Inhalt
Einf ührung. 3
Eingrenzungen des Biedermeiers. 3
Das Erinnern im Biedermeier. 3
Die Stammbücher. 5
Die Glückwunschkarten. 9
Die Handarbeit. 9
Die Haar-Arbeiten. 10
Die Reise-Souvenirs. 11
Ein paar abschließende Worte. 12
Quellenverzeichnis. 14
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Einführung
Die folgende Arbeit befasst sich mit der Erinnerungskultur im Biedermeier und bezieht sich weitgehend auf einen Aufsatz von Babara Krafft „Vergissmeinnicht - das Sinnige im Biedermeier“. Es wird vor allem untersucht werden, welche verschiedenen Gegenstände dem Erinnern dienten. Was wurde gesammelt? Wie wurden Erinnerungen aufbewahrt? Welche Bedeutung wurde den Dingen beigemessen? Und inwieweit lassen sich Wurzeln für unser heutiges Erinnern finden?
Eingrenzung des Biedermeiers
Der Zeitraum des Biedermeiers lässt sich kulturell und politisch relativ gut eingrenzen.
Er begann nach der glücklichen Beendigung der napoleonischen Befreiungskriege 1815 und endete um die Zeit der März-Revolution 1848. Der Begriff Biedermeier wurde erst nach 1850 geprägt und war zunächst ein Spottname. Der Dichter Ludwig Eichrodt formte den karikierten, spießigen Bürger „Biedermaier“ aus den Namen „Biedermann“ und „Bummelmaier“, we lche schon zuvor der Dichter Viktor v. Scheffel benutzte. Diese Epoche, die gerade eine Generation umfasste, galt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts für viele als engstirnig, spießig und fast lächerlich. Andererseits wurde sie bald als „gute alte Zeit“ mit ihrem heiter-bescheidenen Lebensgefühl, ihrer bürgerlichen Wohlanständigkeit und Gemütlichkeit bewundert und geliebt.
Das Erinnern im Biedermeier
Das Biedermeier ist eine vorwiegend bürgerlich bestimmte Kulturepoche. Aus aufgezwungener finanzieller und politischer Bescheidenheit und aus Resignation zog sich das Leben ins Häuslich-Familiäre zurück. Die häusliche Beschränkung bekommt ihren Sinn als familiäre Bindung durch Empfindungen füreinander. Die Verhältnisse unter- und zueinander sind stark
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emotionalisiert. Elternliebe, Kindesliebe und Geschwisterliebe werden päda-gogisch-moralisch zur Vorbildlichkeit stilisiert. Das Biedermeier greift ferner auf das 18. Jahrhundert zurück. Es übernimmt das Freundschaftsgefühl jener Zeit, das dem Gefühl der Liebe ebenbürtig ist und erhebt es zum Kultgegenstand.
So schreibt Barbara Krafft: „ Reliquien und Andachtsbilder der Freundschaft sind die liebevoll gewidmeten Souvenirs, ihre Tempel sind die Glasschränke und Servanten in den guten Zimmern: Möbel von charakteristischer Funktion und Erscheinung. Die Kultform der Freundschaft ist die Geselligkeit, das gemeinsame Spiel, Musizieren, Vorlesen. Ihre Andachtsform ist die Erinnerung. Im Rückblick wird das unwiderruflich Vergangene auf die gleiche Stufe mit dem Unerreichbaren gestellt und mit der Ästhetik der Wehmut genossen.“ 1 D.h., dass die Erinnerung an Gefühle geknüpft ist. Wehmütig wird an die Vergangenheit erinnert und der Familie, den Freunden gedacht. Gleichzeitig fi ndet eine Verklärung statt.
Im Biedermeier lassen sich zahlreiche Gegenstände finden, die der Erinnerung dienten und um die ein wahrer Kult betrieben wurde. In den Vitrinen finden sich Sammlungen von kostbarem Geschirr und Gläsern, bemalt mit Stadtansichten o.ä., Porzellanfigürchen, Freundschaftsbechern, Familienerbstücken und andere persönliche Erinnerungsgegenstände. Man beschenkte einander zu Geburtstagen, an Jahrestagen, Jubiläen und Gedenktagen jeder Art nach strenger häuslicher Etikette. Nahezu jeder Anlass konnte als Entschuldigung herhalten, um ein großes Aufhebens zu machen in dieser Ära der persönlichen Schätze und Kleinigkeiten. Die Leidenschaft für Perlenstickerei, mit der man Damenhandtaschen, Handschuhe und Haarteile schmückte, war ebenso groß wie die sentimentale Vorliebe für Schmuck aus geflochtenem Haar.
Die Sitte, Erinnerungsalben und Tagebücher zu führen, war gleichfalls weit verbreitet. Sie hatten meist nur Taschenbuchgröße und wurden überall mit hingenommen, damit Freunde, Verwandte und Verehrer liebenswerte Nichtigkeiten hineinschreiben oder den erinnerungswerten Anlass in einer kleinen Zeichnung festhalten konnten.
1 S. 137 f in B. Krafft: Vergissme innicht - das Sinnige im Biedermeier. In: Biedermeiers Glück und Ende. ...die gestörte Idylle 1815-1848. Hg v.: H. Ottomeyer. Hugendubel 1987. Seite 137-161.
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Seit dem frühen 18. Jahrhundert bildeten Gesellschaftsbesuche einen durchaus üblichen Zeitvertreib. Da die Etikette einen strengen Verhaltenskodex für alle Gelegenheiten vorschrieb, trug jeder Besucher immer Visitenkarten bei sich, denn einen unangekündigten Gesellschaftsbesuch empfand man als unhöflich, und es war unumgänglich eine solche Visitenkarte zu hinterlassen. Sie diente gleichzeitig als ein Zeichen von Wohlwollen, da sich diese Höflichkeitsbesuche um offizielle Anlässe konzentrierten. Visitenkarten entwickelten sich im Laufe der Zeit zu kunstvollen und recht kostspieligen Erinnerungsgaben.
Die Stammbücher
Mit dem Erinnern e ng verbunden ist das Sammeln von Objekten. Stammbücher zum Beispiel sind solche Sammlungen.
Klug war der Mann, der sich das erste Stammbuch machte, und darin seiner Freunde dachte,
denn wenn sie in der Noth, wie´s oft geschieht, verschwinden, so lassen sie sich im doch im Stammbuch wiederfinden. (Stammbuchvers)
Zu Beginn des Biedermeiers war der Stammbuch-Kult schon auf seinem Höhepunkt. Der exakte Ursprung lässt sich nicht mehr genau festlegen, aber vermutet wird, dass er mit den Stammtafeln des Adels zusammenhängt. „Zum Nachweis der Abstammung und Turnierfähigkeit wurden Geschlechterwappen in Stand- oder Stammbüchern versammelt. Die Verbindung einer bildlichen Darstellung und eines persönlichen Wahlspruches (Devise) prägte die Grundform der einzelnen Einträge“. 2
Seit der Reformationszeit waren auch in bürgerlichen Kreisen Stammbücher gebräuchlich, in die sich Freunde und Gönner einschrieben. Handwerksgesellen hatten seit dem 16.Jahrhundert Stammbücher auf der Wanderschaft dabei.
2 Siehe 1. Seite 139
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Arbeit zitieren:
Bettina Winkler, 2003, Die Erinnerungskultur im Biedermeier, München, GRIN Verlag GmbH
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