I
Inhaltsverzeichnis
Abkürzungsverzeichnis. II
1 Einführung 1
1.1 Problemstellung. 1
1.2 Vorgehensweise 1
2 Begriff der Konvergenz 1
3 Beobachtete Grundtendenzen der Anpassung zwischen Ost- und
Westdeutschland. 3
3.1 Pro-Kopf-Einkommen 4
3.2 Arbeitsproduktivität 6
3.3 Löhne und Arbeitsmarkt. 8
3.4 Transfers und Verschuldung 9
3.5 Investitionen 10
4 Wachstumstheoretische Zusammenhänge: ein endogenes Zwei-Regionen-
Wachtumsmodell (Funke/Strulik, 2000) 11
4.1 Das Modell 11
4.2 Implikationen für die Entwicklung Ostdeutschlands 17
4.3 Ergänzungen: Aufhebung des vollkommenen Marktes 18
5 Stellungnahme des SVR. 21
6 Schlussbetrachtung 22
II
Abkürzungsverzeichnis
AAÜG Anspruchs- und Anwartschaftsüberführungsgesetz
AQ Arbeitslosenquote
bzw. beziehungsweise
c.p. unter sonst gleichen Bedingungen (ceteris paribus)
ca. zirka
d.h. das heißt
gem. gemäß
o.g. oben genannte
o.Jg. ohne Jahrgang
o.V. ohne Verfasser
p.a. pro Jahr (per annum)
sog. so genannte(n)
TFP. Totale Faktor-Produktivität
z.B. zum Beispiel
m E meines Erachtens
III
Symbolverzeichnis
a finanzieller Wohlstand
b , β Konstanten
α ( α ) Produktionselastizität des Kapitals (der Arbeit/der Infrastruktur)
1
A Bestand an technischem Wissen
c Konsum pro Haushalt
δ Abschreibungsrate auf Kapital
ε Fiskalpolitik
E Index für Ostdeutschland
γ Wachstumsrate (bezogen auf den jeweiligen Index)
G öffentliches Kapital
G & Veränderung des öffentlichen Kapitals im Zeitablauf
I Investition
j Index für die privaten Haushalte
k & Veränderung des privaten Kapitals im Zeitablauf pro Unternehmung
K privates Kapital
l Arbeit pro Unternehmung
λ relative Bevölkerungszahl Ostdeutschlands
relative Anzahl der beschäftigten Arbeiter Ostdeutschlands
λ
L Arbeit (Anzahl der beschäftigten Arbeiter)
L ˆ Bevölkerungszahl
q Anteil des produzierten Einkommens, der in öff. Kapital investiert wird
r Faktorpreis des Kapitals
r durchschnittlicher Zinssatz
ρ Zeitpräferenzrate der privaten Haushalte
s Sparquote
σ intertemporale Substitutionselastiziät
S Sparen
t Periodenindex
IV
τ Steuersatz
θ , 2 θ Maße für die Rückständigkeit Ostdeutschlands
u Arbeitslosenquote
U Nutzen der privaten Haushalte
Barwert der Gewinne der Unternehmen nach Steuern
V) 0 (
w Faktorpreis der Arbeit
W Index für Westdeutschland
x Anteil westdeutscher Steuereinnahmen, der als Transfers in den Osten fließt
y Ausbringung/produziertes Einkommen pro Unternehmung
Y aggregierte(s) Ausbringung/produziertes Einkommen
Z Transferzahlung
Konvergenz und Strukturwandel in Ostdeutschland 1
1 Einführung
1.1 Problemstellung
Die vorliegende Seminararbeit soll Aufklärung leisten, ob und inwiefern sich der Osten Deutschlands seit dem Mauerfall am 09. November 1989, der Übernahme des Rechts-, Wirtschafts- und Sozialsystems ab Mai 1990 und der Vereinheitlichung der Währung am 01. Juli 1990, dem Westen ökonomisch angenähert hat und - wenn es hierfür Evidenz gibt - wie schnell sich der Anpassungsprozess (Konvergenz) vollzieht. Es wird hierbei von einem sich auf die mögliche Angleichung auswirkender Strukturwandel seit der Wende als notwendige Voraussetzung ausgegangen, da ein 1 solcher mit jedem Wachstumsprozess verbundenen ist. Ferner soll untersucht werden, welche
Rolle dem Staat als Anbieter produktiver Leistungen in der Zeit nach der „unblutigen Revolution“
im Jahre 1989, die die ehemalige DDR und die alten Bundesländer Deutschlands zu einem gemein- samen Wirtschaftraum werden ließ, zukommt. Da hierbei zwei Regionen ein und desselben Landes betrachtet werden, entfällt eine Berücksichtigung von Ausgleichsmechanismen durch Wechselkurs- reaktionen. Außerdem werden Mobilitätshemmnisse, die bei der Betrachtung isolierter Volkswirt- schaften durch rechtspolitische Reglementierungen zum Tragen kommen, sowie internationale Kapitalbewegungen nicht explizit berücksichtigt.
1.2 Vorgehensweise
Zunächst soll im zweiten Teil geklärt werden, was im Sinne der darauf folgenden Ausführungen unter Konvergenz zu verstehen ist. Anschließend wird im dritten Teil auf Basis empirischer Daten retrospektiv auf die Entwicklung Ostdeutschlands in der vergangenen Dekade eingegangen. Da es sich bei Konvergenz um einen langfristigen Prozess handelt, wird im dritten Teil weniger Wert auf eine tagesgenaue Aktualität sowie absolute Präzision der Daten (zumal sich volkswirtschaftliche Daten oftmals auf Schätzungen beziehen) gelegt. Vielmehr sollen im Rahmen dieses ausschließlich deskriptiven Teils ex-post Grundtendenzen herausgearbeitet werden. Hiervon ausgehend werden im fünften Teil - im Anschluss an die im vierten Teil vorgestellten modelltheoretischen Konzepte und Untersuchungen - eine Beurteilung der bisherigen Entwicklung sowie eine nach vorne gerichtete Betrachtung des Anpassungsprozesses in Anlehnung an die Ausführungen des SVR vorgenommen.
Im sechsten Teil folgt dann eine Schlussbetrachtung.
2 Begriff der Konvergenz
Konvergenz kann als eine Annäherung einer Volkswirtschaft an sein langfristiges Steady-State-Wachstum, d.h. - theoretisch gesprochen - an einen Zustand in dem alle Variablen mit einer kon- 1 Auf detaillierte Darstellung des Strukturwandels wird in den folgenden Ausführungen verzichtet. Zwar verraten
wirtschaftliche Aggregate - auf deren Betrachtung sich die vorliegende Seminararbeit beschränken soll - wenig über
die Quellen des Wachstums, allerdings würde beispielsweise die Einbeziehung der Produktionszerlegung in Sekto-
ren, die eine umfassende Beschreibung des Strukturwandels bedingt, den Rahmen dieser Seminararbeit sprengen.
Konvergenz und Strukturwandel in Ostdeutschland 2 2 stanten (zeitinvarianten) Wachstumsrate wachsen, definiert werden. Allerdings macht es vor dem
Hintergrund eines - zwar durch die Wiedervereinigung geschaffenen gemeinsamen (einzigen), durch die noch vor 13 Jahren grundverschiedenen Wirtschaftsordnungen dieser beiden Regionen jedoch von wesentlichen beobachtbaren Unterschieden ökonomischer Größen geprägten - Wirtschaftsraums Gesamtdeutschland durchaus Sinn, der Frage nach raumwirtschaftlicher Konvergenz nachzugehen. Anders gesagt, wird in dieser Arbeit der Begriff als eine interregionale Angleichung relevanter wirtschaftlicher Größen in einem Zwei-Regionen-Modell verstanden, in dem eine ärmere und eine reichere Region hin zu einem gemeinsamen Wachstumspfad konvergieren - oder eben 3 nicht. Geht man davon aus, dass sich die Ökonomien, die diese beiden Regionen darstellen, in ihren Pro-Kopf-Charakteristika bis auf das (die) anfängliche Einkommen (bzw. Kapitalausstattung) 4 pro Kopf gleichen, müsste in einer neoklassischen Welt (insbesondere auf Grund abnehmender
Grenzerträge des Kapitals) Konvergenz in diesem Sinne zu beobachten sein, da dann die ärmere Region schneller wächst als die Reichere - und sie letztlich einholt (absolute β -Konvergenz). 5
Anders gesagt handelt es sich bei absoluter β -Konvergenz um die Abnahme interregionaler
Wachstumsratenabstände. Bei inhomogenen Regionen müssen die Effekte unterschiedlicher Steady-State-Werte berücksichtigt werden. Werden also weitere (Kontroll-)Variablen außer dem anfänglichen Pro-Kopf-Einkommen(-Kapitalbestand), wie z.B. Sparquoten oder Bildungsstände einbezogen und besteht hierbei ebenfalls negative Korrelation zwischen Wachstumsrate und Ausgangposition (die unterentwickelte Region wächst schneller als die höher Entwickelte), so spricht man von bedingter β -Konvergenz, wobei jede Region zu seinem eigenen Steady-State konvergiert. In dieser Arbeit wird allerdings von absoluter β -Konvergenz ausgegangen. Betrachtet man Streuun- z.B. die der logarithmierten Pro-Kopf-Einkommen zwischen den Ökonomien, so handelt es sich um σ -Konvergenz bzw. -Divergenz, allerdings herrschen hierbei verschiedene Meinungen, worauf sich σ -Konvergenz bezieht: eine im Zeitablauf fallende Streuung (der Pro-Kopf-Einkommen) oder die Konvergenz der Streuung (der Pro-Kopf-Einkommen) gegen einen Steady-State-Wert. Versteht man unter σ -Konvergenz Konvergenz der Streuung gegen einen Steady-State-Wert, ist β -Konvergenz äquivalent mit σ -Konvergenz. Gem. der eingangs genannten Defi- 2 EinSteady-State-Gleichgewicht muss allerdings nicht eindeutig sein, wie es sich beispielsweise aus dem sog. AK-Modell ergibt, vgl. beispielsweise Barro/Sala-i-Martin 1999, S. 141 ff.. Außerdem kann es - auch unter der Annahme
einer neoklassischen Produktionsfunktion - im Modell überlappender Generationen zu einem multiplen Wachstums- kommen.
3 In Anlehnung an das in Teil 4 beschriebene Zwei-Regionen-Modell von Funke/Strulik wird im modelltheoretischen
Teil dieser Arbeit davon ausgegangen, dass sich die reichere Region - Westdeutschland - bereits zur Wende im
Steady-State befand.
4 Im Zentrum eines neoklassischen Wachstumsmodells stehen die Annahmen bezüglich der Produktionsstruktur. Die
Produktionsfunktion weist positive, abnehmende Grenzerträge bezüglich aller Produktionsfaktoren sowie konstante
Y = Skalenerträge auf und erfüllt überdies die sog. Inada-Bedingungen (sei z.B. , dann muss ) , ( L K F
∞ = = , gelten). F lim lim 0 lim lim F
→ ∞ → ∞ → L K L K L K 0 L K
5 Es sei angemerkt, dass es auch andere raumwirtschaftliche Konvergenzhypothesen gibt, z.B. die des „Advantage of
Backwardness“, die Besagt, dass die unterentwickelte Region die technologisch hoch entwickelte Region durch die
Imitation von Produktionsprozessen einholt.
Konvergenz und Strukturwandel in Ostdeutschland 3
nition von Konvergenz, wäre die zweite Auffassung von σ -Konvergenz korrekt, jedoch - und hieran schließen sich die folgenden Ausführungen an - überwiegt in der Literatur erstere. Diese Festlegung hat zur Konsequenz, dass β -Konvergenz notwendig, aber nicht hinreichend für σ - 6 Konvergenz im Sinne dieser Arbeit ist.
3 Beobachtete Grundtendenzen der Anpassung zwischen Ost- und West-
Trotz der umstrittenen wirtschaftlichen Lage Ostdeutschlands zum Zeitpunkt der Wiedervereini- 7 gung auf Grund gefälschter Statistiken, kann zunächst festgehalten werden, dass Ost- und West- 8 deutschland zu Zeiten der DDR zwischen 1950 und 1989 stark divergierten, was für Ostdeutschland grundsätzlich eine schlechte Ausgangslage nach der Wiedervereinigung darstellte. Während des Zeitraums zwischen 1950 und 1989 wurden kaum (Ersatz-)Investitionen getätigt, da ein großer 9 Teil des Volkseinkommens „verkonsumiert“ wurde. Dieser nachhaltige Abbau der Substanz der
Standortes DDR wurde bis heute nicht kompensiert und die neuen Bundesländer sind - dies sei 10 vorweggenommen - auch weiterhin auf Transferzahlungen aus dem Westen angewiesen, auch
wenn bis zum Jahre 1998 bereits etwa 502 Mrd. DM (257 Mrd. Euro) in Preisen von 1995 für Net- 11 to-Ausrüstungsinvestitionen nach Ostdeutschland flossen, was etwa einem heutigen Bruttoinlandsprodukt Ostdeutschlands entspricht und damit den zur Wende nahezu vollständig entwerteten 12 ostdeutschen Kapitalbestand stark ausweitete bzw. erneuerte. Nach dem wirtschaftlichem Zusammenbruch in Folge der Wende in Verbindung mit einer Produktionssenkung um zwei Drittel 13 innerhalb von eineinhalb Jahren, die durch einen Nachfrageschock nach ostdeutschen Gütern
ausgelöst wurde, schien die Konvergenzgeschwindigkeit anfangs die ohnehin als sehr hoch Prog- 14 nostizierte zu übertreffen und wurde als „weltweit einmalig“ bezeichnet, allerdings resultierte die
hiermit einhergehende Erhöhung des Lebensstandards (gemessen an Konsumausgaben) der ostdeutschen Bevölkerung nicht aus allgemeinen Produktivitätssteigerungen, sondern aus den enormen 15 Transferzahlungen aus dem Westen. Insgesamt betrugen die Transfers etwa 1,2 Billionen DM
6 Zu den Konzepten von β - und σ -Konvergenz vgl. beispielsweise Barro/Sala-i-Martin 1999, S. 26 ff.
7 Vgl. Tietmeyer 2003, S. 26.
8 Das Pro-Kopf-Einkommen der DDR fiel bis auf wenige Perioden nahezu monoton von ca. 65 % im Jahre 1950 auf
ca. 45 % des westdeutschen Niveaus im Jahre 1989.
9 Vgl. Milbradt 1998, S. 185.
10 Vgl. SVR 2002, S. 177, Burda/Hunt 2001, S. 11. Da dieser Zustand an das italienische Mezzogiorno erinnert, wird
der Osten Deutschlands in Literatur auch häufiger mit dieser - unterhalb von Rom (einschließlich Sizilien) liegenden
- Region verglichen.
11 Ausrüstungen werden von Burda und Koautorin als der „Flaschenhals“ und somit als der entscheidende Faktor für
ökonomisches Wachstum bezeichnet, vgl. Burda/Hunt 2001, S. 19.
12 Vgl. Brainard/Perry 2001, S. xi.
13 Burda/Hunt 2001, S. 5.
14 Vgl. Milbradt 1998, S. 185.
15 Vgl. Steiner/Wagner 1997, S. 1.
Arbeit zitieren:
Dipl.-Kfm. Mathias F. Brinker, 2004, Konvergenz und Strukturwandel in Ostdeutschland, München, GRIN Verlag GmbH
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