlechterdarstellung in Zeichentrickfilmen
5.4.1 He-Man
5.4.2 Die Schlümpfe
6. Geschlechtsspezifische Verhaltenskonzepte und Leitbilder für Jungen und Mädchen
6.1 Geschlechtsspezifische Präferenzen und warum Kinder Zeichentrickfilme schauen
6.2 Verschiedene Serienarten
6.2.1 Serien über den „bewegten Alltag“
6.2.2 Serien über die „gerechten Kämpfe“
6.2.3 Serien über „kleine Abenteuer“
6.2.4 Zusammenfassung
6.3 Worauf Mädchen ihren Fokus legen
6.3.1 Die Leitbilder für Mädchen
6.3.1.1 Die Schönheit
6.3.1.2 Die Braut
6.3.1.3 Die Fügsame
6.3.1.4 Die Mütterliche
6.3.1.5 Die Frau
6.4 Worauf Jungen ihren Fokus legen
6.4.1 Die Leitbilder für Jungen
6.4.1.1 Der einsame Wolf
6.4.1.2 Der kleine Gendarm
6.4.1.3 Das edle Phantom
6.4.1.4 Das schlaue Kerlchen
6.4.1.5 Der gute Freund
6.4.1.6 Der kribblige Späher
6.5 Zusammenfassung: Was suchen und finden Mädchen und Jungen in Zeichentrickfilmen?
7. Schlussbemerkung
8. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Diese Magisterarbeit untersucht die Rolle des Mediums Fernsehen im Sozialisationsprozess von Kindern und analysiert, wie Geschlechterrollen in Kindersendungen dargestellt werden und welche spezifischen Leitbilder Jungen und Mädchen angeboten werden.
- Mediennutzungsverhalten von Kindern und Einflüsse auf die Sozialisation
- Entwicklung und Wandel der Kinderprogramme im Fernsehen
- Geschlechtsspezifische Stereotypisierung in Medieninhalten
- Analyse geschlechtertypischer Leitbilder und Orientierungshilfen in Zeichentrickserien
Auszug aus dem Buch
6.4.1.3 Das edle Phantom
Aus dem Verborgenen tut das edle Phantom Gutes. Es ist eigentlich ein Einzelgänger, aber es hat sich in den Dienst einer Gemeinschaft gestellt und primär für diese wird es aktiv. Selbstlos hält es sich im Hintergrund, bleibt unsichtbar und wird oft nicht einmal von denen, für die es sich einsetzt, erkannt. Die Mittel, mit denen es seine Aufgaben erfüllt, sind vielfältig: Stärke und Geschicklichkeit, übermenschliche Fähigkeiten, Waffen und technische Gerätschaften, aber auch Intelligenz und List verhelfen ihm zum Erfolg.
Für Jungen ist die Vorstellung, dass sie in Verkleidung und somit ihre Identität verbergen können, äußerst reizvoll. Sie fühlen sich dann als unbesiegbarer, starker und mächtiger Held, der seinen Feinden gegenübertreten kann ohne dass diese ihn erkennen können. Dieses Motiv „des gut verborgenen und perfekt getarnten Kämpfer für das Gute“, findet sich bei „Spiderman“ wie auch bei „Batman“ oder „Superman“. Diese Helden haben alle gemeinsam, dass nur sehr wenige bzw. keiner ihre wahre Identität kennt. Sie kämpfen inkognito gegen das Böse, ihr häufig gewalttätiges Eingreifen erscheint für Kinder legitim zu sein, da sie damit die Ruhe und Ordnung wieder herstellen. Diese Abstraktion des Verbergens der eigenen Identität ist bei Vorschuljungen noch von geringer Bedeutung. Sie verstehen diese Tarnung als schlichte Notwendigkeit. Der Wunsch die eigenen Gefühle und Vorstellungen vor der Außenwelt zu verbergen bietet den Jungen dieses Leitbild. Verbunden mit diesem Wunsch ist meist das Gefühl, dass sie sich von ihrer Umwelt unverstanden fühlen und sich deshalb auch keinem anvertrauen. Sie verbannen ihr Selbst in ihre Phantasie, da diese in der Wirklichkeit keine Chance zur Entfaltung hat.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert die allgegenwärtige Bedeutung von Medien und stellt die Forschungsfrage nach deren Einfluss auf die geschlechtsspezifische und mediale Sozialisation von Kindern.
2. Mediengeschichte und –gebrauch: Dieses Kapitel erläutert den Stellenwert des Fernsehens, die historische Entwicklung sowie Faktoren der Fernsehnutzung innerhalb der Familie und bei Kindern.
3. Sozialisation: Hier werden theoretische Grundlagen zur Sozialisation, insbesondere zur geschlechtsspezifischen Prägung und der Rolle der Medien als Sozialisationsinstanz, diskutiert.
4. Geschlechterrollen: Das Kapitel analysiert die Konzepte von Geschlechterrollen und Stereotypen und deren Übermittlung durch Massenmedien.
5. Kinderprogramme: Ein historischer Abriss der Kinderprogramme und eine detaillierte Analyse der Darstellung von Geschlechterverhältnissen, inklusive Fallbeispielen wie Harry Potter oder den Teletubbies.
6. Geschlechtsspezifische Verhaltenskonzepte und Leitbilder für Jungen und Mädchen: Dieser Hauptteil untersucht die unterschiedlichen Präferenzen von Jungen und Mädchen bei Serienarten und definiert spezifische Leitbilder, an denen sich Kinder orientieren.
7. Schlussbemerkung: Die Schlussbetrachtung resümiert, dass das Medium Fernsehen stark traditionelle Rollenbilder vermittelt, die Kinder in ihrem Alltag internalisieren.
8. Literaturverzeichnis: Umfassende Zusammenstellung der für die Arbeit verwendeten Fachliteratur und Quellen.
Schlüsselwörter
Sozialisation, Fernsehen, Mediennutzung, Geschlechterrollen, Geschlechterstereotype, Kinderprogramm, Zeichentrick, Leitbilder, Identifikation, geschlechtsspezifische Erziehung, Mediensozialisation, Kindheit, Geschlechtsidentität, Fiktion, Realität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie das Medium Fernsehen den Sozialisationsprozess von Kindern beeinflusst und welche Rolle dabei die Darstellung von Geschlechterrollen spielt.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Themenfelder umfassen den Medienkonsum von Kindern, die Entstehungsgeschichte des Kinderfernsehens sowie die psychologische und soziologische Perspektive auf geschlechtsspezifische Identitätsentwicklung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu untersuchen, wie Geschlechter in Kindersendungen dargestellt werden und welche Leitbilder Jungen und Mädchen dadurch für ihre eigene Identitätsfindung angeboten bekommen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literatur- und Quellenanalyse, die aktuelle Studien zur Mediennutzung und sozialwissenschaftliche Erkenntnisse über Sozialisation und Geschlechterrollen zusammenführt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der Analyse verschiedener Kinderprogramme und Zeichentrickserien sowie der Identifikation spezifischer Leitbilder für Mädchen und Jungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Sozialisation, Fernsehen, Geschlechterrollen, Kinderprogramm, Zeichentrick, Leitbilder, geschlechtsspezifische Erziehung.
Was unterscheidet das Mädchenbild von Pippi Langstrumpf von traditionellen Modellen?
Pippi Langstrumpf wird als unabhängiges und selbstbewusstes Mädchen dargestellt, das traditionelle weibliche Rollenmuster durchbricht, indem es Kompetenz und eigenständiges Handeln zeigt.
Welche Funktion erfüllen die sechs Leitbilder für Jungen in Zeichentrickfilmen?
Die Leitbilder bieten Jungen Orientierungspunkte für Männlichkeit, wie etwa Stärke, Kampfbereitschaft oder das Bedürfnis nach Sicherheit, die sie in ihre Phantasiewelten integrieren, um sich in ihrer Umgebung zu behaupten.
- Quote paper
- Stefanie Meyer (Author), 2003, Kinder und das Medium Fernsehen - Eine Darstellung der geschlechtsspezifischen und medialen Sozialisation sowie die Geschlechterdarstellung von Kindern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/23817