Inhaltsverzeichnis
1. BIOGRAPHISCHE DATEN FRIEDRICH DÜRRENMATTS 4
2. VORWORT 5
3. ENTSTEHUNGSGESCHICHTE. 6
4. BEGRIFFSDEFINITIONEN 6
4.1 Das Groteske 6
4.2 Das Paradoxe 7
4.3 Paradoxe und groteske Elemente 7
5. DIE LITERARISCHE GATTUNG DER TRAGIKOMÖDIE 8
5.1 Tragödie 8
5.2 Komödie. 8
5.3 Tragikomödie 9
6. DAS THEATER DÜRRENMATTS 9
7. INHALT. 11
8. FIGUREN 12
8.1 Die Figur des Alfred Ill 12
8.2 Claire Zachanassian 13
9. SCHULDDRAMA /HANDLUNGEN. 14
10. AUFBAU (MOTIVE, SYMBOLE, THEMEN) 14
11. SPRACHE UND STIL. 19
11.1 Stilistische Darstellungsmittel 20
11.2 Sprachliche Darstellungsmittel 21
12. SCHLUSSWORT. 28
13. LITERATURVERZEICHNIS. 28
3
1. Biographische Daten Friedrich Dürrenmatts
05.01.1921
Friedrich Dürrenmatt wird in Konolfingen, Kanton Bern, Schweiz, geboren.
1933-35
Besuch der Sekundarschule in Großhöchstetten
1935
Umzug der Familie nach Bern; Besuch des Freien Gymnasiums, nach zweieinhalb Jahren Schulwechsel ans Humboldtianum in Bern
1941-45
Beginn des Philosophiestudiums, literarische und naturwissenschaftliche Vorlesungen, vorzeitiger Studiumabbruch; Beschäftigung mit Aristophanes
1943
Beginn der schriftstellerischen Arbeit; „Komödie“ (ein ungedruckt gebliebenes Theaterstück)
1949
„Romulus der Große“ (Komödie), „Pilatus“ (Erzählung)
1950
„Der Richter und sein Henker“ (Kriminalroman)
1952
Übersiedlung nach Neuchâtel; erste theoretische Standortbestimmungen zur Problematik der Komödie („Anmerkung zur Komödie“); „Die Ehe des Herrn Mississippi“ (Komödie)
1955
„Theaterprobleme“ (Essay), „Grieche sucht Griechin“ (Prosa-Komödie)
1956
Hörspielpreis der Kriegsblinden für „Die Panne“; „Der Besuch der alten Dame“ (Komödie)
1958
Hörspielpreis „Prix d’Italia“ für „Abendstunde im Spätherbst“; „Mississippi II“, „Romulus II“, „Komödien I“, „Das Versprechen“ (Roman)
1959
Verleihung des Schiller-Preises in Mannheim
1962
„Die Physiker“ (Komödie)
1964
Reise nach Russland aus Anlass des 150. Todestages des ukrainischen Nationaldichters Schewchenko; „Komödien II“
1966
„Theater-Schriften und Reden“
4
1969
Bearbeitung von Strindbergs `Totentanz` als Spiel: `Play Strindberg`; erhält den „Großen Literaturpreis der Stadt Bern“; Verleihung der Ehrendoktorwürde (Doctor of Literature) der Temple Universität Philadelphia (USA)
1971
„Komödien III“
1974
Israel trägt Dürrenmatt eine Ehrenprofessur an
1977
„Die Frist“ (Komödie um den Tod des spanischen Diktators Franco zeigt eine neue Dimension geschichtlicher Konkretheit)
1980
„Frist II“
1983
Österreichischer Staatspreis für Europäische Literatur
1987
Teilnahme an einem „Internationalen Forum für den Frieden“ in Moskau
2. Vorwort
Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Stück „Der Besuch der alten Dame“ von Friedrich Dürrenmatt. Dabei sollen insbesondere die sprachlichen und stilistischen Mittel analysiert werden. Dabei ist es unvermeidlich, sich zunächst mit der Komödientheorie Dürrenmatts zu befassen, weil der Autor sein Stück im Untertitel als eine „tragische Komödie“ bezeichnet. Deshalb stehen zu Beginn der Arbeit einige Aspekte zu den Begriffen der Tragikömödie und zum Theater Dürrenmatts. Weitere Ausführungen meiner Arbeit beinhalten die Handlungszusammenfassung, die Bewertung der Hauptcharaktere und die Handlungen, in denen sie agieren und schließlich die Analyse des Aufbaus, der Sprache und des Stils des Stücks.
Welche Erwartungen weckt ein Drama mit dem Titel „Der Besuch der alten Dame“? Ein Besuch hat etwas Flüchtiges. Jemand kommt vorbei. Man tauscht sich über Erlebtes aus, erzählt von seinen Plänen und Unternehmungen. Und eine „alte Dame”? Da erwartet man vielleicht Gebrechlichkeit oder sogar Zerbrechlichkeit, wohl auch ein feines, gediegenes Auftreten, Zurückhaltung in Sprache und Handeln. Die „alte Dame”, die in Dürrenmatts Theater-Welterfolg das Örtchen Güllen besucht, ist von ganz anderem Kaliber. Darauf deuten schon ihre flammenden roten Haare hin, ihre riesigen goldenen Armringe, ihr Perlenhalsband und ihr skurilles Gefolge. Da ist von Zurückhaltung in Sprache und Auftreten nichts zu merken.
5
Und dieser Besuch hat nichts Unverbindliches. Sondern die Dame setzt ein Kopfgeld aus, einen Preis für einen Mord: eine Milliarde für ein Menschenleben.
Grundlage meiner Arbeit ist die Fassung aus dem Jahre 1980, des Buches Dürrenmatt, Friedrich: Stücke 1; Verlag Volk und Welt, Berlin 1983, die aber nur geringfügig von der Urfassung abweicht.
3. Entstehungsgeschichte
„Der Besuch der alten Dame” wurde 1955 geschrieben. Die Uraufführung fand am 29. Januar 1956 im Schauspielhaus Zürich statt und errang einen Welterfolg. Komödie der Hochkonjunktur hieß ein früherer Untertitel des Stücks. Im Jahre 1980 erschien eine Neufassung mit Anmerkungen des Autors im Rahmen der Gesammelten Werke Dürrenmatts. In seinem Nachwort erläutert Dürrenmatt die Gründe für die Notwendigkeit einer überarbeiteten Bühnenfassung.
Er hätte schließlich wenige von seinen Stücken für die Bühne geschrieben, sie seien für den Leser bestimmt gewesen. Deshalb war es an der Zeit ein paar Veränderungen vorzunehmen, um die Aufführung der Werke auf einer Bühne leichter zu machen: z. B. die Szene in Ill’s Laden musste erheblich verkürzt werden um die Dynamik des Stückes und die Spannung beizubehalten. „Auf die gegenwärtige Zeit wird nicht angespielt, wohl aber spielt die gegenwärtige Zeit auf.” 1 In Bezug auf die damalige Situation in Europa sind zehn Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges vergangen und Europa steht teilweise noch in Trümmern. „Die Notbremse zieht man nie in diesem Lande; auch wenn man in Not ist”, sagt der Zugführer am Anfang des ersten Aktes (S. 371).
4. Begriffsdefinitionen
4.1 Das Groteske
Befragt man ein Standardlexikon hinsichtlich der Begriffe um das Groteske, findet man u. a. folgende Definitionen:
- grotesk [
- grotesk (ital.), wunderlich, seltsam, verzerrt 3
- Groteske, 2) Form der Dichtung, die Komisches und Phantastisches miteinander verbindet 4
6
4.2 Das Paradoxe
- paradox (gr.), widersprüchlich, widersinnig 5
4.3 Paradoxe und groteske Elemente
Das Paradoxe spielt in Dürrenmatts Denken eine bedeutende Rolle. Er zieht ganz bewusst den unglaublichen Zufall der alltäglichen Normalität vor, denn das Theater braucht Extremfälle, damit der Mensch darstellbar wird. Extremes ereignet sich nun gleich mehrfach in Güllen: Über die Jahre hin kauft eine Milliardärin eine ganze Stadt auf - und keiner merkt etwas. Die Dame überlebt ihren steinreichen ersten Ehe mann, Autounfälle und Flugzeugabstürze und ist nach 45 Jahren noch so von Hass erfüllt, dass sie eine Milliarde auf den Kopf ihres ehemaligen Geliebten aussetzt. Dabei bleibt die Logik oft auf der Strecke, ja sie wird mit ihren eigenen Mitteln in ihr Gegenteil verkehrt, eben paradox.
Die Aussagen, Verhaltensweisen und Handlungen der Figuren erscheinen widersinnig, weisen aber zugleich auf eine höhere Wahrheit hin. Dürrenmatts Paradoxien erschüttern unseren Glauben an Logik und Vernunft und zeigen uns die Welt als eine Welt von Irrationalitäten. Damit das Paradoxe auf der Bühne veranschaulicht werden kann, gibt Dürrenmatt ihm die Gestalt des Grotesken. Das Groteske bedeutet ursprünglich die Zusammenfügung von wesensfremden Elementen; im weiteren Wortsinn ist es das Bodenlose, das Unerhörte, das Monströse. In Anmerkung zur Komödie (1952) und in den Theaterproblemen (1955) hat Dürrenmatt auf die distanzschaffende Funktion des Grotesken hingewiesen und gleichzeitig dieses Phänomen als „Gesicht einer gesichtslosen Welt” bezeichnet.
Als distanzschaffendes Mittel beschreibt Dürrenmatt zunächst den „Einfall”: Durch den Einfall wird die Wirklichkeit verändert, „ins Groteske gehoben” (Theater-Schriften, S. 135). Dass der Begriff des Grotesken nicht immer mit dem des Komischen synonym sein muss, deutet Dürrenmatt an. Aus seiner Perspektive als Dramatiker kommt es ihm in erster Linie darauf an, das Groteske als objektivierendes Darstellungsmittel, als eine der großen Möglichkeiten genau zu sein, zu erkennen und einzusetzen.
Aus der rezipierenden Perspektive, d. h. für den Leser oder Zuschauer, ergibt sich durch dieses Darstellungsmittel allerdings gerade das Gegenteil eines genauen oder eindeutigen Eindrucks. Für ihn trägt die groteske Erscheinung ein Doppelgesicht, auf das er sowohl durch Grauen wie durch befreiendes (distanzschaffendes) Gelächter reagieren kann. Erst der Kontext wird den Ausschlag für die unmittelbare Wirkung auf den Rezipienten geben.
Als vorzügliches Beispiel solch grotesker Zweideutigkeit lässt sich die Figur der Claire Zachanassian anführen. Das Lebendige und das Tote, das Natürliche und das Künstliche sind in ihrer Erscheinung
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im wahrsten Sinne des Wortes zusammenmontiert; sie trägt zugleich die Züge einer Rachegöttin und einer sehnsüchtig Liebenden; sie ist abgebrüht - mit allen Wassern gewaschen - und doch unheilbar tief verletzt.
5. Die literarische Gattung der Tragikomödie
5.1 Tragödie
- Tragödie [
Die Tragödie (gr. tragodia), Trauerspiel, Drama, das in seinem Handlungsverlauf den Helden in einen schicksalhaften Konflikt stürzt und die daraus entstehende Schuld in irgendeiner Form auflöst. Die Auflösung kann auf 2 Arten erfolgen: Entweder wird die Schuld durch einen höheren Eingriff getilgt oder der Dichter lässt der notwendigen Verschuldung eine ebenso notwendige Vernichtung des Helden folgen. Die - teilweise selbstgewollte - Vernichtung des Helden stellt die ewige Gerechtigkeit wieder her und gibt dem Helden Gelegenheit, seine Charaktergröße zu beweisen. In der Tragödie der Neuzeit erscheint weniger die Gegensätzlichkeit von Mensch und Göttlichem als der in der Individualität angelegte zwischenmenschliche Konflikt. 7
5.2 Komödie
- Komödie [
- Dramenform, die im Gegensatz zur Tragödie nicht erschüttert, sondern durch Komik befreit, hebt sich durch ihre kritisch-entlarvende Wirkung und die eindringliche Erfassung geistiger Hintergründe vom Lustspiel ab. Die komische Handlung wird erzielt durch Konfrontation der Normalität mit einem ungwöhnlichen Ereignis. 9
Die Komödie (gr.); Gestaltung eines Konflikts oder Scheinkonflikts, der meist auf komischen Charakteren oder Situationen beruht und dessen Lösung menschliche Schwächen und Unzulänglichkeiten heiter überlegen aufzeigt, spöttisch entblößt oder den Konflikt ad absurdum führt. Sie ist meistens ein Schauspiel, das überwiegend Komik, Humor oder Witz enthält und in dem alles ein gutes Ende nimmt. Die Komödie will in der Gesamtheit ihres Verlaufes zum Lachen reizen; dabei können einzelne Szenen durchaus ernster Natur sein. 10
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Arbeit zitieren:
Melanie Zwadlo, 2004, Dürrenmatt, Friedrich - Der Besuch der alten Dame - Analyse der sprachlichen und stilistischen Darstellungsmittel, München, GRIN Verlag GmbH
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