Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Anfänge der Freimaurerei seit Peter I. 5
3. Europäische Einflüsse auf russische Freimaurerei 8
4. Von der Förderung bis zum Verbot - Haltung der
russischen Monarchen gegenüber der Freimaurerei 12
5. Die Dekabristen und ihr Scheitern 16
6. Schlußteil 20
7. Literaturverzeichnis 22
1. Einleitung
Die Geschichte der russischen Freimaurerei (im russischen entweder "wolnyje kamenschiki" oder "masony" genannt) reicht mittlerweile Jahrhunderte zurück. Diese Geschichte besteht aus unzähligen Aufstiegen und Fällen, Suche nach der Wahrheit und Herumirren inmitten von einer Vielfalt gesellschaftlicher und religiöser Einflüsse unterschiedlicher Epochen, aber auch in der Entwicklung der Kultur und der Kunst in Rußland.
Ohne zu übertreiben kann man sagen, daß die Freimaurerei in Rußland seit ihrer Entstehung zur Zeit Peter I. die einzige ideologische Bewegung der russischen Bildungsschicht gewesen ist (Klingt mir eher unwahrscheinlich). Anders als in Westeuropa bot die Freimaurerei die einzige Möglichkeit, sich mit philosophischen Themen und Werten zu beschäftigen. Durch die Freimaurerei konnte sich ja erst eine solche Bildungsschicht entwickeln, aus der viele namhafte Schriftsteller, Künstler, Komponisten oder Wissenschaftler, auf welche im späteren Verlauf dieser Arbeit eingegangen wird, hervorgegangen sind. (Aber es gab doch auch Gelehrte und Künstler, die keine Freimaurer waren.) Was für Menschen gehörten der Freimaurerei an? Aus welchen Schichten kamen diese Menschen? Welche Bedeutung hatte die Freimaurerei für Rußland? In dieser Arbeit geht es darum, die Entstehung und Entwicklung der Freimaurerei in Rußland darzustellen. Von ihren Anfängen zur Zeiten Peter I. über verschiedene Einflüsse der westeuropäischen Freimaurerei und der Stellung unter russischen Monarchen bis zum Verbot der Freimaurerei im 19. Jahrhundert soll die komplizierte Lage der russischen Freimaurerei aufgezeigt werden. Sehr wichtig dabei ist auch die Betrachtung der Bewegung der Dekabristen und der freimaurerischen Dichtung Puschkins, die in den Kapiteln 5 und 6 behandelt werden. Die Dekabristen, deren Anführer zum größten Teil Freimaurer waren, haben einen Versuch unternommen, sich gegen den Zaren zu stellen. Diese erste Opposition fand aber ein blutiges Ende.
Um das Bild der russischen Freimaurerei zu vervollständigen, wird im
Schlußteil kurz auf die Situation der Freimaurer in den Zeiten des
Sowjetregimes und des heutigen Rußlands eingegangen.
2. Anfänge der Freimaurerei seit Peter I.
Laut Legenden soll bereits Peter der Große die Freimaurerei von seinen Europareisen schon im Jahre 1699 mitgebracht haben. Sir Christopher Wren soll Peter in eine Londoner Loge aufgenommen haben. Diese Legenden haben jedoch keinerlei schriftliche Beweise. Viel mehr werden sie als eine Art Legitimation für die russische Freimaurerei gebraucht. Dieser Legitimationsversuch ist aber auf keinen Fall zu weit hergeholt, denn auf eine direkte oder indirekte Weise ähnelten die Ziele der Freimaurer denen Peter des Großen, nämlich Rußland in die Zivilisation zu führen.
Die erste offizielle Überlieferung zur Gründung der Freimaurerei in Rußland ist auf den 24. Juni 1731 datiert, also erst sechs Jahre nach dem Tod des Zaren. Der englische Kapitän John Phillips wird von der Großloge von England als erster Provinzialgroßmeister von Rußland eingesetzt. 1 Sein Nachfolger wird 1740 James Keith, preußischer General in Diensten des russischen Heeres. In dieser Zeit treten verstärkt viele russische Adelige der Freimaurerei bei, anders als zur Gründungszeiten, in denen die meisten Mitglieder englische, deutsche oder holländische Kaufleute waren. Daher gilt Keith als der eigentliche Begründer der russischen Freimaurerei. 2
Am Anfang ihrer Existenz schien die Freimaurerei eine Modeerscheinung aus dem westlichen Europa zu sein. Baschilow verglich die anfängliche Freimaurerei mit einem Spielzeug, mit dem die "oberflächlich europäisierte russische Gesellschaft zu spielen pflegte". Die ersten Versammlungen waren mit gewöhnlichen Herrenclubs vergleichbar: Billard, Kartenspiele und amüsante Abendessen waren laut Baschilow ihr wesentlicher Bestandteil. 3
1
Lennhoff, E., Posner, O., Binder, D. A.: Internationales Freimaurer Lexikon, München 2000, S. 728.
2 http://www.geocities.com/Athens/Academy/4388/mas_who.html#masons who are they
3 Baschilow, B.: Istoria russkogo masonstwa, Moskwa, 2003, S. 25ff.
Abgesehen davon daß Baschilow ein erklärter Antifreimaurer gewesen ist (ist ?), war es in der Tat die äußere Fassade der Freimaurerei, die das Interesse der Menschen weckte, ihre Symbole und Rituale. Ebenso die wichtig klingende Titel, Zeremonien oder das Gefühl, irgendwelche geheime Gemeinsamkeiten mit den Mächtigen der damaligen Welt zu haben, all das waren die Gründe um Freimaurer zu werden. 4 Seit 1760 hat beinahe jede Adelsfamilie einen der ihren in den Reihen der Freimaurer. Nach dem Wilhelmsbader Konvent zählte man zwischen 1/6 und 1/3 aller Beamten und Adligen zu den Mitgliedern der Freimaurerlogen. 5
Eine eigentlich russische Erscheinung wurde die Maurerei damit erst während der Regierungszeit Katharina II., als die überwiegende Mehrzahl aller Ordensbrüder in den Logen dann auch Russen waren. Der hobbyartiger Umgang wurde von dem Willen der ernsthaften Beschäftigung mit der Freimaurerei zurückgedrängt und bald bildeten sich für einen russischen Freimaurer charakteristische Aufnahmekriterien: Der Interessent mußte auf jeden Fall einer der christlichen Religionen angehören, beim Eintritt in das Schwedische System (wie kam dies nach Russland? Ah ja, kommt unten) mußte ein Beweis erbracht werden, daß man "weder Mauren noch Juden" in der Familie hatte. Neben Frömmigkeit waren auch Verschwiegenheit, Bescheidenheit, Vertrauen, Liebe zu den anderen Brüdern und Altruismus von größter Bedeutung. Ein russischer Freimaurer sollte bereit sein, als ein Teil der bürgerlichen Gesellschaft an der Entwicklung eines ethischen Systems mitzuwirken. 6 Aber nicht nur im zivilen Leben breiteten sich Mitglieder der Freimaurerlogen aus. Die Freimaurerei war seit ihrer Einführung durch englische Offiziere Keith und Phillips aufs engste mit der russischen Armee verbunden. In den Logen fanden sich nicht nur einfache Offiziere, sondern auch sehr viele hochstehende Befehlshaber der Armee und der Flotte. Die bekanntesten unter ihnen waren der Generalissimus A. W. Suworow, der Feldmarschall M. I. Kutusow und der Admiral A. S. Schischkow. 7 In
4
Ponamarewa, W., Choroschilowa, L.: Moskowskoje masonstwo poslednej tschetwerti XVIII weka. Auf: http://www.tellur.ru/~historia/archive/01/_mason.htm
5 Arschanuchin, S. B.: Litschnost masona epochi Ekateriny II. Auf: http://ideashistory.org.ru/almanacs/alm00/alm00_06.htm
6 Arschanuchin, S. B.: Litschnost masona epochi Ekateriny II.
7 Sacharow, W. I.: Masonstwo w russkoj armii, 2000. Auf: http://masonry.2u.ru/articles/armymasons.htm
Arbeit zitieren:
Wladimir Danilow, 2004, Freimaurerei in Rußland, München, GRIN Verlag GmbH
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