Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung 1
2. Zur Literatur- und Quellenlage 6
3. Die Erziehung Maximilians und die humanistisch-religiöse Kontinuität in seinen
Testamenten 9
3.1. Erziehung und Ausbildung 9
3.1.1. Maximilians Hoflehrer und die Jahre am väterlichen Hofe 10
3.1.2. Das Studium an der Universität Ingolstadt 16
3.2. Die Testamente Maximilians - Selbstverständnis und Herrscherbild 22
3.2.1. Die Monita Paterna 24
3.2.2. Die Treuherzigen Väterlichen Lehrstücke 29
4. Innenpolitik Herzog Maximilians I. - Grundlage der bayerischen Reichspolitik 31
4.1. Grundlagen und landesherrliche Voraussetzungen 32
4.2. Schlüsselerlebnisse Maximilians 39
4. 3. Ausbau Bayerns zum frühabsolutistischen Territorialstaat unter Maximilian 26
4.3.1. Die Behördenreform - Effizienz und Sparsamkeit 44
4.3.2. Revitalisierung der finanziellen und ökonomischen Ressourcen 51
4.3.3. die Landtage von 1605 und 1602 55
5. Reichspolitik Herzog Maximilians I. - Motor der konfessionspolitischen
Auseinandersetzungen im Reich 58
5.1. Die Situation um 1600 58
5.2. Grundlagen und Selbstverständnis maximilianeischer Reichspolitik 60
5.2.1. Ansätze und Positionen in der Literatur 64
5.3. Reichspolitische Unternehmungen vor 1607 und ihre Motive 66
5.4. Donauwörth und der Wandel zur aktiven Reichspolitik 68
5.4.1. Die Reichsstadt Kaufbeuren - Vorspiel zu Donauwörth 68
5.4.2. Motive und Verhalten Bayerns im regionalen Konfliktfall Donauwörth 69
5.4.3. Entwicklung zum überregionalen Konflikt 72
5.4.4. Veränderungen der bayrischen Motive nach der Exekution 76
5.5. Die Katholische Liga 78
5.5.1. Reichstag von 1608 und Gründung der Protestantischen Union 78
5.5.2. Der Ligagedanke bis 1609 - Zurückhaltung Maximilians 81
5.5.3. Die Gründung der Liga und das Durchsetzen bayerischer Interessen 82
5.5.4. Sicherung des Status quo von 1609 88
5.5.5. Scheitern der Liga und Gründung eines regionalen Schutzbündnisses. 95
6. Zusammenfassung - Erasmisch geprägter Fürst oder Bellizist? Rück- und Ausblicke
der Reichspolitik Maximilians 98
7. Literatur- und Quellenverzeichnis 103
8. Anhang 107
1
1. Einleitung
Das frühe siebzehnte Jahrhundert ist der Beginn eines Zeitalters der Kriege und Krisen 1 innerhalb des Heiligen Römischen Reiches und Europas. Der Dreißigjährige Krieg mit seinen verheerenden Folgen markiert den Auftakt zu diesem Zeitalter. Seine Ursachen g ehen weit in das sechzehnte Jahrhundert zurück. Der Gegensatz zwischen Spanien und Frankreich mit ihren hegemonialen Interessen bildete die europäische Komponente der Ursachen. Im Reich begann mit der Reformation und dem Augsburger Religionsfrieden von 1555 eine folgenschwere Entwicklung. Bereits am Ende des sechzehnten Jahrhunderts zeichnete sich durch die erneut einsetzenden konfessionspolitischen Spannungen im Reich ab, dass mit dem in vielen Punkten unzureichenden Religionsfrieden keine dauerhafte L ösung erzielt worden war. Ein Umbruch in den geistigen und politischen Strömungen am Ende des rudolfinischen Zeitalters bildete neben den politischen Ereignissen eine Voraussetzung für die zunehmende Polarisierung der konfessionspolitischen Gegensätze innerhalb des Reiches. 2 Das Resultat dieses Umbruches war eine neue Generation von politischen Entscheidungsträgern. Männer, welche an die mittelalterliche universelle Idee des Kaisertums glaubten und von dieser Ordnung ihre traditionellen Werte ableiteten, wurden verdrängt von jenen, die sich von praktischen, politischen Erwägungen in ihrem Handeln leiten ließen. Sie waren weitaus dogmatischer und militanter als die ältere Generation, welche durch ihre Werte der Toleranz zum Augsburger Religionsfrieden beigetragen hatten. Zu dieser neuen Generation von Entscheidungsträgern gehörte neben Ferdinand II. und Christian von Anhalt auch Maximilian von Bayern. Mit einer Reichspolitik, die dem Typ der neuen Fürstengeneration entsprach, hat Bayern unter Maximilian durch zwei folgenschwere Ereignisse die konfessionspolitischen Auseinandersetzungen im Reich am Vorabend des Dreißigjährigen Krieges mitbestimmt. In diesem Sinne wurde er zum Motor einer sich bereits anbahnenden Entwicklung, die auf eine militärische Lösung des Konflikts hinzielte. Dabei ist jedoch zu hinterfragen, inwieweit Maximilian sich als katholisch weltlicher Territorialfürst mit den gängigen Verhaltensmustern seiner Zeit in Übereinstimmung befand. Zudem stellt sich die Frage, ob Bayern durch seine Reichspolitik der alleinige Motor der konfessionspolitischen Spannungen war oder ob es nicht doch an einem zwischenstaatlichen Kräftespiel teilgenommen hat, in dem es seine konfessionellen, reichsständisch libertären und dynastisch-territorialen Interessen zu wahren suchte. Gilt
1 So der Titel des Buches von Press, Volker: Kriege und Krisen. Deutschland 1600 - 1715 (Neue Deutsche
Geschichte, Bd. 5). München 1991.
2 Vgl. Evans, Robert J.W.: Rudolf II. Ohnmacht und Einsamkeit. Graz, 1980, S. 15; 35 f.
2
Letzteres, so muss weiterhin untersucht werden, in welchem Verhältnis die einzelnen Interessen der bayerischen Politik zueinander standen und ob dies eine plausible Handlungsmotivation ergeben haben könnte.
Der Zugang zur maximilianeischen Reichspolitik erschließt sich zunächst aus der Herkunft, Erziehung und Sozialisation Maximilians. Dabei ist zu untersuchen, ob Maximilian gezielt auf die Aufgaben eines katholischen Territorialfürsten vorbereitet wurde und dies sein politisches Handeln nachhaltig beeinflusst haben kann. Maximilians späteres Denken und Handeln als amtierender Herzog von Bayern war ein Ergebnis verschiedener Umstände und Erfahrungen seines Lebens. Seine geistigen wie charakterlichen Anlagen verbanden sich mit einer s treng katholischen und humanistisch-jesuitischen Erziehung unter Einbeziehung juristischer sowie staatspraktischer Kenntnisse zu jener Kompetenz, welche M aximilian dazu befähigte, die anstehenden Regierungsaufgaben im Herzogtum Bayern zu bewältigen. Erklärbar wird dieser Umstand durch die Kontinuität und Intensität einer zielgerichteten Erziehung Maximilians.
Die Testamente der Jahre 1639 und 1651 spiegeln die Relevanz der Erziehung und Ausbildung in Bezug auf die spätere Regierung wider. Dementsprechend sind diese, auf ihre religiösen sowie gleichfalls dynastisch-territorialen Momente hin zu überprüfen. Weiterhin belegen sie, dass darüber hinaus die Erfahrungen aus der Regierungspraxis das Denken und Handeln Maximilians wesentlich beeinflusst haben. Das in den Testamenten zum Ausdruck kommende Selbstverständnis und Herrscherbild ist somit gleichzeitig ein Regierungsprogramm, welches die Brücke von der Erziehung zur Regierungspraxis schlägt und aus dem das Handeln in der Innen- und Außenpolitik erklärt werden muss. Als weitere Variable für die maximilianeische Reichspolitik soll die innenpolitische Konsolidierung Bayerns durch Maximilian zugrunde gelegt werden. Ausgehend von den B edingungen der innenpolitischen Verhältnisse im bayerischen Territorium und den M acht-grundlagen seiner Fürsten ist dabei die Weiterentwicklung durch Maximilian zum frühabsolutistischen Territorialstaat von Interesse. In diesem Sinne kommt der Behörden-, F inanz- und Wirtschaftreform Maximilians besondere Bedeutung zu. Die Reichstage von 1605 und 1612 zeigen dann das Ergebnis der innenpolitischen Maßnahmen Maximilians. Die hier erreichte innenpolitische Stabilisierung und der damit einhergehende Ausbau zum frühabsolutistischen Territorialstaat bilden dann erst die Voraussetzungen für eine aktive Reichspolitik Bayerns.
Bei der Verschärfung der konfessionspolitischen Gegensätze im Reich kommen der D o- nauwörther Auseinandersetzung mit der anschließenden Exekution der Stadt sowie der
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Gründung und weiteren Entwicklung der Liga besondere Bedeutung zu. Maximilian war maßgeblich an diesen Ereignissen und Entwicklungen beteiligt. Zu untersuchen bleibt, inwieweit Maximilian in der Verfolgung seiner konfessionellen, reichsständisch libertären sowie dynastisch-territorialen Interessen die Konsequenzen f ür den konfessionellen Konflikt im Reich wirklich erkannte und bewusst darauf hinsteuerte. Dazu ist nötig, die generellen Motive der maximilianeischen Reichspolitik darzulegen, um diese dann in Bezug auf Donauwörth und die katholische Liga vor dem politischen Hintergrund zu analysieren. Das Interesse Maximilians an der Donauwörther Auseinandersetzung erhellt sich im Hinblick auf den vorangegangenen Fall Kaufbeuren. Hier stellt sich die Frage, ob es einen Wandel in den Motiven des bayerischen Herzogs zwischen Kaufbeuren und Donauwörth als auch während der Auseinandersetzungen um Donauwörth gab und ob dieser sich auf seine Handlungen ausgewirkt hat. Damit erhält ebenso die Betrachtung der politischen Umstände weitreichende Bedeutung. Interessant wäre dabei, die geopolitischen Zusammenhänge zu untersuchen. Leider kann sowohl auf die geopolitischen Antriebe Maximilians als auch auf die seiner reichständischen Nachbarn in dieser Arbeit nur im Ansatz hingewiesen werden. Jedoch sei gesagt, dass es relevant erscheint, diese Komponente den konfessionellen und dynastisch-territorialen Interessen hinzuzufügen. Die Ereignisse um Donauwörth bildeten die Voraussetzung für eine erhöhte Aktivität Maximilians im Zustandekommen eines katholischen Bundes. Dabei lassen sich die e inzelnen Motive für die Gründung der Liga aufdecken. Da die bayerischen Zielsetzungen innerhalb der Liga durch die Bildung eines zweiten Direktoriums in einen Interessenkonflikt mit anderen Ligaständen, vor allem Mainz, führte, wird das weitere Verhalten M aximilians zur Aufrechterhaltung der bayerischen Komponente im Bund relevant. Der innere Konflikt in der Liga verschärfte sich zunehmend mit dem Einfluss Melchior Klesls. Es ist die Frage, ob und mit welchen Mitteln sich Maximilian mit seinen Vorstellungen in der Ligapolitik durchsetzen kann. Beantwortet man die erste Frage mit Blick auf den Oktobervertrag im Herbst 1619 zwischen Ferdinand II. und Maximilian von Bayern positiv, so ist jedoch nicht zu vermuten, dass dies zwangsläufig hätte passieren müssen, da die weitere Entwicklung der Liga nach ihrer Gründung 1609 alles andere als nach bayerischen Vorstellungen verlief. Eine Zäsur ergibt sich dann erst wieder mit der Gründung des kleineren Augsburger Vereins von 1617, der letztlich die eigentliche Basis für die Umsetzung der bayerischen Vorstellungen für ein reichsständisch-katholisches Bündnis bildet. Der Regensburger Defensionstag von 1613 markiert hingegen einen Tiefpunkt für Maximilians Bestre- bungen mit der Liga. Auf Grund dieser Entwicklung ist zu analysieren, ob die Liga wäh-
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rend der gesamten Zeit von ihrer Gründung bis zum Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges ein Instrument der bayerischen Politik war oder ob dies nur für bestimmte Zeitabschnitte nachweisbar ist. Entsprechend des inneren Konflikts in der Liga ist es darüber hinaus fraglich, ob die Liga noch nach ihrer Gründung einen Anteil an der Zuspitzung der konfessionspolitischen Auseinandersetzungen im Reich haben konnte.
Bei der Darlegung des inneren Konflikts der katholischen Liga und den Vorstellungen seitens Maximilians muss die europäische Komponente des Bundes in dieser Arbeit auf Grund des diesbezüglichen Umfangs ausgeklammert werden. Doch sei angemerkt, dass die Einstellung und Haltung Spaniens sowie des Papstes in nicht unerheblicher Weise den Gang der Entwicklungen mitbestimmt haben. 3 Die zahlreichen Bemühungen Maximilians um Unterstützung dieser beiden Mächte verdeutlicht zum einen, für wie instabil er die Verhältnisse innerhalb der Liga empfand, was besonders die finanzielle Situation zum Ausdruck brachte. Die spanischen wie päpstlichen Subsidien waren für die Aufrechterhaltung der Liga aus der Sicht Maximilians unbedingt erforderlich. Zum anderen ging es dem bayerischen Herzog um die Legitimierung der Liga gegenüber den europäisch katholischen Mächten. Er war sich bewusst, dass ein enger Zusammenhang zwischen dem Interesse der spanischen Habsburger sowie dem Papst an der konfessionspolitischen Situation im Reich und der Ausgestaltung der Liga bestand. Hier ergab sich häufig ein Interessenkonflikt mit den bayerischen Zielvorstellungen, aus dem die ambivalente Haltung Spaniens und Roms gegenüber einer Unterstützung der Liga resultierte. Es war nicht ausgeschlossen, dass der Bund ihren Interessen ebenso schaden konnte.
Wenn Maximilian durch die veränderte politische Situation ab 1619 die Möglichkeit e rhielt, die katholische Liga entsprechend seinen Vorstellungen erneut zu formieren und mit dem militärischen Einsatz des Bundes für Habsburg die Wiedererlangung der pfälzischen Kurwürde erreichte, so war sein militärisches Engagement für eine katholisch-kaiserliche Prägung des Reichssystems mit dem Jahr 1623 jedoch noch nicht beendet. Maximilian trug weiterhin zum Fortgang des Krieges bei. Den Höhepunkt markiert das Restitutionsedikt von 1629, an dessen Zustandekommen der bayerische Herzog maßgeblich mitgewirkt hatte. Mit dem Einfall der Schweden 1632 änderte sich Maximilians Einstellung zum Krieg. Ab hier bemühte er sich aus unterschiedlichen Gründen um ein Ende des Krieges. Das aktive militärische Engagement Maximilians ist folglich nur für einen sehr kurzen Zeitraum seiner Regierung festzustellen. War Maximilian von Bayern also ein erasmisch geprägter Fürst, der um Frieden bemüht ist und nur gerechte Kriege mit dem Frieden als Ziel führt,
3 Siehe eingehend zu den Bemühungen Maximilians um die Unterstützung Spaniens und des Papstes sowie
deren Reaktionen Albrecht, Dieter: Maximilian I. von Bayern 1573-1651. München 1998, S. 419 ff.
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oder war er, typisch für seine Zeit, ein Bellizist? Ausgehend davon, dass Maximilian am Vorabend des Dreißigjährigen Krieges in keine militärische Auseinandersetzung verwi- ckelt war, erhält die Frage für diese Zeit eine besondere Brisanz.
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2. Literatur- und Quellenlage
Für die Zeit Bayerns unter Maximilian am Vorabend des Dreißigjährigen Krieges besteht eine sehr günstige Literatur- und Quellenlage. Abgesehen von einer Vielzahl von Darstellungen über die Ursachen des Dreißigjährigen Krieges, i n denen fast ohne Ausnahme D onauwörth und die Liga wegen ihrer Tragweite erscheinen, sind die beiden Biographien zu Maximilian von Dieter Albrecht und Andreas Kraus zu erwähnen. 1 Beide zeigen deutlich die Ursachen, Auswirkungen und Zusammenhänge der Politik Maximilians für die gesamte Regierungszeit auf. Für die Erziehung und Ausbildung Maximilians sowie den geistigen Strömungen der Zeit mit ihren Auswirkungen auf Maximilian ist immer noch die Biographie von Helmut Dotterweich 2 richtungsweisend, wobei dieser jedoch nur die Zeit vor der Regierungsübernahme betrachtet.
Zu den Einzeldarstellungen der maximilianeischen Innenpolitik gehören Maximilian Lanzinner 3 , welcher die Entstehung der Zentralbehörden unter Maximilians Vorgängern Albrecht V. und Wilhelm V. untersucht, und Heinz Dollinger 4 mit seiner detaillierten Darstellung der Finanzreform Maximilians. Dollinger rundet seine Untersuchung durch die Ein-ordnung der Ergebnisse in den frühabsolutistischen Staatsbildungsprozess ab. Ebenso hat er in einem früheren Aufsatz am Beispiel von Maximilian und Justus Lipsius die Staats-theorie eines frühabsolutistischen Herrschers betrachtet. 5 Im Zuge der Analyse zur Reichspolitik Maximilians ist neben Albrecht und Kraus die grundlegende Arbeit von Felix Stieve 6 zu Donauwörth bedeutsam. Ergänzend dazu ist die Untersuchung von Rudolf Breitling 7 zu den Motiven der benachbarten Reichstände in der Donauwörther Auseinandersetzung. Die Thesen von Moritz Ritter, welche er in verschie-
1 Hierwird hauptsächlich Parker, Geoffrey: Der Dreissigjährige Krieg. Frankfurt a.M.; New York 1991
zugrunde gelegt, der Ursachen für den Krieg in den letzten drei Jahrzehnten davor recht ausführlich aufarbei-
tet. Jedoch bleiben einige Stellen zu überprüfen, wenn er unter anderem auf S. 94 davon ausgeht, dass Maxi-
milian eine Unterstützung Erzherzog Leopolds im Erbstreit von Jülich-Kleve befürwortet hätte. Auf weitere
Gesamtdarstellungen zu den Ursachen des Dreißigjährigen Krieges kann aufgrund der umfangreichen Dar-
stellungen in den Biographien zu Maximilian I. von Albrecht, Dieter: Maximilian I. von Bayern 1573-1651.
München 1998 sowie Kraus, Andreas: Maximilian I., Bayerns großer Kurfürst. Graz, Wien, Köln 1990 ver-
zichtet werden.
2 Dotterweich, Helmut: Der junge Maximilian. Biographie eines bayerischen Prinzen. München 1980.
3 Lanzinner, Maximilian: Fürst, Räte und Landstände. Die Entstehung der Zentralbehörden in Bayern 1511-
1598, Göttingen 1980.
4 Dollinger, Heinz: Studien zur Finanzreform Maximilians I. von Bayern in den Jahren 1598-1618. Ein Bei-
trag zur Geschichte des Frühabsolutismus, (Schriftenreihe der Historischen Kommission 8), Göttingen 1968.
5 Dollinger, Heinz: Kurfürst Maximilian I. von Bayern und Justus Lipsius. Eine Studie zur Staatstheorie eines
frühabsolutistischen Herrschers, in: Archiv für Kulturgeschichte 46 (1964) S. 227-308.
6 Stieve, Felix: Der Ursprung des Dreißigjährigen Krieges 1607-1619, Bd. 1; Der Kampf um Donauwörth,
München 1875.
7 Breitling, Rudolf: Der Streit um Donauwörth. in: ZBLG 2 (1919), 275-298.
7
denen Arbeiten darlegt und die einen Diskurs zu den Thesen von Stieve liefern, sind übernommen nach Albrecht. 8
Die Gründung und die Geschichte der Liga ist zum einen in der Darstellung von Franziska Neuer-Landfried aufgearbeitet. 9 Weiterhin ist hier Hugo Altmann zu nennen, der zwar erst ab dem Jahr 1613 die Reichspolitik Maximilians aufarbeitet, dafür jedoch sehr ausführlich. 10 Im Anhang befinden sich Quellen zur bayerischen Reichspolitik, da Altmanns Darstellung als 12. Band zur Reihe der Briefe und Akten des Dreißigjährigen Krieges erschienen ist, was das Einsetzen mit dem Jahr 1613 erklärt. Dass wiederum Albrecht als auch Kraus Maximilians Ligapolitik eingehend aufdecken, muss nicht eingehender erörtert werden.
Neben den beiden Biographien und den Einzeldarstellungen wurde für diese Arbeit eine Vielzahl von Aufsätzen herangezogen. Für die Reformen Maximilians sind die Ausführungen Reinhard Heydenreuters 11 unverzichtbar. Die Liga als alternativen Verfassungsentwurf sowie die Interessen Maximilians innerhalb des Bundes hat Axel Gotthard 12 analysiert. Jedoch i st anzumerken, dass für Gotthard die Bewertung Maximilians als Motor des konfessionspolitischen Konflikts im Reich sowie für die Fortsetzung des Krieges negativ ausfällt.
Die Quellen und Quelleneditionen zur Epoche Maximilians I. hat Gerhard Immler 13 in seinem jüngsten Aufsatz aufgezeigt. Hier kommt zum Ausdruck, dass die Quellenlage für diese Epoche und in diesem Zusammenhang auch für Maximilian von Bayern gut aufbereitet ist. Wenngleich viele Quelleneditionen älteren Datums sind, so mindert dies jedoch nicht ihre Qualität. In der vorliegenden Arbeit wird aufgrund des Umfangs der Themenstellung weitgehend auf eine Auswertung von Quellen verzichtet. Bis auf wenige Ausnahmen sind die Quellenzitate aus der Literatur übernommen. Wo dies nicht ausreichend e rscheint, sind die Originale benutzt worden. So auch zu den
8 Ritter, Moritz: Geschichte der deutschen Union 1598-1612. Bd. 2, Schaffhausen 1867-1873; Ders.: Der
Ursprung des Restitutionsedikts. in: HZ 76 (1896), 62-102.
9 Neuer-Landfried, Franziska, Die katholische Liga. Gründung, Neugründung und Verfassung eines Sonder-
bundes 1608-1620, Kallmünz/Opf. 1968.
10 Altmann, Hugo: Die Reichspolitik Maximilians I. von Bayern 1613-1618. München, Wien 1978.
11 Heydenreuter, Reinhard: Finanz- und Verwaltungsreform unter Herzog und Kurfürst Maximilian I. In:
ZBLG 65, Heft 1, (2002), S. 101- 122; Ders.: Die Behördenreform Maximilians I. In: Glaser, Hubert (Hg.):
Um Glauben und Reich. Kurfürst Maximilian I., Bd. 2 (Wittelsbach und Bayern, II/1 u. 2), München, Zürich
1980.
12 Gotthard, Axel: Maximilian und das Reich. In: ZBLG 65, Heft 1, (2002), S. 35-68; Gotthard, Axel:
Protestantische „Union“ und Katholische „Liga“ - Subsidiäre Strukturelemente oder Alternativentwürfe? In:
Press, Volker (Hrsg.): Alternativen zur Reichsverfassung in der frühen Neuzeit? München 1995.
13 Immler, Gerhard: Quellen und Quelleneditionen zur Epoche Maximilians I. In: ZBLG 65, Heft 1, (2002),
S. 25- 34.
8
scheint, sind die Originale benutzt worden. So auch zu den Erziehungsinstruktionen von Wilhelm V., die von Friedrich Schmidt 14 herausgegeben wurden.
Zusammenfassend lässt sich für die Literatur feststellen, dass der Forschungsstand zu Maximilian am Vorabend des Dreißigjährigen Krieges gut aufgearbeitet ist. Zu den Jahren vor 1598 sowie der Zeit der inneren Konsolidierung Bayerns scheint sich die Forschung weitgehend einig zu sein. Jedoch kommen hinsichtlich der Bewertung von Maximilians Innenpolitik teilweise ambivalente Sichtweisen in der Literatur vor. Dies gilt besonders für den Aspekt des Gemeinwohls. In der maximilianeischen Reichspolitik und den Motiven M aximilians werden viele Fragen kontrovers diskutiert. So ist nicht ganz eindeutig, wie die außenpolitischen Interventionen Maximilians vor Donauwörth zu bewerten sind. War er sich bereits hier den reichspolitischen Realitäten bewusst und hat dementsprechend interveniert, ohne jedoch seine Möglichkeiten zu überschätzen oder war ihm hier noch nicht an einer Reichspolitik gelegen? Im Zuge von Donauwörth wird teilweise die Frage nach der Rechtmäßigkeit der Exekution und dem Vorsatz der Einverleibung der Stadt durch den Pfandbesitz ambivalent in der Literatur diskutiert. Und auch im Zusammenhang mit der Liga ergeben sich durch die Motive Maximilians und seinem Verhalten immer noch einige Fragen. Die kontroversen Ansichten der Literatur sollen im Einzelnen in den Fußnoten der entsprechenden Kapitel aufgezeigt werden. In der Arbeit selbst wird dagegen versucht werden, eine der möglichen Betrachtungsweisen zur Handlungsmotivation Maximilians zu entwickeln.
14 Schmidt, Friedrich: Die Geschichte der Erziehung der Bayerischen Wittelsbacher von der frühesten Zeit
bis 1750. In: MGP 14, Berlin 1892.
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3. Die Erziehung Maximilians und die humanistisch-religiöse Kontinuität in seinen Testamenten
Die vererbten Anlagen und eine zielgerichtete Erziehung wirkten sich in der Befähigung des Fürsten zur Regentschaft aus. In der Sozialisation des katholischen Maximilian war dieses Zusammenwirken entscheidend. Für die Anlagen konnten die engen Verflechtungen in den verwandtschaftlichen Beziehungen unter den katholischen Herrscherhäusern Europas nicht unbedingt von Vorteil sein, wofür Kaiser Rudolf II. als Musterbeispiel gelten mag. 1 Bei Maximilian scheint dies weit weniger Auswirkungen gehabt zu haben, was nicht zuletzt die starke und selbstbewusste Persönlichkeit ausdrückte. Zu dem starken fürstlichen Selbstbewusstsein und dem dynastischen Stolz, welches Maximilian beides von seinen unmittelbaren Vorfahren, Wilhelm V. und Albrecht V., mitbekommen haben mag, kommt noch die besonders starke Willenskraft, die mehr in der Familie der Mutter zu finden war. Ebenso war Maximilian mit großen geistigen Fähigkeiten ausgestattet. 2 Und eben die Verbindung aus Willenskraft und geistigen Fähigkeiten ergibt die Voraussetzung für die A bsolvierung einer intensiven geistigen und religiösen Ausbildung. Beides trug dazu bei, die neuen Aufgaben und Zielsetzungen eines Fürsten um 1600 erfolgreich zu bewältigen.
3.1. Erziehung und Ausbildung
Mehr noch als die Anlagen hatte sich die Erziehung bei Maximilian ausgewirkt. Dabei ist das Entscheidende, dass diese Erziehung einerseits aus einer humanistischen Bildung, a ndererseits aber in der Formung eines zu tiefst religiösen Menschen bestand. Das Gewicht lag dabei stärker auf der Unterweisung in religiösen Kenntnissen, wodurch der religiöse Aspekt immer wieder in die humanistische Ausbildung integriert wurde. Hierin lag kein Widerspruch, sondern die religiöse Erziehung gehörte gleichsam zum humanistischen Bildungsideal. 3 Darüber hinaus sollte die Humanitas die Pietas fördern. Die religiösen Übungen und Unterweisungen seit frühester Jugend, welche nie ausgesetzt oder vernachlässigt
1 Zu den genealogischen Zusammenhängen zwischen den bayerischen Herzögen und anderen katholischen
Geschlechtern Europas sowie den daraus resultierenden Problemen siehe ausführlicher Kraus, Andreas: Ma-
ximilian I. Bayerns großer Kurfürst. Graz, Wien, Köln 1990, S. 21 f. Vergleiche zu Anlagen und Persönlich-
keit Rudolfs II. auch Evans, Robert J.W.: Rudolf II. Ohnmacht und Einsamkeit. Graz 1980.
2 Siehe zu den Anlagen Kraus: Maximilian I., S. 23.
3 Ebenda 27.
10
wurden, bedingten jedoch, dass Maximilian von einem starken religiösen Gefühl durchdrungen und bestimmt war.
3.1.1. Maximilians Hoflehrer und die Jahre am väterlichen Hofe
Bis zu seinem siebenten Lebensjahr stand Maximilian unter der Obhut seiner Mutter. Seit Sommer 1580 kamen die Jahre im Alten Hof. Nun übernahm Herzog Wilhelm V. die Aufsicht über die Erziehung seines Sohnes. Maximilian bekam einen eigenen Hofstaat, zu dem unter anderem der Hofmeister und der Praeceptor gehörten, welche für die Erziehung z uständig waren. 4 Als Hofmeister war zuerst Ulrich von Preysing beauftragt, ein Adliger aus einer alten bayerischen Familie. Doch schon 1581 wurde dieser auf eine Empfehlung des päpstlichen Legaten Ninguarda hin durch den rheinischen Adligen Wilhelm Schlüderer von Lachen abgelöst. Seine Aufgaben als Hofmeister bestanden neben der organisatorischen Leitung und Kontrolle des Hofhalts in der Überwachung des Tagesablaufs, der Sorge um die Gesundheit der Zöglinge sowie der höfischen Erziehung, den ritterlichen Übungen als auch der künstlerischen Betätigung. 5
Die religiöse und geistige Ausbildung des Erbprinzen war dem Praeceptor anvertraut. Hierzu berief Wilhelm V. von 1580 bis 1588 den Juristen Wenceslaus Peträus. Dieser stammte aus Budweis in Böhmen, hatte in Ingolstadt studiert und war Doktor beider Rechte. 6 Zunächst stand Peträus in den Diensten des Prager Erzbischofs Anton Brus von Müglitz, welcher engagiert für die Gegenreformation eintrat. Dieser Zusammenhang könnte auch einen Hintergrund dafür bilden, warum Wilhelm V. den Juristen als Paeceptor für seinen Sohn berufen hat. 7 So befand sich Peträus auf einem Exerzierfeld der Gegenreformation. Peträus wirkte an der Seite des Erzbischofs am nun wieder auflebenden Katholizismus in Böhmen nach den Hussitenkriegen mit. Dazu zählte auch das Niederlassen der Jesuiten in Böhmen. Die Nähe zum Prager Erzbischof und das Mitwirken an der Gegenre-formation zeigen Peträus als einen Menschen, der für die katholische Sache energisch und aus innerer Überzeugung eintrat. Die Annahme, dass der Praeceptor dies auf seinen Zögling überträgt, war durchaus im Sinne von Wilhelm V.
4 Zu den Umständen und Dienern im Alten Hof siehe Dotterweich, Helmut: Der junge Maximilian. Biogra-
phie eines bayerischen Prinzen, München 1980, S. 44 f.
5 Ebenda S. 45.
6 Zu Peträus siehe auch Albrecht, Dieter: Maximilian I. von Bayern 1573-1651. München 1998, S. 92 f sowie
Dotterweich: Der junge Maximilian, S. 45 ff.
7 Albrecht: Maximilian, S. 93 hält die Gründe Wilhelms V. für die Einstellung Peträus für nicht nachweisbar.
Dagegen geht Dotterweich: Der junge Maximilian, S. 45 f davon aus, dass ein Grund in der Verbindung
Peträus zum Prager Erzbischof und damit zu einem energischen Kämpfer für die Gegenreformation liegt.
Dotterweich legt weiterhin auf S. 149 Anm. 16 dar, wie Wilhelm V. Peträus kennen gelernt haben könnte.
11
Ausgehend davon, dass Peträus Böhme war und darüber hinaus in Diensten des Prager Erzbischofs stand, lässt sich noch eine weitere Schlussfolgerung für den Grund der Einstellung ziehen. Diese ist die Verbindung Böhmens als Wahlkönigtum mit der gleichzeitigen Kurstimme im Reich. Die bayerischen Wittelsbacher waren seit der Goldenen Bulle von 1356 nicht an der Wahl des Königs beteiligt. 8 Dafür war die Kurstimme auf die Verwandten der pfälzischen Wittelsbacher übergegangen. Dieser Makel lastete schwer auf dem dynastischen Selbstverständnis der Bayern. Immer wieder waren die Bayern bemüht, diesen Makel auszugleichen, was gerade in Bezug auf Wilhelm V. noch aufzuzeigen sein wird. Es ist gut vorstellbar, dass Wilhelm V. mit Peträus als Praeceptor für Maximilian diesen G esichtspunkt im Blick hatte, da dieser die böhmischen Verhältnisse kannte und seinem Zögling sicherlich durch einige Referenzen und Beziehungen hilfreich sein konnte. 9 Dass die Bayern in Böhmen einen möglichen Ansatzpunkt zu einer Rangerhöhung gesehen h aben, belegt die Tatsache, dass die bayerischen Erbprinzen die böhmische Sprache erlernen mussten. Denn für einen möglichen Anwärter auf den böhmischen Thron war die Kenntnis der Landessprache eine unbedingte Voraussetzung. 10
Peträus dürfte neben dem noch später zu nennenden Johann Baptist Fickler als Praeceptor wohl den stärksten Einfluss auf die Entwicklung des jungen Maximilian ausgeübt haben, da sich dieser in einem Alter befand, in dem religiöse und geistige Einstellungen besonders fruchtbaren Boden finden. Dem entsprach nicht nur die einfühlsame Art von Peträus. 11 Der Praeceptor Maximilians verband vielmehr das humanistische Bildungsideal mit einem entschiedenen Katholizismus, der sich nicht zuletzt in einer außerordentlichen Frömmigkeit widerspiegelte. Auch dies dürfte im Sinne Wilhelms V. gewesen sein, wenn es um die Erziehung seines Sohnes, des Erbprinzen, ging.
Die geistige und religiöse Einstellung des Praeceptors war um so wichtiger, da sie mit dem auf Maximilian zukommendem strengen System pädagogischer Erziehungsvorschriften übereinstimmte. Nicht der Praeceptor oder der Hofmeister entwarf ein Erziehungsprogramm für seinen Zögling, sondern der Herzog selbst behielt sich die erzieherische Ausgestaltung für den Erbprinzen durch die Erziehungsvorschriften an den zuständigen Lehrer vor. Damit hatte sich der Praeceptor an detaillierte Instruktionen für die geistige und religiöse Ausbildung seines Zöglings zu halten. Dies entsprach durchaus den Tendenzen der
8 So schreibt selbst Maximilian noch im Testament von 1641, dass die Pfälzer die Kurwürde „durch un-
zimbliche gewaltettige anmaßung“ von Karl IV. erhalten hätten. Siehe dazu Albrecht: Maximilian, S. 43.
9 Um diese Schlussfolgerung zu belegen, bedarf es allerdings einer eingehenderen Untersuchung zur Person
des Peträus, die weder von Dotterweich noch von Albrecht geleistet wird.
10 Siehe zum Zusammenhang des Erlernens der böhmischen Sprache und einer möglichen Rangerhöhung
Dotterweich: Der junge Maximilian, S. 90 f.
11 Ebenda S. 45 f.
12
Zeit. Seit dem Humanismus setzte sich an den Fürstenhöfen der Wille zur bewussten Menschenbildung durch. Damit einhergehend wurden nun die Prinzipien eines christlichen Humanismus in die Instruktionen aufgenommen. Bis dahin war die Ausbildung im Sinne einer ritterlich - höfischen Erziehung vorrangig. Auf eine gelehrte Bildung wurde dabei verzichtet. In Bayern setzte der Wandel in der Erziehung mit Albrecht IV. ein. Dieser hatte eine gelehrte Erziehung allerdings nur erhalten, weil er eigentlich für den geistigen Stand bestimmt war. Albrecht IV. begründete nun die Tradition, den Prinzen eine humanistisch geprägte Ausbildung zukommen zu lassen. 12
Dieser Tradition folgend hat Wilhelm V. 1581 eine Instruktion für die Ausbildung und Erziehung Maximilians an den Hofmeister und den Praeceptor erlassen. 13 Die bis zum Teil ins Kleinste ausgearbeiteten Instruktionen sind getragen von der Sorge Wilhelms V. um die geistige und religiöse Erziehung der Prinzen. Dabei konnte sich der Herzog an seinen eigenen Instruktionen orientieren. Dennoch ging er den Tendenzen der Zeit entsprechend noch darüber hinaus. Im Vordergrund stand für Wilhelm V. nicht mehr der äußere Tagesablauf, sondern die „Bestimmungen über eine vertiefte religiöse und geistige Erziehung der Prinzen“ 14 .
Weiterhin stand dem Herzog als Orientierung für seine Instruktionen eine Vielzahl von pädagogischer Literatur des 16. Jahrhunderts, den so genannten Fürstenspiegeln, zur Verfügung. Hauptsächlich orientierte sich Wilhelm V. dabei an den Institutio principis christiani des Erasmus von Rotterdam. Die Nähe zu Erasmus ergibt sich aus der Übereinstimmung über den Wert gelehrter Bildung bei der Erlangung christlicher Frömmigkeit. 15 A nlehnend an Erasmus ging auch Wilhelm V. davon aus, dass der Weg zur Pietas über die Humanitas zu führen habe. 16 Die Ansichten des Erasmus und damit der christliche Humanismus spielten eine wichtige Rolle in der Ausbildung und dem späteren Selbstverständnis Maximilians.
Und auch sonst sind die Instruktionen Wilhelms V. getragen von dem Bildungsideal des Humanismus, dessen Ziel es war, einen heranwachsenden Menschen bewusst auf das Ziel
12 Siehe dazu Albrecht: Maximilian, S. 93.
13 Siehe dazu Dotterweich: Der junge Maximilian, S. 50 sowie Albrecht: Maximilian, S. 93. 1584 wurde die
Instruktion erneuert und überarbeitet, da nun Maximilians Bruder Philipp, welcher für den geistigen Stand
bestimmt war, ebenso der Erziehung und Ausbildung von Peträus und Schlüderer von Lachen übergeben
wurde. Zusätzlich zu einer gemeinsamen Instruktion für den Hofmeister und den Praeceptor verfasste Wil-
helm V. jeweils eine gesonderte Instruktion für beide. Die gemeinsamen und gesonderten Instruktionen von
1584 sind zu finden bei Schmidt, Friedrich: Die Geschichte der Erziehung der Bayerischen Wittelsbacher
von der frühesten Zeit bis 1750. In: MGP 14, Berlin 1892, S. 27 - 52.
14 Albrecht: Maximilian, S.93.
15 Zur Übereinstimmung mit Erasmus von Rotterdam als auch anderen Pädagogen der Zeit siehe Dotter-
weich: Der junge Maximilian, S. 53 f.
16 Ebenda S. 55 f.
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hin zu formen, „ein veredeltes, höheres Menschentum zu bilden, dessen Idealtypus der allseitige, gründlich ausgebildete, zur höchsten Entfaltung aller seiner individuellen Fähigkeiten und Anlagen gelangte Mensch ist“ 17 .
Ein Blick auf die Instruktionen verdeutlicht, wie stark darin die religiösen Anschauungen sind und welch starkes Gewicht auf die Vermittlung dieser gelegt wird. Hier geht es um die Hinführung des jungen Menschen zu Gott. Gemeint ist dabei die Hinführung zu dem einzig wahren Gott, nämlich dem katholischen Gott. Die katholische Religion, ihre Dogmen und Formen sowie dem Festhalten an ihnen sind die Leitlinien der religiösen Erziehung Maximilians, „weil ausser der heiligen catholischen apostolischen römischen religion khain s eligkhait, oder hail, kain rechter Tauff noch wahre Sacrament, sonder gleich wie ausser der kirchen ein lautterer Sündenfluß, ewiger T od und verderben, auch hie in Zeiten alles gaistlichen und weltlichen wesens unchristliche zerrüttung ist“. 18 Das bedeutet aber auch, dass nur die katholische Religion in der Lage ist, die Ordnung in der Welt aufrecht zu erhalten. Deshalb ist es um so wichtiger, an dieser wahren Religion festzuhalten. Diese Sichtweise sollte Maximilian in sich aufnehmen und sein späteres Denken und Handeln wesentlich beeinflussen.
Im Zentrum der religiösen Erziehung steht die Erfüllung des göttlichen Willens. 19 Dieses Ziel erreicht der Fromme dadurch, dass er in den Dienst Gottes tritt. Dazu bedarf es wiederum einer strengen religiösen Erziehung, um den richtigen Dienst für Gott zu e rkennen als auch zu erfüllen und damit seinem Willen zu entsprechen. Gerade die Ansicht des Dienstes für Gott soll später für Maximilians Selbstverständnis ein zentrales Element werden.
Ausgangspunkt für die religiöse Erziehung ist die Gottesfurcht, welche den jungen Menschen zu Gott führen soll. Gemäß der Anschauung, dass der Weg zu Gott mehr durch religiöse Übungen und Unterweisungen als durch die Religionslehre zu erreichen sei, stehen bei den Erziehungsinstruktionen die vielen Religionsübungen als Mittel zur Erlangung der Gottesfurcht im Vordergrund. Gerade dem persönlichen Gebet kommt dabei eine besondere Rolle zu, wenn es in den Instruktionen heißt, „das mit einpflanzung aller Gottsforcht der anfang gemacht und sie [der Hofmeister und der Praeceptor] unnsere geliebte Söne zu ordentlichem gepett und Andacht sowol in Irem zimmer als In der Kirchen fleissig unnderwisen und gehalten werden“. 20 Über die Anleitung zum Gebet hinaus sehen die Instruktio-
17 EbendaS. 52.
18 Schmidt: Erziehung, S. 41.
19 Siehe Dotterweich: Der junge Maximilian, S. 66.
20 Schmidt: Erziehung, S.28.
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nen noch andere religiöse Übungen vor, welche über die Beichte bis zu empfohlenen Wallfahrten gehen. 21
Auch der Tagesablauf ist minutiös vorgeschrieben, wobei dieser ebenso vorrangig von religiösen Übungen beherrscht wird. Schon während der Zeit bei der Mutter, also im frühesten Kindesalter, war die Kinderfrau angewiesen, die Kinder mit einfachen Gebeten an die Religion heranzuführen. 22 Nun werden die Art und die Auswahl der religiösen Übungen, welche über den Tag hinweg auszuführen sind, bis in Einzelheiten angesprochen. 23 Dazu wird in den Instruktionen gleichfalls die notwendige Literatur für die täglichen religiösen Übungen dargelegt.
Aus den Aufzeichnungen des Peträus ist ersichtlich, wie für die einzelnen Tageszeiten und verschiedenen Wochentage bestimmte religiöse Übungen vollzogen wurden. Hier ging es von auswendig gelernten Gebeten und kurzen Stoßgebeten zu bestimmten Tageszeiten über kirchliche Zeremonien und Feste als praktische Anschauung zu den religiösen Übungen bis hin zu Wallfahrten, die Maximilian unternahm. 24
Bei dem starken Gewicht der religiösen Erziehung darf dennoch nicht vergessen werden, dass Maximilian auch in geistiger, in diesem Falle humanistisch gebildeter Richtung erzogen werden sollte. Die geistige Bildung ist von dem Grundsatz geleitet, dass der Mensch durch den Reichtum an griechisch-römischer Bildung und der Beschäftigung mit ihr, die Werte des christlichen Humanismus zu erkennen vermag sowie sein Handeln nach dieser Form der Vernunft ausrichten kann. Damit sind die Tugenden angesprochen, die ein christlicher Fürst nach dem Verständnis der Humanisten wirklich leben sollte. Schon Wilhelm V. waren die Tugenden, welche aus der Antike abgeleitet und seit der Renaissance neu belebt sowie weiterentwickelt wurden, als Wertemaßstab des christlichen Handelns durchaus bekannt und wichtig. Deshalb verlangte der Herzog in den Erziehungsinstruktionen, dass seine Kinder mit den besten Tugenden ausgestattet sein sollten. 25 An der Spitze der geforderten Tugenden stand die Frömmigkeit. Darüber hinaus wurden die Gelehrsamkeit, die Gerechtigkeit, welche die Barmherzigkeit einschließt, sowie die Beständigkeit und Tapferkeit verlangt. Dem gegenüber sollte d ie Mäßigung der Begierden und Affekte e rreicht und den humanistischen Idealen untergeordnet werden. In diesem Sinne ist es zu verstehen, wie es auch in den Erziehungsinstruktionen von Wilhelm V. zum Ausdruck
21 Ebenda 30; 32.
22 Siehe Dotterweich: Der junge Maximilian, S. 67.
23 Zum vorgeschriebenen Tagesablauf siehe Schmidt: Erziehung, S. 34 ff.
24 Siehe zum Tagesablauf Maximilians, den einzelnen religiösen Übungen als auch der verwendeten religiö-
sen Literatur ausführlich Albrecht: Maximilian, S. 95 ff und Dotterweich: Der junge Maximilian, S. 67 ff.
25 Vgl. Dotterweich: Der junge Maximilian, S. 54 f.
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kommt, dass negative Charaktereigenschaften wie Stolz, Übermut, Neid, Zorn, Müßiggang und Verschwendung gegenüber den positiven wie Demut, Wahrhaftigkeit, Bescheidenheit, Gehorsam, Nüchternheit und Disziplin, welche einen wahren Christen ausmachen, zurücktreten. 26 Um dieses Ziel zu erreichen, wurde dem Schüler mit den antiken Autoren ein Gerüst von Beispielen in die Hand gegeben, an denen er die Maßstäbe und Werte für sein Handeln in humanistischen Sinne ablesen konnte. Über diesen inhaltlichen Zweck antiker Literatur hinaus wurden so, gemäß der Einsicht von der Untrennbarkeit der Form und des Inhalts, auch die sprachlichen Fähigkeiten des Schülers gefördert, um richtiges Denken und Ausdrücken zu erreichen. 27
Bei der Auswahl der klassischen Literatur wurde dennoch darauf geachtet, dass sich die gelehrte humanistische Erziehung an der religiös-sittlichen Erziehung zu orientieren hatte. Und wenn davon ausgegangen wird, dass religiös im Sinne der katholischen Religion ver-standen werden muss, so bedeutete dies die Eingrenzung auf katholisch konforme Literatur. G erade diesen Aspekt findet man in den Instruktionen Wilhelms V. an den Praeceptor Peträus betont. Dieser hatte darauf zu achten, „das in unnserer Söne Schuel nit anndere als Christliche guete pücher gesehen und gebraucht werden“. 28 Es geht also darum, dass kein „Autor In unnserer Söne khundtschafft und gebrauch komme, der in Religione und moribus das wenigest verdacht seie“. 29 Um dies zu erreichen, empfiehlt Wilhelm V., sich nicht an den antiken Autoren zu orientieren, welche er als „Haydnische schwätzer und Fabel Hannsen“ 30 ansieht, sondern sich „mehr umb unnser Heilige Religion Hochverdienten A u-torn“ 31 zu bemühen. 32 Die Empfehlungen Wilhelms V. drücken das Bemühen aus, die Prinzen von jeglicher Art nicht katholisch konformer Gesinnung fernzuhalten. Gleiches drückt sich in den Bestimmungen über die Kontrolle des Umgangs der Prinzen mit Personen aus deren Umfeld aus. 33
Peträus hat die Anweisungen auf die Auswahl der Literatur dennoch nicht einfach übernommen, sondern diesen seine Auffassung vom Wert antiker Autoren als gebildeter H umanist entgegengestellt. Wilhelm V. hat sich den Auffassungen von Peträus, also den G e- 26 Siehedazu Albrecht: Maximilian, S. 99 sowie Dotterweich: Der junge Maximilian, S. 55. Dotterweich geht
dann weiterhin auf den Widerspruch zwischen Gelehrsamkeit und Frömmigkeit ein, wobei er zu dem Schluss
kommt, dass der Widerspruch dadurch aufgehoben wird, indem die Gelehrsamkeit zur Frömmigkeit führt.
27 Siehe zu den humanistischen Bildungszielen Dotterweich: Der junge Maximilian, S. 76.
28 Schmidt: Erziehung, S. 37.
29 Ebenda 36.
30 Ebenda 37.
31 Ebenda 37.
32 Vgl. zu den von Wilhelm V. gemeinten Autoren auch Dotterweich: Der junge Maximilian, S.78 f.
33 Schmidt: Erziehung, S. 48.
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lehrten, die es besser wissen mussten, nicht widersetzt. 34 Maximilian las nun antike Klassiker neben christlichen Humanisten. Dennoch schien das Gewicht vorwiegend auf den antiken Autoren wie Horaz, Cicero, Plutarch, Livius und Tacitus gelegen zu haben, welche zum Üben von Formulierungen und Argumentationen genutzt wurden. 35 Die Bemühungen um die Auswahl der religiös richtigen Literatur zeigt hier ganz deutlich, in welchen Bahnen sich Maximilians Ausbildung bewegte. Die Orientierung dazu liefert die Religion, womit sich die Bildung innerhalb vorgefertigter Glaubenswahrheiten vollzieht. Nicht die Freiheit des Geistes war das Ziel dieser religiös gelehrten Bildung, sondern die Wahrung der Einheit von Glauben und Wissen. Damit war Maximilians geistige Ausbildung über die humanistische Zielsetzung hinaus geprägt durch das gesteigerte religiöse Gefühl der Zeit.
Die Stellung der konfessionellen Gesichtspunkte in d er Ausbildung Maximilians hatte als Hintergrund die bereits weitläufig verbreiteten Schulordnungen und Lektürevorschriften der Jesuitenschulen. Auf diese Grundlage konnte sich Peträus stützen, wenn es um die Ausbildung und die Auswahl antiker Autoren als g eeignete Lektüre ging. 36 Darüber hinaus hatte sich Maximilians Unterricht während der Jahre im Alten Hof formal und inhaltlich am Vorbild der Jesuitenschulen orientiert. 37 So wurde der junge Herzog schon während seiner Kinderjahre im Geiste der Jesuiten erzogen, was ganz im Sinne der angestrebten Erziehungsziele lag. Durch den Praeceptor Peträus war Maximilian also bestens auf die anschließende jesuitische Ausbildung in Ingolstadt vorbereitet.
3.1.2. Das Studium an der Universität Ingolstadt
In Ingolstadt unterzog sich der Erbprinz nun von 1587 bis 1591 konsequent den geistigen Idealen der Jesuiten, welche die Führung der Universität zu der Zeit inne hatten. 38 Der Orden, welcher sich einen guten Ruf in der Erziehung von Fürstensöhnen erworben hatte und zur Zeit Maximilians regen Zulauf fand, stützte sich auf die aus Spanien gewonnen Ansätze zur Erneuerung der aristotelisch-thomistischen Scholastik. Jene Ansätze wurden nun in Bayern weiterentwickelt und vermittelt. 39
34 Vgl. zur Position Wilhelms V. die Instruktionen bei Schmidt: Erziehung, S. 52, Anm. 1.
35 Vgl. zur gelesenen klassischen Literatur Albrecht: Maximilian, S. 99.
36 Ebenda 98.
37 Siehe zur Anlehnung Maximilians Unterricht an die Jesuitenschulen Dotterweich: Der junge Maximilian,
S. 80. Zur Darlegung des unteren Schulsystems der Jesuiten siehe Dotterweich, S. 76 f.
38 Zu einer kurzen Geschichte Universität Ingolstadt und der Rolle der Jesuiten siehe Albrecht: Maximilian,
S. 102 f sowie Dotterweich: Der junge Maximilian, S. 108 f.
39 Vgl. Dotterweich: Der junge Maximilian, S. 110.
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Die große Leistung der Jesuiten war die Verbindung aus religiöser Erziehung und humanistischen Bildungsidealen. Wie schon bei der bisherigen Ausbildung Maximilians galt nun ebenso, dass nicht die uneingeschränkte Freiheit des Geistes mit metaphysischem Denken und Handeln das Ziel war, sondern eine dogmatische Bindung an die katholische Glaubenslehre. Bei aller Anleitung der Zöglinge zur Entfaltung der geistigen und moralischen Kräfte blieb dennoch die gezielte Lenkung der Persönlichkeit in ein bestimmtes Wertesystem bestehen. Dieses Wertesystem zielte auf d ie Beherrschung und Unterwerfung der Umwelt im Sinne des katholischen Glaubens ab. Somit standen Wertentscheidungen für einen durch die Jesuiten erzogenen Menschen nicht zur Diskussion. Eine Alternative zu dem vorgesetzten Wertesystem gab es nicht.
Das Ergebnis der jesuitischen Erziehung war trotzdem kein verformter Mensch, welcher ein willenloses Werkzeug ohne Urteilskraft dargestellt hätte, sondern gerade die religiöse Erziehung trug neben der humanistischen dazu bei, dass die Jesuiten ihre Studenten zur „Selbstbeherrschung erzogen, damit zur Beherrschung ihrer Kraft wie zu bedingungslosem Einsatz dieser Kraft für ein jenseitiges Ideal“ 40 . Gerade darum darf man bei der Erziehung nicht von einer geistlosen Dressur durch die Jesuiten ausgehen. Sie muss vor dem Hinter-grund des Dogmas der katholischen Kirche beurteilt werden, welches einem Auseinanderfallen der Glaubenseinheit entgegenwirken wollte. Durch die humanistischen Bildungsideale war die jesuitische Erziehung eine Möglichkeit, die auseinander fallenden weltlichen und religiösen Bereiche wieder zusammenzuführen. 41 Auch deshalb kann die jesuitische Erziehung zur Zeit Maximilians neben den Bildungsinhalten sowie -methoden als durchaus modern und fortschrittlich angesehen werden, was sich in dem Umstand ausdrückt, dass selbst protestantische Adelssöhne den Jesuiten zur Erziehung anvertraut wurden, wie dies unter anderem böhmische Adlige praktizierten.
Wenn man die Bemühungen der Jesuiten um die Glaubenseinheit vor dem Hintergrund der Dogmen der katholischen Kirche betrachtet, gewinnt noch ein weiterer Aspekt in der jesuitischen Erziehung an Bedeutung. Mit der anerzogenen Selbstbeherrschung und dem bedingungslosen Einsatz der daraus gewonnen Kraft sollte der Mensch in der Lage sein, den „Militia Christi“ 42 zu l eisten. Dieser Kriegsdienst für Gott bestand darin, „den Willen Gottes zu erkennen und unter allen Umständen und auf jede Gefahr hin zu erfüllen“ 43 . Damit trugen die Jesuiten der konfessionellen und politischen Situation des ausgehenden 16.
40 Kraus: Maximilian I., S. 28.
41 Siehe Dotterweich: Der junge Maximilian, S. 77.
42 Kraus: Maximilian I., S. 27.
43 Ebenda S. 27.
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Jahrhunderts Rechnung, welche im Zeichen der gegenreformatorischen Bestrebungen durch die Katholiken sowie der zunehmend ablehnenden Haltung der Protestanten gegenüber dem Religionsfrieden stand und nun einen Konflikt zu Tage treten ließ, der bis 1618 stetig wuchs. So entstand durch Erziehung und äußere Situation in der Generation von Maximilian ein neuer Fürstentyp. Diese neue Generation von Entscheidungsträgern war weitaus dogmatischer und militanter als die ältere, welche sich im Glauben an eine universelle Ordnung, ausgedrückt in der Person des Kaisers, durch Werte der Toleranz auszeichnete. 44 „Der Gegensatz zwischen den Männern einer aktiven Politik, die sich von praktischen, politischen Erwägungen leiten ließen, und jenen, deren Respekt für traditionelle Werte sich in der Regel mit dem Glauben an die alte universelle Ordnung verband, dieser Gegensatz wurde immer stärker.“ 45 Zu dieser neuen Generation gehörten zweifellos Entscheidungsträger von 1618 wie Ferdinand II., Christian von Anhalt und nicht zuletzt Maximilian, welcher den neuen Idealen seiner Generation durch die praktische Herrschaft Ausdruck verleihen sollte.
Zu den bedeutendsten Persönlichkeiten, welche Maximilian in den Ingolstädter Jahren beeinflusst haben, gehörten der angesehenste katholische Theologe seiner Zeit, Gregor von Valencia, und der Jurist und vorherige salzburgische Hofrat Johann Baptist Fickler. Valencia war ein Mann, der sich durch seine Bildung, der praktischen Umsetzung dieser als auch durch seine Lehre der Theologie in Ingolstadt von 1575 bis 1597 im Kampf um die katholische Sache bewährt hatte. 46 In Maximilians Studienjahren wird der Theologe der geistige und geistliche Mentor, vielfache Begleiter und nicht zuletzt Beichtvater des jungen Herzogs. Darüber hinaus wurde die Wirkung Valencias auf M aximilian noch durch ein enges persönliches Verhältnis gefördert.
Mit Valencia erhält Maximilian einen Eindruck von den Möglichkeiten des Geistes. Bei zahlreichen Gelegenheiten erlebte der zukünftige Herzog, wie Valencia seine Gegner bei Disputationen in d ie Knie zwang. Überhaupt dürfte die Kontroverstheologie Valencias, welche die Trennungslinien zu den reformatorischen Bekenntnissen herausarbeitete, M aximilian nachhaltig beeinflusst haben. Die religiöse Bestimmtheit eines Mannes, „dem die Alleinverbindlichkeit seiner Religion selbstverständlich war und der aus der Politik der Vorfahren die Defensio fidei et ecclesiae als seine künftige Aufgabe ableitete“ 47 , konnte nicht ohne Auswirkung auf die spätere Herrschaft Maximilians bleiben.
44 Siehe Evans: Rudolf II., S. 35 f.
45 Ebenda S. 15.
46 Siehe zur Biographie und Bedeutung Gregor von Valencias Albrecht: Maximilian, S. 104 und Dotterweich:
Der junge Maximilian, S. 111 ff.
47 Albrecht: Maximilian, S. 104.
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Johann Baptist Fickler, der Praeceptor in den Ingolstädter Jahren, war für Maximilians Ausbildung deshalb so wichtig, weil dessen Unterrichtsinhalte mit dem Gutachten des von Wilhelm V. geschätzten Altöttinger Probst, bayerischen Agenten in Rom und späteren Erzbischof von Zara M inuccio Minucci übereinstimmten. Wie bereits an den Instruktionen Wilhelms V. festgestellt wurde, ging es hierbei vorrangig um eine religiöse und humanistische Erziehung. Da dies Wilhelms V. persönlicher Neigung entsprach, wurde eine Ausbildung in den praktischen Kenntnissen eines Regenten nicht berücksichtigt. Gegen dieses Versäumnis wendet sich das Gutachten des Minuccio Minucci. 48 Das Gutachten übt deutlich Kritik an den Erziehungsschwerpunkten Wilhelms V. Nicht einen Gelehrten allein benötige das Herzogtum in dem zukünftigen Regenten, sondern ebenso, oder vielleicht noch mehr einen Mann, der mit den praktischen Gegebenheiten der Staatsführung vertraut ist. Um dies zu erreichen, seien drei Unterrichtsschwerpunkte wichtig, welche sich an der Praxis orientieren sollten. Erstens sollte der Erbprinz Kenntnis vom Rechtswesen erhalten, welche nicht als Vermittlung von Theorie zu verstehen sei, sondern als Empfinden von Gerechtigkeitsliebe sowie der genauen Kenntnis des bayerischen Landrechts. Zweitens sollen die inneren Kräfte des Landes verstanden werden, wozu unter anderem die Kenntnis der Bedürfnisse der Untertanen, der Staatseinkünfte, des Hofes, der Nachbarstaaten und der dynastischen Verbindungen zählen würden. Und drittens käme noch die Kenntnis des Kriegswesens hinzu. Minucci meint weiterhin, wenn diesen Kenntnissen noch die Kenntnis der Geschichte hinzugefügt werden würde, so würde Maximilian zum perfekten Regenten ausgebildet werden. 49
Dem Gutachten von Minucci liegt ein modernes Fürstenbild zugrunde, in d em der Fürst auf die um 1600 erforderlichen Situationen der Staatsführung vorbereitet ist und seine h erausgehobene Stellung durch Kenntnisse und Tätigkeit zu rechtfertigen weiß. 50 Diese F ähigkeiten und Kenntnisse mussten für Maximilian, der, wie noch aufzuzeigen sein wird, mit der Nachfolge im Amt des Herzogs ein schweres Erbe antrat, von unschätzbarem Wert sein. Dennoch ist ungewiss, wann das Gutachten von Municci in der Erziehung von Maximilian Berücksichtigung fand, da das Gutachten undatiert ist. Es ist anzunehmen, dass das Gutachten seit der Zeit in Ingolstadt mit in die Erziehung einfloss, da diese nun mehr nach praktischen Gesichtspunkten ausgerichtet war als bisher. 51
48 Zu Minuccio Minucci und zur Entstehung sowie den Inhalten des Gutachtens siehe Albrecht: Maximilian,
S. 101 f, Dotterweich: Der junge Maximilian, S. 60 und Kraus: Maximilian I., S. 25 f.
49 Siehe zu den Forderungen von Minucci detailliert Albrecht: Maximilian, S 101 f.
50 Ebenda 102.
51 Albrecht: Maximilian, S. 102 geht davon aus, dass es ungewiss ist, ob das Gutachten überhaupt Beachtung
fand und nicht derartige Unterrichtsgegenstände ohnehin ins Programm genommen worden wären. Erwäh-
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