Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung -3-
2. Erklärungsansätze gesundheitlicher Ungleichheit bei Kindern und Jugendlichen -4-
2.1 Erklärungsmodell gesundheitlicher Ungleichheit nach Elkeles/Mielck -5-
2.2 Erklärungsmodell der Beziehung von Armut und Krankheit bei -7-
Kindern nach Mielck
2.3 Modell des Zusammenhangs zwischen sozialer Benachteiligung und -9-
Kindergesundheit
3. Empirische Ergebnisse zum Bereich gesundheitliche Ungleichheit und Ernährung -11-
3.1 Gesundheitliche Ungleichheit und Ernährung bei Kindern und -11-
Jugendlichen - Datenlage
3.2 Empirische Ergebnisse zum Ernährungsverhalten von Kindern -13-
und Jugendlichen nach sozialer Schicht
3.2.1 Auswertungsergebnisse des Projektes Beobachtungsgesundheitsämter -13-
des Landesgesundheitsamts Baden-Württemberg
3.2.2 Ergebnisse aus der Kieler Adipositas Präventionsstudie -14-
3.2.3 Ergebnisse des „Health Behaviour in School-Aged -15-
Children “-Surveys (HBSC-Survey)
3.2.3.1 Operationalisierung und Erhebung von „sozialer -16-
Ungleichheitslage “ und „Ernährungsverhalten“
3.2.3.2 Ergebnisse zum Ernährungsverhalten Jugendlicher nach -16-
sozialer Ungleichheitslage
3.2.4 Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse zum Ernährungs- -19-
verhalten von Kindern und Jugendlichen nach sozialer Schicht
3.3 Empirische Ergebnisse zur Prävalenz ernährungsabhängiger Erkrankungen -19-
nach sozialer Schicht
3.3.1 Zahngesundheit bei Kindern nach sozialer Schicht -20-
3.3.2 Häufigkeit vo n Übergewicht /Adipositas nach sozialer -23-
Schicht
4. Schlussbetrachtung -25-
Literatur verzeichnis -28-
- 2 -
1. Einleitung
Von sozialer Benachteiligung sind in den letzten Jahren zunehmend Kinder und Jugendliche betroffen. So stellt der Elfte Kinder- und Jugendbericht fest, dass ein wachsender und im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung überproportional hoher Anteil der Kinder und Jugendlichen von Armut betroffen ist (BFSFJ, S.138). „Haushalte mit Kindern verzeichnen eine unterdurchschnittliche Einkommensentwicklung sowie eine überproportionale Betroffenheit von Einkommensarmut“ (BFSFJ, S. 141).
Vor diesem Hintergrund gewinnt es an Bedeutung die Frage zu betrachten, inwieweit sich hieraus auch gesundheitliche Folgen für Kinder und Jugendliche ergeben.
Dieser Zusammenhang wird in der Literatur unter den Begriff „gesundheitliche Ungleichheit“ gefasst. Der Begriff umfasst „alle als ungerecht empfundenen Unterschiede im Gesundheits-zustand nach Merkmalen der sozialen Differenzierung“ (Elkeles/ Mielck zit. nach Heien S. 1).Gesundheitliche Ungleichheit bezieht sich damit auf den Zusammenhang zwischen sozialer Ungleichheit und Gesund heitszustand in der Bevölkerung (Mielck 2000, S.17). Als „Soziale Ungleichheit“ werden hierbei soziale Unterschiede verstanden, die Menschen aufgrund ihrer Position im gesellschaftlichen Beziehungsgefüge zukommen und die Vor- und Nachteile zwischen den Gesellschaftsmitgliedern schaffen (Hradil, zit. nach Berger, S. 1). Betrachtet werden im Zusammenhang dieser Hausarbeit lediglich solche sozialen Unterschiede, die der vertikalen 1 sozialen Ungleichheit zugerechnet werden. Damit wird v.a. auf Merkmale Bezug genommen, die den sozioökonomischen Status einer Person bzw. ihre Schichtzugehörigkeit beschreiben.
Im Rahmen dieser Hausarbeit soll hierbei insbesondere beleuchtet werden, welche Bedeutung der Ernährung für die Entstehung gesundheitlicher Ungleichheit bei Kindern und Jugendlichen zukommt.
Ernährung ist ein wichtiger Aspekt für die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Eine ausgewogene Ernährung ist Voraussetzung für eine gesunde körperliche Entwicklung von Kindern und Jugendlichen und beugt ernähr ungsabhängigen Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter vor (MFJFG 2002b, S. 3).Ungünstige Ernährungsweisen, die im Kindesalter erworben wurden, werden zudem oft im Erwachsenenalter beibehalten, so dass Ernährungssituation und -gewohnheiten im Kindesalter auch hinsichtlich der Gesundheit im Erwachsenenalter von Bedeutung sind (MFJFG 2002b, S. 3).
Vor dem Hintergrund der formulierten Fragestellung soll insbesondere betrachtet werden, wie sich die soziale Lage von Kindern und Jugendlichen auf die Ernährung auswirkt. Es stellt sich also die Frage, ob die Ernährung von Kindern und Jugendlichen nach sozialer Schicht unterschiedlich stark von einer gesundheitsförderlichen Ernährungsweise 2 abweicht und wie diese Unterschiede erklärt werden können. Weiterhin wird zu betrachten sein, inwieweit bei
1 Vertikal bedeutet hier, dass diese Merkmale eine hierarchische Untergliederung der Bevölkerung ermöglichen - im Sinne einer „Unterteilung der Bevölkerung in oben und unten“ (Mielck 2000, S.18).
Soziale Ungleichheit kann jedoch auch zwischen Gruppen bestehen, die sich hinsichtlich anderer Merkmale unterscheiden.
So kann die Bevölkerung auch anhand von Merkmalen wie Alter, Geschlecht und Nationalität unterteilt werden. Die
zwischen diesen Gruppen bestehenden sozialen Ungleichheiten werden als horizontale soziale Ungleichheit (Mielck 2000,
S.18) bezeichnet.
2 verstanden im Sinne der DGE (DGE 2001, S. 1f).
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Kindern und Jugendlichen Unterschiede im Vorkommen ernährungsabhängiger Erkrankungen nach sozialer Schicht bestehen.
Hierzu wird zunächst betrachtet werden, inwieweit theoretische Ansätze zur Erklärung gesundheitlicher Ungleichheit den Aspekt Ernährung berücksichtigen bzw. es zulassen den Aspekt Ernährung in ihren Erklärungszusammenhang zu integrieren. Hierbei wird zu untersuchen sein, inwieweit sich aus diesen Erklärungsansätzen theoretisch begründete Aussagen hinsichtlich der formulierten Fragestellung ableiten lassen. Anschließend wird betrachtet werden, inwieweit Ergebnisse aus empirischen Studien vorliegen, die Aussagen zum Bereich gesundheitliche Ungleichheit und Ernährung bei Kindern und Jugendlichen zulassen. Nachfo lgend wird ausgeführt werden, inwieweit in empirischen Studien Unterschiede in der Ernährung von Kindern und Jugendlichen sowie hinsichtlich der Prävalenz ernährungsabhängiger Erkrankungen nach sozialer Schicht gefunden wurden.
2. Erklärungsansätze gesundheitlicher Ungleichheit bei Kindern und Jugendlichen Zwar gibt es eine Vielzahl von Ansätzen, die versuchen den Zusammenhang zwischen
sozialer Ungleichheit und Gesundheit zu erklären. Es hat sich jedoch bisher kein „integriertes Konzept“ (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, S. 222) zur Erklärung gesundheitlicher Ungleichheit durchgesetzt. Auch wenn der Zusammenhang empirisch gut belegt ist, wird die Erklärung gesundheitlicher Ungleichheit als „noch recht ungewiss“ (Barlösius, S.280) betrachtet. Auch Mielck/ Helmert sehen die Erklärung gesundheitlicher Ungleichheit „noch in den Kinderschuhen.“(Mielck 1998, S. 62).
Da eine Vielzahl von Erklärungsansätzen insbesondere die Effekte von Arbeitsbedingungen und Arbeitsbelastungen ins Zentrum ihrer Betrachtung stellen (Mielck 2000, S. 171) sind diese nur wenig aussagekräftig für die Erklärung gesundheitlicher Ungleichheit bei Kindern und Jugendlichen. Sicherlich wirken sich die Arbeitsbedingungen und -belastungen, unter denen die Eltern bzw. andere Bezugspersonen der Kinder stehen, mittelbar auch auf die Kinder aus und bestimmen maßgeblich ihre Lebensbedingungen. Auch dürften bei Jugendlichen die ersten Kontakte mit der Berufswelt und die Auseinandersetzung mit dem Eintritt in die Berufswelt auch Auswirkungen auf die Gesundheit der Jugendlichen haben. Da Kinder und Jugendliche Arbeitsbelastungen meist noch nicht unmittelbar ausgesetzt sind, sind diese Ansätze aber insgesamt nur sehr eingeschränkt zur Erklärung gesundheitlicher Ungleichheit bei dieser Altersgruppe geeignet.
Die vorliegenden Modelle berücksichtigen zudem den Aspekt Ernährung nur selten (Barlösius, S. 98). So betrachten Mielck/ Helmert es als bisher unklar „welchen Einfluss die Ernährung auf die Entstehung gesundheitlicher Ungleichheit ausübt“ (Mielck 1998, S.62). Eine differenzierte Betrachtung des Aspektes Ernährung bzw. eine Erklärung welche Rolle Ernährung innerhalb der gesundheitlichen Ungleichheit zukommt, leistet somit auch Mielck nicht. Hinsichtlich der empirisch gefundene n Unterschiede in der Ernährung von Jugendlichen nach sozialer Schicht merkt er lediglich an: „Unklar bleibt, warum diese schichtspezifischen Unterschiede in der Ernährung vorhanden sind, ein Grund ist vermutlich das Ernährungsverha lten der Eltern“ (Mielck 2001, S. 244).
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Trotz dieses Mangels an theoretischen Ansätzen und Modellen, die zu Erklärung des betrachteten Gegenstandsbereiches geeignet erscheinen, werden im Folgenden einige der vorliegenden Modelle zur Erklärung gesundheitlicher Ungleichheit näher betrachtet werden. Dabei wird zu prüfen sein, inwieweit der Aspekt Ernährung innerhalb des Erklärungsansatzes explizit berücksichtigt wird und ob eine Übertragung des Modells auf den betrachteten Problembereich möglich ist. Abschließend wird einzuschätzen sein, inwieweit die angeführten Erklärungsansätze es ermöglichen die Frage nach der Bedeutung des Aspekts „Ernährung“ für die Entstehung gesundheitlicher Ungleichheit bei Kindern und Jugendlichen vor ihrem Hindergrund zu beleuchten.
2.1 Erklärungsmodell gesundheitlicher Ungleichheit nach Elkeles / Mielck Elkeles und Mielck schlagen zur Erklärung gesundheitlicher Ungleichheit ein Modell vor, das insbesondere dazu dienen soll Ansatzpunkte für Maßnahmen zur Verringerung gesundheitlicher Ungleichheit aufzuzeigen (Mielck 2000, S.173). Die folgende Abbildung veranschaulicht dieses Erklärungsmodell:
Abb 1: Erklärungsmodell gesundheitlicher Ungleichheit
Quelle: Mielck 2000, S. 173
Nach diesem Modell wirken sich Merkmale der sozialen Ungleichheit (Unterschiede in Wissen, Macht, Geld und Prestige) über eine Vielzahl vermittelnder Faktoren auf Unterschiede im Gesundheitszustand (Morbidität, Mortalität) aus. So wirkt sich soziale Ungleichheit in Unterschieden der gesundheitlichen Belastungen und Bewältigungsressourcen, in Unterschieden der gesundheitlichen Versorgung sowie im Gesundheitsverhalten aus. Diese vermittelnden Faktoren stehen untereinander in Beziehung. Das Bedingungsgefüge dieser vermittelnden Faktoren bestimmt die Unterschiede in Morbidität und Mortalität. Das Modell weist auch darauf hin, dass soziale und gesundheitliche Ungleichheit sich gegenseitig beeinflussen. So wirken auch Unterschiede in Morbidität und Mortalität auf die soziale Ungleichheit zurück (vgl. nach oben gerichteter Pfeil), da „ein schlechter Gesundheitszustand einen sozialen Abstieg wahrscheinlicher macht“ (Mielck 2000, S. 174).
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Dieses Modell bezieht sich nicht explizit auf die Erklärung der gesundheitlichen Ungleichheit bei Kindern. Allerdings wäre eine Anwendung des Modells für die Erklärung des Zusammenhangs von sozialer Ungleichheit und Gesundheit bei Kindern möglich, da es sich um ein Modell handelt, das nicht primär Aspekte der Arbeitswelt thematisiert.
Auch der Aspekt „Ernährung“ lässt sich in dieses Modell einordnen und im Rahmen des Modells thematisieren. Zum einen wird Ernährung innerhalb des Modells unter „Unterschiede im Gesundheitsverhalten“ explizit benannt. Das Modell gibt damit eine erste Einordnung, welche Rolle Ernährung im Bedingungsgefüge der gesundheitlichen Ungleichheit zukommt. Zum anderen lassen sich auch weiteren Dimensionen des Modells ernährungsspezifische Konkretisierungen zuordnen. Betrachtet man das Modell unter ernährungsspezifischem Blickwinkel, so können beispielsweise „Unterschiede im Wissen“ in unterschiedlichem Wissen über gesunde Ernährung bestehen. Unterschiede in der Verfügbarkeit von „Geld“ bestimmen die finanziellen Möglichkeiten frische, hochwertige und abwechslungsreiche Lebensmittel einzukaufen. Die Dimension „Gesundheitliche Ungleichheit“ umfasst unter einer ernährungsbezogenen Betrachtung Unterschiede in der Prävalenz ernährungsabhängiger Erkrankungen. Somit wäre eine Übertragung dieses Modells auf einen ernährungsrelevanten Teilbereich denkbar.
Da das Modell jedoch durch seine Einfachheit nur einen begrenzten Erklärungsgehalt hat, ist eine Ableitung umfassenderer Aussagen für die hier untersuchte Fragestellung nicht möglich.
2.2 Erklärungsmodell der Beziehung von Armut und Krankheit bei Kindern nach Mielck In Anwendung auf die Gruppe der Kinder und Jugendlichen entwirft Mielck das folgende Modell, das den Zusammenhang von Armut und erhöhter Morbidität veranschaulicht :
Abb. 2: Modell der Verknüpfung von Armut und Krankheit
Quelle: Mielck 2001, S. 251
Nach diesem Modell führt Armut zu einer erhöhten gesundheitlichen Gefährdung von Eltern und Kindern. Vermittelt durch die Dimensionen „Lebensbedingungen“, „Gesundheitsverhalten“ und „gesundheitliche Versorgung“ wirkt Armut sich in einer erhöhten
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Morbidität der Kinder aus. Der gestrichelte Pfeil veranschaulicht auch hier den Punkt, dass eine erhöhte Morbidität zu einem „Abgleiten in Armut“( Mielck 2001, S. 251) führen kann. 3
Auch bei diesem Modell ist es möglich den Aspekt „Ernährung“ in den Erklärungszusammenhang einzuordnen. Zum einen wird „Ernährung“ in diesem Modell explizit als ein Teilbereich des Gesundheitsverhaltens berücksichtigt. Das Modell veranschaulicht, dass die soziale Lage das Ernährungsverhalten beeinflusst und hierüber zu einer erhöhten gesundheitlichen Gefährdung vo n Eltern und Kindern beiträgt. Das durch die soziale Lage beeinflusste Ernährungsverhalten kann sich letztlich in einer erhöhten Morbidität der Kinder auswirken.
Es ist jedoch auch möglich das gesamte Modell unter einem ernährungsbezogene n Blickwinkel zu lesen: Armut wirkt sich so bspw. auch über die „Lebensbedingungen“ auf die Ernährung von Kindern aus. Dies umfasst u.a. die Einkaufsmöglichkeiten in der Wohnumgebung (u.a. Art der in der Nähe vorhandenen Geschäfte, Entfernung zu den Geschäften, Öffnungszeiten) sowie die Gegebenheiten innerhalb der Wohnung, die Einfluss auf die Ernährung nehmen (Einrichtung und Ausstattung der Küche, Vorhandensein eines Essplatzes für gemeinsame Mahlzeiten u.a.).
Aus Sicht der Kinder gehört auch das Angebot an Lebensmitteln bzw. Gerichten, die durch die Betreuungspersonen angeboten werden, zu den „Lebensbedingungen“. Dies umfasst u.a.: welche Mahlzeiten und Gerichte zu Hause in welcher Form angeboten werden; welche Lebensmittel für die Kinder frei verfügbar sind, (d.h. ob beispielsweise eine immer gefüllte„Süßigkeitenschublade“ vorhanden ist oder frisches Obst angeboten wird); ob Mahlzeiten häufig außer Haus eingenommen werden und in welcher Form die Versorgung des Kindes gewährleistet wird (Mitgabe von Essensgeld, Essen bei Freunden / Nachbarn, Versorgung in Kita / Schule).
Auch die Unterschiede in der „gesundheitlichen Versorgung“ können sich auf die unterschiedlich hohe Prävalenz ernährungsbezogener Erkrankungen auswirken. So kann z.B. bei der Inanspruchnahme der Vorsorge untersuchungen rechtzeitig auf Über- oder Untergewicht des Kindes aufmerksam gemacht werden und bei Bedarf entsprechend Leistungen in Anspruch genommen werden (z.B. Teilnahme an Adipositasprogrammen, Kuren). Auch Mangel- und Fehlernährung sowie ein schlechter Zahnstatus infolge eines hohen Zuckerkonsums können bei regelmäßiger Inanspruchnahme medizinischer Leistungen rechtzeitiger erkannt werden.
Armut wirkt sich in diesem Modell letztlich in einer erhöhten Morbidität aus. Unter ernährungsbezogener Lesart bedeutet dies, dass Armut über die angeführten Unterschiede in den Lebensbedingungen, Verhalten und medizinischer Versorgung zu einer erhöhten Prävalenz ernährungsabhängiger Erkrankungen führt.
Dennoch bleibt auch bei diesem Modell der Erklärungsumfang begrenzt. Zwar wird ein grober Wirkzusammenhang zwischen grundlegenden Aspekten aufgezeigt. Das Modell ermöglicht damit eine erste Verortung des Aspektes Ernährung. Mielcks Erklärungsmodell lässt jedoch keine detaillierteren Aussagen zu Zusammenhängen und Wirkmechanismen zu. Es bleibt deutlich zu allgemein um eingehender erklären zu können, in welcher Weise sich Armut auf ernährungsrelevante Faktoren bei Kindern auswirkt und welche Bedeutung „Ernährung“ in einem Wirkzusammenhang der gesundheitlichen Ungleichheit zukommt.
3 Dieser Aspekt kommt bei Kindern allerdings erst zum Tragen, wenn das Kind schwer erkrankt, so dass hohe Kosten für die Therapie von der Familie getragen werden müssen oder ein Elternteil den Beruf aufgibt, um das Kind zu pflegen. Dieser
Zusammenhang ist daher für Erwachsene stärker ausgeprägt, da hier Morbidität und Einkommen in unmittelbarem
Zusammenhang stehen (z.B. Gefahr des Verlustes des Arbeitsplatzes bei häufiger Arbeitsunfähigkeit).
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Zudem berücksichtigt das Modell als Einflussgrössen für die Gesundheit der Kinder lediglich die Eltern. Weitere Einflussfaktoren und Bezugsgruppen (Peers, Kindergarten, Schule, Nachbarschaft, Medien u.a.) werden nicht betrachtet.
Diese Beschränkung auf grundlegende Zusammenhänge kann nicht allgemein kritisiert werden. Mielck erhebt ausdrücklich nicht den Anspruch ein umfassendes Erklärungsmodell zu liefern, dass detailliert beleuchtet welche einzelnen Elemente der Dimensionen Lebensbedingungen, Gesundheitsverhalten und gesundheitliche Versorgung von Bedeutung sind und in welcher Form sie untereinander in Beziehung stehen (Mielck 2001, S. 250). Insbesondere wenn der Bereich der gesundheitlichen Ungleichheit von Kindern betrachtet wird, sieht Mielck die Gefahr, dass ein Modell, das der Komple xität des Problems gerecht werden kann, „mehr Verwirrung als Klarheit stiftet“ (Mielck 2001, S. 250). Denn ein solches Maximal-Modell müsste letztlich auc h die gesundheitsrelevanten Dimensionen für die Eltern miteinbeziehen, da Lebensbedingungen, Gesundheitsverhalten sowie die Möglichkeiten der Inanspruchnahme gesundheitlicher Versorgung der Kinder eng mit den Eltern verbunden sind und von den häuslichen Bedingungen abhängen. Mielck bezweifelt Realisierbarkeit und praktischen Nutzen eines solchen Maximal-Modells und beschränkt sich daher auf eine Erklärungsebene, die lediglich einige grundlegende Zusammenhänge aufzeigt, um Ansatzpunkte für Maßnahmen zur Verringerung gesundheitlicher Ungleichheit bei Kindern aufzuzeigen.
Bezüglich der betrachteten Fragestellung bleibt die Aussagekraft des Modells durch seine beabsichtigte Einfachheit jedoch begrenzt. Die Frage nach der Bedeutung der Ernährung für die Entstehung gesundheitlicher Ungleichheit bei Kindern und Jugendlichen kann durch diesen Erklärungsansatz daher nicht theoretisch fundiert beantwortet werden.
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Arbeit zitieren:
Anne Kienbaum, 2003, Gesundheitliche Ungleichheit und Ernährung bei Kindern und Jugendlichen, München, GRIN Verlag GmbH
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