Einleitung
1.1 Problemstellung und Ziel der Arbeit
Die Beteiligung von Mitarbeitern am Unternehmenserfolg ihres Arbeitgebers hat in Deutschland seit über 150 Jahren Tradition. 1 Unter den mindestens 70 heute noch namentlich bekannten Firmen, welche bereits im 19. Jahrhundert eine Gewinnbeziehungsweise
Erfolgsbeteiligung in Deutschland eingeführt hatten, haben wenigstens
fünf ihre Beteiligungsmodelle schon vor 1850 eingeführt. Das bekannteste Beispiel einer frühen arbeitnehmerbezogenen Unternehmenspolitik bietet der Unternehmer Ernst Abbe: Mit dem Statut der Carl-Zeiss-Stiftung hat er eine Form gefunden, Arbeitnehmern durch bis dahin außergewöhnliche Sonderleistungen indirekt einen Anteil am Ertrag des Unternehmens zukommen zu lassen. In dem 1896 von Ernst Abbe errichteten Statut der Carl-Zeiss-Stiftung heißt es übersetzt: „Der Prozentsatz dieses Zuschlags auf das Lohn-und Gehaltskonto ist von Jahr zu Jahr so zu bemessen, daß unter tunlichster Ausgleichung der Schwankungen des Geschäftsganges ein angemessenes Verhältnis zwischen dem Anteil der Geschäfts-angehörigen am wirtschaftlichen Gesamtertrag und dem Anteil der Stiftung [...] sich ergibt.“(2) Bis zum zweiten Weltkrieg gab es etwa 30 Firmen, die ihre Mitarbeiter an Kapital und/ oder Gewinn beteiligten; nach dem Krieg nahm die Zahl rasch zu. Doch noch bis in die siebziger Jahre hinein wurde Mitarbeiterbeteiligung vorwiegend sozial begründet.(3) Mittlerweile ist die Vermögensbildung in Arbeitnehmerhand durch Beteiligung der Mitarbeiter am
Produktivvermögen nicht nur eine Sozialleistung sondern auch ein Wettbewerbsfaktor für eine moderne Wirtschaft. In Zeiten hoher Arbeitslosigkeit, knapper finanzieller Mittel und hartem Wettbewerb durch zunehmende Globalisierung, bringen Vergütungssysteme in Form von Erfolgsbeteiligungen sowohl Arbeitgebern als auch Arbeitnehmern Vorteile.
[...]
______
1 Vgl. o.V.: Vom Mitarbeiter zum Mitunternehmer, Finanztest von November 1999, S. 19.
2 Vgl. Fiedler-Winter, R.: Innovative Mitarbeiterbeteiligung- Der Königsweg für die Wirtschaft, Landsberg/ Lech 1998, S. 9f.
3 Vgl. Wagner, K.-R.: Renaissance der Mitarbeiterbeteiligung, BB 1995, S. 2f.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Ziel der Arbeit
1.2 Gang der Untersuchung
2 Neuausrichtung der Vergütungssysteme an internationalen Maßstäben
2.1 Umdenken in der Vergütungspolitik
2.2 Wandel der Vergütungsstruktur von festen zu variablen Bezügen
2.3 Übersicht der Beteiligungsvarianten am Unternehmenserfolg für Mitarbeiter
2.4 Empirische Relevanz von Mitarbeiterbeteiligungen
2.4.1 Mitarbeiterbeteiligung in Deutschland
2.4.2 Mitarbeiterbeteiligung in den USA
2.4.3 Internationale Verbreitung von Aktienoptionsplänen
2.5 Zusammenfassung
3 Chancen einer Beteiligung der Mitarbeiter am Unternehmenserfolg
3.1 Steigerung der Leistungsmotivation und Produktivität
3.1.1 Verminderung des Principal-Agent-Konfliktes
3.1.2 Motivationsförderung durch Mitunternehmerschaft
3.2 Erhöhung der Attraktivität auf dem Arbeitsmarkt
3.2.1 Erleichterung der Rekrutierung neuer Mitarbeiter
3.2.2 Langfristige Bindung der Mitarbeiter
3.3 Verbesserung der finanzwirtschaftlichen Situation der Gesellschaft
3.3.1 Stärkung des Images auf dem Kapitalmarkt i.S.d. Shareholder Value
3.3.2 Verminderung des Werteabflusses bei der Gesellschaft
3.3.3 Beschaffung von Eigen-/ Fremdkapital
3.3.4 Flexibilisierung der Entgeltgestaltung
3.4 Übernahme sozialpolitischer Verantwortung für die Mitarbeiter
3.4.1 Vermögensbildung in Händen der Arbeitnehmer
3.4.2 Erfolgsbeteiligung als Altersvorsorge
3.5 Konsequenzen der Vorteile und Risiken
4 Öffentliche Fördermöglichkeiten von Mitarbeiterbeteiligungen
4.1 Steuerliche Förderung nach § 19a EStG
4.2 Staatliche Förderung durch Sparzuschüsse nach dem Vermögensbildungsgesetz
4.3 Bewertung der öffentlichen Förderungen
5 Charakterisierung der verschiedenen Varianten der Mitarbeiterbeteiligungen unter dem Gesichtspunkt der steuerlichen Gestaltungsmöglichkeiten
5.1 Eigenkapitalbeteiligungen
5.1.1 Gewährung von Mitarbeiteraktienoptionen
5.1.1.1 Charakterisierung dieser Form der Beteiligung
5.1.1.2 Steuerliche Konsequenzen für den Optionsnehmer
5.1.1.2.1 Zeitpunkt der Besteuerung
5.1.1.2.2 Bewertbarkeit von Stock Options
5.1.1.2.3 Bestimmung der Einkunftsart
5.1.1.2.4 Problematik der Anschlußbesteuerung nach Optionsausübung
5.1.1.2.5 Gestaltungsmöglichkeiten durch Anwendung der Tarifbegünstigung und Inanspruchnahme des Freibetrags für Abfindungen
5.1.1.2.6 Besteuerung bei Dienstverhältnissen in verschiedenen Ländern
5.1.1.3 Bilanzielle und steuerliche Konsequenzen für den Optionsgeber
5.1.1.3.1 Übersicht
5.1.1.3.2 Bedienung eines Aktienoptionsprogramms auf gesellschaftsrechtlicher Grundlage
5.1.1.3.3 Bedienung eines Aktienoptionsprogramms auf betrieblicher Grundlage
5.1.1.3.4 Kauf eines Optionsprogramms von einem Dritten
5.1.1.3.5 Gestaltungsmöglichkeiten für die ausgebende Gesellschaft
5.1.1.4 Kapitalverwässerungseffekt als Konsequenz für die Altaktionäre
5.1.2 Ausgabe von Belegschaftsaktien
5.1.2.1 Charakterisierung dieser Form der Beteiligung
5.1.2.2 Steuerliche Konsequenzen für die Arbeitnehmer
5.1.2.3 Bilanzielle und steuerliche Konsequenzen für den Arbeitgeber
5.2 Eigenkapitalähnliche Beteiligungen
5.2.1 Stille Beteiligungen
5.2.1.1 Charakterisierung dieser Form der Beteiligung
5.2.1.2 Steuerliche Konsequenzen für die neuen Gesellschafter
5.2.1.3 Bilanzielle und steuerliche Konsequenzen für die Gesellschaft
5.2.2 Vergabe von Genußrechten
5.2.2.1 Charakterisierung dieser Form der Beteiligung
5.2.2.2 Steuerliche Konsequenzen für die Inhaber
5.2.2.3 Bilanzielle und steuerliche Konsequenzen für die ausgebende Gesellschaft
5.3 Fremdkapitalbeteiligungen
5.3.1 Gewährung von Mitarbeiterdarlehen
5.3.1.1 Charakterisierung dieser Form der Beteiligung
5.3.1.2 Steuerliche Konsequenzen für die Mitarbeiter
5.3.1.3 Bilanzielle und steuerliche Konsequenzen für den Arbeitgeber
5.3.2 Ausgabe von Schuldverschreibungen
5.3.2.1 Charakterisierung dieser Beteiligungsform
5.3.2.2 Steuerliche Konsequenzen für die Inhaber
5.3.2.3 Bilanzielle und steuerliche Konsequenzen für die ausgebende Gesellschaft
5.4 Virtuelle Beteiligungen
5.4.1 Begriff der virtuellen Beteiligungen
5.4.2 Vergütung durch Stock Appreciation Rights
5.4.2.1 Charakterisierung dieser Beteiligungsform
5.4.2.2 Steuerliche Konsequenzen für die Arbeitnehmer
5.4.2.3 Bilanzielle und steuerliche Konsequenzen für den Arbeitgeber
5.4.3 Vergütung durch Phantom Stocks
5.4.3.1 Charakterisierung dieser Beteiligungsform
5.4.3.2 Steuerliche Konsequenzen für die Arbeitnehmer
5.4.3.3 Bilanzielle und steuerliche Konsequenzen für den Arbeitgeber
5.5 Tantiemen und ähnliche Bonussysteme
5.5.1 Charakterisierung dieser Beteiligungsform
5.5.2 Steuerliche Konsequenzen für die Mitarbeiter
5.5.3 Bilanzielle und steuerliche Konsequenzen für die Gesellschaft
5.6 Ausblick
6 Allgemeine Besteuerungsgrundsätze bei variabler Entlohnung
6.1 Lohnsteuer nach §§ 38 ff. EStG bei Einkünften aus Erfolgsbeteiligungen
6.2 Verdeckte Gewinnausschüttung bei Gesellschafter-Geschäftsführern/ Vorständen
6.3 Abschläge bei Rückstellungsbildung
6.4 Finanzierung von Mitarbeiterbeteiligungen über ein Darlehen vom Arbeitgeber
7 Vorteilhaftigkeitsvergleich der verschiedenen Beteiligungen von Mitarbeitern am Unternehmenserfolg
7.1 Vor- und Nachteile von Performancemaßen für die Bemessung einer Mitarbeitererfolgsbeteiligung
7.2 Personalwirtschaftliche und finanzwirtschaftliche Vor- und Nachteile der einzelnen Varianten von Erfolgsbeteiligungen
7.3 Vor- und Nachteile der einzelnen Varianten von Erfolgsbeteiligungen aus steuerlicher Sicht
8 Schlußbemerkung
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Diplomarbeit untersucht die rechtlichen und insbesondere steuerlichen Gestaltungsmöglichkeiten für Erfolgsbeteiligungen von Mitarbeitern in Deutschland. Das Ziel der Untersuchung besteht darin, die verschiedenen Beteiligungsvarianten vorzustellen, ihre Verbreitung zu analysieren sowie die mit ihrer Einführung verbundenen Vorteile und Risiken kritisch zu hinterfragen, um Anreizsysteme aus Sicht von Arbeitgebern und Arbeitnehmern steuerlich zu optimieren.
- Historische Entwicklung und Verbreitung von Mitarbeiterbeteiligungen im nationalen und internationalen Vergleich
- Analyse und Charakterisierung vielfältiger Beteiligungsinstrumente (Aktienoptionen, Belegschaftsaktien, virtuelle Beteiligungen etc.)
- Darstellung der steuerlichen Behandlung und der Möglichkeiten staatlicher Förderung
- Vorteilhaftigkeitsvergleich verschiedener Beteiligungsformen unter steuerlichen, finanz- und personalwirtschaftlichen Gesichtspunkten
Auszug aus dem Buch
5.1.1.1 Charakterisierung dieser Form der Beteiligung
Mitarbeiteraktienoptionen (Stock Options) werden in der Mehrzahl der Fälle als unentgeltliche zusätzliche Vergütung überlassen und geben dem begünstigten Mitarbeiter das Recht, Aktien seines Unternehmens zu einem vorher festgesetzten Ausübungspreis (auch Basispreis) zu erwerben. Dieses Recht wird Bezugsrecht genannt. Als Ausübungspreis wird zumeist der Kurs bzw. Wert der Unternehmensaktie im Zeitpunkt der Einräumung der Optionen vereinbart. Teilweise wird der Ausübungspreis höher angesetzt, wenn eine überdurchschnittliche Wertsteigerung der Aktie und das Erreichen eines bestimmten Kurses ohnehin vorausgesetzt werden. Die begünstigten Mitarbeiter sind i.d.R. erst nach Erreichen dieser Zielvorgabe und nach Ablauf einer Sperrfrist zur Ausübung der Optionen berechtigt. Das deutsche Aktiengesetz sieht nach § 193 Abs. 2 Nr. 4 eine mindestens zweijährige Wartezeit zur Ausübung von Stock Options vor. Ist der Aktienkurs nach der Sperrfrist über den Basispreis gestiegen, kann der Mitarbeiter seine Optionen gewinnbringend ausüben. Je mehr die Unternehmensaktie während der Sperrfrist gestiegen ist, desto höher ist der Gewinn des begünstigten Mitarbeiters. Eine Verpflichtung zur Einlösung besteht für den optionsberechtigten Mitarbeiter nicht, so daß im Fall eines gesunkenen Aktienkurses keine Verluste drohen, wenn die Optionen zusätzlich zum normalen Lohn gewährt wurden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung umreißt die historische Tradition, das Ziel der Arbeit sowie den Gang der Untersuchung hinsichtlich der steuerlichen Optimierung von Mitarbeiterbeteiligungen.
2 Neuausrichtung der Vergütungssysteme an internationalen Maßstäben: Dieses Kapitel thematisiert den Wandel der Vergütungspolitik von festen zu variablen Bezügen und vergleicht die empirische Relevanz von Mitarbeiterbeteiligungen international.
3 Chancen einer Beteiligung der Mitarbeiter am Unternehmenserfolg: Es werden die Vorteile wie Motivationssteigerung, Bindung von Mitarbeitern und Shareholder-Value-Optimierung sowie potenzielle Risiken kritisch diskutiert.
4 Öffentliche Fördermöglichkeiten von Mitarbeiterbeteiligungen: Dieses Kapitel stellt die steuerlichen Förderwege nach § 19a EStG und die staatliche Förderung durch Sparzuschüsse dar.
5 Charakterisierung der verschiedenen Varianten der Mitarbeiterbeteiligungen unter dem Gesichtspunkt der steuerlichen Gestaltungsmöglichkeiten: Der Hauptteil analysiert detailliert verschiedene Eigenkapital-, Fremdkapital- und virtuelle Beteiligungsformen sowie deren bilanzielle und steuerliche Auswirkungen.
6 Allgemeine Besteuerungsgrundsätze bei variabler Entlohnung: Hier werden lohnsteuerliche Grundsätze, verdeckte Gewinnausschüttungen und finanzielle Aspekte bei der Rückstellungsbildung erörtert.
7 Vorteilhaftigkeitsvergleich der verschiedenen Beteiligungen von Mitarbeitern am Unternehmenserfolg: Es erfolgt ein abschließender Vergleich der Beteiligungsformen hinsichtlich ihrer steuerlichen und wirtschaftlichen Vorteilhaftigkeit.
8 Schlußbemerkung: Die Schlussbemerkung fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die steuerliche Förderungssituation sowie die Notwendigkeit zukünftiger Reformen.
Schlüsselwörter
Mitarbeiterbeteiligung, Aktienoptionen, Stock Options, Unternehmenserfolg, Steuerliche Gestaltung, Vergütungssysteme, Shareholder Value, Kapitalbeteiligung, Belegschaftsaktien, Lohnsteuer, Einkommensteuer, Vermögensbildung, Erfolgsbeteiligung, Bilanzierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit befasst sich mit den steuerlichen Gestaltungsmöglichkeiten und Rahmenbedingungen bei der Beteiligung von Mitarbeitern am Erfolg ihres Unternehmens.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Schwerpunkte liegen auf der steuerlichen Behandlung von Beteiligungsvarianten wie Aktienoptionen, dem Vorteilhaftigkeitsvergleich dieser Instrumente und der staatlichen Förderung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist die Darstellung und Optimierung der steuerlichen Behandlung von Mitarbeiterbeteiligungsprogrammen, sowohl aus Sicht des Arbeitgebers als auch des Arbeitnehmers.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine systematische rechtliche und steuerrechtliche Analyse der Beteiligungsvarianten, ergänzt durch Praxisbeispiele und betriebswirtschaftliche Vorteilhaftigkeitsvergleiche.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil charakterisiert detailliert Eigenkapital-, Fremdkapital- und virtuelle Beteiligungsformen und beleuchtet deren steuerliche Konsequenzen sowie die bilanziellen Auswirkungen beim Optionsgeber.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Mitarbeiterbeteiligung, Aktienoptionen, Steuerliche Gestaltung, Vergütungssysteme, Shareholder Value und Vermögensbildung sind die prägenden Begriffe.
Welche Rolle spielt der Shareholder Value-Gedanke bei der Wahl der Beteiligungsform?
Der Shareholder Value-Gedanke ist ein wesentlicher Treiber, da wertorientierte Vergütungssysteme wie Aktienoptionen das Management und die Mitarbeiter dazu motivieren, den Unternehmenswert aus Sicht der Anteilseigner zu steigern.
Warum sind Aktienoptionen gerade bei jungen Unternehmen so beliebt?
Start-up Unternehmen verfügen oft über geringe liquide Mittel, weshalb Aktienoptionen als Vergütungsinstrument attraktiv sind, da sie die Personalkosten zeitlich nach hinten verlagern und keine unmittelbare Barbelastung darstellen.
- Quote paper
- Carsten Buchwald (Author), 2001, Steuerliche Gestaltungsmöglichkeiten der Beteiligung von Mitarbeitern am Unternehmenserfolg, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/239