Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung 3
2. Symptomatik der Angst
2.1 Entstehung von Angst 3
2.2 Stresskonzept nach Richard S. Lazarus 4
2.3 Reale Angst / nicht- reale Angst 5
2.4 Komponenten der Angst 5
2.5 Teufelskreis der Ang st 6
2.6 Pathologische Angst 7
3. Psychoanalytische Erklärungsmodelle neurotischer
Ängste nach Freud
3.1 Freud / neurotische Angst 8
3.2 Erscheinungsformen von Ängsten 9
4. Diagnostik Angstneurose / Angsterkrankungen
4.1 Begriff Angstneurose 10
4.2 Die Angstneurose nach F41 1 ICD 11
4.3 Abgrenzung:
Panikstörung, generalisierte Angststörung, Phobische Störung 11
4.4 Fallbeispiele zu 4 3 13
5. Leben mit der Angst
5.1 Coping - Prozeß der Bewältigung 16
5.2 Verhaltenstherapeutischer Ansatz 16
5.3 Modell der sozialen Unterstützung 17
5.4 Ansätze der Hilfe im sozialpäd. Feld 19
6. Literaturverzeichnis 20
2
1. Einleitung
Die vorliegende Hausarbeit behandelt das psychopathologische Störungsbild der Angsterkrankungen, „Panikstörung, generalisierte Angststörung und der phobischen Störungen“, wobei ich im Speziellen auf die generalisierte Angststörungen bzw. Angstneurose näher eingehen werde.
Als Einstieg zum Thema richtet sich mein Fokus, im Kapitel 2, zunächst auf das Phänomen der Angst. Thematisiert wird, was unter Angst zu verstehen ist, wie Angst und Stress zusammenwirken, welche Unterscheidung hinsichtlich Angst getroffen werden kann, aus welchen Komponenten die Angst besteht und wie der Teufelskreis Angst entsteht. Ergänzend zum Symptom Angst, erfolgt im Schlussteil des Kapitels 2 dann die Überleitung zu den Entstehungsbedingungen pathologischer Angst, aus neuropsychologischem Verständnis.
Im Kapitel 3 werden danach die psychoanalytischen Erklärungsmodelle neurotischer Ängste nach Freud, sowie deren Erscheinungsformen vorgestellt.
Anschließend wende ich mich im 4. Kapitel der Diagnostik der Angstneurose zu. Bedeutsam e rschien mir an dieser Stelle, zunächst den Begriff Angstneurose und das Störungsbild dieser Erkrankung zu verdeutlichen, wobei in diesem Kontext auch die Abgrenzung zu den psychopathologischen Krankheitsbildern Panikstörung und den phobischen Störungen erfolgt. Wichtig ist mir dabei, die Krankheitsbilder getrennt darzustellen, um klare Aussagen treffen zu können. Verweisen möchte ich in diesem Zusammenhang auch auf die unter Punkt 4.4 angeführten Fallbeispiele, welche meinen Versuch der Abgrenzung noch einmal anschaulich unterstreichen.
Im Kapitel 5 wird schließlich, auf den Begriff „Coping“ -Prozess der Bewältigung - eingeangen, wobei ich mich unter Punkt 5.2 mit dem verhaltenstherapeutischen Ansatz und unter 5.3 mit dem Modell der sozialen Unterstützung auseinandersetzten werde. Abschnitt 5.4, bildet den Schlußpunkt der Arbeit, und setzt das Thema mit dem System professioneller sozialpädagogischer Hilfen in Bezug.
Angst ist im Grunde ein normales Gefühl, genauso wie Zorn, Wut, Freude oder Traurigkeit. Sie ist eine natürliche und in unserem Organismus biologisch fest angelegte Reaktion, die bei allen Menschen auftritt. Ursprünglich prägte sich die Angst, während der menschlichen Entwicklungsgeschichte, zu einer Reaktion mit hohem Überlebenswert aus, denn sie bereitete den Körper auf schnelles
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Handeln, auf Flucht oder Verteidigung vor. Auch heute noch ist Angst als sogenannte Alarmreaktion bzw. Alarmsignal sinnvoll. Überquert man z.B. eine Straße und plötzlich kommt ein Auto laut hupend mit großer Geschwindigkeit angeschossen, läßt uns eine unbewußte Angstreaktion rasch ausweichen. Gerade im Straßenverkehr wird täglich eine Vielzahl mehr oder minder starker Belastungen erlebt, was umgangssprachlich auch als Stress bezeichnet wird. Dieser Stress löst teils bewußt, öfters aber auch unbemerkt körperliche Reaktionen aus. Das heißt Schreck, erzwungene Konzentration, Wut, Ärger, Überarbeitung u. a führen schnell und automatisch zu einem Anstieg vieler Körperreaktionen wie z.B. Erhöhung der Herzfrequenz, Anspannung der Muskulatur usw., wobei das Ausmaß des Erregungsanstiegs in erster Linie von der Stärke der Belastung abhängt. 1
Dies wiederum heißt, dass die subjektive Einschätzung der Bedrohlichkeit und der gegenwärtige psychosomatische Zustand des Individuums eine entscheidende Rolle spielt. Starke Belastungssituationen führen demnach in der Regel zu stärkeren Stressreaktionen, geringere Belastungssituationen zu automatisch ablaufenden, schwachen Stressreaktionen. Trotzdem kann es sein, dass an Tagen mit allgemeiner hoher Anspannung die gleichen Belastungssituationen sehr viel leichter zu Angstreaktionen führen, als an Tagen an denen der Organismus entspannt und ausgeglichen ist. Läßt die Belastung nach, oder die Ursache der Belastung ist bewältigt, fällt die Erregung langsam wieder ab. 2
2.2 Stresskonzept nach Richard S. Lazarus
Deutlich wird, dass es notwendig ist um das Phänomen Angst überhaupt erklären zu können, auch das Phänomen Stress hinterfragt werden muss.
Lazarus macht deutlich, dass kognitive Prozesse der Bewertung und des Erlebens eine zentrale Rolle hinsichtlich emotionaler Spannungszustände spielen. Die individuellsubjektive Wahrnehmungsweise und
Wahrnehmungsverarbeitung durch das Individuum, stellt quasi immer das Resultat einer Person- Umwelt- Transaktion dar. 3 Folglich liegt das Ausmaß der Stressreaktion im Charakteristika des Individuums und kann daher nicht von einer spezifischen Situation abgeleitet werden.
So tritt Stress als eine spezielle Form der Transaktion zwischen Mensch und Umwelt auf und in einer konfrontierenden Situation sind die beiden kognitiven Aktivitäten Wissen und Bewerten entscheidend. 4 Angst wird dann ausgelöst, wenn ein Individuum eine Situation als bedrohlich bewertet (primäre Bewertung)
1
vgl. Wittchen 1997 : 10 - 18
2 vgl. Wittchen 1997 : 10 - 18
3 Brüderl 1988 : 33
4 Lazarus, Launier 1981 : 220
4
und zugleich seine eigenen Bewältigungsmöglichkeiten angesichts dieser Bedrohung als defizient (sekundäre Bewertung) einschätzt. 5
Nach Lazarus wird die Umwelt durch extrinsische (Eigenschaften und Bedingungen der Situation), intrinsische (Vorstellungen, Erinnerungen, Gedanken) und response-determinierte Stimuli (in Abhängigkeit von einer begrenzten Anzahl der Reaktionsmechanismen, die dem Individuum zur Verfügung stehen) repräsentiert. 6 Auslöser der Angst sind dabei interne und externe Reize.
2.3 Reale Angst / nicht- reale Angst
Reale Angst:
Reale Angst ist, wie bereits angesprochen, eine natürliche Reaktion. Sie tritt in gefährlichen Situationen, z.B. bei einem Kaufhausbrand auf. Der Mensch nimmt die Gefahr des Feuers mit Augen und N ase wahr und er muß nicht lange überlegen, wie der dem brennenden Kaufhaus entrinnen kann. Draußen angekommen, zittern ihm vermutlich die Knie vor Angst, sein Herz wird vor Angst pochen und er wird feststellen, dass er schwitzt - dass ihm der Angstschweiß ausgebrochen ist. Ein gesunder Mensch, welcher auf diese Weise real Angst erlebt hat, wird ein solches Ereignis ohne Schaden überstehen.
Nicht-reale Angst:
Die nicht-reale Angst entspringt im Gegensatz zur realen Angst bewußt oder unbewußt einer Vorstellung, die angsterzeugend ist. Alles kann hier Angst machen, solange einer Person oder einem Ding soviel Macht und Kraft zugeschrieben wird, sodass sie die Überhand gewinnen und ängstigen. Folglich ist die nicht-reale Angst, ein Produkt der menschlichen Pha ntasie. 7
Jedoch ist die Trennung von realer und nicht realer Angst nicht immer eindeutig möglich. Dennoch gibt es Ängste, die als krankmachend einzustufen sind. Bedeutsam ist es in diesem Zusammenhang, dass gerade die Einschätzung von realen oder nicht realen Gefahren in unserer postfordistischen Zeit sehr komplex geworden ist.
2.4 Komponenten der Angst
Die Angst, deren Entstehung und Aufrechterhaltung, ist stets ein komplexer Vorgang, welcher sich aus mehreren Komponenten zusammensetzt. Sie besteht aus dem körperlichen Anteil, wie z.B. Herzrasen, Schwitzen und Verspannung der Muskeln, dem gedanklichen und gefühlsmäßigen Anteil, z.B.
6 vgl. Brüderl 1988 : 33, 34
7 Flöttmann 2000 : 17
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der Furcht davor, die Kontrolle zu verlieren, einen Herzanfall zu erleiden oder gar sterben zu müssen und dem Verhalten, das in einer Angstsituation gezeigt wird, z.B. Flucht oder dem von vornherein vermeiden kritischer Situationen. Diese drei Anteile der Angst treten nicht immer gleichzeitig und gleich intensiv auf, weshalb manche Menschen eher die körperlichen Anteile, andere wiederum mehr die gedanklichen oder die Verhaltensanteile wahrnehmen. 8
Angst muß auch nicht zwangsläufig zu einer Krankheit führen, wird aber dann pathologisch, wenn Angstreaktionen stärker, häufiger, länger, der Situation entsprechend unangemessen auftreten und zur Vermeidung wichtiger Alltagsaktivitäten führen, weil das Individuum keine Möglichkeit der Erklärung bzw. der Bewältigung hat. Wittchen fasst in Bezug auf Angsterkrankungen zusammen, dass es sich um extreme Übersteigerungen einer an sich normale n und biologisch festgelegten Reaktion handelt, d.h. es treten Fehlsteuerungen im Angst- Stress- System des Individuums auf. 9 Insofern wird Gesundheit und Krankheit, wie bei den meisten menschlichen Affekten, nur durch das Ausmaß unterscheidbar. 10 „Auffällig ist quasi nur der, der überhaupt keine oder zuviel Angst hat.“ 11
Häufig und an zentraler Stelle ist die Auseinandersetzung von Individuen mit belastenden Ereignissen durch die Emotion Angst geprägt. Insofern stellt als Folge spezifischer Merkmale von Belastungssituationen die Angst zugleich selbst eine Belastungsquelle dar, der das Individuum begegnen muß 12 und es ist davon auszugehen, dass neurotische Patienten eine erhöhte Intoleranz gegenüber jeder Form von Angst haben. 13 Folglich kann die Angst vor der Angst so zum krankheitsbestimmenden zentralen Erleben werden. 14
2.5 Teufelskreis der Angst
Menschen, die einmal einen schlimmen Angstzustand erlebt haben, werden sehr sensibel. Sie achten verstärkt auf die Symptome körperlicher Beschwerden wie z.B. Schwindel, Magenbeschwerden, körperliche Unruhe, Hitzewallungen u.ä. und bewerten in zunehmenden Maße auch ganz normale körperliche Veränderungen als gefährlich, womit ein Teufelskreis in Gang gesetzt wird, welcher bei der Verfestigung des Leidens eine entscheidende Rolle. 15
9 vgl. Wittchen 1997 : 22, 23
10 Faust 1986 : 101
11 Faust zitiert nach Bowlby 1986 : 101
12 Brüderl 1988 : 80
13 Faust 1986 : 101
14 Faust 1986 : 101
15 Wittchen 1997 : 45
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Arbeit zitieren:
Frank Kotterer, 2003, Angsterkrankungen - Angstneurose, München, GRIN Verlag GmbH
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