2
Widmung
Für meine Eltern und Grosseltern und in liebevollen Erinnerung an meinen Bru- der Alexander.
Ich bedanke mich herzlich bei Herrn Dr...., dem Geschäftsführer von Ingenieurbüro Dr. ..., für die Unterstützung bei dieser Arbeit.
Meinen herzlichsten Dank richte ich auch an Familie ... und an meinen Mann. Ohne ihre treue Freundschaft und Unterstützung könnte ich kaum mein Studium mit dieser Diplomarbeit abrunden.
„„Wett“, englisch für „feucht“, steht für das menschliche Gehirn, die wichtigste Produktionseinheit des Wissenschaftlers, in dem die Dienstleistungen zum wich- tigsten Handelsgut werden“ Wolf Lothar
3
Vorwort
Application Service Providing, also die neue Form der Nutzung von Software- Diensten per Datennetz, ist heute ein häufig diskutiertes Thema in der IT – Bran- che. Dieses vereinfacht unter dem Schlagwort „Software zur Miete“ behandeltes Outsourcingkonzept entwickelte sich in den letzten Jahren von einer Vision zu einem sinnvollen Geschäftsmodell in der Informationstechnologie. Dieses Modell hat viel Aufmerksamkeit sowohl von den Marktforschern als auch von potenziel- len Anbietern erhalten, weniger aber von potenziellen Anwendern. Application Service Providing wurde, entgegen den Prophezeiungen von Analysten, in Europa und im deutschsprachigen Raum eher verhalten aufgenommen und genutzt. Mit dieser Arbeit gilt es die heutige Attraktivität und Profitabilität des ASP– Ge- schäftsfeldes festzustellen und die Breite seiner Anwendung sowohl im nationalen und internationalen Umfeld als auch im E- Business zu erkunden.
4
Inhaltsverzeichnis
Widmung 2
Vorwort 3
Inhaltsverzeichnis .................................................................................................. 4
Abbildungsverzeichnis .......................................................................................... 5
Tabellenverzeichnis ............................................................................................... 6
Abkürzungsverzeichnis 7
1. EINFÜHRUNG 9
2. APPLICATION SERVICE PROVIDING 11
2.1 Grundlagen 11
2.1.1 Begriff und Definitionen 11
2.1.2 Definition von ASP als Dienstleistungskonzept 12
2.1.3 Application Service Provider als Dienstleister 13
2.2 ASP als besondere Form des IT Outsourcing 14
2.3 Outsourcing- Arten und ihre Abgrenzung zum ASP 15
2.4 ASP Player 21
2.5 ASP- Liefermodelle 22
2.6 ASP - Wertschöpfungskette 23
3. PERSPEKTIVEN DES APPLICATION SERVICE PROVIDING 24
3.1 Technische Realisierung 25
3.1.1 ServerBasedASP versus ClientBased ASP 26
3.1.2 Trendentwicklung in der ASP- Infrastruktur 29
3.1.3 Sicherheit 32
3.2 Wirtschaftliche Sicht 33
3.2.1 ASP- Geschäftsmodelle 34
3.2.2 Preismodelle 36
3.2.2.1 Praxisbeispiele Preismodelle 38
3.2.2.2 Billing und Lizenzmanagement im Preismodell 40
3.2.3 Kostenbetrachtung 42
3.2.3.1 Total Cost of Ownership - Analyse 43
3.2.3.2 Augurenschätzungen zu Auwandsbewältigung durch ASP 47
3.2.3.3 Return on Investment- Analyse 51
3.3 Juristische Perspektive 54
3.3.1 Allgemeine Vertragsbeziehungen und Vertragstypen 54
3.3.2 Service Level Agreements 56
3.3.3 Lizenzrechtliche Aspekte 59
3.3.4 Haftung Gewährleistung und Konfliktmanagement 61
4. ANFORDERUNGEN AN SOFTWARE IM ASP- MODELL 62
4.1 Kategorien der Softwareapplikationen 63
4.2 ASP - Anwendungsmodelle 66
5. MARKTENTWICKLUNG UND AKTUELLE MARKTSITUATION 68
5.1 Prognosen zur Entwicklung des ASP- Marktes 69
5.1.1 ASP- Lebenszyklus 72
5.2 Sorgenkind ASP 74
5.3 Porter s Analyse zur Messung der ASP- Marktattraktivität 76
5.3.1 Kunden und ihre Verhandlungsmacht: ASP- Zielgruppe 76
5.3.2 Bedrohung durch bzw Substituten 79
5.3.3 Verhandlungsmacht der Zulieferer 80
5.3.4 Neue Konkurrenten Wettbewerbssituation im ASP- Markt 80
5
6. E- PROCUREMENT IM ASP - MODELL 83
6.1 Definition von E- Procurement 83
6.2 Warum E- Procurement 84
6.3 Wann ist die elektronische Beschaffung sinnvoll 86
6.4 ONVENTIS GmbH als Procurement Service Provider 88
6.4.1 ASP- Procurement bei Vorwerk 89
6.5 Möglichkeiten für ASP basiertes E- Procurement 91
7. ASP- EINSATZ AUF DEM RUSSISCHEN MARKT 92
7.1 Internetnutzung in Osteuropa 92
7.2 Russlands Markt für IT- und IT- Outsourcing 93
7.2.1 Marktsituation in Zahlen 95
7.3 ASP in Russland 97
7.3.1 ASP- Nachfrage und ASP - Angebot in Russland 97
7.3.2 AiTi AG: erfolgreicher Systemintegrator als ASP Anbieter 98
7.3.2.1 ERP-System Boss-Company der Firma AiTi im ASP- Modus99
7.3.2.2 Human-Ressorurce-Modul Boss Kadrowik im ASP- Modus 101
7.3.3 Diskussion zur Preisbildung am russischen ASP- Markt 102
8. ZUSAMMENFASSENDE BEURTEILUNG 103
Anhang A........................................................................................................... 105 105
Anhang B 106
Literaturverzeichnis 107
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: ASP- Katalysatoren und ASP- Treiber 10
Abbildung 2: Aufbau der Arbeit 10
Abbildung 3: Produkt und Serviceelemente von ASP 14
Abbildung 4: Outsourcing Dimensionen 15
Abbildung 5: Outsourcing Ebenen 16
Abbildung 6: Hype Cycle von IT Services 17
Abbildung 7 : Kategorien von ASP- Player 21
Abbildung 8: Direktes und indirektes ASP- Modell 22
Abbildung 9: ASP- Wertschöpfungskette 23
Abbildung 10: Perspektiven des ASP- Konzepts 24
Abbildung 11: Komponenten einer ASP- Realisierung 25
Abbildung 12: Interne technische Infrastruktur eines ASPs 26
Abbildung 13: Trend von Client-Server in die browser- basierte eTechnologie 27
Abbildung 14: Zeitpunkt für Server-based-Computing Einführung 28
Abbildung 15: ASP- Infrastruktur 29
Abbildung 16: Europamarkt für VPN-Dienste 30
Abbildung 17: Vergleich von TCO bei PCs und Windows- Based-Terminals 31
Abbildung 18: ASP Business Modell 35
Abbildung 19: Preismodelle für ASP 37
Abbildung 20: Preisübersicht für Services im ASP- Modus 39
Abbildung 21: Die drei Stufen zur ASP- Rechnung 40
Abbildung 22: Umsetzung der Lizenzmodelle auf das ASP- Preismodell 40
Abbildung 23: Kostenübersicht - Inhouse- Betrieb versus ASP -Betrieb 42
6
Abbildung 24: Gesamtkosten einer Inhouse- IT- Lösung versus ASP-Lösung 43
Abbildung 25: TCO- Kostenblöcke beim Inhouse- Betrieb 44
Abbildung 26: Kostenreduktion durch ASP bei Hard- und Software 48
Abbildung 27: ASP- Kostenblöcke 49
Abbildung 28: Struktur einer ROI- Berechnung von ASP- Lösungen 52
Abbildung 29: Monatliche Kostendifferenz beider Lösungen 53
Abbildung 30: Die Grundbedingungen eines SLAs 59
Abbildung 31: Komplexität von Software-Anwendungen für ASP 63
Abbildung 32: ASP- Anwendungsmodelle 67
Abbildung 33: Gegenargumente zum ASP- Modell 69
Abbildung 34: ASP- Marktwachstum von 1998 bis 2003 70
Abbildung 35: Wachstumsraten nach Outsourcing- Bereichen 2000 bis 2005 71
Abbildung 36: Drei mögliche Szenarien zur Entwicklung des ASP- Marktes 71
Abbildung 37: Der Lebenszyklus des ASP-Marktes 72
Abbildung 38: Die ASP- Umsätze und Kosten im Lebenszyklus- Modell 73
Abbildung 39: Umfrage zu ASP- Nutzung 75
Abbildung 40: Porter Five Forces Wettbewerbskräfte einer Branche 76
Abbildung 41: Was ASP- Kunden wollen Ergebnisse einer Umfrage 78
Abbildung 42: ASP- Zielmärkte für das Jahr 2005 79
Abbildung 43: Optimierung der Beschaffung durch E- Procurement 84
Abbildung 44: Ein Blick auf die Einsatzmöglichkeiten von E- Procurement 85
Abbildung 45: Analyse Beschaffungsvolumen 87
Abbildung 46: ASP- Procurement Pilotprojekt im Test bei Vorwerk AG 90
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: In- und Outsourcing Projekte und dessen Vor- und Nachteile 19
Tabelle 2: In- und Outsourcing Projekte und dessen Vor- und Nachteile 20
Tabelle 3: Sicherheitsszenarios in Abhängigkeit von Server Architektur 33
Tabelle 4: Microsoft - Lizenzmodelle 41
Tabelle 5: TCO Analyse: Vergleich Inhouse- Betrieb und ASP- Modell 46
Tabelle 6: Financial Metrics of the ASP Channel 48
Tabelle 7: Standard Service Level mit Erweiterungen 57
Tabelle 8: Praxiserprobte ASP- Software (Auswahl) 66
Tabelle 9: Stärken und Schwächen der ASP- Wettbewerber 81
Tabelle 10: Segmentierung im US-Anbietermarkt 82
Tabelle 11: ASP Kosten für russische Provider und Nutzer 102
7
Abkürzungsverzeichnis
AIP Application Infrastructure Provider
AIX Advanced Ineractive Executive
ASP Application Service Providing bzw. Application Service Provider
AS-Provider Application Service Provider
BGB Bürgerliche Gesetzbuch
B2C Business to Customer
B2B Business to Business
BPO Business Prozess Outsourcing
bzgl. bezüglich
bzw. beziehungsweise
ca. circa
d.h. das heißt
DV Datenverarbeitung
DP Desktop Purchasing
EDV Elektronische Datenverarbeitung
ETCF East Texas Communication Fondation
CAD Computer Aided Design
CD Compact Disk
CEO Chief Information Officer
CPU Central Prozessing Unit
CRM Customer Relationship Management
etc. et cetera
ERP Enterprise Resource Planning
EU Europäische Union
ggf. gegebenenfalls
GPRS General Packet Radio Service
GUS Gemeinschaft unabhängiger Staaten
HGB Handelsgesetzbuch
HR Human Ressource, englisch für Personal
HSLSD High Speed Lirait Switched Data
IBM International Business Machines
ICA Independent Software Architecture
IDC International Data Corporation
i.d.R in der Regel
ISP Internet Service Provider
ISV Independent Software Vendor
IP Internet Work Protocol
IT Informationstechnologie
Kbit Kilo Bit
KMU Kleine und mittlere Unternehmen
KPMG Klynfeld, Peat, Marwick, Gorder
LAN Local Area Network
Mio. Millionen
MLK Muli Lieferanten Katalog
MS Multi Tenancy
MSP Managed Service Provider
Mrd. Milliarden
MRO Maintainence Repair Operation
QoS Quality of Service
8
NSP Network Service Provider
o. J. ohne Jahresangabe
o. V. ohne Verfasser
PSP Procurment Service Provider
ROI Return on Investment
S. Seite
SCM Supply Chain Management
SLA Service Level Agreement
SRM Supplier Ralationship Management
ST Single Teneancy
TCO Total Costs of Ownership
TK Telekommunikation
TOS Trasted Operating Systems
u.U. unter Umständen
usw. und so weiter
vgl. vergleiche
VPN Virtual Private Networks
vs. versus
WAN Wide Aria Network
WAP Wireless Application Protocol
WBT Windows Based Terminal
WISU Das Wirtschafsstudium, Fachzeitschrift
WTS Windows Terminal Server
UrhG Urhebergesetz
XML Extensible Markup Language
z.B. zum Beispiel
9
1. EINFÜHRUNG
„Visionen sind notwendig, um die Zukunft zu gestalten.“
Dietmar Wendt, IBM Vice President Integrated Technology Services
Application Service Providing ist ein neues Outsourcing- Modell der IT- Branche, das die Fernnutzung von Anwendungsprogrammen via Internet und Telekommu- nikationsnetze ermöglicht.
In der Wirtschaft genießt das Auslagern und Ausgliedern bestimmter unternehme- rischer Bereiche und Funktionen, besonders in Zeiten der schwachen Konjunktur, eine große Popularität. „Outsourcing- willige Unternehmen halten sich gerne an die Faustregel: Das Kerngeschäft („mission critical“) und strategisch wichtige Funktionen behält man unter eigener operativer Kontrolle, alles andere ist grund-
sätzlich für eine Auslagerung geeignet.“ 1 Meistens werden hauptsächlich Prozesse aus der Wertschöpfungsskette der Unternehmen ausgelagert, die vom externen Dienstleister günstiger und effizienter hergestellt werden können. Gut lassen sich vor allem folgende Unternehmensbereiche outsourcen: Informationstechnologie (IT), Personalverwaltung, Finanz- und Betriebsbuchhaltung, Lohn- und Gehalts- abrechnung, Gebäudemanagement, Fuhrpark, Logistik, Beschaffung, etc. Die Idee, Outsourcing und Internet zu verbinden, ist von Anfang an verlockend gewesen. Schließlich bietet das Outsourcing- Geschäft, mit seinen Hunderten von Milliarden US-Dollar Umsatz jährlich, in Verbindung mit dem Internet ein enor-
mes Potenzial. 2 Die meisten Unternehmen beklagen den Aufwand, mit dem man die eigenen IT- Bereiche betreibt. Die Abgabe bestimmter IT - Aufgaben an ex- terne Dienstleister, wie zum Beispiel im Hardwarebereich der Rechenzentrum- betrieb, wird deswegen gerne praktiziert. IBM beispielsweise hat bereits in den 60–er Jahren die Dienstleistungen wie Systemressourcen und Rechnerzeit der teuren Mainfraimtechnologie zur Übernahme angeboten, und heute ist IBM der führende Outsourcing – Anbieter. Später in den 80- 90-er Jahren handelte es sich um die Vermittlung des hochqualifizierten IT- Personals an Dritte. Lawrence J. Ellison, Chairman von Oracle, promotete Ende der neunziger Jahre die Idee des Internet - Computings, d.h. die Anwendungen auf zentralen Servern laufen zu
lassen, als die einfachere und billigere Alternative zu PC-Netzwerken. 3 Für den ASP- Start gab es somit eine solide Basis. Die Anwendungsdienstversor- gung ist nur ein weiterer logischer Schritt des Outsourcings. Die Katalysatoren des ASP sind, neben den technischen und wirtschaftlichen Treibern (vgl. Abbildung 1), die Ubiquität des Internets, sinkende Kosten für den Internet- Zugriff und höhere Bandbreiten, Client-Server-Anwendungen und Server - based- Computing sowie zunehmender E- Commerce.
1 vgl. Rusch (2003), S. 13
2 vgl. Brütsch (2002), S.8
3 vgl. Schmidt (2000), S. 120
10
Abbildung 1: ASP- Katalysatoren und ASP- Treiber
Quelle: in Anlehnung an Future Nework (2001), S. 1
Das ASP- Konzept hat „euphorische“ Zeiten durchgemacht und eine rege Auf- merksamkeit genossen. Nach der Goldgräberstimmung herrschen im ASP- Seg- ment nunmehr die Zeiten der Ernüchterung und Besinnung. In dieser Arbeit gilt es, das wahre gegenwärtige Potenzial des Application Service Providing zu er- kunden und den Grad der Nutzung sowie die möglichen Einsatzfelder von ASP zu bestimmen. Aufgrund der Aktualität des Themas war es nicht einfach, gute Litera- tur zu finden. Als Grundlage für die Diplomarbeit dienen vor allem diverse Arti- kel aus der Fachpresse und Informationen aus dem Internet sowie akademische Arbeiten. Die Arbeit ist wie folgt strukturiert:
Abbildung 2: Aufbau der Arbeit
11
2. APPLICATION SERVICE PROVIDING
2.1 Grundlagen
2.1.1 Begriff und Definitionen
Das ASP- Konzept ist eine junge Entwicklung in der Informationstechnologie und im E- Business, aber bereits „ein viel strapazierter“ und nach der Meinung
von Köhler-Frost „nicht eindeutig einzuordnender Begriff“ 4 . Momentan existiert noch keine einheitliche, allgemein anerkannte Definition für die Anwendungs- dienstversorgung. Der deutschen Bezeichnung Anwendungsdienstversorgung wird die englische Bezeichnung „Application Service Providing“ vorgezogen und auf das Akronym ASP abgekürzt.
So versteht man unter Application Service Providing, dass ein Unternehmen (oder Endkunde, das auch eine Privatperson sein kann) die benötigte Software nicht mehr in Form einer Lizenz erwirbt, sondern die benötigten Applikationen (Software) für eine gewisse Zeit (und gegen eine Gebühr) über das Internet oder
andere Netze gewissermaßen „anmietet“. 5
Im Lexikon der Wirtschaftsinformatik definiert Jörg Reimann ASP folgenderma- ßen: „Als Application Service Providing wird die dauerhafte Bereitstellung des Zugriffes auf Anwendungsprogramme und Dienste über ein Netzwerk, in der Re- gel das Internet, durch ein Unternehmen (den sog. Application Service Provider) auf Mietbasis bezeichnet“[Mertens (Hrsg.), 2001, S. 48]
Bei Hansen/ Neumann findet man beispielsweise eine Definition für Application Service Provision: „Unter Application Service Provision versteht man das Anbie- ten von Anwendungen und Serviceleistungen an Einzelpersonen und Betriebe über das Internet. Dadurch ist es nicht mehr notwendig teure und eventuell selten genutzte Anwendungen lokal zu installieren, sondern man überträgt die Verant- wortung einem Dienstleister, der sich zusätzlich um die Pflege und Wartung des Systems kümmert. Die Abrechnung erfolgt über eine Pauschalgebühr oder auf Nutzungsbasis“ [vgl. Hansen./Neumann, 2001, S. 553]
Es gibt außerdem eine Vielzahl anderer Interpretationen des ASP –Begriffs. Vie- le Institutionen und Anbieter, welche sich mit der ASP –Problematik beschäfti- gen, beleuchten ihn aus eigenem Standpunkt und nutzen ihn oft so, dass er gerade
4 vgl. Köhler-Frost (Hrsg.), 2002, S. 18
5 vgl. phinware AG (2002)
12
zu Marketingzwecken passt. Dies sorgt für Verwirrung und hat dazu geführt, dass es so viele unterschiedliche Interpretationen zum ASP- Begriff existieren. Auf
einer Internetseite des Provider -Vertragsrechts 6 findet man beispielsweise eine Reihe anderer ASP- Definitionen. Alle Definitionen des ASP weisen aber Un- schärfen auf, wodurch sie sich zum Teil erheblich voneinander unterscheiden. In einem Punkt sind sich aber alle Definitoren einig, dass es bei ASP um ein Dienstleistungskonzept handelt, bei dem die Anwendungssoftware und begleiten- den Services gegen eine Gebühr an Dritte bereitgestellt werden.
2.1.2 Definition von ASP als Dienstleistungskonzept
Application Service Providing bedeutet nicht nur eine bloße Bereitstellung der Software an Dritte via Internet, sondern ASP wird auch als eine vertraglich festge- legte Dienstleistung angesehen, die die Implementierung, das Betreiben, das Ver- walten und das Vermieten einer Anwendung in einem zentralen Data Center bein- haltet. Es wird also ein ganzes Leistungsbündel vom Dienstleister angeboten. Die Dienstleistungen unterscheiden sich von den Sachleistungen durch die Immate- rialität in der Erbringung und die Unmöglichkeit von Produktion auf Vorrat. Denn die Übermittlung der Software über das Internet ist alles andere als z. B. die Her- stellung eines Automobils. „Im Gegensatz zu einer Sachleistung kann der Dienst- leistungsanbieter dem Nachfrager bei einem ersten Kontakt eben gerade kein ma- terielles, auf Vorrat produzierendes Produkt anbieten, sondern sein (immateriel- les) Dienstleistungspotential, in Form der Fähigkeit und Bereitschaft der Verrich- tung einer Dienstleistung“ [vgl. Dreyer; Oehler, S.6] Eine Dienstleistung ist zu definieren als „eine Arbeitsleistung, die unter Einbezug externer Produktionsfak- toren für andere Wirtschaftseinheiten erbracht und von diesen als Prozess in Kombination mit Sachgütern in Anspruch genommen wird“ [vgl. Dreyer; Oehler, (o. J), S.10] Eine nicht unwesentliche Voraussetzung einer Dienstleistung ist auch, dass diese an und mit externen Produktionsfaktoren, wie Personen, Objekten und Informati- onen verrichtet wird. Auf ASP übertragen bedeutet dies, dass die Anwendungen und Serviceleistungen in Kombination mit Hardware vom Application Service Provider als Dienstleister für die Einzelpersonen und Betriebe angeboten werden, wobei ASP- Kunden und Anwendungen als externer Faktor zu werten sind. Entscheidend für die Dientsleistungsproduktion ist außerdem ihre Synchronität, im engeren Sinne von Zeitgleichheit. Der Dienstleistungsprozess wird durch das „Uno- actu- Prinzip“ charakterisiert. Die Erstellung und die Inanspruchnahme der
13
Dienstleistung geschehen zeitgleich. Dies trifft auch auf ASP zu, da das Angebot und die Nachfrage der ASP- Dienstleistung ebenfalls zeitgleich erfolgen.
2.1.3 Application Service Provider als Dienstleister
Ein Application Service Provider (ASP) ist ein unabhängiger Dienstleister, der Zugang zu Softwareanwendungen, Infrastrukturen sowie unterstützende Internet- dienstleistungen anbietet [vgl. Schmidt (2002), S. 2]. Einem Application Service
Provider kann im Einzelnen folgende Charakteristika zugewiesen werden 7 :
• Der AS-Provider ist ein Betreiber, der Anwendungen bzw. Programmfunk- tionalitäten an Nutzer vermietet
• Der AS-Provider ist Eigentümer der Software, er verwaltet auch die Lizen- zen. Der Anwender ist nicht länger der Besitzer der Softwarelizenz, statt- dessen zahlt er eine Nutzungsgebühr, z.B. je Monat, je Nutzer oder je Transaktion. Der Service wird also über Pauschalen oder variabel/ nutzugs- abhängig abgerechnet. Standard-Leistungen sind durch die fixe Gebühren abgedeckt, darüber hinausgehende Leistungen sind kostenpflichtig
• Der ASP ist für Systempflege und Systembetrieb zuständig/verantwortlich. Er sorgt beispielsweise für Softwarelizenz, Betrieb, Update...
• Die Applikationen werden via Internet, browserbasiert, oder über Virtual Private Networks (Netzwerk, LANs, WANs) zur Verfügung gestellt. Das Ganze läuft zentral über den Server bzw. Rechenzentrum des ASP.
• Die Lizenzen werden an mehrere Nutzer vermietet („One –to- Many“ – Mietmodell als Kern des klassischen ASP- Modells)
Abbildung 3 zeigt eine Übersicht über die Produkt- und Serviceelemente der
klassischen ASP –Dienstleistung. 8
22.11.2001
14
Abbildung 3: Produkt und Serviceelemente von ASP,
Quelle: eigene Herstellung in Anlehnung an Kucher & Partner 9 und ASP - Konsortium 10
2.2 ASP als besondere Form des IT –Outsourcing
„IT- Outsourcing bzw. Outsourcing in der Informationsverarbeitung (IV- Out- sourcing) ist das Auslagern von IT- Infrastruktur-, Personal-, Prozessen-, Applika- tionen oder ganzen IT- Abteilungen einer Organisation an einen externen Res- sourcenprovider“ [vgl. Walter (2002), S. 7]. Im engeren Sinne bedeutet IT- Out- sourcing eine vertraglich geregelte Zusammenarbeit, in der ein Anbieter über mehrere Jahre die Verantwortung für die gesamte Informationsverarbeitung (Full- Outsourcing) oder einen Teilbereich (partielles Outsourcing) eines Kunden über-
nimmt. 11 Mit ASP wird dagegen eine sogennante „One- to- Many- Strategie“ verfolgt, wo nicht nur ein Kunde, sondern viele Kunden von dem Dienstleister betreut werden. „Auch wenn man möglicherweise Application Service Providing nicht direkt als eine Form des Outsourcings bezeichnen kann, so besteht doch zum Outsourcing eine erhebliche Verwandtschaft“[vgl. Söbbing (2002), S. 51].
9 vgl. Kucher & Partner (2001)
10 vgl. http://www.asp-konsortium.de
11 Conexus AG (2002)
15
Neben Application Server Hosting, Data Center- und Systemmanagement- Out- sourcing und unter anderem Business Prozess Outsourcing (BPO) zählt ASP zum partiellen IT- Outsourcings (vgl. Abbildung 4).
Abbildung 4: Outsourcing – Dimensionen
Quelle: in Anlehnung an Rusch, in IM & C 18 (2003), S. 14
ASP und Business Prozess Outsourcing (BPO)sind die Sonderformen eines Out-
sourcing- Projekts. Neben ASP gewinnt BPO immer mehr an Bedeutung, BPO umfasst die Auslagerung kompletter Geschäftsprozesse mit hohem DV-Anteil. Da
ASP im Mittelpunkt dieser Arbeit steht, soll BPO hier nur erwähnt bleiben. Im
nächsten Kapitel wird die Frage behandelt, inwieweit die unterschiedlichen Arten des partiellen IT- Outsourcing (auch als Outtasking bezeichnet) sich voneinander unterscheiden.
2.3 Outsourcing- Arten und ihre Abgrenzung zum ASP
Das IV- Outsourcing kann auf mehreren Ebenen stattfinden. Es kann auf der Client- Server- Architektur –Ebene (Infrastrukturebene), auf der Applikations- Ebene geschehen, bzw. es können komplette Geschäftsprozesse (BPO) ausgela- gert werden (vgl. Abbildung 5).
16
Abbildung 5: Outsourcing – Ebenen ,
Quelle: in Anlehnung an Heinzl , in WISU 5 (2003), S.626
Auf der Infrasruktur- Ebene können Hardware-, Netz- oder Rechenzentrum- Res- sourcen ausgelagert werden. Das Desktop Outsourcing umfasst Outsourcing- Dienstleistungen im Bereich der Hardware, z.B. Installation und Wartung von PCs, und der Anwenderbetreuung. Das Network Outsourcing basiert auf der Pla- nung, dem Aufbau, dem Betrieb und der Weiterentwicklung von Fernnetzen (WAN). Die Abgrenzung des Network Outsourcing und Telekommunikation ist deswegen häufig schwierig. Unter Data Center Outsourcing versteht man die Pla-
nung, Aufbau, Wartung und Betrieb von Rechenzentren. 12 Application Hosting und Application Management sind Teilbereiche des Applica- tion- Outsourcings, aber im Vergleich zu BPO eher kurz- und mittelfristiger Na- tur. Beim Application Hosting besitzt der Kunde die Softwarelizenz. Der Kunde ist selbst für die Unterstützung, Wartung und Update der Applikation verantwort- lich. Die Applikation läuft aber ausschließlich auf der Hardware des Dienstleisters, die von ihm auch betreut wird.
Beim Application Management dagegen kann die Softwarelizenz sowohl im Be- sitz des Dienstleisters als auch des Kunden sein. Ein Management Service Provi- der (MSP) kümmert sich um die Entwicklung, Pflege, Anpassung und Weiterent- wicklungen der Anwendungen. Er kann jedoch auch sowohl Hard- als auch Soft- ware überwachen, und die Kunden durch Hotline, Vor-Ort-Service und Schulun- gen unterstützen.
Application Service Providing vereinigt in sich die Dienstleistungen der letzten beiden Formen der Anwendungsdienstversorgung. Ein ASP ist sowohl für die gesamte Gestaltung und den Betrieb der Anwendung als auch für die Bereitstel-
12 vgl. Heinzl (2003), S. 625
17
lung von Hardware und Netzwerke, einschließlich der Implementierung der Ap-
plikationen und Beschaffung der hierzu notwendigen Lizenzen, verantwortlich. 13 Durch ASP werden gleichzeitig neue Facetten in die Outsourcing- Dienstleistun- gen gebracht. Deswegen kann ein ASP als Generalunternehmen dem Kunden ge- genüber treten und wird als Generic Service Provider (GSP) bezeichnet.
In Tabelle 1 und Tabelle 2 auf Seite 18 bis 19 werden die wesentlichen Unter- schiede zwischen den Outsourcing - Projekten zusammengefasst und dessen Vor- und Nachteile für den Anwender angegeben. Für welche Outsourcing- Alternati- ven ein Anwender entscheidet, hängt im Grunde genommen davon ab, welchen Maß an Kontrollmöglichkeiten behalten möchte oder nicht.
Die genannten Outsourcing- Arten und sogennanten Managed Services 14 , sprich die Übernahme der Infrasruktur und des Managements von Telekommunikations- und IT- Lösungen durch einen Provider, gehören trotz insgesamt flauer Nachfrage auf dem IT –Markt zu den Wachstumssegmenten des Outsourcing- Geschäfts (vgl. Abbildung 6).
Abbildung 6: Hype Cycle von IT –Services,
Quelle: in Anlehnung an Gartner Resaerch (2003)
Dem Verlauf der Lebenszykluskurve nach, haben die ASPs bereits die Desillusi- ons- Phase hinter sich gelassen, so dass in den kommenden Jahren fünf bis 10
13 vgl. Böhm; Wurdack in Köhler –Frost (Hrsg.) (2001), S. 30
14 Braun (2003)
20
2.4 ASP –Player
Der ASP- Dienstleister ist ein Unternehmen, der als Service-Anbieter den Kunden mit ASP – Leistungen versorgt. Er kann diese aus einer Hand oder nur als Neben- leistung anbieten. Strebt ein ASP- Anbieter danach, alles aus einer Hand zu lie- fern, wird er als „Pure Player“ bezeichnet. Neben den echten ASPs streiten auch unter anderem erfahrene IT- Dienstleister, Softwarehersteller, Telekommunikati- onsunternehmen und Netzwerkabieter im ASP- Marktumfeld (vgl. Abbildung 7) mit. Für die meisten von ihnen ist ASP nur ein Zusatzgeschäft, weswegen sie als Add - on- ASPs bezeichnet werden. Laut der Studie des Berliner Wirtschaftsfor- schungs- und Analyseunternehmens Berlecon Research haben im Jahr 2001 zwei Drittel der deutschen Anbieter ASP nur als Zusatzgeschäft betrieben. Für viele kleinere ASPs bleibt durch Add – on -ASP so das Geschäftsrisiko gering, und es wird die Service- Palette lediglich um den ASP- Zweig erweitert. 15
Abbildung 7 : Kategorien von ASP- Player
Quelle: Meitner; Seufert, in IM & C 15 (2000), S. 23, nach Roland Berger & Part- ner
15 vgl. Kloss (2001)
22
2.5 ASP- Liefermodelle
Prinzipiell ist es also möglich, dass ein ASP seine Services vollständig gebündelt aus eigener Kraft liefert, d.h. durch eigene Kapazitäten den jeweils erforderten Dienst erbringt. So bleibt er unabhängig von den Lieferanten und behält die voll- ständige Kontrolle über seine Dienstleistungen, trotz notweniger hoher Investitio-
nen und Anlaufkosten. 16 Dieser ASP- Phänotyp gehört zum sogenannten „Direkt – ASP- Modell“ oder auch „D-ASP- Modell“.
Im Gegensatz zum D-ASP- Modell fungiert der AS-Provider beim „Cooperation- ASP- Modell“ oder auch „C-ASP- Modell“ lediglich als Mittler, sozusagen als „Makler von ASP- Diensten“. Hier kauft er selber von seinen Kooperationspart-
nern die Dienste, die zur Erringung seiner Leistung notwendig sind, ein. 17
Abbildung 8: Direktes und indirektes ASP- Modell
Quelle: in Anlehnung an Stamm, in Köhler-Frost (Hrsg.), 2002, S. 64
16 vgl. Köhler –Frost (2001), S. 63
17 vgl. Zwipf ; Schönfelder in Grohmann (Hrsg.) (2002), S. 122
23
Diese Unterscheidung in direktes und indirektes ASP- Modell bzw. C- ASP- Mo- dell ist für die ASP- Vertragsgestaltung von Bedeutung, was in 3.3.1noch näher betrachtet wird.
2.6 ASP - Wertschöpfungskette
Da die wenigsten ASPs in der Lage sind, die gesamte ASP- Wertschöpfungskette (vgl. Abbildung 9) alleine zu bewerkstelligen, sind Partnerschaften und Koopera- tionen entlang der Wertschöpfungskette sehr wichtig, was zur Entstehung des sogennanten ASP- Supply – bzw. Value Chain führt.
Abbildung 9: ASP- Wertschöpfungskette
Quelle: Gartner Group, veröffentlicht in InformationWeek 20 (2000)
Jeder der Ketten-Mitglieder leistet einen Beitrag zu der gesamten ASP-Lösung. Je nach Gestaltung des ASP- Geschäftsmodells kommen die folgenden IT- Dienstleister, die in der Literatur auch als xSP bezeichnet werden, als mögliche Beteiligte einer ASP Supply- Chain in Betracht:
• Independent Software Vendor (ISV): Sofern der ASP die angebotenen Soft- ware-Anwendungen nicht selbst erstellt, muss er diese von einem ISV be- schaffen und sich die notwendigen Nutzungsrechte einräumen lassen. Auf den
ISV übertragen werden können ggf. Pflege- und Wartungsverpflichtungen so-
wie erforderliches Customizing.
• Network Service Provider (NSP): Im Regelfall ebenfalls nicht vom ASP, sondern von einem sogenannten NSP werden die zur Übermittlung der Daten erforderlichen Telekommunikationsnetze betrieben. Traditionell handelt es sich bei den Netzbetreibern um Telefongesellschaften, teilweise werden Netz- werke jedoch auch von Internet Service Providern (ISP) bereitgestellt. Die Da- tenübertragung erfolgt üblicherweise über das Internet oder sog. „Virtual Pri- vate Networks“ (VPN).
24
• Application Infrastructure Provider (AIP): Insbesondere bei großen, kapital- intensiven EDV-Anlagen (Data Centers) kann es vorkommen, dass die EDV- Infrastruktur nicht vom ASP, sondern von spezialisierten Application Infrastructure Providern aufgebaut und an den ASP vermietet wird. Es ist dann die Aufgabe des AIP als Subunternehmer, diese EDV-Anlagen gebrauchstaug- lich zu halten.
• Back Office Provider: Gegebenenfalls an spezialisierte Back Office Unter- nehmen können weitere Teilleistungen wie Monitoring, Billing und /oder „Help- Desk“ Funktionen übertragen werden.
• Systems Integrator: Für den Fall, dass umfangreiche Systemintegration und Customizing erforderlich sind, kann der ASP diese Leistungen auf einen sog.
System Integrator übertragen. 18
Die Kooperationsmodelle bedeuten mehr Flexibilität, da sich jeder Geschäftspart- ner auf seine Stärken konzentrieren kann. Sie bergen aber gleichzeitig das Risiko der Abhängigkeit der Partner untereinander in sich, z. B. im Falle der Liquidation
eines Unternehmens. 19
3. PERSPEKTIVEN DES APPLICATION SERVICE PROVIDING
Die ASP- Problematik lässt sich gut aus drei Hauptperspektiven sehen. Um an die grundlegenden vorangegangenen Gedanken anzuschließen, wird im Folgenden das Miet- und Leasing-Konzept aus drei Sichtweisen wie in der Abbildung 10 betrachtet.
Abbildung 10: Perspektiven des ASP- Konzepts
Quelle: Eigene Herstellung
18 Bettinger; Scheffelt (2001), S.730
19 Lehner (2001), S. 98
Quote paper:
Diplom-Kauffrau (FH) Tanja Salmen-Fuchs, 2004, Application Service Providing. Perspektiven, Anforderungen und Marktentwicklung, Munich, GRIN Publishing GmbH
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